Die letzte Frage

Startbeitrag von Tanja am 05.09.2001 08:15

„mach es dir doch nicht so schwer! schreib doch einfach.“

zurückgelehnte ignoranz, unverständnis.

„wieso einfach. soll ich einfach schreiben? das wort? danke, das krieg ich noch hin!“

trotzig, dumm.

„tanja! du weisst schon, wie ich´s meine.“

ja, denk ich, dass weiss ich. aber irgendwie auch nicht. denn es IST nicht einfach. und ich MACHE es auch nicht schwer. das ist keine frage von machen oder nicht machen, es ist eine frage des seins. es IST schwer.

ich sag: „also, es ist nicht einfach.“

„wieso nicht?“

„es tut mir weh.“

„es ist eine arbeit wie jede andere.“

„siehst du: eben nicht!“

„deine arbeit ist das schreiben. das ist ganz einfach. ein maurer macht auch seine arbeit.“

entrüstung, unverständnis: „na, da gibt es wohl einen unterschied? die gefühle sind zu stark.....ich schaff´s nicht......“

unbeeidruckt spricht er weiter: „ach, meinst du, ein maurer hat keine gefühle?“ obwohl er nicht vor mir steht, ich nur seine stimme höre, weiss ich, wie er in diesem moment die linke augenbraue hochzieht. er hasst eliten. er mag keine überheblichkeiten.

ich weiss, ich bewege mich auf dünnem eis. vage, und selbst nicht sicher sage ich: „ein künstler ist vielleicht.......nur besser geschult im umgang mit gefühlen..........?“ nicht mal für eine aussage reicht´s, nur für eine frage.

„quatsch. nur dass künstler eben immer das melodramatische dabei brauchen. ist ja ekelhaft. leiden und schreiben. ich kotze!“

ich bin jetzt so wütend, dass ich ihn schlagen könnte. „na, und, es sind halt MEINE gefühle, und wenn ich sie nun mal habe, ist es kein quatsch. und wenn ich sie brauche, um meine aufgabe zu erfüllen, dann sind sie gut, auch wenn sie nicht gut für MICH sind.“

„reden wir jetzt vom hemingway syndrom?“

„was soll das sein?“, frage ich, hilflos, wütend, unverstanden.

„der konnte nur schreiben, wenn er besoffen war.“

„weisst du, leute wie du sind es, die mir angst machen. weil, wenn man etwas wirklich fühlt, und es dann beschreibt, und als reaktion nur unverständnis kriegt, dann macht es einen kaputt. und es liess mich lange an meiner kraft zweifeln, denn ich dachte nicht, es liegt an den menschen, sondern es liegt an meiner unfähigkeit. aber ich weiss jetzt, dass es auch menschen gibt, die mich verstehen, und die es auch fühlen, und für die muss ich es eben tun.“

schweigen.

dann, die letzte frage: „und? macht es dich glücklich?“

das war nicht fair. denn es geht nicht ums glücklichsein, es geht ja nicht um mich. es geht um einen sinn und einen zweck. trotzdem...........die letzte frage tat weh.

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