Ein paar Tage Slowakei (7): Abstecher von Ko¨ice nach Plavec (m22B+1F)

Startbeitrag von AAW am 22.06.2011 21:28

Hallo,

nach einiger Zeit Abstinenz will ich endlich meine Serie von neulich beenden. Wir schreiben den letzten April des Jahres 2011. Nachdem ich mir die Innenstadt von Ko¨ice angesehen habe, kommt Wind und Regen auf. Ich beschließe nach Plaveč zu fahren, bevor nur mehr 2 dieselige Reise-ZP am Tag den Abschnitt ab Lipany befahren. Zugbilder gibt es diesmal kaum, dafür ein paar Impressionen aus dem Zugfenster heraus.


Ziel der Fahrt des Nachmittags.

Da Os 1550 eigentlich bis Krakau (mit polnischen Wagen/ET) fahren sollte, wird er lokbespannt mit Klassen gefahren. Der vorgesehene 460 der Gegenleistung 8781, wird bei der Rückfahrt dann leer mitgeführt. Für Os 3301 (war ab Krakau geplant) muß die Garnitur (zum. ab Lipany) gar leer zugeführt werden. Sehr produktiver Betrieb!

Nachdem ich bis hinter Pre¨ov eine Mütze Schlaf nachgeholt hatte, folgt die Fahrt bis Lipany dem Tal der Torysa/Tarca, einem Nebenfluß des Hornad/Hernád, welcher einige Teile der Ostslowakei (Zips und Großraum Ko¨ice/ Pre¨ov) nach Nordungarn entwässert.


Vorbeiziehende Landschaft.


Spezialität aus ČSD-Zeiten (ist mir jedenfalls außerhalb CZ/SK noch nie untergekommen): Bahnsteigkante beiderseits eines Bahnübergangs in Ro¸kovany.


Hinter Lipany geht es dann zwischen Levočské vrchy (Letschauer Bergen) und Čergov über einen kleinen Paß, um ins Tal des Poprad zu wechseln.


Hst. Krivany.






Landschaft im Anstieg (östl. Letschauer Berge).



Nach Passieren der Wasserscheide Schwarzes Meer/Ostsee rollt der Zug talwärts gen Popradtal.




Bf. Pusté Pole.


Ostslowakische „Prärie“ zw. Pusté Pole und Ďurková.


Hp. Ďurková.


Hp. Ľubotín.


Nach der Ankunft in Plaveč.


Der hübsche Bahnhofsvorplatz.


Eröffnungsdaten der abgehenden Bahnstrecken. Orlov (rusin. Орлов) hat übrigens eine größere rusinische Minderheit, wie auch Ortschaften in den polnischen und slowakischen Waldkarpaten.

Der Schalter in Plaveč ist nicht mehr besetzt, so daß ich die Rückfahrt nach „Preschoh“ beim Schaffner löste (anfangs hab' ich's natürlich tschech. ausgesprochen, so daß er nachfragen mußte ;-)). Diese und die nach getätigtem Einkauf erworbene Fahrkarte von dort nach Ko¨ice waren im Übrigen billiger, als eine durchgelöste Fahrkarte.


Kurz nach Querung der Poprad nach Start der Rückfahrt (im Hintergrund Ľubotín) befinden wir uns im südlichen Schenkel des Gleisdreiecks am östlichen Ende des Bahnhofs Plaveč.


Die Ortschaft Ľubotín.


Blick auf Kamenica nad Torysou, welches auch einmal einen Haltepunkt an der Bahnstrecke besaß.


Es geht wieder bergab ins Tal der Torysa, ...


..., welches in Lipany erreicht wird.


Zum Schluß kam kurz vor ihrem Untergang die Sonne noch mal heraus.

Es war eine schöne Fahrt meist am geöffneten Fenster. Und die Entscheidung dem Regen zu entfliehen war goldrichtig.

Damit ist die Reise zu Ende erzählt. Der folgende erste Mai wurde ja schon in anderen Teilen mit abgehandelt. Es folgt nur noch ein kleines Resümee.


Viele Grüße,
André

Antworten:

Ein paar Tage Slowakei (8): Resümee (oB)

Nun zu meinen Eindrücken von der slowak. Eisenbahn, deren Dienste ich zum ersten Mal ausgiebiger in Anspruch nahm:

Der Betrieb machte einen stabilen Eindruck. Die Züge waren in der Regel äußerst pünktlich unterwegs. Als einzige Ausnahme erlebte ich den sterbenden "Schwan" auf der KBS 165 und beobachtete die Lkw-bedingte Verspätung des "Excelsior" von 5 h. Das Bahnpersonal war stets freundlich und die Schaffner (so vorhanden) blieben am Ball (was die Fahrscheinkontrolle betrifft).

