die party an der börse scheint wieder vorbei zu sein

Startbeitrag von Chombo am 15.10.2008 14:55

nach langem brüten haben also anscheinend die börsianer nun doch geschlussfolgert, dass alles kacke ist und das rettungspaket nichts als halbgarer politischer aktivismus. ich frage mich nur, warum dieser denkprozess bis heute gedauert hat. habe heute irgendwo einen kommentar gelesen, der es auf den punkt brachte. Da steht: Wir fahren jetzt nicht mehr mit Vollgas auf eine Wand zu, sondern auf einen Abgrund.
ist doch immerhin ne alternative, oder?
ich lese viel im moment. lula, der boss in meinem nachbarland, kann nicht begreifen, dass die usa und europa über ein jahr gebraucht haben, um zu erkennen, in welcher scheisse sie sitzen. er findet das unglaublich. ich auch. der typ ist zwar ein linker, aber er hat einen gesunden menschenverstand. sowas schätze ich. dagegen das merkel, also ehrlich freunde, peinlicher gehts doch kaum noch. da müssen die nerven wirklich blank liegen. wollte die doch hans tietmeyer zum vorsitzenden der beratergruppe für die neuregelung des finanzmarktes machen. ausgerechnet den!
einen der aufsichtsräte der hypo real estate und ex-kontrolleur der depfa bank. na, wenn der die welt nicht retten kann, wer dann?
was noch? ach ja, us-finanzminister paulsen plant teilverstaatlichung verschiedener amerikanischer grossbanken. darunter selbstverständlich goldman sachs. das macht sinn. immerhin war er mal der boss da und ist noch im besitz von aktienoptionen im neunstelligen bereich. kapitalerhalt steht im vordergrund zur zeit. wer kanns ihm verdenken?
ach ja, vergessen wir auch eine andere kleinigkeit nicht. man hat sich zwar an verschiedenen fronten geeinigt über gewisse massnahmen, oder rettungspakete. aber ist eigentlich schon irgenwas von parlamenten abgesegnet worden? oder sind das bisher alles nur absichtserklärungen? aber das macht glaube ich sowieso keinen unterschied. ich glaube, ich kauf mir doch ne kuh. werde mal den markt sondieren.

Antworten:

hi Chombo,
bist ja richtig fleißig in den letzten Tagen,:)

Ja, unsere Politiker fallen von einem Fettnapf in den nächsten, aber dies ist man doch irgendwie schon gewohnt. Leider ist die momentane Zeit die ungünstigste dafür.
Aber, mal ehrlich, was sollen die auch machen?? Sie tsappen im Dunkeln und versuchen wohl momentan erst mal zu verstehen was hier alles auf sie zukommt. Ich denke, dass die verzweifelt versuchen zu verstehen, wie man die Bevölkerung ruhig hält. Denn, ewig wird der Glaube an die sicheren Konten nicht halten. Und wenn der Run erstmal losgeht....
Anderseits werden die Märkte bestimmt ergründen wollen, wie fest die Politik zu ihren Zusagen steht.
Und wenn man seinen Mist loswerden kann, solange man noch was dafür bekommt, solange werden sie ihre Bilanzen bereinigen. Ob es hilft, ist eine ganz andere Sache. Aber hier denkt nur noch jeder an sich. Das Allgemeinwohl interessiert da nun wirklich keinen. Ist ja auch schwer zu beziffern, was so ein Wohl ausmacht. Jeder sieht es ja aus seiner Weise.
Aber ein Test der Tiefs von letzter Woche mit evtl. noch weiter abschmierenden Kursen wird zeigen mit welcher Munition die Waffen der Großen G7 geladen sind. Es werden wohl doch eher Platzpatronen sein. Ist nur noch eine Frage ob es ein Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende sein wird.
Die Idee mit der Kuh ist zumindest aus Versorgersicht gut, wenn du sie auch ordungsgemäß anzapfen kannst um so besser.
Man soll ja seinen Humor nicht verlieren, wenn einem auch das Lachen im Halse stecken bleibt.
Aber es ist schon erstaunlich, was 1,5 Tag Erholung ausmacht. Als wenn es keinen Grund für den Absturz gibt.
Ari


von aridistan - am 15.10.2008 16:30

du bist aber auch immer so negativ :-) (oT)

