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Fotogalerie Tschechien und Slowakei
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MichaelH., RR

Büchsenpower im Riesengebirge - Teil 4 - Exkurs ins Sázava-Tal ( m. 11 B. )

Startbeitrag von RR am 17.02.2016 23:16

Heute gibt es also ein kleine Exkursion, aus dem Riesengebirge vor dem schlechten Wetter geflüchtet, in das ... schlechte Wetter. Denn als ich früh morgens in meinem Prager Hotel aufwache, ist der Himmel durchgängig bewölkt. Den Laptop angeworfen und den aktuellen Wetterfilm gesichtet, aber irgendwie tritt die Suppe auf der Stelle. Also das Frühprogramm gekänzelt und beschlossen das Frühstück mitzunehmen. Also nicht zum Mitnehmen, sondern einfach nicht verfallen lassen. Letzteres wäre aber wohl nicht verkehrt gewesen, dann noch lieber die Wiener mit Senf aus dem Riesengebirge als dieses geschmacklose Buffet mit Rühreiern, die ich einfach nicht runtergebracht habe. Dann war ich doch schneller draussen als geplant, so dass ich in der Strasse des - nicht im Bild sichtbaren - Hotels noch eine Strassenbahn aufnehme :


ul. nuselská, 29.8.2015

Mein Plan war eigentlich, die letzten noch fehlenden Motive im Tal der Sázava an der Strecke 210 einzutüten, bevor es zu spät ist ( Betonisierung, Felssanierung etc. ). Zug 1 im Bahnhof Kamenný Přívoz, Zug 2 am Stauwehr in Žampach und Samstags-Zug 3 an der Píkovická jehla von der gegenüberliegenden Felsseite. Alles Makulatur. Ohne weiteren Plan beschliesse ich erst mal zur ONO-Tankstelle zu fahren und vollzutanken, Zeit habe ich ja. Die ist in der Kutnohorská, und als ich mit der Betankung fertig bin, spüre ich plötzlich wärmende Strahlen im Rücken und erblicke einen strahlend blauen Himmel südlich der Hauptstadt, genau dort, wo mein Zielgebiet wäre. Das muss unglaublich schnell aufgerissen haben, ohne dass ich es gemerkt habe. Wäre ich doch gleich früh ... aber zu spät. Ich zücke die Karte und bilde mir ein, dass ich es über Říčany und Velké Popovice - es grüßt das Bier vom Vorabend - noch für den ersten Zug bis Týnec nad Sázavou schaffen kann. Aus der gerade noch gelebten Gemütlichkeit wird plötzlich unglaubliche Hektik und die Wege durch die Prager Vororte ziehen sich unendlich, als ich das Bierdorf Velké Popovice und und die letzte Ansiedlung Kamenice hinter mir habe sind es nur noch gut 5 Minuten bis zur Planabfahrt in Týnec nad Sázavou, eigentlich nur noch zu schaffen, wenn der Zug Verspätung hat. Der Vordermann und die Baustellenampel Čižov müssen halbwegs ignoriert werden, so leid es mir tut. Exakt zur Planabfahrtszeit um 9.52 Uhr komme ich am Bahnhof in Týnec nad Sázavou an, aber alles für ein Bild, das ich schon zigMal habe ? Na ja, besser als nix und angesichts der mittlerweile eingetretenen, bereits oben erwähnten Betonisierung freue ich mich über das Bild mit 754 044, die ich hier noch nicht hatte :


