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Fotogalerie Tschechien und Slowakei
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vor 2 Jahren
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awp, 217 055, PKP-ST44, Martin L.

Alltag. Über die Grenze.

Startbeitrag von awp am 24.01.2016 17:49

Außer man ist den Triebwägelchen geneigt... sinnierte der geschätzte Kollege Malo in einem anderen Heldenforum, warum es für ihn nach Ende der lokbespannten zäh war, brauchbares vor die Linse zu bekommen. Sein Schaffen an 149 und 161 indes läßt aber doch auch diese Geneigtheit konstatieren, zumindest fallweise …
:cheers:

Oder aber man hat die Chronistenpflicht zu auftragsbezogener Fotografie. Nachdem schon das gesamte Jahr 2015 über die Bauarbeiten mit dem krönenden Erfolg der Wiedereröffnung dokumentiert wurden, sollen natürlich auch ein paar neuzeitliche Alltagsbilder Eingang ins geplante Buch finden. Und urplötzlich erwachte sogar Frau Holle aus ihrem Tiefschlaf, nachdem alle Wintersportler den ganzen Dezember über bis Ferienende zu Dreikönig in die Röhre geguckt hatten. Zur Monatsmitte trat auch noch Frau Klara hinzu, so daß es kein Halten mehr gab. Als erstes sollte der fränkische Abschnitt begutachtet werden. In Böhmen war man ja die ganzen Jahre schon immer wieder aktiv gewesen.




Verantwortlich für meine revolutionäre Ungeduld war die Kunde vom bevorstehenden Abriß des letzten Postenhauses vor der Grenze. Ohne dieses ist jedoch die große Kurve beim Dorfe Wildenau nicht mehr der Bogen Wildenau. Zwar ist bereits die Telegrafenleitung Geschichte, doch ohne das 150jährige Gebäude fehlt einfach noch mehr, Vertrautes. In der Gesamtschau: rechts der Kamin mit den Werkhallen der früheren Textilfabrik Fischer’s Söhne, in Bildmitte der freigelegte Hainbergturm, einer der drei in Böhmen zu Ehren Bismarcks errichteten, der Schornstein des städtischen Heizwerkes und, markant die Dachlandschaft des ascher Gymnasiums heraus. Über dem Wärterhaus läßt sich das ascher Westend ausmachen, Standort des Stadtbahnhofs der Roßbacherin. Links folgt die GÜST, davor das in Zeiten des Eisernen Vorhanges stark frequentierte Gasthaus, indem die Grenzlandschauer anschließend Einkehr hielten. Der VT 19 ist auf dem Wege nach Eger (20879).




Die richtige Länge für die Lücke. 650.703, ebenso ein Leihwagen wie die VGB-642er bis zur Auslieferung der neuen Fahrzeuge, erhielt zur Streckenwiedereröffnung eine völkerverständigende Botschaft zwischen dem Kreis Karlsbad und dem Bahnland Bayern. Dieses Unikat könnte also ebenso nur zeitlich begrenzt im Einsatz sein. Und die gelungene Darstellung gefällt mir persönlich deutlich besser als zuglang verschmierte Güterwägen der Frankenwaldumleiter.




Im böhmischen Haslau sind zumindest planmäßig die Kreuzungen der Hof-Egerer Züge vorgesehen. Zusammen mit dem Stationsgebäude, der einzige bayerische „Würfel“ in Böhmen, muß dies unbedingt noch dokumentiert werden. Doch dafür sind die Tage im Moment noch zur kurz. An der ascher Ausfahrt fand sich aber am 21. Jänner um 15.05 Uhr noch genügend Licht. Zugleich beantwortete 814.034 die Frage, wie das Tageszugpaar nach Roßbach ausschaut …




Tags darauf entließ Welle No. 4 auf dem Stadtbahnhof etliche Reisende. Ankunft als MOs 17206. Nach einigem Aufenthalt machte sie sich mit Nummernwechsel auf in den nordwestlichsten Zipfel. 17220 hin, 17221 retour. Das tägliche Zugpaar.




