Frosty the Snowman - oder das blaue Wunder von Rodinov (m26 B)

Startbeitrag von Staedtebahner am 12.02.2017 14:26

Hallo alle zusammen,

Wann, wenn nicht im Winter, kann man mal auf die Kamera verzichten? Die Tage sind kurz, das Wetter durchwachsen und in Angesicht von straffer Kälte sehnt sich der motivationsreduzierte Körper eher nach Couch, Kaminfeuer und Wein statt nach windigen Bahnhöfen und Wanderungen entlang der einen oder anderen lokálka. Und da wäre auch noch eine professionelle Reinigung des "Arbeitsgerätes", die ich immer wieder vor mir herschiebe. Der nächste Reisebericht sollte also eine Weile auf sich warten lassen. Denkste Puppe... denn ich machte die Rechnung ohne das Wetter. Wer konnte denn ahnen, dass die winterliche Jahreszeit sich dieses Jahr auch mal als solche zeigen würde...
Winterurlaub war sowieso geplant - notfalls auch ohne Winter. Hinzu kommt, dass die Reise in einen abgelegenen, stillen Winkel der Republik fast schon zu einem alljährlichen Ritual geworden ist. Man könnte meinen, dass es langsam langweilig werden sollte. Dass man mal was neues sehen und entdecken und Abwechslung reinbringen muss. Doch wie ein sündiger, kleiner Junge in Angesicht des altehrwürdigen Richters kann ich nur sagen: "Ich würde es jederzeit wieder tun!"

Beflügelt durch die deutlich angezuckerte Landschaft war schnell klar, dass die dicken Wintersachen für die Wanderungen einzupacken sind und auch die Kamera auf gar keinen Fall fehlen darf. Einige Sprachnachrichten später war der generelle Tourablauf auf die Beine gestellt und es wurde sich auf die Lauer gelegt, um die passenden Tickets zu schießen. Die derzeitige Preisentwicklung bei der České drahy treibt einem dabei ein ungläubiges Lächeln ins Gesicht. Ich warte auf den Tag, an dem ich für den Fahrkartenkauf noch etwas ausgezahlt bekomme. Fehlt jetzt nur noch eine Mail zum Zwecke der gemütlichen, stilvollen, ja fast schon familiären Unterbringung und ab zum Bahnhof.
So beginnt deutlich früher als geplant die nächste Bilderreise. Eine ganz Ruhige, Zeitlose, Gemütliche - ans Ende der Welt. Bereits im fünften Jahr zieht es mich an die Hotzenplotzerin. Eigentlich müsste man irgendwann den Punkt erreichen, an dem man alle Motive im Kasten hat. Und ist man erstmal da, könnte man hier, aber auch da und dort ja sowieso noch :--P. Irgendwann werde ich wohl jeden Schotterstein archiviert haben. Die Motivwahl war ein leichtes. Mehr Kopfzerbrechen verursachten die Einsatzmeldungen der letzten Wochen und Monate. Ein Lokschaden... noch ein Lokschaden... wochenlanger SEV. Dann fährt eine Lok wieder, um zwei Tage vor der Angst noch am Russisch Roulette an einem Bahnübergang teilzunehmen und den Kürzeren zu ziehen, wieder mit SEV in der Konsequenz. Wir konnten also nur alles an Glück und gutem Kharma, was wir in mühevoller Kleinarbeit angesammelt hatten, zusammenpacken und hoffen, bei unserem Eintreffen nicht die Gummibahn anzutreffen. Wir... das sind zum einen meinereiner und zum anderen noch ein Mitreisender. Diesmal nennen wir ihn aber nicht Christoph, sondern Martin.

