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Fotogalerie Tschechien und Slowakei
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Erster Beitrag:
vor 1 Jahr, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Joachim Piephans, wxdf, AAW, Niels K., JFHf, brejlovec750, albatros1965

Auf der Höhe der Zeit - Folge 4: Ústí nad Orlicí (Wildenschwerdt)

Startbeitrag von Joachim Piephans am 03.07.2016 15:52



Bahnhof Ústí nad Orlicí / Wildenschwerdt

Strecke (Wien - ) Brno (Brünn) - Česká Třebová (Böhmisch Trübau) – Praha st.n. (Prag Staatsbf = masarykovo n.), km 256,573; Kursbuchtabelle 010
Eröffnung Prag - Olmütz 20.8.1845 durch die k.k. Nördliche Staatsbahn (>> StEG)

Strecke Ústí nad Orlicí - Letohrad (Geiersberg) (-Lichkov), km 13,659; Kursbuchtabelle 024
Eröffnung Geiersberg - Wildenschwerdt 5.10.1874 durch die k.k. priv. Österreichische Nordwestbahn (ÖNWB)


Der Bahnhof liegt an einer der Ur-Bahnen Böhmens und wurde durch die Einbindung der Strecke nach Geiersberg bzw. zur preußisch-schlesischen Grenze zum Keil-, später Inselbahnhof. So kennen ihn die Reisenden, Eisenbahner und Liebhaber: das Fachwerk-Stationsgebäude zwischen den beiden Bahnhofsteilen liegend. Noch nicht lange her, wurde der Bahnhof vollkommen umgegraben, es entstand eine leicht verlegte Linienführung an der Stadt vorbei sowie ein neues EG (Reisezentrum) südlich aller Gleise mit Unterführung zur "Insel" und allen Bahnsteigen. Nach wie vor fahren die Züge der KBS 024 auf der nördlichen Seite ab. Doch das alte EG war funktionslos geworden.
Nunmehr gibt es allerdings Aktivitäten zu seiner Wiederbelebung, siehe hier: [www.oustecke-nadrazi.cz]
Gerade an diesem Wochenende war was los: [www.k-report.net]

Wir werden, denke ich, schöne Bilder vom Gebäude mit schönen, schnellen Zügen von der Magistrale der Č(S)D sehen. Ich bin gespannt!

Glückauf zur neuen Woche!
Joachim

Antworten:

Hallo zusammen,

nachdem ich zu den beiden vorherigen Teilen mit Themenschwerpunkt im selten besuchten Nordwesten der Republik nichts Sinnvolles beitragen konnte, möchte ich mal den Reigen der Aufnahmen Zeigenden anführen:



Der Bahnhof Ústí nad Orlicí zierte sich lange vor einem Besuch. Lange Zeit waren es eher die Durchfahrten, die kurzen Halte, die schnellen Umstiege, an welche ich mich mehr oder weniger gut erinnere. Erst eine automobile Verlegung erlaubte am 12. Februar 2010 eine intensivere Inspektion, wobei der windgeschützte Platz am Güterboden die unbedingte Wahl der Dinge war. Nicht nur die Hochnebeldecke hatte das Land fest im Griff, es war auch der Schnee, der sich doch tatsächlich bis in tiefste Lagen festgesetzt hatte und damit trotz des fehlenden Sonnenscheins für die nötige Grundhelligkeit zum Fotografieren sorgte. Der Eisenbahn schien diese straffe winterliche Wetterlage nichts auszumachen, denn der nachträgliche Uhrzeit-Kursbuch-Fahrzeitvergleich konstatierte für den immerhin vier Länder und auch Ústí nad Orlicí durcheilenden EC 174 "Jan Jes(s)enius" Budapest Keleti - Hamburg-Altona eine absolute Plantreue. Internationalität herrschte auch beim Rollmaterial, denn die slowakische 350.018 zog eine deutsche Wagengarnitur. Eine Gruppe junger Skifahrer wartete unterdessen unter dem schützenden Vordach auf den nächsten Schnellzug und dürfte auch für Umsatz in der ollen Bahnhofskaschemme gesorgt haben.



