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Wirtschaft, Börse, Politik, Gesellschaft und Humor
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Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 1 Monat
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Goldman Sucks, KGBull, Kaufkurse

Wiedekings Rücktrittserklärung

Startbeitrag von Kaufkurse am 23.07.2009 08:38

Wiedekings Rücktrittserklärung
Vor seinem Aus hat es heftige Spekulationen über die Höhe der Abfindung für Wendelin Wiedeking gegeben: 50 Millionen Euro gehen nun an den geschassten Manager. Die Hälfte der Summe fließt in eine soziale Stiftung. In einer persönlichen Erklärung erläutert der 56-Jährige die Gründe dafür:
Stuttgart - 50 Millionen Euro: So hoch fällt die Abfindung für Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aus. Doch der Manager gibt die Hälfte davon ab. Warum er das tut, erklärt er in einer Mitteilung:


DPA
Ex-Porsche-Chef Wiedeking: "Ich bin in Deutschland voll steuerpflichtig"
"Persönliche Gründe, aber auch meine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, veranlassen mich, einen erheblichen Betrag für soziale Zwecke zur Verfügung zu stellen.
Als Zeichen der besonderen Verbundenheit mit meinen langjährigen Mitarbeitern und Weggefährten beabsichtige ich, am Stammsitz der Porsche AG in Stuttgart-Zuffenhausen eine gemeinnützige/mildtätige Stiftung zu gründen. Unter maßgeblicher Einbeziehung der Porsche-Betriebsräte soll die Stiftung, die mit Barmitteln in Höhe von 25 Millionen Euro ausgestattet werden soll, auch zukünftig eine sozial gerechte Entwicklung an allen Porsche-Standorten unterstützen.
Darüber hinaus werde ich dem Sozialfonds der Landespresse Baden-Württemberg e.V., der Stiftung der Hamburger Presse und dem Verein Kollegenhilfe niedersächsischer Journalisten e.V. je 500.000 Euro zukommen lassen. Die Spenden sollen entsprechend den jeweiligen Satzungszwecken der Unterstützung notleidender Journalisten im Alter dienen.
Des Weiteren werde ich in Projekte investieren, mit denen in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden. Ich bin in Deutschland voll steuerpflichtig, so dass die Hälfte meiner Einkünfte als Steuer an den Staat geht.
Die Stiftung in Zuffenhausen soll meine beiden bereits bestehenden Stiftungen für soziale Zwecke in Beckum/Westfalen und Bietigheim- Bissingen mit einer Stiftungssumme von insgesamt zehn Millionen Euro ergänzen."
yes/dpa

Antworten:

Wiedekind rührt mich zu Tränen

mit seiner sozialen Ader. Aber immerhin, man sollte es ihm zugute halten, dass er - im Gegensatz zu den meisten anderen Abfindungsbeziehern, die meist auch kaum eine für ihr Unternehmen glanzvolle Rolle gespielt haben - für die Geschäftsführung von Porsche ein gutes Händchen gezeigt hat. Außerdem hat sich kaum einer der gestrauchelten Finanzzocker mit weißem Kragen auch nur annähernd so gezielt und aufwändig dem Stiftungswesen verschrieben wie Wiedekind. Mehr als Krumen fielen da kaum ab für soziale oder andere Unterstützungszwecke. So gesehen also - trotz der unverschämt hoch anmutenden Abfindung - hat er bei mir Punkte gesammelt. Dass er letztlich gegen einen arroganten und abgewichsten Piech den Kürzeren gezogen hat, ist schade, weil ich's dem Kerl gegönnt hätte, einen vor den Latz geknallt zu bekommen, aber wundern tut es mich keineswegs. Wer den Piech stürzen will, muss doch noch auf mehr Verfügungsmasse zurückgreifen können und sich auf ebenso vielverzweigte Seilschaften wie der Ferdinand stützen können.
Die Porsche-Mitarbeiter werden wohl diese Tage einen Trauerflor tragen.
Grüße von der sonnigen Waterkant
KGB

von KGBull - am 27.07.2009 07:50

Joo, dem Piech hätte man´s gegönnt

und nicht nur, weil er offenbar ein echtes Ekelpaket ist - aber wenn man nur die veröffentlichte Meinung kennt, muß man da vielleicht auch vorsichtig sein. Unsere Presse hat ja immer ein bischen Problem mit Leuten, die sich keine Mühe geben, everybodys darling zu sein.

