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awp, mirquidi

Schmalspurbahnen in Osteuropa 2013, Teil 1 Auf nach Hotzenplotz

Startbeitrag von mirquidi am 13.11.2013 19:01

Am 11. Oktober 2013 starteten wir mittags in Berlin, um uns der Osteuropa-Tour von Michael Schneeberger (www.miguschneeberger.ch) anzuschließen, die Waldbahnen in der Slowakei und Polen zum Ziel hatte. Letztere waren für uns aber weniger von Interesse, so daß wir die Fahrt in die Ukraine fortsetzten. Da sich die Anreise bis Cierny Balog im Süden der Slowakei ganz schon streckt, beschlossen wir, unterwegs der letzten CD-Schmalspurbahn in Osoblaha/Hotzenblotz einen Besuch abzustatten.
Auf der Anreise durften wir zwei Stunden im Stau auf polnischen Autobahnen zubringen, so daß wir unser Quartier, das Hotel Pepa in Krnov/Jägerndorf erst bei Dunkelheit erreichten. Dieses entschädigte uns mit einen Super-Zimmer und leckerem böhmischen Bier.
Für den Samstag hatte der Wetterbericht etwas Sonnenschein angekündigt, aufgrund von Dauerregen in der Nacht bildete sich aber eine Suppe, die sich kaum auflösen wollte. Immerhin blieb es trocken.
Nach einem akzeptablen Frühstück ging es erst einmal zur Streckenbesichtigung, kurz vor 10 Uhr war Osoblaha/Hotzenplotz erreicht, wo die Diesellok 705 913 bereits mit einem Wagen zur Fahrt nach Tremešná ve Slezsku / Röwersdorf bereitstand. Etwas 10 böhmische Eisenbahnfreunde waren an diesem Tage auch unterwegs, gibt es doch immer mal wieder Gerüchte zur Einstellung des Schmalspurbetriebes.


Im Bahnhof Hotzenplotz steht 905 713 zur Abfahrt bereit.

Etwas Geschichte
Die Schmalspurbahn von Röwersdorf nach Hotzenplotz wurde 1898 eröffnet, um den nordöstlich von Röwersdorf gelegenen Gebieten einen Anschluß an die weite Welt zu bieten und die Produkte aus der Region abtransportieren zu können. Die Gegend um Hotzenplotz gehört zu den südlichen Ecken von Schlesien, war nach Schlesischen Krieg 1742 jedoch Mähren unter österreichischer Krone verblieben, während der überwiegende Teil Schlesiens von Preußen annektiert wurde. Durch die neue Grenze wurden auch die bisherigen wirtschaftlichen Beziehungen von Hotzenplotz zum bisherigen Wirtschaftraum unterbrochen.
Nach einer Anekdote soll die Strecke durch zahlreiche Kurven auf eine Länge über 20 km gebracht worden sein, da sich in Österreich angeblich nur Lokalbahnen länger als 20 km wirtschaftlich rechneten. Grund dafür dürften aber wohl eher die hügelige Landschaft gewesen sein und der Wunsch, den Umfang der Erdarbeiten zu reduzieren.
Mit der Besetzung des Sudetenlandes gelangte die Strecke 1938 in den Bestand der Deutschen Reichsbahn, ab 1945 wurde die Strecke von der CSD übernommen. Aber erst ab 1948 gelangte mit 99 702eine Nachbau-VI K, bezeichnet als U58.001 auf die Strecke. 1957 wurde die Lok wieder abgegeben.
Seit 1958 kommen auf der Strecke Diesellokomotiven der Baureihe T47.0, heute bezeichnet als CD-Baureihe 905 zum Einsatz.


1954 beschaffte die Staatsbahn CSD 6 Lokomotiven der neuen Baureihe T47.0 für ihre Schmalspur-bahnen, 1958 folgte eine zweite Serie von 15 Maschinen. Diese wiesen pro Führerstand zwei Türen und eine Falttür zum Gepäckabteil auf. Ursprünglich waren die Loks mit einem 257 kW-Dieselmotor mit elektrischer Leistungsübertragung ausgerüstet. Die Lok bringt 32 t auf die Waage und schafft 50 km/h.
905 713 erhielt 2010 einen neuen LIAZ-Motor mit 282 kW, gleichzeitig wurde der Führerstand modernisiert. Während 905 713 den Plandienst versah, war 905 716 in Hotzenplotz abgestellt, 905 717 in Röwersdorf.