Es steht zu vermuten, daß wir gerade dem Automobil entstiegen waren, als sich R 868 "Slavkov" Brno hl.n. - Praha hl.n. anschickte, die Station mit marginaler Verspätung zu verlassen. Geduldig wartete der Fahrdienstleiter auf das händische Schließen der letzten Türen, aus welchen gerade zwei Dutzend Reisende entstiegen waren, um den Anschlußzug nach Letohrad oder einen der Busse auf dem Bahnhofsvorplatz zu erreichen. Zügigen Schrittes dürfte der eine oder andere Abgebildete aber auch dem recht weit entfernten Ortszentrum entgegeneilen.



Gut zwei Jahre später waren die angekündigten Bauarbeiten zur vollkommenen Umgestaltung der Bahnanlagen zum Greifen nah und deshalb ein deutlich längerer Aufenthalt in der Umgebung eingeplant. Unvergessen bleibt der Morgen des 3. Juli 2012, als pünktlich zum Herauskrabbeln aus dem Zelt (also gegen sechs Uhr) ein dumpfes Donnergrollen eines sich nahenden Gewitters für eine gewisse Entschleunigung bei der Bewältigung des Morgenprogramms sorgte. Doch das Unwetter zog rasch weiter, und so konnte doch noch zum Bahnhof Ústí nad Orlicí aufgebrochen werden. Dort wartete zunächst bei knapper Ausleuchtung der 810.060 auf der Letohrader Bahnhofsseite auf die Abfahrt mit der etwas seltsamen Zugleistung MOs 5071 nach Česká Třebová. Der Zug nutzte dafür die nicht allzu häufig befahrene Gleisverbindung, welche die (ehemalige) Bahnhofsstraße quert.



Nachdem die vorplatzseitige Giebelseite des Empfangsgebäudes ausnahmsweise mal nicht mit Bussen oder Abholern/Hinbringern zugeparkt war, mußte gleich nochmal der Auslöser betätigt werden.



Nur wenig später trat etwas auf die Bildfläche, was so vor vier Jahren absolut noch nicht alltäglich war – eine komplett „vernajbrte“ Garnitur. Sie bildete den R 703 „Hradišťan“ von Praha-Smíchov nach Luhačovice, welcher von der 150.222 gezogen wurde. Der Zug folgte dem zweiachsigen Hauptbahnrenner beinahe im Blockabstand. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob wir schon im Vorfeld der Reise vom radikalen Vegetationsrückschnitt im Vorfeld der anstehenden Bauarbeiten unterrichtet waren. Wenige Monate zuvor waren solche tollen Ausblicke auf den noch unangetasteten Bahnhof und sein Umfeld jedenfalls völlig undenkbar. Jiří Ságl sei gedankt!



Tags darauf standen wir noch einmal mit einem Fuß auf jenem Privatgrundstück, von welchem man diesen wunderbaren Ausblick auf den Bahnhof Ústí nad Orlicí hatte. Diesmal gab sich u.a. 130.016 die Ehre, welche gerade einen reinrassigen Zwiebelzug auf die Strecke nach Letohrad hinauszog. Das Ziel des Zuges dürfte in Polen gelegen haben. Im Hintergrund wartete ein Wendezug mit einer 163 auf seine nächste Leistung.



Auch der näher an der Wiener Schule befindliche Standpunkt am Zusammenfluß von Třebovka (Böhmische Triebe; vorn) und Tichá Orlice (Stille Adler) wußte zu gefallen. Aus der großen Auswahl entschied ich mich für die Aufnahme des EC 77 „Antonín Dvořák“, welcher Prag und Wiener Neustadt verband und von 1216.227 (ÖBB Traktion) gezogen wurde. Die Zugbildung entsprach nicht vollumfänglich den Vorgaben, vor allem das Fehlen des eigentlich obligatorischen Speisewagens dürfte einigen Reisenden auf den Magen geschlagen haben. Heute kann man hier den railjet-Nachfolger auf einer Neubaubrücke und hinter diversen Mauern (be-)suchen.