Was den Wiedeking angeht, sehe ich das genauso wie Du, KGB. Allerdings muß man sagen, daß der auch ein ganz extrem unwahrscheinliches Pech gehabt hat. Hätte die EU, wie das normalerweise hätte passieren müssen, das VW Gesetz beanstandet, dann sähe die Lage wohl anders aus. Und ohne den sog. "Credit Crunch" ebenfalls. Porsche hat genug Optionen, um die Differenz auf über 70% von VW zu übernehmen (derzeit "nur" 51%, wenn ich das richtig im Kopf habe). Nur eben (jetzt) nicht (mehr) die Knete, um diese Optionen ausüben zu können. Daß diese beiden Ereignisse eintreten, wäre vor einem Jahr in den Bereich der Fabel verwiesen worden. Insofern ist Wiedeking ein nur absolut vernachlässigbares Risiko eingegangen, in seinem Job muß man sehr oft und sehr viel schlechtere Risiken eingehen. Daß er nun ausgerechnet hier gescheitert ist, ist schon tragisch.

Wäre interessant zu sehen, wie diese Geschichte mit dem VW Gesetz ausgeht. Das geht ja früher oder später vor den EUGH und es gehört nicht viel prophetische Gabe dazu, vorauszusagen, daß die das kassieren werden. Damit bekäme Wiedeking im Nachhinein Recht. Bin mal gespannt, ob das irgendwem, irgendwann eine Schlagzeile wert sein wird. Vermutlich wird.s ein Einspalter auf Seite 10 des Handelsblattes - wenn überhaupt.

Was mich bei seiner Ansprache - wie auch sonst immer - sehr ärgert, ist, daß selbst jemand wie er nicht der Versuchung widerstehen konnte, diesen unsäglichen Ausdruck "sozial gerecht" zu verwenden. Ich habe das vermutlich schon öfter geschrieben (bitte wegklicken, wers nicht mehr hören kann), aber hierzu muß doch - wieder! - gesagt werden:

- gerecht ist: wer nicht sät, soll nicht ernten, wer nicht arbeitet, soll nicht essen, Auge um Auge, Zahn um Zahn, vor dem Gesetz sind alle gleich, usw.

- sozial ist: einer für alle, alle für einen, der Stärkere hilft dem Schwächeren, Gnade vor Recht, etc.

Ergo: so etwas wie "sozial gerecht" gibt es nicht, kann es nicht geben, denn diese beiden Begriffe bezeichnen diametral entgegengesetzte Sachverhalte. Das ist der Widerspruch schlechthin, es ist einfach Schwachsinn, Quatsch, oder, wie wir Rheinländer sagen, wenn wir ernsthaft sauer sind: Blödsinn! Hier fehlen einfach elementare sprachliche (und auch sonst alle) Kenntnisse, sonst würde man sowas nicht über die Lippen bekommen, ohne innerhalb von zehnhochminusacht Sekunden eine Riesenherpes-Maulsperre zu kriegen

Der Ausdruck "sozial gerecht" ist von Leuten in die Welt gesetzt - und seither von schlichten Gemütern nachgeplappert und nachgekritzelt worden - die ganz gezielt den Eindruck erwecken wollen, es sei gerecht, also Recht (und nicht die unverdiente Vergünstigung, die es ist), soziale Behandlung zu erfahren. Das muß man nicht weiter ausführen um zu wissen, wer das ist.

Pahh, reeecht mich das auf!

Beste Grüße vom Niederrhein

GMS

von Goldman Sucks - am 27.07.2009 20:39
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