Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Fotogalerie Tschechien und Slowakei
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Staedtebahner, earlywood, Joachim Piephans, RR, 810 600-7, brejlovec750, 217 055, Niels K.

Alt und jung glücklich vereint – die tschechische Bahn in Generationen (der Reise erster Teil)

Startbeitrag von Staedtebahner am 07.09.2013 16:19

Hallo zusammen,

unaufhaltsam neigt sich nun der Sommer schon wieder dem Ende entgegen und der nächste Fahrplanwechsel läuft uns mit großen Schritten in die Arme, welcher bei genauer Betrachtung wieder diverse Einschnitte und Neuerungen mit sich bringen wird. Mein Freizeiteinteiler hatte vor zwei Wochen ein Einsehen und ermöglichte mir eine ausgedehnte Rundreise, bevor der Rotstift hier und da aus tagtäglichen Erlebnissen nur noch Erinnerungen an frühere, bessere Zeiten macht. Bei der Tourenplanung und dem Abstecken der Ziele bot also der Fahrplanwechsel mit seinen Abbestellungen und der Ablösung von Altbewährtem den roten Faden und die Reiseroute gen Sumava, Morava und Palava war schnell gestrickt. Letztendlich sollte es eine Reise durch die verschiedensten Generationen, die die CD noch unter sich vereint, werden.

Frei nach dem Motto von Konfuzius "Wollen wir in die Ferne reisen, so müssen wir zunächst die Nähe durchqueren." startete ich am 17.08. in mir bereits vertraute, aber nie ausreichend dokumentierte Gefilde. Stilecht wie in den 70er und 80er Jahren gestalteten sich die ersten beiden Fototage, denn das Großmütterchen unter den Fahrzeugen war für so manche Fahrplanleistung eingeteilt und bot dem geneigten Fotografen die Gelegenheit zum Erinnern und Verweilen in planmäßig längst vergangenen Zeiten...


Viel hat sich in Libochovice in den letzten Jahren nicht verändert. 831 183 ist mit MOs 2421 aus Hnevice angekommen und umfährt den Beiwagen für die Weiterfahrt nach Litomerice horní nádrazí.


An Samstagen wird in Litomerice nur kurz gewendet und man fährt anschließend noch einen "Verdichter" nach Most und zurück. MOs 2430 Litomerice h.n. - Most mit dem Standardmotiv für diese Strecke...

Für die restliche Strecke war dieser Zug zu früh unterwegs bzw. das Licht noch nicht weit genug rum. Also wurde eine Stunde auf den Nachfolger gewartet, welcher in selber Zugbildung daherdieselte.


831 167 mit Anhang als MOs 26502 Litomerice h.n. - Trebivlice in der Ortslage Podsedice.

Der Zug ging bis Trebivlice, man setzte um, betankte den Triebwagen und fuhr anschließend gegenlichtig nach Litomerice zurück. In der Zwischenzeit beschäftigte ich mich mit ein bisschen Planverkehr unter Fahrdraht.


810 538 teilt sich mit einem Zweiten seiner Art den Nachmittagsverkehr zwischen Most und Zatec zapad, hier als MOs 6517 in Pocerady.


Zurück in Lovosice stand der nächste Westfahrer auf der 113 auf dem Programm. 831 167 macht sich als MOs 26504 auf den Weg nach Most. Ohne den 814 im Hintergrund könnte man das Bild wohl ohne größere Probleme 10-20 Jahre zurückdatieren...

Alle weiteren Bilder fielen den diensthabenden Fotowolken zum Opfer und die Rückfahrt erfolgte wiederum im Gegenlicht... also beschäftigte ich mich anderweitig.





Die Umgebung passt offensichtlich zum Rollmaterial. Oder das Rollmaterial zur Umgebung?
Auf der Strecke wurde es langsam ruhig. Auf ins Hotel, etwas essen und dann wurde auf dem oberen Bahnhof in Litomerice nochmal auf Motivsuche gegangen...


831 183, abgestellt nach vollendetem Tagwerk.

Der folgende Sonntag glänzte nocheinmal mit Sonne, die sich aber Stunde um Stunde zunehmend hinter Wolken versteckte. Es ging beizeiten an die Strecke, denn der erste Personenzug nach Most startete bereits 7:55 Uhr ab Lovosice.


