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Fotogalerie Tschechien und Slowakei
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Joachim Piephans, br_232, Frankenland, moki, Sören Heise, Niels K., img893

Arzgebirg, wie bist du schie! (Oktobernachmittag in Platten, m. 11 B.)

Startbeitrag von Joachim Piephans am 10.11.2013 20:18

Es zog mich schon lange wieder mal nach Platten, oder "auf die Platt", wie die Alten von dort sagen. Es ging dann doch recht schnell. Drei Tage Urlaub in der letzten Oktoberwoche waren klar, davon zwei fürs Ausbüxen reserviert. Die Wettervorhersage zwei Tage vorher zusammen mit der Tatsache, daß der 28.10. in Tschechien Republiksgründungs-Feiertag ist, gab den Ausschlag: da würde die lokbespannte Garnitur auf der KBS 142 Karlovy Vary d.n. - Potůčky - Johanngeorgenstadt anders als an Werktagen, lichtgünstiger fahren. Also am Samstag kurzerhand ein Zimmer bestellt, am Montagmorgen um 5.22 Uhr mit dem Zug los. Umsteigen in Nürnberg, Safran-Expreß bis Zwickau, von dort 10.10 Uhr mit der Zapfenbahn hinauf nach Hansgörgnstadt. Schon im Schwarzwassertal kam die Sonne immer mehr raus, oben dann klare Luft, blauer Himmel. Beste Voraussetzungen also für fotografisches Schaffen im Dienste und Stile des "Volkskunstkollektivs eb" vyp:

Zuerst wurde in aller Ruhe die bereitstehende Garnitur des Os 17109 abgelichtet. 742 343 hat mittlerweile schon reichlich Patina angesetzt:



Ich hatte mir den Plan extra so zurechtgelegt, daß ich eine gute Stunde im Grenzbahnhof hatte. Also war auch ein Kaffee am Kiosk im Warteraum möglich. 12.22 Uhr kam der EGB-642 738 wieder als Pendel von Antonsthal herauf (dort Zwangsumstieg wegen Bauarbeiten), 12.25 Uhr fuhr die 343 ab über die Grenz' - nur um in Potůčky / Breitenbach gleich wieder eine Viertelstunde zu stehen. Aber nicht einfach so. Denn es gab Betrieb:



Im Nebengleis stand 810 548, wohl schon stundenlang. Nun konnte er hinten auf den Os 17709 draufgehen. Im Ladegleis warten vier Emil Anton auf Holzfracht. Sie waren tatsächlich an diesem Feiertagvormittag gegen vier beladene getauscht worden.

In Potůčky zastavka oberhalb der Dreckschänke gab es reichlichen Wandererzustieg, und bald waren wir in Horní Blatná / Bergstadt Platten droben. Ich ließ die 343 über den Berg ziehen und bezog Quartier, diesmal im "Bohemia" am Marktplatz, zwei Häuser weiter vom Blauen Stern. Wollte ich mal testen. Einfach, aber gut; saubere Zimmer (450 kč oder 21 Euro für Ü/F); Essen bodenständig gut. Rucksack aufs Zimmer und die Straße wieder runter, unter der Bahnbrücke durch und ein Stück die Straße nach Neuhammer hoch. Ich wollte eigentlich gleich in die weite Wiesenaue südwestlich von Bahnhof, aber dann gefiel mir doch erst einmal der Überblick von Westen:



814 034 hat als MOs 5294 in Horní Blatná gehalten und macht sich auf den weiteren Weg nach Johanngeorgenstadt. Die Verspätung betrug 26 Minuten - genau die Zeit, um die Kreuzung mit dem südwärts fahrenden Lokbespannten von Nejdek nach Nová Role zu verlegen. Bange Blicke zum Himmel, aber das Blau hielt sich. Ein kräftiger Fön sorgte dafür. Ich stand auf der Wiese und war angekommen. Im Arzgebirg, im selbstbestimmten Tun, in Freiheit. Auf der Straße ab und zu ein Radfahrer, ein paar Motorräder, hier und da ein Auto. Neugierige Blicke von Feiertagsausflüglern.
Ich bin kein Filmer, aber hier konnte auch ich in aller Ruhe mein Stativ schwenken:



MOs 5294 oberhalb der Majakowski-Straße ...



