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Fotogalerie Tschechien und Slowakei
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vor 1 Jahr, 6 Monaten
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Joachim Piephans

Grau in grau - bei den Eisenfeilklötzen der Neuhauser Lokalbahnen (m. 16 B.)

Startbeitrag von Joachim Piephans am 29.03.2016 15:33

Liebe Freunde der Bahnen in den Ländern der Wenzelskrone,

eine Sonnengalerie kann ich hier leider nicht präsentieren. Jedoch war das erste Wochenende im März samt dreier drangehängter Tage die einzige Möglichkeit seit längerem und bis zum Urlaub nach Pfingsten, um eine mehrtägige Tour nach drüben zu unternehmen. Und der Wetterbericht sagte für den jeweils folgenden Tag immer Sonne voraus - dumm nur, daß er genau das am nächsten Tag wieder tat ...

Es sollte an den Nordast der Neuhauser Lokalbahnen gehen, mit Quartier im sehr empfehlenswerten, recht neuen Hotel Berger in Kamenice nad Lípou (Kamnitz an der Linde). Grund des Zieles war, daß als Vorarbeiten für die edition noch einiges Ortsgeschichtliches abgelichtet werden sollte, außerdem hoffte ich auf Ersatzverkehr für die M27, die sich vor Ort jedoch (und seither) als recht stabil erwiesen. Durchgängig waren drei Wagen unterwegs, was bedeutete, daß der Nordast nach Obratán (Wobratein) auch werktags komplett mit diesen "Eisenfeilklötzen" bedient werden konnte. Aber egal. Das ist Regelverkehr.

Zwar wurde fleißig und gegen das Wetter recht tapfer fotografiert, doch ist die Ausbeute an brauchbaren Dias überschaubar geblieben - graue Tage über winterleerer, fahler Landschaft, konturenlos. Und dazu noch das Grau der Wagen. Sprich: in der offenen Landschaft gab es praktisch null Ergebnisse. Ich zeige eben das wenige Andere. Fotografie: Fujichrome Provia 100 F in der Leica R-E; gescannt am Reflecta Proscan 7200 mit 1.800 ppi . Bearbeitung mit meinen Laienkenntnissen. Die mit der Olympus OM-D gemachten Digitalbilder werden im Folgenden als solche benannt.

Unbedingt hervorgehoben werden muß das Kaffeehaus samt Confiserie "na budiku" in Tschernowitz (an der Straße nach Kretsch/Wobratain, unweit vom Ringplatz), wo die Gestaltung mit tausend Weckern an den Wänden, bestem Kaffee und zwei Vitrinen mit Torten und losen Pralinen viel dem Frustabbau diente. Wir waren dreimal dort ...
Hier ein digitales Bild von außen:




Doch nun der Reihe nach:


Samstag, 5. März 2016




Punktgenau nach viereinhalb Stunden Anfahrt über Pilsner Autobahn und die Fernstraße 19 zum Os 210 in Křeč (Kretsch) die Lokalbahn erreicht, zeigte sich die TU47.005. Der Erholungswert der freien Tage stieg schon mal beträchtlich! Hier das Züglein nach dem Umsetzen in Obratán, fertig zur Rückreise als Os 211. Das sollte entgegen der Erwartung für die kommenden Tage aber schon alles an Lokbespanntem gewesen sein, das Warten am Dienstag am Wehr in Albeř (Albern) wurde nicht belohnt, nach einem wunderbaren Spotlicht kam dieselbe Maschine im finstersten Dunkel einer Wolkenbank ...


Sonntag, 6. März 2016



Nur am Wochenende fährt auch vormittags ein Zug südwärts nach Nová Bystřice (Neubistritz). Und es war dann doch M27.004, der sich als MOs 252/253 blicken ließ, und dessen Meister noch im Ausrollen das Spitzenlicht ausschaltete. Immerhin stiegen zwei Wanderer aus. Ansonsten war tote Hose. Die Automaten in den Stationen sind in Betrieb, man kann sich über Fahrplan, Zuglauf und sogar über die Ferienwohnungen der JHMD in den Stationsgebäuden informieren - nur der Fahrkartenverkauf ist noch nicht aktiviert. Alle Züge sind mit Zugbegleiter besetzt, der die Fahrkarten verkauft.