.

von SpeedMaster - am 15.10.2008 21:56

ich befürchte das schlimmste

und hoffe, dass es nicht noch bis ende dieser woche zu einem totalen zusammenbruch der märkte kommt. es sieht nicht gut aus. und dabei sind die aktienmärkte wirklich das geringste problem. es fehlt wirklich nur noch ein kleiner anstoss und alles fliegt auseinander. das ganze weltfinanzsystem ist nur noch eine riesige blase ohne jede substanz im inneren. diese blase wird platzen, die frage ist nur wann. aber das wann ist meiner meinung nach keine frage von jahren mehr. mist, und ich habe immer noch keine kuh. es wird zeit.


von Chombo - am 15.10.2008 22:21

ich hab ne Kuh

oder wenigstens einen teil davon

auf den grill geworfen. sieht sehr gut aus. könnte mir vorstellen, dass es auch noch genug ist, wenn zufällig einer von euch vorbei kommt.

von Chombo - am 16.10.2008 20:24

Re: ich hab ne Kuh

Nun, danke für die Einladung, aber Erstens ist es just etwas spät und Zweitens gabs italienisch zum
Abendbrot.
Wo kann man bei uns denn so richtig gutes Rind verspeisen- hast du da einen Tip als Insider?
Oder muß man da doch den Trip runter machen?

Ansonsten: Warten auf Godo? Oder black Friday? Aber es geht aufwärts, der Ackermann verzichtet zugunsten seiner Angestellten.... Nobel, Nobel

Guts Nächtle Ari

von aridistan - am 16.10.2008 22:50

Re: ich hab ne Kuh

richtig gutes rind kannst du bei dir zu haus verspeisen. musst nur drauf achten, dass es uruguayisches hereford ist. argentinien ist fast gleichwertig oder diese handmassierten japanischen viecher, die allerdings schweineteuer sind und sehr schwer erhältlich.
argiefleisch bekommst in deutschland bei jeder metro. manchmal steht auch nur argie drauf und die sind in wirklichkeit aus uruguay. dann hast glück gehabt, weil eigentlich urufleisch etwas teurer ist.
man lässt sich hier den status als einziges maul- und klauenseuchefreies land südamerikas gut bezahlen. urufleisch ist in deutschland komischerweise nicht so gängig, dabei exportiert unser kleinstaat mehr rinder als das grosse argentinien. aber anscheinend nicht so sehr nach deutschland.
der letzte schrei soll ja amerikanischer bison sein, aber dem vernehmen nach auch nicht ganz billig.
auf jeden fall ist alles aus südamerika m klassen besser als deutsches milchvieh.
die europäer haben allerdings das problem, dass sie bei gegrilltem rind sehr auf filet, rumpsteak und hüfte fixiert sind. hier gibts andere stücke, die man bei euch leider nicht kennt. vielleicht nicht ganz so zart, aber ein geschmack zum reinsetzen. insofern lohnt also der trip schon.
geheimtip ist auch uruguayisches lamm. falls mal welches brauchst, besorg ich dir gern einen container oder zwei. absolut genial. ganzes lamm kostet hier im supermarkt knapp 3 euro das kilo. rind ist etwas teurer.
kennst die website

[www.welt-in-zahlen.de]

da kannst sehen, dass in uruguay auf 1000 einwohner 3489 rindviecher kommen.
in deutschland auf 1000 einwohner nur 160
wenn es jetzt also ganz dicke kommt, dann habe ich statistisch gesehen zugriff auf 3einhalb rinder und 3komma2 schafe. dir hingegen stehen gerade mal eine keule vom rind und vielleicht zwei lammkoteletts zu. längerfristig gesehen bin ich also der sattere von uns beiden.