Im Gegensatz zu den Unterwegsbahnhöfen verfügt Hotzenplotz über etwas ausgedehntere Bahnhofsanlagen mit einem zweiständigen Lokschuppen. Gegen Mittag lugte hier kurz mal die Sonne zwischen den Wolken hervor. 905 713 übernimmt den Plandienst.


3 Kilometer weiter wird der Bahnhof Bohušov/ Füllstein erreicht. Ein Empfangsgebäude mit Güterschuppen und ein kombiniertes Kreuzungs-/Ladegleis mit Ladestraße reichen völlig aus. Gegen Mittag zeigte sich dann auch mal die Sonne.


Weitere fünf Kilometer weiter wird der Bahnhof von Slezské Rudoltice/Roßwald erreicht. Der Bahnhof wird im Sommer für die Kreuzung mit dem historischen Dampfzug genutzt. Der Bahnhof befindet sich gut 500 Meter außerhalb des Ortes, dessen Zierde ein prächtiges kleines Schloß ist.


Der Bahnhof von Horni Povelice / Ober Paulowitz hat schon bessere Zeiten erlebt. Früher war er mit Ladegleis ausgerüstet, inzwischen ist er zum Haltepunkt degradiert, das Bahnhofsgebäude zerfällt langsam.


Die Ausfahrt in Richtung Hotzenplotz ziert ein Marterl.


Nach nur vier Minuten Fahrzeit wird Dív
í Hrad/ Maidelberg erreicht. Eine Holzhütte, eine kaum wahrnehmbare Bahnsteigkante und ein Schild, mehr gibt es hier nicht. Bis zum Ort mit seinem kleinen Schlößchen sind es zwei Kilometer.


LiptáH/ Liebenthal liegt nur 4 Kilometer von Röwersdorf entfernt. Die Ausstattung entspricht in etwa dem Bahnhof Bohušov.


Ab Liebethal verläuft die Bahn fast parallel zur Straße, so daß es einfacher war, an die Strecke zu kommen.


Richtung Röwersdorf wird diese mächtige Eiche passiert.


905 713 ist hier bereits auf dem Rückweg nach Hotzenplotz und hat gerade die Talsenke in Röwersdorf passiert. Das Bild entstand mit ständigem Blick auf die Wolken, bei Sonne wäre es voll die Schattenseite gewesen, dafür hätte es von der anderen Seite herrlichen Wald mit Laubfärbung gegeben.


In TYemešná ve Slezsku / Röwersdorf endet die Bahn vor dem Empfangsgebäude. Auf der Normalspur besteht Anschluß nach Krnov / Jägerndorf. Bevor 905 713 umsetzt, geht es noch schnell an die Tankstelle. Im Bahnhof sind diverse Wagen des Touristenzuges abgestellt.


An der Rollbockgrube stehen zahlreiche Rollböcke nebst Diesellok TU38.001 und erinnern daran, daß hier einst reger Güterverkehr herrschte.

Damit endet unsere kurze Exkursion an diese reizvolle Strecke, um 15 Uhr geht es weiter in die Slowakei nach Cierny Balog. Aber das gehört schon zu nächsten Geschichte

Falk Thomas

Antworten:

Auf nach Hotzenplotz

Schöner Bericht, aber Hotzenplotz liegt schon noch in Mitteleuropa ... ;) Wobei du mit deinem Reiseruf sicher recht hast.

Die Geschichte mit den 20 km ist eine nette Anekdote, und auch der Ausgangspunkt sollte ursprünglich nicht in Röwersdorf sein. Die beste Anbindung für das "Räuber-" Städtchen wäre sicher in Neustadt/Prudník gewesen, aber eben der friederiziansische Raub trennte es von den früheren Verbindungen/Beziehungen ab.


"Wenn sich das Rad der Geschichte in Bewegung setzt, hat der Einzelne oft keine Chance." (Prof. Kučera: "Die deutsche Minderheit in der 1. Tschechoslowakischen Republik", Vortrag im Rahmen einer HDO-Studienwoche zur deutschen Geschichte und Geschichtskultur in Ostmitteleuropa)


Alles Gute,
schönes Wochenende!

von awp - am 16.11.2013 08:17
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