Die verhinderte Misthaus-Wanderung (m. 17 B.)

Startbeitrag von Strojmistr am 04.10.2010 11:19

Der gestrige (Feier-) Tag begann mit nicht zu optimalem Fotowetter. Wie sich später herausstelle, sollte es "nur" der böhmische Hochnebel sein, der zum ersten Mal in diesem Herbst über das Zittauer Gebirge schwappte, begleitet von ziemlich heftigen Wind. Also wurde schnell Plan B ausgeheckt - es sollte ins Isergebirge zum Misthaus gehen. Zwar nicht mehr vom urigen Bewohner Gustav Ginzel bewohnt, aber immerhin. Da die Anfahrt mitten durch das Hochwassergebiet vom 7.8. ging, war mir bewusst, dass es womöglich nicht klappen würde und und es noch einen Plan C, D … geben könnte.

Durch Bogatynia kommt man inzwischen auf Schleichwegen recht gut durch, wenn auch die Verwüstung noch allgegenwärtig ist. Es wird wohl noch Jahre (!) dauern, bis dort von der Flut nichts mehr zu sehen ist. Weiter ging die Fahrt Richtung Frydlant. Es war eine Fahrt ins Ungewisse. Auch dort sind die Auswirkungen der Katastrophe überall sichtbar. Geröllhalden in der Wittig, angeschwemmter - aber bereits auf Haufen sortierter Hausrat, Treibholz, eingestürzte Bachmauern, verbogene Geländer, weggeschwemmte Brücken … Dann kam es, wie es kommen musste: Die Straße zwischen Frydlant nach Raspenava unterm Schloss war gesperrt. Sofort trat Plan C in Kraft, erstmal hoch Richtung Nove Mesto bzw. Jindrichovice und paar Brotbüchsen fotografiert. Dann dürfte die Straße von Nove Mesto über Lazne Libverda nach Hejnice sicher befahrbar sein. Und um so erfreulicher die Sonne strahlte von einem blauen Himmel.

Zwischen Horni Rasnice und Srbska erklimmt 810.424 als MOs 16358 die Höhen des Isergebirges.



Nach kurzer Wendezeit kam die Brotbüchse als MOs 16361 zurück, hier an nahezu der gleichen Stelle aufgenommen. Besonders schön fand ich die Laubfärbung der Allee. Die Laubfärbung war überhaupt recht spärlich. Wenn aber vorhanden, dann war sie sehr intensiv.



Es war kein Problem, den Zug noch einmal zwischen Nove Mesto und Hajniste aufzunehmen, zwar mit leichtem Gegenlicht, dafür kam aber die Quelle des Sturmes sehr anschaulich mit auf´s Bild: Hinter dem Isergebirge wabert der Hochnebel und kommt nicht, oder nur in Fetzen über das Gebirge. Der Luftdruckunterschied zwischen dem Nebelfeld und dem Hoch im Norden sorgt für den berüchtigten "Böhmischen Wind".



Will ich da wirklich hinauf, in den Nebel? Nahezu glücklich nahm ich zur Kenntnis, dass auch die Straße von Hajniste nach Hejnice gesperrt war. Damit war klar: heute würde es nichts mehr werden, mit der Wanderung zum Misthaus. Plan D trat in Kraft: angesichts des schönen Wetters würde ich noch etwas an der KBS 039 verweilen. Der nächste Os (16360) ließ auch nicht lange auf sich warten. Bei Rasnice zastavka konnte er das erste Mal aufgenommen werden.





Bei Nove Mesto wurde noch ein weiterer passender Rahmen für die Büchse gefunden. 810.424 tat übrigens den ganzen Tag auf der Strecke Dienst.



Wieder hinauf nach Horni Rasnice zur Rückfahrt als MOs 16365 ging es anschließend, denn die "Durchfahrt" der bereits gesehenen, schönen Baumallee gab noch mehr Motive her.



In Rasnice wurden noch mehr bunt gefärbe Ahornbäume entdeckt. Und das Beste: beim Blick an den Himmel fühlte man sich fast wie im Auge eines Hurrikans, denn ringsherum nur Wolken bzw. Hochnebel, im Schlesischen, über dem Isergebirge, Richtung Frydlant und Oberlausitz ebenfalls. Und hier bestes Fotowetter, noch nicht einmal Gefahr durch die berüchtigte Fotowolke!





Als nächstes wollte ich ein bereits bekanntes Bild mit der Dorfkirche von Rasnice neu aufnehmen. Zwar wäre es beim folgenden MOs 16362 ein Nachschuss, aber bei der Entfernung eigentlich egal. Und beim Vergleich mit dem Foto (Bild 7) vom 11.9.2006 *) zu Hause fällt die etwas dezimierte Vegetation auf. Ebenfalls deutlich sichtbar der reparierte Bahndamm. Hier hatte das Hochwasser am 7.8. an Selbigem genagt. Dabei handelte es sich im Normalfall um ein lediglich armstarkes Rinnsal, dass hier auf den Feldern und Wiesen entspringt.