Digital entstanden noch:






Der Tag wurde im Weiteren mit dem Erkunden des "Steins der Republik" an der ehemaligen Grenzkaserne in Peršlak (heute Waldhotel, im Winter geschlossen) sowie österreichischer Zollhäuser verbracht. Später lockte die gute Küche im Quartier und die mährischen Flaschenweine aus Znaim und Nikolsburg.


Montag, 7. März 2016

Verschiedene Versuche in der Schleife von Černovice (Tschernowitz) und erstmals in Chvalkóv sind nicht zeigenswert, wurden gar nicht gerahmt und archiviert. Das Wetter noch dunkler als am Vortag. Während Margit nachmittags das Zimmer vorzog, wollte ich nun doch mal mit einem der neuen Wagen mitfahren, es bot sich MOs 212/213 von Kamenice nach Obratán und retour an. Das Unangenehmste ist der Lärmpegel im Fahrgastraum. Die Sitze sind leidlich bequem, die runden Fenster lassen auch durchaus Ausblicke zu. Das Schaukeln ist auf Weichen am heftigsten. Insgesamt ist es aber nicht gerade eine Katastrophe, wenn auch sicher ein Rückschritt im Komfort. Und es gibt Publikum! An den unmöglichsten Stellen herrscht Fahrgastwechsel, selbst in Chválkov verschwinden Leute im Wald. Die JHMD dient dem Alltagsleben, ist kein Museum.




Beim Wendeaufenthalt in Wobratein kam dann sogar eine schüchterne Sonne raus (M27.001, MOs 213), die in Kamnitz nochmal voll durchbrach ...




... als "meiner" mit dem Gegenzug kreuzte (links M27.003, MOs 214). Leider wirft die neuere Fabrikhalle in der Nähe um diese Jahreszeit zu lange Schatten, als daß die Szenerie voll ausgeleuchtet gewesen wäre. Darum habe ich vielleicht auch am Helligkeitsregler etwas arg geschraubt. Der Güterschuppen ist noch offen, gerade hat die örtliche Rangierlok den Stückgutwagen abgezogen, um ihn sogleich dem Triebwagen nach Neuhaus beizustellen :xcool: schön wär's ...

Und ein digitales vom Innenraum des M27.001. Das junge Mädchen stieg übrigens im Anschlußbahnhof aus dem 810er um und verließ den JHMD-Wagen in Sudkův Důl (Sudekgruben), wo es nur einen Trampelpfad zum Bahnsteig gibt:




Dienstag, 8. März 2016




Dem wachsenden Verzweifeln über miserable Belichtungswerte und völlig fehlende Kontraste zum Trotz sollten an diesem Tag ganz brauchbare Bilder entstehen - ausgerechnet im finstern Walde. Dies hier war aber mehr ein Versuch: M27.003 passiert das, was ich im Aufschreibbuch als "Ladestelle km 27,0" stehen habe (die weiße Linie vorn am Gleis ist die Kante der ehemaligen Rampe) und was sich erst im Nachhinein und durch Kompetenz von awp als die ehemalige Station Beneschau erwies. Der heutige Haltepunkt ist etliche hundert Meter weiter an der Kreuzung mit dem Landstraße gelegen. (MOs 206).




Der Schneefall hielt bis gegen drei Uhr nachmittags an. Das Motiv in Střítež (Strietesch) ist aus Roberts Reportagen schon bekannt. Ich wollte die Szenerie mit der Hofeiche, dem Gegenüber jenseits des Gleises, dem Stadel und dem Mistwagen haben. Tags zuvor war er noch voll ... Von mehreren Versuchen ist dies trotz Schneefall noch der beste! Unter der Zugnummer MOs 207 kam M27.003 von Wobratein retour.

Schwerpunkt weiterer Aktivität war dann ...