Angebotsseitig hingegen ist die Eisenbahn im Personenverkehr eher als Schatten ihrer selbst zu bezeichnen. Taktverkehr = Null. Selbst in den Ballungsgebieten schafft man es nicht halbwegs saubere Takte aufzustellen. Gleiches gilt für die wenigen angenähert im 2h-Takt verkehrenden Schnellzuglinien. Auf den Nebenstrecken und gar einigen Hauptstrecken ist die Zugfolge oft spärlich, auch wenn aufgeblähte Tabellen im Kursbuch (z.B. KBS 160) tlw. anderes nahelegten.

Die Produktion der ZSSK ist unwirtschaftlich. Das Zugmaterial samt Besatzung steht z.T. mehr als es fährt. Da nützt auch die Kosmetik, einige Züge zu strechen wenig, wenn man die Umläufe nicht strafft. Es ist und bleibt teuer, mit großem Aufwand wenige Züge durch's Land zu fahren, wenn man mit ähnlichem Aufwand tlw. das doppelte Angebot bewerkstelligen könnte.

Dem traditionell starken Busverkehr kann die slowakische Eisenbahn, auch wenn sie im direkten Vergleich meist günstiger ist, so nicht Paroli bieten. Zumal es an Verbundstrukturen zu fehlen scheint.

Noch mein Eindruck von den besuchten Strecken:

KBS 122: Die TrE´ hat meinem Eindruck nach Bedeutung sowohl im lokalen, als auch im überregionalen Verkehr (Zubringer zum Fernverkehr, u.a. für Kurgäste). Es fehlt ihr das Potenzial im wichtigen Verkehr zu den regionalen Zentren, den die parallelen Busse erledigen. Sollte man den angedrohten Entfall der Schnellzughalte in Trenčianska Teplá in die Tat umsetzen, sehe ich für ihre Zukunft im SPNV schwarz.
--> weiter Wackelkandidat

KBS 123: Der Einsparungseffekt der entfallenen "Grenzgänger" dürfte sich auf das "Wegegeld" beschränken, stehen die Züge jetzt doch nur länger in Horné Srnie herum. Einzig der Entfall des Os 3863 spart einen Triebwagenumlauf ein, so das Fahrgastaufkommen nicht einen zweiten Tw erfordert. Bei meiner Mitfahrt waren jedenfalls beide Tw des Os 3856 (für Os 3857 & 3863) gut besetzt.
--> Effekt fragwürdig

KBS 132: Der Nutzen der wenigen "Stadtrundfahrten" in Bratislava hält sich stark in Grenzen. Das Gros der Fahrgäste steigt schon in der hl.st. oder Nové Mesto aus. Bis Petrzalka wird dann v.a. verbrauchte Luft transportiert. Hinzu kommt, daß die Garnituren leer von/nach Nové Mesto zu-/abgeführt werden.
--> Einstellung verständlich

KBS 160: Das Angebot insbes. im Ostteil der Strecke mit 4-5 h-Lücken ist ziemlich schwach und wirkt ziemlich unkoordiniert (mal R+Os direkt hintereinander, dann große Lücken). (Ähnlich auch KBS 188 Presov-Lipany)
--> Lockt keinen Wahlfreien hinterm derm Ofen vor

KBS 164: Die Fahrt sonnabends früh nach Ungarn war gut ausgelastet, die Rückfahrt eher schwach. Sinnvoller wäre wohl, die ungarischen Züge bis Fil'akovo durchzubinden. Um das ohne Fahrzeugmehraufwand zu ermöglichen, müßte aber die Strecke von Hatvan beschleunigt werden.
--> verkehrspolitisch fragwürdige Abbestellung

KBS 165: Für das Rumpfangebot waren die benutzten Züge gut besucht, zumal auch Schülerverkehr mit der Bahn abgewickelt wurde. Potenzial hätte die Strecke meines Erachtens auch, verläuft sie doch zu weiten Teilen entlang der Nord-Süd-Achse des Kreises Revúca. Einzig im Süden ist ein Umweg über Plesivec von Nöten, um nach Tornal'a zu kommen. Mit einem vernünftigen Angebot und Anschlußbussen (z.B. Tisovec-Muran-Cervena Skala) ...
--> die Strecke starb an der kurzen Leine (= schlechtes Angebot)

KBS 188: Wahrlich sind die Züge im Abschnitt Lipany-Plavec überdimensioniert gefahren. Ob man mit einer Reduzierung auf 2 tgl. ZP wirtschaftlicher arbeitet (weniger Fahrgäste = weniger Einnahmen)?
--> Umstellung auf kleinere Gefäße sinnvoll, Angebotsreduzierung aber kontraproduktiv

Fazit:
Die gute Betriebsabwicklung kann über ein mäßig bis schlechtes Bahnangebot im Pv nicht hinwegtäuschen.


Viele Grüße,
André

von AAW - am 23.06.2011 10:57
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