... und schließlich in den Wald oberhalb des tief eingeschnittenen Plattner Baches verschwindend. Im Grunde gab dieses Motiv den Ausschlag, für den 5294 an dieser Stelle zu bleiben. Durch die Verspätung sank die Pension "Ochsendorf" (links) schon in die tiefen Schatten, umso schöner das warme Licht auf dem Zug und den Häusln an der Straße. Die Reise hatte sich damit schon gelohnt.


Dann ging es in den weiten, ebenen Wiesengrund, eben die "Platte", oberhalb des Quellbaches am Waldrand entlang. Vom ausgezirkelten Standpunkt waren ebenso wieder drei Hauptmotive möglich:



814 034 kehrt von Johann'stadt zurück und durchfährt das Panorama der alten Bergstadt Platten, drüber erhebt sich der Plattenberg (1043 Meter Seehöhe). Weil Platten schon so hoch, fast auf dem Kamm liegt, ist der Blatenský vrch kein beeindruckender Gipfel, sondern erscheint aus dieser Perspektive als recht flacher Hügel. Von mehreren Auslösern zeige ich den MOs 5297 im Einfahrbereich des Bahnhofs.



Hier der 5297 schon nach dem Halt in Horní Blatná und Durchfahren der S-Kurve im Birkenwäldchen am bekannten Feldwegübergang (links, wo die Wanderer in ihren roten Jacken sitzen). Auf der gegenüberliegenden Seite der Bahn, ein Stück den Hang nach rechts hoch, befindet sich der Lieblingsplatz des Kollektivleiters ;-) Die Schneezäune sind längst aufgestellt, wiewohl es nicht mehr die alten hölzernen sind, sondern heutzutage halt die orangefarbenen Plastikmatten. Manch ein Fotograf mag sie nicht so gern - aber Hauptsache, die Strecke weht nicht so zu.



Und dann habe ich noch einige Male dem Zug hinterher den Drahtauslöser gedrückt, Schattenspiel und Spätlicht waren gar zu schön. 814 034 wird bald den Brechpunkt zwischen Horní Blatná und Pernink erreicht haben.

Ich habe mir dann eingebildet, quer über die Wiesen hinüber zum Bahnübergang zu gehen, also die gerade Linie auf dem vorvorigen Bild. Mit einem Schritt war ich auch über den Bach, mit zwei, drei weiteren aber nicht in einer etwas groben Wiese, sondern in einem veritablen Sumpf. Das Wasser lief mir in die Wanderstiefel, es gab nur noch Vorwärts, kein Zurück, schlammiges Wasser spritzte bis zur Jacke herauf; als ich durch war und wieder auf festem Wiesenboden, habe ich ausgesehen wie eine Wildsau nach der Suhle, in den Stiefeln stand die rote Brühe. Erz-Gebirge eben ... Egal. Der Fahrplan war wieder im Lot, der Lokbespannte sollte noch einmal über den Kamm kommen, jetzt eben war Kreuzung in Nové Hamry. Der Wind würde die Hosen schon vortrocknen, die Füße steckten erst mal in nassen, aber doch dicken Socken. Inzwischen, es war mittlerweile kurz nach halb vier, drängte die Wolkenfront doch ziemlich herein; Fetzen um Fetzen knipste das Licht an und aus. Das Ergebnis kann sich aber doch sehen lassen, meine ich:



742 343 rollt mit dem Os 17110 vom Erzgebirgskamm (Übergang bei 910 Metern Seehöhe) herab in die Talmulde von Platten ...



... und nach dem Halt dortselbst dem Schwarzwassertal zu.