831 167 war an diesem Tag komplett ohne Beiwagen unterwegs. Der Auslastungsgrad war dementsprechend hoch. Auf der Fahrt als MOs 26500 nach Most passiert die Nähmaschine die Ortschaft Bedrichuv Svetec.


Die erblaute 163 260 erinnert daran, in welchem Jahr wir uns befinden. 831 167 dagegen passt absolut stilsicher in seine Umgebung. Der Aufnahmeort dürfte klar sein... ;)

Bereits am Vortag war mir eine Fotostelle aufgefallen, die für die solo fahrende Nähmaschine wie gemacht war. Inzwischen als MOs 26501 auf dem Rückweg nach Litomerice h.n. unterwegs, wurde das Objekt der Begierde am Einfahrvorsignal von Cízkovice vor der Burgruine Kost'alov verewigt.




In Lovosice war die Kreuzung mit dem sonntags verkehrenden MOs 2422, welcher in Cízkovice erwartet wurde. Die Fahrdienstleiterin verteilt derweil Befehle und Weichenschlüssel für die Kreuzung in Libochovice.

Ab Libochovice fuhr der Zug dann hervorragend im Licht, was für so viele Bilder wie möglich genutzt wurde... für das Lichteln von Planzügen zwischen Libochovice und Straskov hatte es bei mir nie gereicht.


...zwischen Budyne nad Ohrí und Vrbka...


...und zwischen Racineves und Straskov.

Langsam aber sicher zog sich der Himmel zu und es war nicht zu erwarten, dass die Motive mit dem letzten Westfahrer auf der 113 mit Sonne umgesetzt werden könnten. 2 Tage am Fuße von Ríp und Hazmburk sollten also ihr Ende finden... 2 Tage mit einer Vielzahl an neuen Motiven und Erinnerungen an bessere Zeiten, als man noch tagtäglich mit dem kufr von Lovosice nach Most schaukeln konnte. Zumindest dies ist längst Geschichte.

Vergangen und vorbei... ein Motto, was eher früher als später auch auf die nächste Zwischenstation meiner Reise zutreffen wird.
Bereits um einiges moderner zeigt sich der Betriebsalltag im Böhmerwald, wo Regionova, Hai oder eine in den blauen Farbtopf gefallene Brille des Weges kommen. Die Zeit ist eben auch bei der CD nicht stehengeblieben. Doch begibt man sich fernab der Hauptstrecken an den Schienenstrang, so findet man sie auch in der Gegend... die verträumten Kleinode, wo die Moderne aus Betonbahnsteigen, Haltestellenhäuschen und ferngesteuerter Sicherungstechnik noch ein Fremdwort ist (und vermutlich auch immer bleiben wird).
Schenkt man der Fahrplanvorschau Glauben, werden sich die Abfahrtstafeln an den Strecken Pobezovice-Stankov und Svojsin-Bor arg lichten und das Festhalten der derzeit noch beschaulichen Betriebsamkeit wird zunehmend erschwert. Wie lange es wohl noch die Büchsenkreuzung und den rotbemützten, Fahrkarten verkaufenden vypravci in Horsovský Týn geben wird? Passend zur Grundstimmung gestaltete sich das Wetter in den vor mir liegenden 2 Tagen... auch Petrus trauerte. :(


Auf dem Weg in den Böhmerwald fuhr mir eine der letzten (oder gar die letzte?) ODS-Büchsen über den Weg. In Slaný umfährt der Triebwagen gerade den Beiwagen, um dann als MOs 9783 via Stredokluky nach Praha zurückzukehren.

Anschließend begann die Dokumentation von bald Vergangenem. Auch Os 7566 soll es nach dem Fahrplanwechsel nicht mehr geben. Angesichts der Zugbildung, welche schon fast früheren polnischen Verhältnissen ähnelt, ist dies auf jeden Fall ein richtiger Schritt in Richtung Wirtschaftlichkeit…


754 059 am Os 7566 in Janovice nad Úhlavou


Die weitaus passendere Gefäßgröße für das zum Sonntagabend sehr dürftige Fahrgastaufkommen (im bebrillten Zug nach Nýrsko saßen 3(!) Fahrgäste) kommt wenig später aus Domazlice… 810 046 als MOs 17555 Domazlice – Janovice nad Úhlavou


Nicht nur die Fahrzeuge der CD sind betagt… bei Klencí pod Cerchovem bereichert dieser Bus die Landschaft.