754 044, Os 9055 Praha - Čerčany in Týnec nad Sázavou, 29.8.2015

Damit war zwar das erste Wunschmotiv ausgefallen, aber zum Stauwehr in Žampach für den zweiten Zug sollte es zu schaffen sein. Das Wetter ist ja jetzt makellos ... also auf, weg vom Bahnhof und ab rechts auf die Hauptstrasse nach Kamenný Přívoz, von dort muss man dann etwa 10 Minuten zu Fuss laufen. Aber halt, ein Polizist steht vor einer Strassensperre und winkt ab. Die Hauptstrasse ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Also wieder ein Blick in die Karte, entweder zurück über den Weg, den ich gekommen bin um bei Krhanice wieder rauszukommen - viel zu weit, da schaffe ich es nie - oder westlich über Podělusy und Lešany, das klingt besser, da ist alles drin. Die Betonplattenstrasse bremst dann aber nach einer Weile und ab Břežany ist plötzlich ein Stau angesagt, unendliche Autos vor mir. Aber nein, sie hatten nicht die gleiche gute Idee wie ich, vielmehr beging das Militärmuseum in Lešany - dessen Besucher uns in den letzten Jahren schon so manchen Schmunzler hervorlockten, soweit sie in Krhanice ausstiegen - den "Tankový den v Lešanech 2015". Solche Veranstaltungen sind beim Nachbarn sehr beliebt und der Parkplatz für die Besucher war genau auf einer Wiese zwischen Lešany und Krhanice. Genial, ich war mittendrin. Nach einer Zeit geduldigen Wartens entschied ich mich für die britische Variante und ließ die Kolonne rechterhand hinter mir, die einweisenden Polizeibeamten an der Wiesenzufahrt hatten volles Verständnis, ich wollte ja keinen Parkplatz. Aber bis zum Stauwehr schaffte ich es natürlich jetzt nicht mehr. An der Haupstrasse angekommen, stellte ich erst mal den Wagen ab, um zu überlegen was zu tun. Zu allem Überfluss war es plötzlich dunkel, die Sonne weg und ein riesiges Wolkenband zog über mich hinweg, zudem diverse "Rosinenbomber" und Militärhubschrauber, aus den Wäldern ringsherum krachte es wie im man sich einen dritten Weltkrieg vorstellen würde, "Tankový den" eben. Ich hatte gerade nichts dafür übrig und überlegte, was ich aus dieser skurillen Situation nun machen sollten. Dem kommenden Zug entgegenzufahren ging nicht mehr, Vornewegfahren geht auch nicht mehr, ich müsste ja wieder die gerade beschriebenen Umwege nehmen, also wartete ich an Ort und Stelle, auch ein Motiv, das ich noch nicht hatte, das Schotterwerk in Krhanice :


754 042, Os 9057 Praha - Čerčany zwischen Prosečnice und Krhanice, 29.8.2015

Das zweite Wunschmotiv ausgefallen. Nun war wieder kluger Rat teuer, zum dritten Zug - das mir wichtigste Motiv - waren noch 1,5 Stunden Zeit. Sollte es wieder aufreissen ? Das Wolkenband zog nicht gerade vielversprechend, aber mir fiel nichts anderes ein und ich fuhr nach Píkovice um vom Haltepunkt Petrov u Prahy zur Píkovická jehla zu laufen. Vom Haltepunkt weg hatte ich noch gute 20 Minuten Zeit, das was man so erfahrungsgemäß braucht. Und siehe da, die Wolken hatten begonnen, sich wieder aufzulösen. Der Fußmarsch in praller Sonne zur Mittagszeit war nun ob des vorgegebenen Tempos schweißtreibend, aber ich konnte den anvisierten Standpunkt pünktlich erklimmen. Der Zug war zwar nachsichtig und gab mir mit gut 5 Minuten Verspätung etwas Zeit zum Verschnaufen, aber eine der wenigen verbliebenen Wolken am Himmel kam der Sonne immer näher, so dass zunächst Zittern, dann aber Frohlocken angesagt war :


754 031, Os 9061 Praha - Čerčany zwischen Petrov u Prahy und Luka pod Medníkem, 29.8.2015

Alle waren glücklich, ich, die drei Fotografen an der gegenüberliegenden Píkovická jehla und der Bergsteiger, der gerade den Gipfel derselben erklommen hatte :


Píkovická jehla, 29.8.2015

Für mich war der Tag damit gerettet. Da ich Samstags oft keine Zeit habe, war ich froh, dieses "Samstags-Motiv" nun endlich im Kasten zu haben.

Die Stelle für den entgegenkommenden Zug mit 754 044 war eigentlich ein Verlegenheitsmotiv, da die tschechischen Kollegen schon alles andere belegt hatten, es vermag aber doch zu gefallen :


754 044, Os 9058 Čerčany - Praha zwischen Luka pod Medníkem und Petrov u Prahy, 29.8.2015

Nun war die lange Mittagspause und ich gönnte mir zuerst eine eisgekühlte Himbeerbrause vom Fass im kleinen Biergarten am Haltepunkt Petrov u Prahy, der besten Errungenschaft der letzten Jahre an der Strecke :


Archivbild vom 11.7.2015

Ich setzte mich noch auf ein Mittagessen in den Biergarten einer Wirtschaft unten in Píkovice und fuhr dann nach Davle und verbrachte noch die restliche Zeit am Ufer der Moldau, bis 754 044 um 14.42 Uhr wieder aus Prag zurück kam :


754 044, Os 9063 Praha - Čerčany in Davle, 29.8.2015

Dieser Bahnhof ist ja bislang vom Betonisierungswahn verschont geblieben. Aber wie lange ? Im Frühjahr soll es ja wieder eine längere Fahrpause geben, anlässlich derer dann die letzten Formsignale fallen sollen.