und was den ackermann angeht. vielleicht weiss der einfach mehr. er sagt ja selbst, dass das jahr noch nicht zu ende ist und er den bonus nicht so genau beziffern kann, nur dass es sich um ein paar millionen handelt. nun, alles ist relativ. im moment sind ja ein paar millionen mancher leute ihr ganzes geld. aber wenn in ein paar monaten die knete fällig ist, kann sich ja die kaufkraft schon ziemlich drastisch verändert haben. vielleicht reicht ja dann sein bonus gerade mal für ne portion rinderhoden mit rosmarinkartoffeln. ackermann gibt sich also nach aussen hin grosszügig, weiss aber doch insgeheim, dass er sowieso nur über peanuts redet. echt generös wäre die sache nur, wenn er jetzt für den geschätzten betrag rinderhälften auf termin kaufen würde und die dann bei fälligkeit unter den verdienten mitarbeitern verteilen würde. das wäre dann wirklich eine humanitäre tat.
in diesem sinne, gute nacht

von Chombo - am 17.10.2008 04:22

in dieser Hinsicht

ist es ja vielleicht gut, daß mir da der entsprechende Überblick fehlt. Das einzige, was ich mir denke und auch von vielen Personen höre, ist: grundsätzlich ist die Wirtschaft in Europa gesünder und substanzieller als in den USA. Einerseits muß die UBS z. B. Hilfen vom Staat annehmen. Andererseits ist von CS oder auch der DB nichts zu hören bzw. es werden von Ackermann zusätzliche Gewinne gemeldet. Schon klar, daß die wenn da noch was schlummert das natürlich niemanden einfach so auf die Nase binden. Nur - was soll ich machen? Ich hab eh keinen Einfluß. Da ich finanziell noch nicht ausgesorgt hab, geh ich halt weiter jeden Tag zur Arbeit. Mein Gehalt kam bisher auch immer pünktlich... Wir werden sehen, was passiert. Leider hab ich keinen "krisentauglichen" Beruf wie Zimmermann oder Bauer gelernt. Nein, ich beschäftige mich mit Dingen, die man eigentlich nicht anfassen kann. Tragisch - mal schauen, was mit sojemand wie mir dann passiert, sollte ein wie auch immer gearteter Kollaps kommen. Halt, ich könnte mich mit meiner Klarinette in die Fußgängerzone setzen!

Gruß

SpeedMaster


von SpeedMaster - am 21.10.2008 18:20

Re: in dieser Hinsicht

oder du versuchst dich als klofrau. egal was passiert, geschissen wird immer. vielleicht klofrau mit klarinette. man muss diversifizieren, nicht alle eier in einen korb tun, wie man so schön sagt. mit entspannender musik knökt es sich doch gleich viel schöner.
in zukunft wird der trend sowieso eher zum zweitjob geben. hier im uruland sogar zum drittjob. wann die leute bei drei jobs mal schlafen? wenns regnet natürlich, regen und arbeit sind absolut nicht kompatibel. mit dieser einstellung käme man doch zumindest in norddeutschland auch prima zurecht.

aber irgendwie bin ich doch der totale durchblicker, oder? ich bin der einzige, der wirklich die situation richtig analysiert hat. als alles fiel, stieg vw. und nun, wo alles mal ein paar tage lang wie blöd stieg, gings mit vw in den keller. irgendwie war da eine negative korrelation. mist, dass ich es erst hinterher gemerkt habe. nochmal wirds nicht klappen. beim nächsten schub nach unten sind wohl alle aktien dabei. oder gabs da nicht noch eine andere volksaktie? richtig! wenn der dax bei 2000 ist, bekommt man die telekom für dausend nachgeschmissen. kaufen, leute, kaufen! solange überhaupt noch welche zu bekommen sind. dieser tip ist todsicher, bleibt aber unter uns gelle?