Dieser Freitag begann völlig verkorkst. Viertel Neun traf ich auf der Brücke Vielitz unweit des Bf. Neuplößberg ein. Der kleine Einschnitt zaubert nämlich im Gegenlicht, vor allem mit auflösendem Nebel, besonders schöne Stimmungen. Doch vom 20875 keine Spur! 8.18 Uhr rollte dann 84401 nach Selb Stadt unter mir durch. Damit war klar, der Fern-Zug konnte noch nicht raus sein. Der 650.709 kam als 402 wieder raus. Nix passierte anschließend. Als eine Stunde später der 403 aufgenommen war, schwante mir, daß sie nun kommen würden …




Der vom Bewuchs freigelegte Einschnitt mit Blick gen Schönwald verlangt eigentlich nach einem langen Zug. In Ermangelung dessen sollte es dann zumindest mal der VT 19 sein, denn die weißen Bäume gefielen doch gar. Die Verspätung konnte allerdings durch die knappe Wendezeit in Hof nicht reduziert werden. Ich ahnte es zwar, konnte aber nicht sicher sein: der 20875 kreuzte außerplanmäßig mit dem 874 in Neuplößberg …
Das große Gebäude war früher eine Kavalleriekaserne, nachdem der Ort 1810 endgültig zu Bayern kam. Verschwunden sind jedoch die Anlagen der Porzellanfabrik Schönwald, Betriebsteil B und PS, die auf Bildern aus der Dampflokzeit von diesem Standpunkte gleichfalls den Hintergrund bestimmten.




Der Bockelberg war vor dem Bau der Umgehungsstraße ein bei Jung und Alt beliebtes Refugium an Natur, sein Hang des Winters eine tolle Abfahrtpiste für Schlitten und Schier. Der Straßeneinschnitt hinterließ also einen wahrhaft tiefen Einschnitt. 84407 befährt auf dem Weg nach Selb Stadt die Straßenbrücke. Am Waldsaum oberhalb verläuft die egerer Trasse – die Höhendifferenz auf dem kurzen Streckenstück ab Bf. Neuplößberg ist schon beachtlich. Nur auf der Stichstrecke nach dem Stadtbahnhof wird übrigens gepfiffen. Die Grenzstrecke ist entweder vollkommen gesichert oder die Überwege sind aufgelassen worden!




Hier lagen früher mehrere Gleise. Rechts hinten stand ein Stellwerk. 650.713 kommt aus der Stadt, hinten links geht es im Bogen nach Asch. Die zuvor gezeigte Brücke ist nur wenig entfernt.




Das wichtigste Objekt des Wiederaufbaues darf nicht fehlen, zumal der Schnee die Baunarben schön kaschiert. Genau zur Durchfahrt des 20876 lichtete sich die Hochnebeldecke. Bei der ersten Bildbegutachtung verblüffte zudem die völlig leere Straße … Seitdem auch Lkw über die Grenze dürfen, rollt es eigentlich ununterbrochen. Sonntags sind zwar weniger Frächter unterwegs, dafür umsomehr private Einkäufer. Der Straßenlärm ist deshalb deutlich lauter als die Eisenbahn.




Der Perlenbach ist nicht nur Grenze zwischen den Bistümern Regensburg und Bamberg, sondern auch Wetterscheide, damit Nebelgrenze. Liegt Selb in dicker Suppe oder unter Hochnebel, kann nur ganz wenige Kilometer westwärts die Sonne von einem makellosen Himmel scheinen. So auch am 19. Jänner. In Eulenhammer wurde deshalb nebelfrei der 20875 erwartet. Das für diesen Zug eigentlich anvisierte Motiv im Grenzabschnitt harrt noch der Umsetzung.




In Grünhaid hat man zwar dem Lärm eine Mauer vorgesetzt, was aber nicht wirklich viel bewirkt. Doch der Bahndamm ist an dieser Stelle wieder freigelegt worden. 650.713 kommt als 84411 aus Hof.