Mittags hielt der Regen kurz inne. Somit versuchte ich mich an 810 306 als MOs 17405 Pobezovice – Stankov, der in Horsovský Týn gerade vom Rotkäppchen abgefertigt wurde. Fahrgäste? Ebenso viele wie Personal. :(


Die Rückfahrt wurde bei Masovice erwartet.

Es folgte eine Mittagspause. Der Grund:





Am Nachmittag herrscht dann Hochbetrieb auf der kleinen Bahn. Mit MOs 17409 wird ein zweiter Triebwagen auf die Strecke genommen, welcher dazu dient, das Angebot auf einen krummen Stundentakt zu verdichten.


810 383 macht sich als MOs 27506 auf den Weg nach Tachov, für 810 306 und 430 geht es 10 Minuten später gen Horsovský Týn bzw. Stankov.


Der dritte im Bunde ist 810 406, welcher Richtung Stankov fahrend zur nachmittäglichen Zugkreuzung in Horsovský Týn auftaucht. 810 306 bildet die eingeschriebene Leerfahrt nach Pobezovice.

Am Abend wechselte ich noch an die Strecke Svojsín – Bor, um die abendliche Büchse zu verewigen. Leider fiel der Versuch starkem Regen zum Opfer. Die (nicht sichtbare) Sonne wollte inzwischen am Horizont verschwinden, als sich eine zusätzliche Möglichkeit eines Bildes bot…


Ein Baugerät wartete die Ankunft des MOs 17309 in Svojsín ab und fuhr anschließend als Mn 87990 nach Bor.


Stillleben beim Warten auf den letzten Zug des Tages…

In der Stadt war um diese Zeit auch nicht mehr los.





Am folgenden Tag zeigte sich das Wetter kaum freundlicher, aber es war immerhin trocken. Da Fotografieren bei Sonne auf Dauer langweilig ist und böse Zungen behaupten, dass sowas jeder kann, wurde der Plan trotzdem umgesetzt. Möglicherweise hätte man sich sonst hinterher irgendwann geärgert.

Im frühmorgendlichen Berufsverkehr des 20.08. ist in Bor volles Haus. 810 383 ist als MOs 17300 aus Svojsín angekommen und 810 046 ist als MOs 27512 unterwegs nach Tachov. Was hätte ich für eine dritte Brotbüchse getan, aber es sollte leider 814 015 werden, der als MOs 27501 nach Domazlice fährt.



Anschließend wurde nach Belá nad Radbuzou gefahren, um zu schauen, ob sich im Güterverkehr etwas bewegt. Es bewegte sich…


… 742 172-0 mit 742 068-0 mit Mn 87801 in den Bahnhof Pobezovice.


810 306 überholte und wurde in Nový Kramolin erwartet.

Mit dem nächsten Nordfahrer in Form von 814 040 wurde ein Motiv in Trhanov probiert und für gut befunden… ob das auch mit Büchse funktioniert?


810 424 mit Anhang als MOs 27506 bei der Ausfahrt in Trhanov…


… und in Hostoun.

Das Wetter wollte sich einfach nicht bessern und so langsam aber sicher litt die Motivation. Immerhin war es trocken und einigermaßen hell. Am Vortag war ein Motiv offen geblieben, welches einem Gewittersturm zum Opfer fiel. Das kann man besser haben und so fuhr ich nochmal an die 182. Eine halbe Stunde Gartenarbeit mit Sichel und Säge und vom Triebwagen konnte man auch das Fahrwerk einigermaßen sehen.


810 406 ist als MOs 17422 in Höhe Sváta Anna unterwegs nach Pobezovice. Im Hintergrund ansatzweise zu erkennen das Renaissanceschloss Horsovský Týn.

Zur selben Zeit machte sich 810 306 auf den Weg nach Stankov, um aus Richtung Plzen kommende Berufspendler einzusammeln.


810 306 (MOs 17410 Stankov - Pobezovice) wartet auf 754 059 (Os 7418 Plzen hl.n. – Domazlice)


Einen Hauch von Sonne gab es in Semosice…


Das letzte Bild des Tages wurde von MOs 17411 in Krenovy angefertigt. 810 406 bringt einen einsamen Fahrgast nach Stankov.