Eine Woche Schwerstarbeit im Fahrplanbüro eines mitteldeutschen Mobilitätsdienstleisters... die Vorfreude steigt und pünktlich Freitag halb 1 beginnt der wilde Ritt. Mit wehenden Fahnen stürme ich nach Hause, errette noch die Grünpflanzen vor dem drohenden Dürretod und sehe mich nur eine Stunde später mit der pünktlichen Abfahrt meines ICE konfrontiert. Starke Leistung, die hoffentlich nicht stark nachlassen wird. Denn der große Showdown ist für Prag geplant: 10 Minuten Übergang vom EC von Hamburg zum SC nach Bohumín. Bis zum Einbruch der Dunkelheit jagt ein landschaftliches Highlight nach dem anderen am Zugfenster vorbei. Zwischen Erfurt und Leipzig bekommt man da sehr viel geboten fürs Geld. Lärmschutzwände, Tunnelwände, nochmal Lärmschutzwände, gefolgt vom atemberaubenden Ausblick auf das ostdeutsche Zentrum morbiden Charmes *hust*. Der Anschluss in Prag funktioniert einwandfrei und ich genieße die für mich erste Fahrt im SuperCity. Eine angenehme Atmosphäre, kostenfreie Getränke und bei der Fahrkartenkontrolle wird gleich noch eine reiche Auswahl an Zeitungen gereicht. Das überzeugt. Ich verzichte allerdings auf die Lektüre, ist doch bisher noch ein Programmpunkt offen geblieben: das Abendessen. Im Bistrowagen zieht mich JLV mit Gulašova, Svičkova und Cider in seinen Bann. Wohlgenährt und rundum zufrieden entschwinde ich 2 Stunden später in Olomouc in die Nacht. Die Abfahrtstafel verkündet noch die Abfahrt des Lumpensammlers nach Krnov. Kann man machen, muss man aber nicht. Jeder, der schon einmal in Krnov war, wird wissen, dass man da nach Mitternacht nichts mehr verpasst. Während ich gemütlich ins Hotel schlendere, hat Martin geringfügig Stress. Da er auf Hochspannung abfährt, hat er für günstiges Geld das all-inclusive Paket "Nervenkitzel" der SBB gebucht und startet seine Zugfahrt von Zürich zum rollenden Bett in Bregenz bereits mit 18 Minuten Verspätung. Bei geplanten 8 Minuten Übergang in St. Gallen... das kann man schaffen. Gedanken zu alternativen Verbindungen beginnen zu kreisen und die Laune droht zu kippen, doch zum Glück gelingt es durch die richtige Wahl von zur Verfügung stehenden Weiterreisemöglichkeiten. Nachtruhe - für beide mehr oder weniger ruhig. Die Nacht ist für beide kurz, der Nachtzug läuft um 6:54 Uhr in Wien und Martin anschließend in der ÖBB-Lounge ein und für mich beginnt die Reise in luftige Höhen mit dem ersten Schnellzug ab Olomouc um 7:05 Uhr. Den Plan hatten außer mir nicht wirklich viele. Nachdem gefühlt halb Olomouc den Sp nach Jeseník gestürmt hat, finden sich für den R nach Ostrava gerademal eine Handvoll Leute. Ich genieße den Ausblick und frage mich, ob man in diesem Teil des Landes schon etwas von der Farbe "bunt" gehört hat, hüllt sich doch hier alles in ein einheitliches Aschgrau. In Krnov fülle ich etwas Koffein auf, wechsle für die letzten Kilometer in einen Zweiachser und begebe mich zum ersten Motiv. Hier gibt es nun genau zwei Möglichkeiten:
1. ein Zug zu meiner Rechten oder
2. ein Bus zu meiner Linken.
Schauen wir mal, dann sehen wir es schon. 10:24 Uhr, Abfahrtszeit in Liptáň. Und kurze Zeit später der Hall eines Trötens zwischen den Hügeln.


705 913 mit Balm 001... so wie man den Anblick gewohnt ist.

Zufrieden wandere ich weiter und erfreue mich an der Landschaft, dem Schnee und dem Verkehren der kleinen Bahn. Eine Stunde bleibt nun Zeit, das nächste Motiv zu finden. Sonne gibt es heute keine, probieren wir also mal was neues aus.



Martin verkündet zwischenzeitlich eine frühere Ankunft im Zielgebiet, der Versuch einen T6 auf der Überlandstrecke in Ostrava zu erwischen wurde nicht von Erfolg gekrönt. So reiht sich ein kleines Missgeschick ans andere, denn auch der langersehnte WARS-Speisewagen im EC von Wien nach Warschau glänzt mit Abwesenheit. Wir schmieden den Plan für das Aufeinandertreffen unter Zuhilfenahme des an Wochenenden doch recht überschaubaren Busfahrplans, der dazu anregt, den Zug zu nehmen. Derweil wandere ich mit so mancher Höhe und Tiefe durch die Landschaft mit dem Ziel Koberno. Ist ja schließlich kein Licht, da kann man auch mal im Wald fotografieren.