Da haben sie tatsächlich den schon 30 Minuten verspäteten 20876 aus Eger in Neuplößberg aufgehalten und die agilis bis Rehau zur Kreuzung mit dem Gegenvögelchen vorfahren lassen. Ehe das (zuvor gezeigte) nun wieder in Plößberg eintraf, erhöhte sich die Verspätung des Fernpersonenzuges auf 50 Minuten. Ganz klar: es fehlt in Schönwald ein Kreuzungsgleis und Neuplößberg besäße besser auch ein weiteres. Diese Planung halte ich von Anfang an für zu knapp bemessen. Denn irgendwann werden die böhmischen Reisenden die Nase vollhaben, die ja jetzt auf den Umstieg in Asch angewiesen sind. Und wer wartet schon gern – wie gesehen – eine Stunde auf seinen Zug? Da wird der Umstieg kommen, auf den Bus Asch – Eger.




Zu den wieder möglich gewordenen Fotostellen gehört auch dieser Blick von der Bahnbrücke nächst Grünhaid. Sehr freizügig ist während der Bauphase auf der gesamten Linie Oberkotzau – Grenze die Säge geschwungen worden. Das reizt zu bildlichen Gegenüberstellungen mit damals™.




Partielles Selfie mit aufgehender Cargosonne. Die Tage werden wieder spürbar länger. Vier Wochen zuvor war schon um dreiviertel Vier das Licht ausgeknipst worden. Der 20881 eilt Böhmen entgegen und passiert sogleich die Grenzlinie.




Auch für den mit 10 Minuten verspäteten 20880 reichte das allerletzte Licht noch aus. Danach ging es nach Haus’ …


Alltag. Allen, die wegen angeblich vergeudeter Millionen barmen: kein Nahverkehr – mit Ausnahme einzelner S-Bahn- oder ähnlicher Systeme – fährt kostendeckend. Dafür gibt es Ausgleichszahlungen aus unseren Steuergeldern. Zur Zeit der Beamtenbahn „Subventionen“ genannt, heute „Regionalisierungsmittel“. Gut angelegte Mittel, egal, wie sie geheißen. Vier Wochen nach Eröffnung ist es für eine Bestandsaufnahme eh noch viel zu früh. Und wer weiß, man will ja nicht wirklich unken, aber vielleicht ist in der an sich so reichen BRD diese Linie bald die einzige Schienenverbindung zwischen diesem böhmisch-fränkisch-sächsischem Grenzpunkte und der nächsten in Johanngeorgenstadt, folgend das Elbtal.
Der Lok Report zitierte dieser Tage eine DB-Pressemeldung aus Sachsen: "Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Neuverteilung der Mittel wird deutlich, dass der ÖPNV auch in Sachsen vor Veränderungen steht. Wir müssen den ÖPNV neu denken. Dies kann auch bedeuten, dass bestehende unrentable Bahnverbindungen zugunsten eines attraktiveren und wirtschaftlicheren Busverkehrs durch die Zweckverbände abbestellt werden. ÖPNV bedeutet nicht zwingend SPNV. Beispiele zeigen, dass dadurch ländliche Regionen besser angebunden werden und eine bessere Taktung erreicht werden kann.
„… Ein Schwerpunkt in diesem ÖPNV-Landesinvestitionsprogramm ist und bleibt auch die Busförderung. Im Haushaltsjahr 2015 wurden insgesamt 184 Omnibusse gefördert - so viele wie in keinem Jahr seit 1995. Dafür stellte der Freistaat Sachsen rund 16 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung. Ziel ist es, die Busflotten der sächsischen Verkehrsunternehmen kontinuierlich zu verjüngen … „
"Moderne Fahrzeuge erhöhen die Sicherheit des ÖPNV - insbesondere des Schülerverkehrs. Die neuen Busse erfüllen die aktuellsten Abgasnormen und sind damit gut für die Umwelt. Zudem ist die Busförderung eine überaus wichtige und sehr direkt wirkende Unterstützung für die vielen regionalen und lokalen Verkehrsunternehmen, die einen attraktiven und sicheren ÖPNV in den ländlich geprägten Räumen Sachsens sicherstellen." Nein, das stammt nicht vom vielgehaßten Morlock. Sondern vom derzeitigen. Martin Dulig. Die Farben von Parteien oder -büchern scheinen ohne Belang?