Fast die Hälfte der Tour lag nun schon hinter mir und das Wetter schlug langsam auf’s Gemüt.
Aurelius Augustinus sagte schon: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Zeit also, die Seite umzublättern und das Zielgebiet zu wechseln. Auf der Suche nach der Wärmekugel bekam ich den Tipp, ich sollte es in Mähren versuchen. Bei einem Blick auf das Fahrplanangebot und den Fahrzeugeinsatz scheint die Eisenbahn dort vergleichsweise eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Oder vielleicht doch nicht?

Den zweiten Teil mit der Antwort gibt es in ein paar Tagen.

Bis dahin, viele Grüße aus Erfurt,
Peter

Antworten:

Zitat
Staedtebahner


Welcher Fahrplanzettelkleberbeauftragte hat denn hier das Monument zu Sinutec so verunstaltet?? Also wirklich ...

Danke und Komliment für die Fleißarbeit der Dokumentation! Leitmeritz oberer mit abgestellter Nähmaschine ist sehr fein. Bor ohne Güterschuppen, man kann es (sich) drehen und wenden - es bleibt einfach nackt.

Grüße,
Joachim

von Joachim Piephans - am 07.09.2013 20:00

Re: Fahrplankleber

Hey Joachim,

KZC war so umsichtig, seinen Fahrplan für das samstägliche Zugpaar derart formschön aufzuhängen. Die Lösung, einfach die leere Fahrplantafel zu bekleben, erschien den Herren scheinbar als zu einfach.
Die JHMD hat an dieser Stelle (wie auch an diversen anderen Haltepunkten) gleich gänzlich auf einen Aushang verzichtet, wohingegen bspw. in Trebivlice sogar die SZDC einen Abfahrtsplan erstellt hat.

Grüße,
Peter

von Staedtebahner - am 08.09.2013 09:19

diese verfluchten Details...




... oder wer findet den Fehler?

ich war beim Einstieg in den TW leicht verwirrt, erst die freundliche Auskunft des Diensthabenden konnte mich beruhigen.

von earlywood - am 08.09.2013 10:00

Polnische Verhältnisse

Zitat
Staedtebahner

Anschließend begann die Dokumentation von bald Vergangenem. Auch Os 7566 soll es nach dem Fahrplanwechsel nicht mehr geben. Angesichts der Zugbildung, welche schon fast früheren polnischen Verhältnissen ähnelt, ist dies auf jeden Fall ein richtiger Schritt in Richtung Wirtschaftlichkeit…


Hallo Staedtebahner,

leider betrübt die obere Bemerkung den sonstigen Bildergenuß ungemein. Seit geraumer Zeit wird ein Teil der Spezies Eisenbahnfreund von einer heimtückischen, nur schwer heilbaren BWL-Seuche erfaßt. Sie zeigt sich so, daß eingeschränkte Denkmuster vorherrschen, welche stets nur zwei Schritte kennen, nämlich: 1) Hilfe, ein furchtbar kurzer Zug! Eisenbahn, Seuche, Pest, weiche von mir! und 2) Fahrplanstreichung. Daß die Leistung 7566 (und ein entsprechender Lr der Gegenrichtung) nur an Sonntagen mit Brille und einem Bt283 verkehrt, ist ausschließlich umlaufbedingter Natur und letztendlich sogar wirtschaftlich. Nach Rückkehr aus Nýrsko fahren Lok und Klasse den 17556 nach Domažlice, die Maschine geht dann am Montag wieder in den werktäglichen Personenzugumlauf nach Plzeň. Durch diese sinnvolle Nutzungsteilung hat das DKV Plzeň eine 754 ganzjährig eingespart! Übrigens ist der 7566 im neuen (endgültigen) Fahrplan doch enthalten.

Was sind frühere, was polnische Verhältnisse? Zugegeben: Ein Einhängerzug ist beinahe nie ein erfreuliches Ereignis. Es sei denn, er ersetzt schadhafte Triebwagen und erspart so dem Reisenden die Unwägbarkeiten eines spontanen SEV, unbequeme Busse, meist am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt oder - schlimmster Fall und dutzende Male in Polen erlebt - den Totalausfall. Ein mehrfach geprellter Kunde sucht sich Alternativen zur Eisenbahn und gerade der polnische Kunde ist da sehr kreativ in seinem Denken. Es setzt sich eine Spirale in Gang, die das System Eisenbahn immer schneller ins Abwasser der Geschichte befördert. Dann hätten die BWLer ihr Ziel erreicht. Persönlicher "Trost": Wenn ich die vergangenen 10, 15 Jahre Revue passieren lasse, so fallen mir nur sehr wenige Begegnungen mit planmäßig vier Achsen hinter der Lok ein. In der jüngeren Vergangenheit war dies der unglückliche Zwischenzustand unmittelbar vor Umstellung auf Triebwagenverkehr. Ist eigentlich der geschichtliche Hintergrund für den flächendeckend diesellokbespannten Reisezugverkehr in Polen bekannt?