soviel zu dem, was uns wirklich bewegt.
ansonsten, ich würde mich sehr wundern, wenn die deutsche bank wirklich keine probleme hätte. habe anderes vernommen. ich fürchte, da kommt irgendwann noch ein ganz dickes ende. es ist unbestrittene tatsache, dass die db bei allen kleineren und grösseren sauereien in grösserem stil mitgemacht hat. warum sollen ausgerechnet die keine leichen im keller haben? ackermann hat in den letzten monaten viel unsinn geredet und mit seinen prognosen öfters mal ins klo gegriffen. kann mir hier irgendwer einen plausiblen grund nennen, warum ich ihm ausgerechnet jetzt glauben sollte?
all die anderen bankvorstände versuchen glaubhaft zu machen, dass sie keine ahnung hatten, auf welche spielchen sie sich eingelassen hatten. was heisst versuchen, ich glaube diesen dumpfbacken wirklich, dass sie vollkommen ahnungslos sind. warum sollte nun ackermann der einzige wirkliche durchblicker neben mir sein? vielleicht nur, um medienwirksam auf einen bonus zu verzichten, der ihm nach aller logik sowieso nicht zusteht?
wem in politik und finanzwelt kann man noch irgendwas glauben? übrigens, ähnlich wie ackermann äusserte sich vor etwa einem monat die geschäftsführung von wachovia. und einfach aus dem nichts taucht plötzlich ein quartalsverlust von 24 mrd bucks auf. vielleicht haben wir ja bald bei der deutschen bank ein deja-vu. bin mal gespannt, wie weit angie mit ihren paar rettungsmilliarden kommt, wenn es bei der db so richtig kachelt.

von Chombo - am 23.10.2008 03:44

Jedenfalls würde der Deckelbetrag von 8 Mrd EUR nicht reichen

wenn die Leichen im Keller der Deutschen Bank zu stinken beginnen.
Ich denke übrigens ernsthaft darüber nach, eine Bank zu gründen, einen Bedarf von ein paar Milliarden Euro anzumelden und dann mein Gehalt auf eine halbe Million Euro beschränken zu lassen.
Welcher Manager einer anständigen Firma kriegt überhaupt noch ein Gehalt, nachdem er die Bude an die Wand gefahren hat? Ich habe wahrscheinlich die falsche Firma gegründet.
Ansonsten bin ich seit eh und jeh Deiner Meinung, was die Kompetenz der Bankmanager anbelangt. Und wenn ich mir überlege, mit welchen Leuten ich es bei Gesprächen mit Banken zu tun habe, dann kommt dabei nicht viel erhbares für diese Spezies heraus. Jedenfalls würde ich keine dieser Pflaumen auch nur probeweise in meiner Firma anstellen wollen. Ausgenommen davon wäre nur Toppi, aber den halte ich nicht für einen Bänker, sonst hätte ich ihn schon längst aus meinem Bekanntenkreis verbannt.
Besten Dank noch für Deinen heußen Tip mit der Telekom-Aktie, den werde ich natürlich unbedingt befolgen, um möglichst schnell sehr, sehr reich zu werden!
:)
In den nächsten Tagen werde ich mal wieder quer durch Europa kutschieren, um etliche Klamotten und mein Auto nach Portugal zu verfrachten, damit ich mit meiner Frau den Winter dort verbringe. Also werdet Ihr 'ne Weile nicht viel von mir hören.
Beste Grüße von der sonnigen, aber mit 4 °C heute morgen recht kühlen Waterkant.
KGB

von KGBull - am 23.10.2008 06:50

grins, wer weiß

so wie die Presse in Deutschland derzeit auf Zertifikate eindrischt, muss ich mir vielleicht bald eh einen neuen Job suchen... Bietest Du auch Trainee-Programme an? :D

Erstaunlicherweise sieht man das Lehman-Desaster in anderen Ländern weitaus differenzierter, in der Schweiz etwa, wo die NZZ sachliche Aufklärung statt die plumpe Bedienung von Emotionen betreibt. In Österreich ist das Ganze überhaupt kein Thema, aber das liegt wahrscheinlich mehr am rasenden Haider als an der Tatsache, dass Lehman hier kaum aktiv war. Ich hoffe nur, dass sich die Verlagsgesellschaften in Deutchland auch gut überlegt haben, wovon sie in Zukunft ihr Dasein fristen und ihre Mitarbeiter bezahlen wollen. Bei einigen Blättern dürfte der Anteil an den Werbeeinnahmen, für den die Emittenten verantwortlich waren, deutlich oberhalb der 70%-Marke gelegen haben.

Aber wenn Chombo recht behält, spielt das alles bald eh keine Rolle mehr.

Viele Grüße
toppi

von toppi - am 23.10.2008 17:01
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