Glückauf!

Antworten:

Zukunft

Servus Andreas,

auch Dir besten Dank für Deine aktuellen Bilder. Ich selbst habe es nach einer Bauzeitbesichtigung bisher nur zu einer Stunde Aufenthalt in Cheb zum Züge gucken geschafft. An diesem Nachmittag waren sogar die Hofer Züge pünktlich!

Zitat
awp
Der Straßenlärm ist deshalb deutlich lauter als die Eisenbahn.


"Das ist doch Propaganda von Dir!" ;-) Kann ja gar nicht sein - Gummireifen sind ganz leise.


Zitat
awp
...
Ehe das (zuvor gezeigte) nun wieder in Plößberg eintraf, erhöhte sich die Verspätung des Fernpersonenzuges auf 50 Minuten. Ganz klar: es fehlt in Schönwald ein Kreuzungsgleis und Neuplößberg besäße besser auch ein weiteres. Diese Planung halte ich von Anfang an für zu knapp bemessen. Denn irgendwann werden die böhmischen Reisenden die Nase vollhaben, die ja jetzt auf den Umstieg in Asch angewiesen sind. Und wer wartet schon gern – wie gesehen – eine Stunde auf seinen Zug? Da wird der Umstieg kommen, auf den Bus Asch – Eger.


Das von Dir Geschilderte ist auf jeden Fall ein Armutszeugnis erster Güte. Zumindest dann, wenn es kein Einzelfall als Ausnahme wäre. Selbst wenn die Infrastruktur so ist wie sie ist, muß man nicht mit Gewalt so hoch verspätete Züge durchdrücken - zum Schaden über lange Zeit. Da könnte man auch mal in Selb-Plößberg statt in Hof wenden und die agilis als Zu- und Abbringer nutzen. Die (Gesamt-)Verspätung wird wohl niemals höher liegen als 50 min allein für den Zug von Hof nach Cheb und weiter. Es ist ja nicht so, als müßte der Fahrgast zwei Stunden auf die nächste Fahrmöglichkeit warten.
"Naja, aber die "Privaten" können es eben besser als die Staatsbahn."


Zitat
awp
... Und wer weiß, man will ja nicht wirklich unken, aber vielleicht ist in der an sich so reichen BRD diese Linie bald die einzige Schienenverbindung zwischen diesem böhmisch-fränkisch-sächsischem Grenzpunkte und der nächsten in Johanngeorgenstadt, folgend das Elbtal.

Der Lok Report zitierte dieser Tage eine DB-Pressemeldung aus Sachsen: "Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Neuverteilung der Mittel wird deutlich, dass der ÖPNV auch in Sachsen vor Veränderungen steht. Wir müssen den ÖPNV neu denken. Dies kann auch bedeuten, dass bestehende unrentable Bahnverbindungen zugunsten eines attraktiveren und wirtschaftlicheren Busverkehrs durch die Zweckverbände abbestellt werden. ÖPNV bedeutet nicht zwingend SPNV. Beispiele zeigen, dass dadurch ländliche Regionen besser angebunden werden und eine bessere Taktung erreicht werden kann.

„… Ein Schwerpunkt in diesem ÖPNV-Landesinvestitionsprogramm ist und bleibt auch die Busförderung. Im Haushaltsjahr 2015 wurden insgesamt 184 Omnibusse gefördert - so viele wie in keinem Jahr seit 1995. Dafür stellte der Freistaat Sachsen rund 16 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung. Ziel ist es, die Busflotten der sächsischen Verkehrsunternehmen kontinuierlich zu verjüngen … „
"Moderne Fahrzeuge erhöhen die Sicherheit des ÖPNV - insbesondere des Schülerverkehrs. Die neuen Busse erfüllen die aktuellsten Abgasnormen und sind damit gut für die Umwelt. Zudem ist die Busförderung eine überaus wichtige und sehr direkt wirkende Unterstützung für die vielen regionalen und lokalen Verkehrsunternehmen, die einen attraktiven und sicheren ÖPNV in den ländlich geprägten Räumen Sachsens sicherstellen." Nein, das stammt nicht vom vielgehaßten Morlock. Sondern vom derzeitigen. Martin Dulig. Die Farben von Parteien oder -büchern scheinen ohne Belang?