Diesen ebenfalls interessanten Standpunkt fanden wir leider erst recht spät, weshalb die Lichtsituation bei Durchfahrt des ebenfalls speisewagenbefreiten Ex 221 „Detvan“ Praha hl.n. – Zvolen os.st. nicht mehr optimal war. Nicht zweifelsfrei identifizierbar, dürfte es sich beim Zugpferd um die auffällige Temelín-Werbelok 151.019 gehandelt haben. Anstelle der hier gut erkennbaren Güterabfertigung (weshalb ich dieses Foto auch einstelle) befindet sich heute das neue Empfangsgebäude.

Eine angenehme Woche wünscht
Daniel

Tante E. meinte, ich solle doch Lichkov durch Letohrad ersetzen.

von brejlovec750 - am 05.07.2016 09:53
Guten Abend,

ich habe nur zwei Durchfahrtfotos zu bieten. Entstanden sind die Aufnahmen im November 2011... Immerhin zeigen das Schwerz-Weiß-Dia und die Digitalaufnahme einen polnischen Triebwagen, der auf seine Fahrt nach Klodsko wartet. Ich war damals unterwegs auf den Spuren von Alois Nebel ins "falsche" Bily Botok.






Herzliche Grüße
Christian

Edit hat ein großes F eingebaut und eine Ergänzung angefügt.

von albatros1965 - am 06.07.2016 20:57
Guten Morgen!
Ich war öfters in Usti n.O., als schon der Abriss der Nebengebäude begonnen hatte bzw. der Umbau.


150 209 mit einem R


Fahrradständer am Bahnhofsvorplatz


Hier war der Güterboden schon weg


1216 226 mit EC


Kibel in niederschlesischen Farben und ČD-Peršing


Lok und Bahntrasse gibt es so nicht mehr


Damals einer meiner Lieblingszüge, EC 110 nie mit Husarz bekommen, immer EP09.


Da stand wohl mal ein Kiosk.



Gruß Jörg

von JFHf - am 08.07.2016 07:44
Meine „lebhafteste“ Erinnerung an den Bahnhof Ústí nad Orlicí ist die im Vorfeld des Umbaus erfolgte „Vermessungsaktion“ durch unser aktivstes Forenmitglied. So wie er da auf Schiene und/oder Bahnsteigkante aufschlug hatte ich wirklich Bange ob für ihn die damals gerade gestartete Sonderfahrt ins Altvatergebirge bereits schon wieder zu Ende wäre. Aber ein „echter“ Eisenbahnfan schüttelt sich kurz und schaut wo das nächste Motiv wartet. Und derer gab es bei dieser Fahrt mit Jiří Uhers Triebwagen M262.1002 wahrlich noch genügend.


Ob heute noch ein Rotmütziger im umgebauten Bahnhof Dienst tut?


23.VII.2011 > Diese geniale Tour liegt nun auch schon wieder fünf Jahre zurück...

Soweit mein Beitrag zu diesem interessanten Bahnhof kurz vor "Einsendeschluß". ;)

von Niels K. - am 08.07.2016 19:54

Umbauphase 17.8.2014



von wxdf - am 09.07.2016 11:18
Zitat
JFHf

Da stand wohl mal ein Kiosk.


Gab*s in dem nicht sogar eine zeitlang Regiojet-Fahrscheine zu kaufen? Aber den Halt in Ústi n./O hat man ja schnell wieder entfallen lassen. Damit ist die Stadt die einzige Kreisstadt entlang der Magistralen Prag-Ostrau ohne hochwertigen Fernverkehr.

Ach nein, des nachts bzw. früh morgens hält hier doch der Excelsior-Ersatz-IC "Moravan", der aber in östliche Richtung von der Haltefolge eigentlich ein Rychlík ist (oder nach den obersten tschechischen Zuggattungskredenzern ein Rx). Aber morgens bringt er die Fahrgäste doch tatsächlich mit einer Reisegeschwindigkeit von 115 km/h in die Hauptstadt.

Und dann gibt es da noch zwei Einzelzüge. Einmal ein abendlicher Railjet im Deckmantel des R 877 "Viktor Kaplan" nach Brünn. Und kurz vorher stellt der EC 120 "Hradčany" aus Žilina die letzte Verbindung des Tages nach Prag dar. Im Vergleich zur benachbarten Stadt am Bahnhof ist das natürlich nur ein Alibiangebot ...