Die Welt wird mittlerweile fast nur noch durch eine trügerische BWL-Brille betrachtet. Bürotürme allerorten sind vollgestopft mit Hochschulabsolventen, denen man leider nichts anderes als blindwütiges Sparen beigebracht hat. Drei oder vier Schritte weiter denken gehört nicht zu deren Stärke, erst recht nicht ein gewisser Kontakt zum "menschlichen Bodensatz". Hauptsache, es ward die Eisenbahn planiert, die Prämie dafür eingestrichen, soll doch die Sintflut alle Schienenstränge hinwegspülen. Schlimm, daß sich auch Eisenbahnfreunde von diesem Denken propagieren lassen.

Die BWL-Denke zum Ende gebracht, rechnet sich faktisch keiner der von Dir verfolgten und fotografierten Reisezüge. Kein 831, der eine abgeschriebene Bahnlinie (die trotzdem betriebsbereit gehalten werden muß!) zwei- oder dreimal in der Woche befährt, keine Strecke, auf der die berühmten 14 Meter für einige Dutzend an Leben auf grasbestandenen Bahnsteigen sorgen. Aber sie sind doch letztendlich alle dienlich. „Rentner Václav“ erreicht bequem die nächste Kleinstadt, um dort Einkäufe zu erledigen oder aber "Familie Zeman" unternimmt mit KŽC oder JHMD einen unvergesslichen Ausflug in die Natur, kann so gleich noch dem meist begeisterten Nachwuchs die Eisenbahn ihrer Kindheit hautnah vorführen, Geschichtsbewußtsein prägen. Ob nun vernünftiges, selbstbestimmtes Leben in der Fläche oder profanes Wochenendvergnügen - nichts davon kann man mit Geld aufwiegen.


Ahoj

Daniel

von brejlovec750 - am 08.09.2013 11:20

Re: diese verfluchten Details...

Gehe ich recht in der Annahme, daß am Zugzielanzeiger der Ziel- und der Zwischenbahnhof vertauscht sind, der Zug also von Most nicht über Litoměřice nach Obrnice, sondern über letzteres nach ersterem fährt?

von Joachim Piephans - am 08.09.2013 12:10

Re: diese verfluchten Details...

Lieber Joachim,

guter Lösungsversuch, aber nicht ins Schwarze getroffen :sneg: zugegeben ist die Lesbarkeit auf dem Foto suboptimal, dennoch: Das Reiseziel lt. Fahrplan ist Litomerice Horni nadrazi, und nicht: mesto. Ansonsten hätten wir das Rangiervergnügen über die Zalhosticer Verbindungsspange innegehabt :rp:

von earlywood - am 08.09.2013 18:07

Hobby und BWL

Hallo allerseits,

Daniel hat mir gewissermaßen aus der Seele geschrieben (was das Thema betrifft). Und es ist auch nicht allein auf den jetzt auslösenden Beitrag bezogen, glaube ich zu erkennen.
Nun besteht ja immer die Gefahr, mit Grundsatzdiskussionen einen Beitrag sehr vom Ursprungsthema zu entfernen. Andererseits ist eine Grundsatzdiskussion ohne Beispiel auch kaum zu führen. Insofern hoffe ich, daß sich der "Staedtebahner" nicht einfach nur angegriffen fühlt. Nachdenken ist erwünscht, Beleidigtsein nicht.

Letztlich meine ich auch, daß unser Hobby am Schienenstrang frei sein sollte von Gedanken über "Wirtschaftlichkeit".
Das soll nicht heißen, daß man zu bestimmten Beobachtungen keine Meinung haben darf. Aber es gibt halt mindestens zwei Arten, mit den Beobachtungen umzugehen.