Zwanzig Minuten später, um vier Uhr, war die Sonne hinter die Wipfel gesunken, die Rückfahrt fand bereits in der Dämmerung statt. 's war Feierohmd für mich. Zum "Bohemia" nahm ich den Umweg über den Friedhof, habe nach einem bestimmten Familiennamen geschaut, nachdem ich vor einiger Zeit einen alten Plattner beerdigt hatte. Fand ich zwar nicht, aber doch viele deutschböhmische Namen mit Sterbejahren weit nach 1945, vereinzelt bis in die Gegenwart. Ein Nationalausschuß ohne Fanatismus 1945/46 in Horní Blatná?
Mittlerweile war alles bezogen, statt des Föns ein kalter Wind, es begann zu regnen. Zeit, um auf dem Zimmer die Wasserschäden zu begutachten, Gegenmaßnahmen einzuleiten und in der Gaststube am Ofen Platz zu nehmen.

Am Dienstagmorgen fuhr mein Zug, der Os 17017, um 9.40 Uhr; mollig warm der kombinierte Beiwagen an zweiter Stelle hinter der 742 343, dessen Bank an der hinteren Stirnseite mir gehörte. Kaffee an den Bahnsteigbude in Karlsbad, im Schnellzug durchs Egerland und hinüber ins Fichtelgebirge, wo Freund awp schon wartete. Im Rucksack waren ja schließlich Korrekturen mit übers Arzgebirg gereist.

Ich hatte also drei fantastische Stunden auf dem Erzgebirgskamm erlebt, klare Luft, beste Sicht und altvertraute Blicke. Es hatte sich gelohnt, gefahren zu sein! Und die Wiederkehr ist schon markiert:



Auf dem Hauptplatz von Horní Blatná / Bergstadt Platten


Grüße,
Joachim

Antworten:

Hallo Joachim,

die 910 m Seehöhe des Bü, hat Dir das ein Navi erzählt?:con:
Der Bf Platten hat 870m, und mehr als 300 oder 400m sind das net bis zum Bü.

Gruuuuß ausm Arzgebirg

von br_232 - am 11.11.2013 17:35

Re: Arzgebirg, wie bist du schie!

Ein sehr "schiener" Bericht, besten Dank an Joachim.

Zur Klärung der Höhenfrage empfehle ich [mapy.cz] die dort hinterlegte Wanderkarte enthält Höhenlinien im 10-Meter-Raster.

von Niels K. - am 11.11.2013 18:38
Ich meinte mit "Übergang" nicht den Bü, sondern den Übergang über den Kamm, also den Scheitel- bzw. Brechpunkt der gesamten Strecke. Dachte, das ist aus dem Zusammenhang des Satzes klar (der Bü kommt hier ja nur im Bild, nicht im Bildtext vor). Und das sind laut Atlas 910 Meter Seehöhe.

"Navi"? So etwas besitze ich nicht. Mein Orientierungssinn samt Kartenlesefähigkeit hat mich noch nicht verlassen, solche Kulturtechniken werde ich zugunsten elektronischer Überflüssigkeiten nicht aufgeben.


Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 11.11.2013 21:51

Re:

Zitat
Joachim Piephans
"Navi"? Si etwas besitze ich nicht. Mein Orientierungssinn samt Kartenlesefähigkeit hat mich noch nicht verlassen, solche Kulturtechniken werde ich zugunsten elektronischer Überflüssigkeiten nicht aufgeben.



Somit wirst Du, lieber Joachim, nie in der Zeitung landen, wenn Dich Dein Navi mal entweder auf Straßenbahngleise oder eine Treppe oder ähnliches geführt hat. ;)

Ansonsten: :spos:
Sowohl zur Navihaltung als auch für den Beitrag.

Viele Grüße
Sören

von Sören Heise - am 12.11.2013 07:15
Zitat
Joachim Piephans
"Navi"? Si etwas besitze ich nicht. Mein Orientierungssinn samt Kartenlesefähigkeit hat mich noch nicht verlassen, solche Kulturtechniken werde ich zugunsten elektronischer Überflüssigkeiten nicht aufgeben.