Zum Thema kann ich leider keine Bilder beitragen. Einzelne Aufnahmen von Umsteigeaufenthalten habe ich sicher angefertigt. Erinnerlich ist mir der Kibel gen Polen, mit dem ich zu einem ungeplanten kleinen Forumstreffen angereist bin, von dem es auch einen Bericht in einer "Hobby-Illustrierten" gab. Als die Zeit dann soweit war, habe ich ein Bahnhofsportrait nicht mehr hinbekommen.



Aber eine Episode kann ich beitragen, so erlaubt:

Die Bremsen quietschen und die Brotbüchse aus Richtung Kyšperk bleibt am Hausbahnsteig des Letohradská nástupiště stehen. Ich erwache aus einem Nickerchen und eile durch das Bahnhofsgebäude zum Schnellzug nach Prag. Die Umstiegszeit ist kurz. Aber: Dort tut sich nichts. Der Wind weht den Rauch aus dem Schornstein direkt herunter auf den Trübauer Bahnsteig.

Plötzlich bin ich hellwach. Denn auf der anderen Seite höre ich einen Zug anfahren. Und siehe da: Das wäre mein Schnellzug gewesen. Wegen Überholung fuhren diese in dem Fahrplanjahr nicht von der Hauptbahnseite ab. Da hieß es dann eine Stunde der Kälte harren bis zum nächsten Rychlík ...

Ahoj

von AAW - am 09.07.2016 12:40
Zitat
AAW
Bericht in einer "Hobby-Illustrierten"


Fachzeitschrift bitte, soviel Respekt muß sein :xcool:


Zitat
AAW
Aber eine Episode kann ich beitragen, so erlaubt:


Episoden sind erlaubt, ja erwünscht!


Mit dem wichtigen Abzweig an der Magistrale habe ich doch einen Ort gewählt, an dem sich viele wiederfinden. So soll es sein! Nun fehlt eigentlich nur noch eine Gesamtübersicht des Bahnhofs im neuen Zustand, analog zu Daniels Bildern ... vyp:

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 09.07.2016 13:38
Zitat
Joachim Piephans
Zitat
AAW
Bericht in einer "Hobby-Illustrierten"


Fachzeitschrift bitte, soviel Respekt muß sein :xcool:


Hallo Joachim,

dem Einspruche ward mit Wirkung 09.07.2016, 16:57 Uhr stattgegeben.

Ahojky

von AAW - am 09.07.2016 14:57

Gesamtübersicht gab's hier schon mal ...



[de.tinypic.com]

von wxdf - am 09.07.2016 15:43

OT: Fachzeitschriften

Zitat
Joachim Piephans
Zitat
AAW
Bericht in einer "Hobby-Illustrierten"


Fachzeitschrift bitte, soviel Respekt muß sein :xcool:


Sei mir nicht böse Joachim, aber für welches "Fach" sind den LokReport, DS, EK, ME und wie sie alle heißen? Für Eisenbahn-Reiseleiter vielleicht? Oder beruflich Auslandsreisende? Lokstatistiker ohne Festanstellung? Oder für welche Berufsgruppen/-fachschaften?

Bei allem Respekt für Deine (und unsere) meist sogar ehrenamtliche Mitarbeit an solchen Zeitschriften fand ich Andrés Bezeichnung gar nicht so respektlos.
In der Rubrik Fachzeitschriften sehe ich eher solche Titel wie "Deine Bahn", "Signal & Draht" oder die "Eisenbahntechnische Rundschau". Alles Titel, die das überwiegende Zielpublikum des LR wahrscheinlich nicht einmal kennt. Wobei das auch absolut nicht schlimm ist, denn der deutsche Kaninchen-Züchter wird vermutlich auch eher die Kaninchen-Zeitung als die Veterinär-Rundschau lesen. ;-)

Ich glaube die meisten von uns hier eint das Hobby Eisenbahn, das einige wenige auch zum Beruf haben. Also sind es auch eher die "Hobby-Medien", die wir konsumieren, weniger die Fachmedien. Deren Grenzen sind natürlich fließend, ein Aspekt der für beide Anwendergruppen ganz interessant sein kann. Einverstanden?

Sonntägliche Grüße!

von Niels K. - am 09.07.2016 17:15
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