Schließlich wurde das teleobjektiv noch einmal ganz ausgefahren und die Aufnahme zeigt die Einfahrt in den Bahnhof Rasnice.



Bei Nove Mesto klettert der "Kufr" die Steigung nach Horni Rasnice hinauf.



Und weil mir die bereits erwähnte Baum-Allee nahe Horni Rasnice so gefiel, musste sie noch einmal beim MOs 16369 als Umrahmung dienen. Allerdings war der Sonne noch nicht ganz herum.



Gut gefüllt war 810.424 schon bei der Abfahrt in Jindrichovice, in Rasnice wurden zwei weitere Fahrgäste aufgenommen. Die meisten wahren wohl Auszubildende oder Studenten, die per Zug nach ??? unterwegs waren.



Danach schickte ich mich an, die Heimfahrt anzutreten. Dabei stellte ich fest, dass die Straße von der 291 runter nach Raspenava befahrbar war. In Raspenava selbst gab es auf der 290 Ampelreglung und eine Einbahnstraßenlösung. Richtung Isergebirge geht es nur noch über die Straße am Bahnhof vorbei, Richtung Liberec, Frydlant ist an der Kirche die Straße komplett von der Wittig verschlungen worden, der verkehr wird über eine Ponton-Brücke geleitet. Man ist beim Beräumen der angeschwemmten Massen bereits weit fortgeschritten, vom Wasser eingerissene Hauswände wurden wieder hochgezogen. Aber auch hier: es wird womöglich eine längere Zeit dauern, bis alles wieder so aussieht, wie bis zum 6.8.2010! Auch in Luzec, Hejnice und Bily Potok hatte das zur Wildsau gewordene Wittig-Bächlein allerorten seine Spuren hinterlassen. Da aber der Blick ins Kursbuch in wenigen Minuten den MOs 16329 auswies wurde bei Luh auf den Auslöser gedrückt. Auch an dieser Stelle kam Anfang August das Wasser einfach vom nahen Berghang geschossen und hatte hier die Strecke überflutet und leicht beschädigt, man erkennt vielleicht etwas das ausgebesserte Schotterbett.



Wenn auch nur wenige Kilometer Luftlinie zwischen der KBS 039 - wo den ganzen Tag die Sonne schien - und der 038 liegen, leistete hier der Hochnebel für ganze Arbeit und sorgte für eine sonnenlose dokumentarische Aufnahme von MOs 16326 bei Hejnice. Immerhin eine Stimmungsaufnahme mit dem Hochnebelende über der Tafelfichte.



Und so sah es auf der anderen Seite aus. Die Untere Wolke verdeckte permanent die Sonne und sorgte für Schatten im Vordergrund und die Beleuchtung der Berge im Hintergrund.



Alles in allem ein schöner Feiertag mit etwas Pech aber vor allem auch viel Wetter-Glück. Und die Wanderung zum Misthaus wird garantiert nachgeholt!

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*) siehe auch Band 4 von "Durch Böhmens Hain und Flur" von edition bohemica

Editiert: Link zu [www.oleba-online.de] hinzugefügt

Antworten:

Hallo in die Lausitz,

wunderhübsche 14m Impressionen die du uns da zeigst :spos:

Gruß Michael

von MichaelH. - am 05.10.2010 06:06

7.10.: Was für Misthaus-Fans

[i51.tinypic.com]

Ansonsten kann ich mich dem Vorredner nur anschließen: Sehr schöne Fotos !

von wxdf - am 06.10.2010 12:20

Apropos Misthaus

Morgääääääääääääääääääääähn,

nachdem irgendwann in den 80ziger Jahren in Dresden eine ÖPNV-Haltestelle namens Gustavheim
eingerichtet wurde, soll es wohl nur drei Tage gedauert haben, bis eines der Haltestellenschilder
im Misthaus angeliefert wurde ...;)

MM

von MichaelM - am 08.10.2010 07:00

Misthaus

Naja...
Die Hst G. gibts wohl schon so lange, wie der ÖPNV in Gestalt einer reizvollen Vorortbahn das reale Gustavheim tangierte.
Die rührige DWBO-Sportgruppe der HfV hatte 1.) genügend Mitglieder aus der Direktions- und Vasallenetage der DVB und 2.) lange und freundliche Beziehungen zu Gustav G., so daß auch ohne illegale Schraubereien dem G. ein Hst.-schild sowie eine Extraanfertigung "Misthaus" in den 80er Jahren spendiert werden konnte.

PS: Gustav G. war 1997 auch in einer Nebenrolle in dem eigenartig-skurilen wie sehenswerten Episodenfilm "Cesta pustým lesem" (Der Weg durch die düsteren oder stillen Wälder) von Ivan Vojnár zu sehen, der das Leben der einfachen Leute im Böhmerwald der Vorkriegsjahre (Weltkrieg 1) in einer märchenhaft-realen Stimmung zeichnet. Gustav durfte dort einige Sätze in Tschechisch und Deutsch sabbeln. Falls mal jemand eine DVD sehen oder pressen sollte...

von schumlau - am 10.10.2010 20:12
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