Die eine Art ist die, sein eigenes Interessengebiet wirtschaftlichen Betrachtungen zu unterziehen und damit gewissermaßen in der Freizeit gedanklich die Arbeit von mit diesen Themen befaßten bezahlten Mitarbeitern doppelt zu tun. Natürlich wird das auch noch (in bestimmt 95% aller beobachtbaren Fälle) gänzlich pauschal nach eigenen Kenntnissen oder verinnerlichten "Grundsätzen" getan, ohne wirkliche Zahlen zu haben. Damit ist die Betrachtung ja außer einer vielleicht ablesbaren Tendenz völlig ohne Relevanz. Ohne eines jeden Schreibers berufliche Herkunft zu kennen, bin ich außerdem davon überzeugt, daß bei einem deutschen Schreiber immer eine deutsche Sicht zu Grunde liegt. Die muß in einem anderen Land mit anderen Kostenstrukturen, Steuern und Zuständigkeiten gar nicht den deutschen Verhältnissen entsprechen. Und auch in Deutschland gilt garantiert nicht, daß immer klar ist, wann ein Zug wirtschaftlich ist und wann nicht. Das ist für Außenstehende absolut nicht erkennbar - somit ist es sinnlos, öffentlich solche Betrachtungen anzustellen. Sie ebnen nämlich nur den Weg, bei Entscheidungen gegen eine Strecke oder einen Zug bzw. eine bestimmte Verbindung auf möglichst geringen Widerstand zu stoßen. Wenn selbst die Interessierten sich schon vorher gedanklich von einer Verbindung o. ä. verabschiedet haben (weil aus dem Bauch als vermeintlich unwirtschaftlich erkannt), da ist doch die Akzeptanz der Beendigung von Unwirtschaftlichkeit schon inbegriffen.
Es sollte doch eher so sein, daß derjenige, der die "Unwirtschaftlichkeit" beenden und dazu die Entscheidung herbeiführen will, seine Erkenntnisse darlegen und mit guten Argumenten begründen muß. Und wenn er dann eine Mehrheit (oder die entscheidenden Personen) überzeugt, dann mag die Frage entschieden werden. Anders herum ist es unakzeptabel. (Nebenbei bemerkt: jede Hobbyfahrt von unsereinem ist unwirtschaftlich und umweltschädlich.)
Als Beispiel und Beleg für die fehlende Erkennbarkeit von Unwirtschaftlichkeit mal folgender Fall. Wer die RE von München nach Nürnberg über die Schnellfahrstrecke kennt, wird wissen, daß diese Züge aus regulär 6 Wagen fast immer voll oder überfüllt sind. Das müßte also ein sehr wirtschaftlicher Zug sein. Die Verantwortlichen des betreibenden EVU haben eine andere Rechnung. Und die sieht "rot" aus. Der Zug deckt seine Kosten nicht! Hohe Trassenkosten und durch Angebote wie Bayernticket relativ geringe Einnahmen pro Fahrgast lassen diesen Verkehr trotz Bestellerentgelten nicht die schwarzen Zahlen erreichen. Und nun will ein Fan am Schienenstrang erkennen, welche Fahrt wirtschaftlich ist?
Diskutieren Flugfans in der Öffentlichkeit die Wirtschaftlichkeit "ihres" Flughafens oder "ihres" Fluges, so lange er denn existiert? Die Diskussion darüber erleichtert ein Hinterfragen von Seiten anders Interessierter ungemein und bringt die Befürworter in eine schwache Position.

Die andere Art ist, solche Beobachtungen zwar zu machen, ggf. auch ganz allgemein zu kommentieren (z. B. als "am Tag xx war die Zahl der Fahrgäste sehr gering" oder "da stellt sich die Frage, ob da nicht ein Triebwagen zu finden gewesen wäre"), aber ohne ganz genaue Kenntnis aller Zusammenhänge sollten sich "Aufrufe" zur Streichung von gewissen Zügen in der Hobbysphäre gewissermaßen verbieten.


Eine unaufgeregte Diskussion oder eine stillschweigende Akzeptanz des dargelegten wünscht sich
217 055

Edit: Tippfehler ausgemerzt

von 217 055 - am 08.09.2013 19:57

Re: Hobby und BWL + Bildergänzungen

Zitat

Eine unaufgeregte Diskussion oder eine stillschweigende Akzeptanz des dargelegten wünscht sich 217 055


Hallo (Hobby-)Kollege(n), ich beschränke mich an dieser Stelle auf die zustimmende Akzeptanz der Gedanken von 217 055.