Einsamkeit hat einen Namen: Liptáň, rozc. Bučávka


Alle Wege führen nach Horní Povelice. Die spannende Frage ist nur, wie lang sie sind. An der Kreuzung in Liptáň weist man dieses stille Örtchen in 5 Kilometern Entfernung aus, am anderen Ende in Horní Povelice aus Richtung Dívčí Hrad kommend sind es nach Liptáň dann nur 4 und an derselben Kreuzung aus Richtung Slezské Rudoltice kommend sind es gar nur 2. Kein Zweifel, hier sind die vorgefertigten Verkehrsschilder irgendwann vom Laster gefallen und wurden dann nur noch den örtlichen Gegebenheiten entsprechend mit Ortsnamen versehen. Der geneigte Dichter und Denker wird natürlich unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt und erfährt im Routenplaner, dass es tatsächlich 3,4 Kilometer sind.
Weiter geht es über Dolní Povelice und dank hervorragender Ortskenntnis über alle möglichen Felder und Wälder querfeldein nach Koberno. Der mitgeführte Kartenausschnitt hilft mit den vorhandenen Wegen, man muss dann nur den Richtigen nehmen. Karte 1, Peter 0. Während ich mit aller Kraft versuche, den Zug am Hp Koberno zu erwischen, wird Martin zum Höhenkletterer.


Ortsblick Třemešná ve Slezsku mit Os 20608

Kurze Instruktionen für das Zusammentreffen, das Klicken der Kamera und pünktlich 15:46 Uhr endet der Fototag in Amalín. Wir wägen ab, ob wir 2,5 Stunden auf den Zug warten und frösteln wollen, oder zur Unterkunft bei Anna in Liptáň laufen. Wir entscheiden uns für letzteres - auch gleich noch über Dívčí Hrad, damit es sich lohnt - und sind letztendlich fast genauso "schnell" wie der Zug. Doch als Belohnung warten schon ein warmes Zimmer, ein köstliches Abendmahl und die anfangs noch als Sissi durchgehende Jenny auf uns (kurze Erläuterung: Jenny ist die Hündin des Wirtspaares und die Nachfolgerin ihrer Vorgängerin Sissi). Wir beschließen den Tag bei einem kühlen blonden (Wein) und angeregten Gesprächen mit der Wirtin und dem Vereinsvorsitzenden der SŽD.

Nach erholsamem Schlaf folgt der Sonntag, der seinem Namen alle Ehre machen wird. Da der erste Zug erst 9:50 Uhr Osoblaha verlässt, bleibt uns genug Zeit für ein gemütliches Frühstück, das Versorgen von Proviant im Dorfladen und das Erreichen des ersten Motivs, welches bei uns beiden schon wohlbekannt ist. Und endlich soll das Bild ohne eingerüsteten Kirchturm gelingen.


705 913 l Os 20606 Osoblaha - Třemešná ve Slezsku l Liptáň l 22.01.2017

Nun heißt es flinke Hufe für den Stellungswechsel. Der Haltepunkt Dívčí Hrad schwebt uns vor und der Bus wartet nicht. Der Blick des Busfahrers bei der Bitte "dvakrát do bažantnic" vermittelt uns, dass diese Haltestelle doch eher selten nachgefragt wird. Da inzwischen fast Mittag ist, wird es höchste Zeit fürs Essen.


Vorspeise


Hauptgang


Dessert

Zeit für das eine oder andere Bild nebenher bleibt an dieser Strecke praktisch immer. Und nachdem 11:43 Uhr Os 20607 zwei Fahrgäste in Dívčí Hrad entlassen hat und die Rückfahrt erst 14:18 Uhr hier eintreffen wird, bleibt auch genug Zeit, um am ersten Teil für den Beitragstitel zu basteln.


Darf ich vorstellen: Frosty the Snowman... in freudiger Erwartung des Digitalisierens des nächsten Zuges. :joke:


Kalter Kaffee mit Blubberblasen in bunter Blechdose... Teufelszeug. Aber lecker. Und nach der ganzen Bauerei auch redlich verdient.