Nach dem Lesen dieser Zeilen war mein Entsetzen sicher nicht geringer ausgeprägt als Deines. Auch wenn es vorerst wahrscheinlich nur mal als "vorbereitende Maßnahme" gedacht ist. Nach meiner Einschätzung werden sich solche Aussagen in nächster Zeit in zunehmender Dichte wiederholen, gewissermaßen um die Leser an den Sachverhalt zu gewöhnen. Dann wird man sehen, wer sich angesprochen fühlt und aktiv wird - und wo es keinen Meinungsstreit gibt. Wo kein Widerstand, da geht die Umsetzung ganz still über die Bühne - zum Zeitpunkt X! Wo es Widerstand gibt, wird man ein "Katastrophenszenario der Eisenbahnbefreiung" hinstellen und sich scheibchenweise auf "die Hälfte" abhandeln lassen. Da bleibt genug übrig zum Liquidieren. Und viele Leute verlieren in dem Prozeß ihre Motivation für Engagement. Auch, weil sie sich anschließend ohnmächtig fühlen.

Was ich beim Vorstehenden vergessen habe, ist Folgendes. Manches hat sich geändert, manches ändert sich noch. Auch die Prioritäten der Nutzer des ÖV. Das will ich gar nicht übersehen - Denkverbote sind da nicht hilfreich. Außerdem gibt es auch in Sachsen nur wenige mir bekannte Buslinien, die wirklich in Angebot und Fahrplangestaltung (gerade auch Umsteigemöglichkeiten ohne Zufallsanschlüsse) und Zielführung (damit auch Reisegeschwindigkeit) einen Vorteil gegenüber der Eisenbahn bieten. Und wenn das alles nicht vorhanden ist, dann bleibt nur der Kostenvorteil für den Aufgabenträger als Vorteil übrig - und darauf zielt es meiner Meinung nach ab. Eigentlich Autoförderung, wozu hat man denn in den letzten 20 Jahren die Tausenden Kilometer Straßenausbau, -neubau und die Ortsumgehungen gebaut. Für diese (Straßen) scheint auch nicht zu gelten, daß die Bevölkerungsdichte zurückgeht und und außerhalb der Ballungsräume "entvölkerte Regionen" drohen. Solche "Argumente" gelten immer nur für den ÖV. Es werden genau dort weiter fleißig weiter u. a. Ortsumgehungen für Straßen gebaut.

Ohne Anspruch auf vollständige Richtigkeit liegt mir gerade im Sinn, daß vor dem zweiten Weltkrieg (und außerhalb der SFS der letzten 30 Jahre (aus anderen Gründen teilweise fragwürdig)) die auf "Vollspur" umgebaute Müglitztalbahn wohl ein letztes Beispiel für ÖV-Bevorzugung bei der Trassierung gegenüber der Straße darstellt. "Heute" werden Straßen mit allen teuren Hilfsmitteln wie Brücken und Tunneln konkurrenzfähig gemacht (und fast nie schreit jemand nach den Kosten!) - und Eisenbahnen bleiben kurvenreich und damit (relativ) langsam in den Flußtälern zurück, oft auch mit "Zugangsstellen" außerhalb der Siedlungskerne. Viel zu oft wurden mögliche Verbesserungen zu lange nicht umgesetzt. Die Ergebnisse dessen sind seit geraumer Zeit zu beobachten.

