Krebsforschung in Deutschland : Gefahr im Verzug

Startbeitrag von Ticker am 01.10.2001 10:05

Krebsforschung in Deutschland: Gefahr im Verzug

Mannheim (dpa) - Vor einer Gefährdung des Forschungsstandortes Deutschland haben Experten bei der Jahrestagung der Deutschen und Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO/ÖGHO) gewarnt. Die Bestrebungen der gesetzliche Krankenkassen, sich aus der klinischen Forschung zurück zu ziehen und nicht einmal mehr die Grundversorgung der an Studien teilnehmenden Patienten zu bezahlen, seien sehr bedenklich, sagte Professor Volker Diehl am Sonntag in Mannheim. Unter den anwesenden der Tagung ist einer der Entdecker des HI-Virus, Professor Robert Gallo, der einem Vortrag über die neuesten Therapieansätze halten wird. "Die Ministerin für Forschung, Edelgard Buhlman, gibt Geld für die Studien, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zieht es dann wieder ab", meinte Diehl. Krebs sei bei Männern bis 60 Jahren die häufigste Todesursache, Fortschritte in der Medizin also überaus notwendig. Deutschland sei bisher führend bei der Krebsforschung gewesen, diese Position werde nun bedroht. Schon im Juli hätte er mit einigen Kollegen einen Brief an das Ministerium geschrieben, um einen Dialog anzuregen. "Stinksauer" sei er, weil immer noch keine Antwort erfolgt sei. "Erst wenn der Bundeskanzler selbst betroffen ist, wird etwas passieren", sagte der Experte. Es gehe um die Basisversorgung der Patienten. An die 90 bis 95 Prozent aller an Krebs erkrankten Kinder würden in solchen Studien behandelt. Rüdiger Hehlmann, Präsident des Kongresses, betonte, dass in den Studien lediglich die Grundversorgung der Patienten bezahlt werden solle. Zudem läge eine Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Therapien im Interesse aller. Die Krankenkassen hätten durch Regressforderungen an niedergelassene Ärzte, die an Studien teilnahmen, für große Verunsicherung gesorgt. "Natürlich überlegen sich auch die Verwaltungsdirektoren der Krankenhäuser, ob sie Patienten aus Studien aufnehmen, wenn ihre Tagessätze nicht garantiert sind", sagte Hehlmann. Auch Heinz Ludwig, Präsident der ÖGHO, betonte die Verpflichtung der Politik, medizinische Forschung zu unterstützen: "Rund 1,6 Millionen Menschen erkranken jährlich in Europa an Krebs. Hunderttausende könnten durch eine bestmögliche Betreuung geheilt werden", sagte er. Da heute völlig neue Möglichkeiten offen stünden, benötige die Medizin auch andere Budgets. Noch bis zum Mittwoch (3. Oktober) tagen über 2500 Teilnehmer aus Klinik, Forschung und Praxis in Mannheim. Thema wird laut Hehlmann unter anderem die Tumorimpfung und die Palliativmedizin sein, die unheilbar Kranken ihr Leiden erleichtern soll. Auch die Gen- und Stammzellenforschung stehe auf dem Programm. Sei vor zwanzig Jahren die Krebstherapie noch von den drei Säulen Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie getragen worden, hätten inzwischen multimodale Therapieansätze an Bedeutung gewonnen. Unterschiedliche Therapieformen und Medikamente würden kombiniert, zudem selektiver vorgegangen.

[www.netdoktor.de]


.
.

We are the real CancerFighters !!!

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.