Kaum zu glauben, aber noch während der Ausfahrt des Zuges verdunkelte eine dicke Wolke das Motiv, die war dann auch zur Stelle, als ich dem Gegenzug am ESig in Jilové u Prahy die Aufwartung machte.

Sodann verblieben noch zwei Wunschmotive um die Píkovická jehla herum mit den Abendzügen, so dass ich wieder nach Píkovice fuhr, um vom Haltepunkt Petrov u Prahy dorthin zu laufen, aber nicht ohne mich vorher nochmals mit einer Himbeerbrause zu stärken :rp:. Den ersten Zug nahm ich von der Datsche westlich der Píkovická jehla auf, da war wohl jeder schon oben, nur ich hatte es immer wieder aufgeschoben, aber jetzt ... zu meiner Verwunderung aber auch Freude kam nicht die eigentlich vorgesehene 754 042 mit ihren Doppelstöckern, sondern 754 031 mit der najbrt-freien Halberstädter-Garnitur - ich ahnte es ja schon, sah ich erstere Garnitur doch schon im Dunkeln am ESig in Jilové u Prahy an mir vorbeirauschen :


754 031, Os 9062 Čerčany - Praha zwischen Luka pod Medníkem und Petrov u Prahy, 29.8.2015

Letztes Motiv war ein Frontalblick auf die Píkovická jehla. Mit den tschechischen Kollegen musste eine Verständigung getroffen werden, denn deren Motivplanung war genau entgegengesetzt zu der meinigen. Aber für dieses Bild brauchte ich den zweiten Zug, die Sonne musste maximal rum sein. Da wir uns also eigentlich immer gegenseitig im Bild gestanden wären, einigten wir uns darauf, uns so gut es geht zu verstecken. Die Kollegen schafften es hervorragend, sich auf dem vorhergehenden Bild zu ducken, man sieht sie nicht ( nur wenn man es weiß erahnt man sie ). Ich dagegen musste mich für das nächste Bild möglichst eng an die Felswand pressen, was äußerst unbequem war. Dass der Zug auch noch 15 Minuten Verspätung hatte machte das ganze nicht besser, die Sonne gab auch ihr Bestes, die Schweißperlen flossen in Strömen. Dafür war jede Minute Verspätung aber gut für die Ausleuchtung des Motivs :


754 044, Os 9064 Čerčany - Praha zwischen Luka pod Medníkem und Petrov u Prahy, 29.8.2015

Einem der tschechischen Kollegen gefiel zwar der Blick, aber er meinte es wäre zu schade für die Brille und eher etwas für eine Regionova. Mir gefällt es mit der 754 aber sehr wohl, schade war es nur um die - wieder - najbrt-freie Doppelstöcker-Garnitur, die man nicht sieht.

Dem hinterherfahrenden Leerreise-814er gab ich dann seine Chance kurz vor Petrov u Prahy und beendete damit die Exkursion an die Sázava nicht ganz, aber zum großen Teil erfolgreich :


814 236, zwischen Luka pod Medníkem und Petrov u Prahy, 29.8.2015

Für die nächsten zwei Nächte hatte ich am Vorabend im Hotel bereits wieder eine Unterkunft im Riesengebirge vorgebucht. Um den Würstchen mit Senf zum Frühstück aus dem Weg zu gehen aber nicht mehr in der gleichen Pension in Vrchlabi, sondern in Jilemnice, welches zudem nur 3 km von Martinice v Krkonoších entfernt liegt, an der Strecke nach Jablonec nad Jizerou / Rokytnice nad Jizerou : Pension v Jilmu Lag preislich ebenso wie die andere Pension bei ca. 15 € / Nacht, dafür ein riesiges Zimmer und ein Restaurant mit gutem Essen im Haus, also empfehlenswert.

Die letzten beiden Tage sollten wettermäßig tadellos werden, die Vorfreude war groß. Davon gibt es in Kürze mehr.

Gruß Robert

Antworten:

Re: Brillenpower im Sázava-Tal

Servus Robert,

einfach nur wunderbar!
Sazava-Tal - hunderttausend mal gelichtet aber irgendwie immer wieder geil.

Der Blick auf 754.031 und tief hinunter ins Flusstal :spos:, da bekomme ich zumidest gleich Lust auf Sommer und ein entspanntes Wochenende in Böhmen.
Wie sich die Wagenschlange am Felsen hinaufschlängelt - das hat was. Aber natürlich auch all die anderen Fotos.

Also, habe es gleich für 2016 mal mit auf die Reiseliste gesetzt, mal sehen was man bis zum Jahresende davon wirklich schafft. vyp:

Danke & viele Grüße, Michael.

von MichaelH. - am 18.02.2016 15:37
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