Und als Prognose meinerseits (hoffentlich ohne jeden prophetischen Bestandteil) halte ich Deine Vermutung der schienenverkehrlichen Zukunft mit Möglichkeiten der Grenzüberschreitung bei Aš, Johanngeorgenstadt und Schöna für sehr optimistisch.
Sollte (beispielsweise) die Erzgebirgsbahn (als Synonym für die beteiligte Bevölkerung) erfolgreich kämpfen, wird der "Sieg" wohl eher so aussehen, daß man per Zug noch bis höchstens nach Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz und Pockau-Lengefeld fahren kann (jeweils von Norden bzw. Westen). Für alles darüber hinaus müßte man nicht solche Schreiben aus dem Verkehrsministerium verschicken.
Ich bin mir sicher, daß es in sogenannten Denkfabriken und Hinterzimmern Kartenwerke gibt, auf denen der Schienenverkehr nur noch aus Strecken besteht, die zwei Gleise und den Strick darüber aufweisen. Wenige Ausnahmen darüber hinaus müssen aber mindestens ein Geschwindigkeitsniveau von 80 km/h aufweisen. Und das ist in Gebirgstälern in aller Regel nur punktuell machbar.


Entschuldigung für diese pessimistische Darstellung

Grüße
217 055

von 217 055 - am 24.01.2016 20:01

Ja ja, der Bus

Der Bus ist offenbar das Nonplusultra im Bereich des öffentlichen Verkehrs!
Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich die Entwicklungen in diesem Bereich ansieht.

Der zuständige Bundesminister freut sich über die zigmillionen Fahrgäste bei den Fernbussen,
im Schienenverkehr ist dagegen offenbar hauptsächlich der permanente w-lan Zugang wichtig.
Stabile Schieneninfrastruktur und bahnfestes Rollmaterial bleibt dabei leider öfter einmal im wahrsten Sinne auf der Strecke.

Und der Bereich des Güterverkehrs sieht m.M. nach noch schlimmer aus.
Alleine die durch LKW vollgestellten Autobahnrastplätze sprechen eine deutliche Sprache.
Diesel ist derzeit billig und offenbar unendlich in seiner Verfügbarkeit, der Trucker verbringt sein Wochenende in der Fahrerkabine am Straßenrand -
in meinen Augen ist das moderne Sklaverei!

Aber immer schön nach der Devise "Geiz ist Geil" - also immer brav zu sich immer weiter verschlechternden Bedingungen für den Arbeitnehmer ranklotzen.
Und wenn eine Berufsgruppe aufbegehrt, geht ein kollektiver Aufschrei durchs Land. Geschürt auch von der Politik und teils auch von den Medien.

Wer von unseren Volksvertretern erinnert sich eigentlich noch an die Ziele der vielgepriesenen Bahnreform?
Sind da welche von damals eigentlich heute noch in verantwortlicher Position aktiv, die man an das Ziel "mehr Verkehr auf die Schiene" erinnern könnte?!

Aber ich höre hier jetzt lieber auf mit meinem Lamentieren und wende mich den gezeigten feinen Bildern zu.

Ein schönes Wintermärchen hast Du dokumentiert, sehr erfreulicher Anblick.

Danke fürs zeigen,

Martin

von Martin L. - am 25.01.2016 13:12
Hallo Andreas,

sehr schön dein Einblick an diese Strecke.
Deine Motivauswahl überzeugt.
Meine Favoriten sind die Bilder 10 und 11.
Bild 10 bietet alles für eine modellbahnerische Umsetzung. Am meisten gefällt dabei der große Baum direkt neben dem Bahndamm und am Bahnübergang.
Beim Bild 11 gefällt mir besonders der alte Holzschuppen.
Leider müssen wir uns in der Zukunft immer mehr den Gegebenheiten des preiswerten Triebwagenverkehr anpassen.
Lokbespannte Züge werden leider immer weniger auf den nicht so stark durch Reisende frequentierten Strecken.
Der Güterverkehr zieht sich auch zunehmend aus den Bedienungen in der Fläche zurück.
Immer mehr Ladestellen werden offen gelassen und so werden die Straßen immer mehr durch die gummibereifte Fraktion verstopft.
Dennoch bieten diese idyllischen Nebenstrecken sehr schöne Fotomotive, da der Umbau oder eine Modernisierung noch etwas auf sich warten lassen.