Als "Dessert" möchte ich noch ein paar Fotos, entstanden am 31. August des Jahres 2013, beifügen.
Diese Fotos wollte ich eigentlich in einem gesonderten Beitrag präsentieren, VIELLEICHT kommt da ja trotzdem noch etwas... ;)

Ich hätte einst nicht zu Hoffen gewagt drei (?) Jahre nach dem Ende des planmäßigen Einsatzes der Nähmaschinen in Staatsbahndiensten an einem Sommertag des Jahres 2013 insgesamt fünf dieser Triebwagen in einem eng begrenzten Gebiet Norböhmens begegnen zu dürfen. Am 31.08.2013 war es trotzdem so weit. :spos:

Und insbesondere der vom Staedtebahner bereits im Titel angesprochene Kontrast Alt/Neu macht auch für mich oft den Reiz der Eisenbahnfotografie aus.
So hatte ich eigentlich genau nachfolgendes Bild in seinem Bericht vermutet:


Litoměřice horní nádraží / Leitmeritz ob Bf, v.l.n.r. JHMD 831 167, KŽC M262.1183, ČD 914 144 - drei Unternehmen und zwei architektonische Epochen friedlich vereint


Auch in Libochovice war es genau dieser Reiz Jung/Alt, der zu folgender Aufnahme führte:


Libochovice / Libochowitz, reger Fahrgastwechsel am Planzug 6104, entspanntes Warten am Sonderzug und ein angesichts der Hochmastlampen und H-Tafeln schier verzweifelter Fotograf :--P


Zu guter Letzt noch eine Aufnahme aus Telnice. Das von dort ca. 300 km entfernte Altvatergebirge ist für mich persönlich untrennbar mit Erinnerungen an Mitfahrten in den Nähmaschinen verbunden. 105 und 110 sind Zahlen die dabei unweigerlich im Kopf umherschwirren, auch wenn ich kein besonderer Verfechter der Statistik und "Nummernsammlung" bin. Und genau diese zwei Triebwagen begenen mir nun ein wesentlich näheres Stück zu meiner Heimat im Einsatz. Einfach ein schönes Wiedersehen. Inzwischen in Diensten der "Severočeské dráhy" fuhren beide Triebwagen im Sondereinsatz auf der ansonsten ziemlich "stillliegenden" KBS 132. Ein Hoffnungsschimmer, daß diese Strecke auch noch nicht völlig abgeschrieben ist. Könnte sie doch gerade im Einzugsgebiet von Děčín eine S-Bahn-ähnliche Funktion übernehmen. Und damit die durchs Tal führende Straße von einem wesentlichen Teil des Pendlerverkehrs entlasten. Ja, ich weiß "Könnte, hätte, wäre..." :rolleyes:


831 110 (l) und 831 105 (r) in Telnice / Tellnitz, rechts hinter den Bäumen versteckt die "Speditions-Bardotka" T478.2066. Interessant auch die beiden frisch revisionierten Reisezugwagen von ČD Cargo!

Ich hoffe, das "Dessert" hat gemundet und die Diskussion bleibt in friedlichem Rahmen der dem sehr schön zu betrachtenden Ausgangsbeitrag gerecht wird.

von Niels K. - am 09.09.2013 08:38

Herrlich!

Hallo Peter,

vielen Dank für den trotz aller Wetterkapriolen doch herrlichen Beitrag aus dem Böhmischen. Es passt irgendwie alles, von den Nähmaschinen im idyllischen Dorfbahnhof bis zur Nähmaschine im beschaulichen Most ;) bis hin zur ganzen Büchsenvielfalt um Domažlice. Meine Favoriten sind - to je samozřejmost - die ODS-Büchse, das auf älter getrimmte Bild aus Horsovský Týn und die Partie in Krenovy. Mich deucht, ich brauche doch noch ein Vehikel...

Měj se,
810 600-7

von 810 600-7 - am 09.09.2013 12:45
Sehr schöner Bericht.

Und man sieht dass man zu Unrecht den Fotoapparat in der Tasche läßt wenn einen die Sonne im Stich läßt. Du konntest doch einige Motive / Einstellungen umsetzen, die mit Sonne nicht gehen.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß Robert

von RR - am 09.09.2013 19:14
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.