"der Bahnhof beim alten Mann im Wald". Chválkov, ein Traum! Wenn mir dies jemand als Überrest der einst im Betriebe der kkStB stehenden Lokalbahn von Čudej in der Bukowina verkaufen würde, als ehemaliges Stationsgebäude von Hilcze oder im Endbahnhof Koszczuja (obwohl es dort gar kein Aufnahmsgebäude gab) - ich täte es glauben!




Er schaut auch grad aus der Tür, der alte Mann, als M27.003 zur ersten Nachmittagskreuzung mitten im Wald einrollt (MOs 207). Für die neuen Leuchten hätte es vielleicht auch Modelle älteren Aussehens gegeben, aber besser solche als einen nostalgischen Kitsch. Sie fallen gar nicht mal so sehr auf.




Begegnung mit dem Gegenzug MOs 208 in Gestalt des M27.004.




Eine Stunde später dasselbe Schauspiel: M27.004 von Wobratein (MOs 209), der entgegenkommende MOs 210 fährt dank der Rückfallweichen und mangels Bedarf in langsamer Fahrt durch, es war M27.001. Der Stationschef hielt wohl sein Nickerchen ... Die ein, zwei Schneeflocken, die der Linse zu nahe kamen und deswegen grobe Wischer wurden, digital **ohne Spuren** zu entfernen, reichen meine Kenntnisse nicht. Und das ist ja in diesem Rahmen auch nicht nötig.

Das sollte es dann gewesen sein, nachdem die Aufnahme der 705.005 in Albern nichts mehr wurde. Da half nur nochmal ein gutes Abendessen.


Mittwoch, 9. März 2016

Keine Sonne, auch der Schloßgarten bis Ende März zu, keine Chance, die namensgebende vielhundertjährige Linde laublos abzulichten - nichts hielt uns mehr, also gleich vormittags ab nach Hause.
Je weiter nach Westen, desto heller wurde es ... Die Fahrt ging quer rüber, in Týn (Moldauthein) über die Moldau, nach Strakonitz und weiter nach Sušice (Schüttenhofen). Strahlende Sonne ... Ein Abstecher nach Hory Matky Boží (Bergstadtl Unserer lieben Frauen), gelegen etwas abseits und hoch über der wohlbekannten KBS 185. In einer dereinst von den Protagonisten der edition im Alter zu gestaltenden Bilderzählung der böhmischen Bergstädte darf diese Winzigkeit nicht fehlen:



Der große Ring des kleinen Ortes wurde in seiner Mitte inzwischen neu gestaltet.




Gleich kommt die Kraftpost von Bergreichenstein nach Schüttenhofen um's Eck - oder doch eher ČSAD mit der einzigen Mittagsverbindung nach Sušice?


Ein paar Bilder an der 185 gingen sich noch aus, doch sind dieselben noch teilweise in der Kamera und gehören auch nicht unter dieses Thema.

Fazit: die gestellte Aufgabe, Ortsgeschichtliches wie die Linde, Genreaufnahmen und evtl. lokbespannte Ersatzzüge an zwei, drei desideraten Stellen mitzubringen, wurde verfehlt. Angetroffen wurde aber eine recht lebendige altösterreichische Schmalspurbahn, die auf dem Nordast ihre Alltagsaufgaben erfüllt und ansonsten Winterruhe für ihre touristischen Aufgaben genießt. Über die Aufnahmen der M27 bin ich recht froh, Winterbilder zweier Eisenfeilklötze im Waldbahnhof Chvalkóv dürften ja nicht sehr zahlreich in Archiven vorhanden sein ;) Mal sehen, was der Herr Sektionschef im Blick auf die Chronistenpflicht dazu sagt ...

Ich wünsche der JHMD ausreichend Fahrgäste, Akzeptanz in der Region - und mir für die weiteren Vorhaben des Jahres endlich Sonne, Sonne! Braunau und das Felsenland rufen für Mitte Mai!


Glückauf!
Joachim

Tante Edit hatte nachgezählt und die Bildanzahl korrigiert, die alte Besserwisserin! :-)

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