Winterliche Grüße

Ronny

von PKP-ST44 - am 26.01.2016 09:54

Ihnen war das Schicksal hold.

Ich freue mich, daß beide Bäume rechts und links die Arbeiten überlebt haben. Denn sie gehören zur Lokalität Eulenhammer. Andere hatten nicht so viel Glück. Der Holzschlag auch entlang der Altstrecke war schon arg massiv. Und ob immer unbedingt notwendig ...

Mit der bis August vorhandenen Telegrafenleitung wirkte der Motivpunkt noch einen Tick reizvoller, ursprünglicher. Obgleich die Bahn in diesem Bereich bereits einen graveirenden Einschnitt durch eine Trassenverlegung erlebte. Die gerade Linienführung mit der Autobahnbrücke hinten im Wald entstand erst beim Bau der A93. Zuvor schwenkte die Trasse etwa hinter dem Vögelchen mit Rechtskurve in den Wald, beschrieb ein Frqagezeichen und traf nach knapp einem Kilometer oberhalb vom Sägewerk wieder auf die ursprüngliche Linienführung.



Aber mann will ja nicht allzu vermessen sein. Die Bahn fährt ja hier weiter. Zum Epilog meines Beitrages fand sich nämlich diese Ergänzung, die meinen Optimismus in Bezug auf Johanngeorgenstadt nicht teilen mag:

Freie Presse: Sächsische Planspiele

Damit hätte der AKAK unfreiwillige Reiseziele bis weit in mein Rentenalter hinein. Aber ob ich mir das antue?


Glückauf!

von awp - am 26.01.2016 18:32

Re: Alltag. Über die Grenze!

Hallo,

gemäß der Überschrift begab ich mich gestern, am Sonntag, auf eine Reise von Wohnort zu Wohnort (dem anderen) inklusive einiger Stiche bzw. Schlenker zwecks Auffrischung bzw. Erstbereisung für die "Streckenkunde".
Der 5-stündige Stich führte aus dem mittleren Egertal nach Moldava v Krušných horách, aber davon soll hier keine Rede sein.

Der Schlenker führte dann von Cheb über Hof nach Marktredwitz, was die Fahrzeit gegenüber dem direkten Weg nach "Rawetz" um genau 2 Stunden verlängerte.
In Cheb standen zwischen 20 und 30 Personen auf dem Bahnsteig und stiegen dann in den 642 317 als Os/OPB 20880 ein. Einige wenige Personen stiegen auch aus Richtung "Rawetz" kommend aus. Der Kundenbetreuer der Oberpfalzbahn zog sich still als Fahrgast zurück und eine Kollegin der ČD führte bis Aš das Zepter im Zug.
Dort wurde nach der Abfahrt der OPB-Betreuer aktiv und ging durch den Triebwagen, kam aber so schnell zurück, daß ich auch gleich noch mal nachsehen mußte. Ganze 4 Personen fuhren über die Grenze, davon waren nur zwei über 4 Jahre alt. Daran änderte sich auch bis Hof nichts mehr.
Natürlich war das eine Einzelfahrt und die ist völlig ohne Aussagekraft über Tendenzen oder ganztägige Zahlen - aber etwas irritiert war ich davon schon.

Gibt es Mitforisten, die auf dieser noch neuen Relation ebenfalls Beobachtungen gemacht haben? Ähnliche oder abweichende? Die Eröffnungstage lassen wir da mal außen vor, schlage ich vor.
Die Anschlußsituation in Cheb ist jedenfalls richtig gut, was überregionale Zu- und Abbringer angeht. Ca. 10 min Übergangszeit zu und von den Schnellzügen Richtung Plzeň und Chomutov! Da passt es wirklich. Genauso wie in Marktredwitz. Nur in Hof sieht es anders aus.


Grüße
217 055

von 217 055 - am 08.02.2016 14:16
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