Gefällt mir! ;)

Volle Zustimmung - in Theorie uns Praxis!
Beste Grüße aus Wien,
Martin

von img893 - am 13.11.2013 18:50
Zitat
Joachim Piephans

"Navi"? So etwas besitze ich nicht. Mein Orientierungssinn samt Kartenlesefähigkeit hat mich noch nicht verlassen, solche Kulturtechniken werde ich zugunsten elektronischer Überflüssigkeiten nicht aufgeben.


Gruß,
Joachim


Sag ich doch immer: Ein ordentlicher Orientierungssinn ersetzt das beste Navi !

Grüße vom ebenfalls navilosen
Karlheinz

von Frankenland - am 14.11.2013 19:44
Zitat
Joachim Piephans
Ich meinte mit "Übergang" nicht den Bü, sondern den Übergang über den Kamm, also den Scheitel- bzw. Brechpunkt der gesamten Strecke. Dachte, das ist aus dem Zusammenhang des Satzes klar (der Bü kommt hier ja nur im Bild, nicht im Bildtext vor). Und das sind laut Atlas 910 Meter Seehöhe.

"Navi"? So etwas besitze ich nicht. Mein Orientierungssinn samt Kartenlesefähigkeit hat mich noch nicht verlassen, solche Kulturtechniken werde ich zugunsten elektronischer Überflüssigkeiten nicht aufgeben.


Gruß,
Joachim


Hallo,

also laut meinen bisherigen Kenntnissen ist tatsächlich der Bü, ja ich weiß dass Joachim etwas Anderes gemeint hat, der höchste Punkt mit etwa 910 m ü NN an der Strecke. Ich selbst zweifelte daran schon selbst, aber es ist wirklich so. Am Bahnhof von Pernink ist noch (hoffentlich) das alte Schild aus kuk-Zeiten angebracht, wo darauf steht 908 m ü NN. Danach dreht die Strecke kurz nach links auf die schöne Steinbogenbrücke, es folgt noch ein kurzer Anstieg bis zur Straße nach Nejdek. Die Bahn schlängelt sich quasi entlang des Peindlberges und an dessen Hang fährt sie auch runter nach Nove Hamry. Niels hat den guten Hinweis zu Mapy.cz gezeigt, darin ist zwischen Horni Blatna ("de Platt") die Höhenlinie von 900 m. Diese Linie schneidet die Bahn an einer Stelle.
Bislang verwendete ich auch kein Navi, aber seit dem Klaus in Serbien uns fast perfekt lotste, bin ich davon schon überzeugt. Besonders ins solchen Ländern, von denen es kein brauchbares Kartenmaterial gibt, erweist sich die neue Technik als äußerst hilfreich. Leider gibt dabei noch nicht die Funktion der Motivsuche :D

Ansonsten ein schöner Bericht, eben wieder ein so typischer aus dem Hause Piephans. Hättest in Jocketa ruhig mal bei der Vorbeifahrt winken können.

Gruß Moki

von moki - am 18.11.2013 09:53
Zitat
moki
Hättest in Jocketa ruhig mal bei der Vorbeifahrt winken können.

Hab ich doch, hatte den Blick starr nach links gerichtet - hat nur keiner zurückgewunken poz:

Der Feldweg/Fußweg-Bü, an dem ich stand, ist in Platten - die Kreuzung mit der Neudecker Straße (Bü), in dessen Nähe der absolute Streckenscheitel ist, befindet sich zwischen Pernink und Hamry, Nähe Hp Oldrichov. Wir reden hier schon von zwei verschiedenen Lokalitäten - aber alle haben recht;)

Grüße,
Joachim

von Joachim Piephans - am 18.11.2013 11:11
Moin,

.........so isis, bei km 34,6 sind es knapp 915m ü.NN.
Die Stelle is sogar mittels Pfahl als höchster Punkt markiert.

Gestern sind da wohl nur Regionovas vorbei gefahren.:sneg:


Gruuuuuß

von br_232 - am 18.11.2013 12:23
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