Doch genug des Rahmenprogramms... für den nächsten Zug gilt es noch den Standort zu ändern, was selbstverständlich wieder zu Fuß erfolgen muss. Verfluchtes Gesetz der Erhaltung eines Busses. Wenn er in Krnov ist, kann er uns nicht nach Slezské Rudoltive fahren. Doch zuvor ereilt mich noch ein schneller Boxenstopp zum Reifenwechsel...


Diese Wanderung war dann wohl doch zuviel. Z-gestellt am 22.01.2017 in Dívčí Hrad. Doch wirft uns das zurück? Nein!


Os 20608 mit göttlichem Beistand kurz vor Erreichen von Slezské Rudoltice


Und nochmal ein paar Meter weiter...

Mit dem Tageslicht wird es nun bald zuende gehen, doch auf unserem Plan steht noch der Tagesabschluss. Wir gehen über die Bahnhofstraße, fassen beim Busfahrer zwei Tickets aus, genießen in Bohušov einen türkischen Nachmittagskaffee und warten auf die Weiterbeförderung in die mährisch-schlesische Musterstadt des Plattenbaus.


Stramme Kälte, eisiger Wind und Dunkelheit... das ist Winter. Nur für eine geschlossene Schneedecke war es zwischenzeitlich schon zu warm. Zügig noch ein Bild (wie oft haben wir das an der Stelle eigentlich schon gemacht?) und ab in den außerordentlich gut besetzten und mollig warmen Balm.

Der folgende Montag beginnt schon sehr früh, denn wir haben eine etwas längere Reise vor uns. Das hält aber Anna nicht davon ab, uns noch ein reichliches Frühstück zu kredenzen und uns mit der Bitte, bald wiederzukommen, in die Dunkelheit zu entlassen. Die ortsansässige Jugend wartet bereits zahlreich auf den Schul-Bus, den auch wir bis zum nächstgelegenen Bahnhof nutzen werden. An Nachwuchs mangelt es in dem Landstrich keinesfalls, müssen wir feststellen. Anstelle des handelsüblichen SOR C 10,5 kommt gleich das große Kaliber - ein Irisbus Crossway LE - ums Eck, nach Abfahrt in Liptáň bis auf den letzten Stehplatz besetzt. Sowas stelle man sich mal in einer vergleichbar dicht besiedelten Steppe in Brandenburg vor... Der Haltewunsch in Třemešná wird etwas freizügig ausgelegt und das Haltestellenschild virtuell vor die Schule verlegt. Also noch ein letzter Fußweg, um dann im Sp nach Jeseník einmal mehr "Auf Wiedersehen" zu sagen. Die erste Hälfte der Reise haben wir schon hinter uns, doch wir haben definitiv noch nicht genug Schmalspurbahn für unsere innere Ausgeglichenheit erlebt. Die Fahrt führt uns also in diversen Stunden über Jeseník, Česká Třebová und Prag nach Jindřichův Hradec. Die Quote lokbespannter Züge bei der JHMD ist derzeit außerordentlich gut und es besteht ja zumindest theoretisch die Chance, nach vielen Jahren der Abstinenz wieder einen GmP vor die Linse zu bekommen. Theoretisch? Ja! Praktisch? Auch! Wir entsteigen dem Sp 1930, laufen auf den Bahnhofsvorplatz und da steht er... :cool::cheers:


705 919 mit Mn (s přepravou cestujicích) 274 nach Kunžak-Lomy abfahrbereit in Jindřichův Hradec

Sonnige Schneebilder in Osoblaha, ein Kirchturm ohne Baugerüst und nun der Mn... alles, was jetzt noch kommt, kann nur noch eine Zugabe sein. Wir beratschlagen, wie wir weiter verfahren. Mitfahren und hoffen, dass die Beleuchtungssituation in Kunžak weitere Nachtaufnahmen zulässt oder ins Hotel einrücken und noch etwas Essbares erlegen. Die Wendezeit des Zuges und lausige -16 Grad Außentemperatur unterstützen die Entscheidung. Wir sind nicht faul, wir sind nur wohlfühlorientiert. Der Zug fährt ohne uns, aber immerhin mit drei Fahrgästen, von hinnen und von dannen. vyp:

Wir schreiben inzwischen Dienstag, den 24.01. und wir haben einen Plan. Und zwar keinen gewöhnlichen Plan, sondern einen Fahrplan. Und zwar für die Nordstrecke. Und ich sage Euch, das ist sehr zufriedenstellend. Ich kenne keine andere Firma, wo alles so durchdacht ist, wie bei der JHMD. Alles verläuft pünktlich auf die Minute, alles ist genau geplant. Alles ist vorbereitet, ein wahres Vergnügen. Der Fahrplan wurde im Dezember derart umgebaut, dass man werktags den gesamten Verkehr mit drei Umläufen abwickeln kann. Aber nicht muss. Denn man fährt wie bisher mit vier Umläufen, was die ganze Geschichte ziemlich unberechenbar macht. Und wir bekommen auch keinen ersten Anhaltspunkt, denn Os 203 von Obrataň taucht verspätungsbedingt nicht rechtzeitig auf und Os 270 ist noch nicht bereitgestellt, als wir die Dienste von ICOM zur Fahrt nach Kamenice in Anspruch nehmen. So wandern wir gen Rodinov zum Set und warten auf die Dinge, die da kommen werden. Und erleben unser blaues Wunder...:eek:


Gefühlt zwei Jahre hat sich uns "Blau" nicht mehr gezeigt. Totgeglaubt, sorgt 705 915 führend am Os 206 nach Obrataň bei uns für ein innerliches Freudenfeuer.

Doch es soll noch besser kommen, denn das bildliche Highlight folgt nach der Kreuzung in Kamenice aus der Gegenrichtung. Ein Ausbruch der Farbenfreude, klare Linien und ein unvergleichlicher Reichtum an Komplementärkontrasten, die die Leuchtkraft, die Farb- und die Lichtwirkung des Bildes bis zum Maximum steigern. Ein absoluter Eindruck von Buntheit, der die Lebendigkeit und Fröhlichkeit zum Ausdruck bringt. :--P


M27 002... der Letzte seiner Art, ein schützenswertes Objekt, vom Aussterben bedroht. Und für alle, die zweifeln, sei nochmal klargestellt: dies ist die ungeschönte Vollfarb-Aufnahme!

Und wer glaubt, dass das Wetter und die Lichtverhältnisse nicht mehr schlimmer werden können, der war noch nicht in Černovice. Wir laufen zurück nach Kamenice, erreichen dort noch unser blaues Wunder beim Abwarten des Kreuzungsaufenthaltes (lausige 56 Minuten - ein Meisterstück des Betriebsplaners) und fahren weiter, um ein weiteres Wunschmotiv in den Kasten zu bekommen. Wenn wir geahnt hätten, was uns erwartet, hätten wir uns für die Alternative Včelnička entschieden.




Martins Kommentar: "Immer wenn ich mit Dir unterwegs bin, fährt die MUVka." Was soll ich sagen... stets zu Diensten. :rp:


Tristesse in Černovice

In der Gegenrichtung müsste nun rein rechnerisch wieder der Triebwagen auftauchen. Doch wir haben gelernt, dass man mit allem rechnen muss, aber nichts erwarten sollte. Der geneigte Triebwagenfetischist hat hier kein einfaches Leben, den Freund lokbespannter Garnituren freut's.


705 918 bereichert am werktäglichen 208 das Motiv.

Nun bleibt uns ein wenig Zeit und der Wunsch, in Dobešov nach einem Motiv zu schauen. Wir entscheiden uns, den Weg zu Fuß zu probieren, ohne zu wissen ob es bei der Schneesituation gelingen wird. Es wäre auch einfacher gegangen, wie wir kurz vorm Ziel erleben.


Fast grenzenlos mobil ist man mit ICOM auch auf den kleinsten Dörfern. Und weil dort nicht so viel los ist, überlässt man den Umlauf auf Linie 350600 einem niedlichen O530K.

Hier auf der weißen Wiese sind nun die letzten beiden Bilder geplant, steht doch heute noch die Rückreise nach Zürich bzw. Erfurt mit Zwischenstopp in Prag auf dem Plan. Wir müssen uns entscheiden, könnte man doch auch hier mindestens 5 verschiedene Einstellungen machen. Da die Kreuzung in Chválkov ist, bleibt allerdings für einen Standortwechsel nicht viel Zeit. Egal, reicht es doch aufgrund akuten Sonnenmangels, dass man sich auf den Hacken um 120° dreht.


705 918 mit Os 209 gen Jindřichův Hradec...


... und 10 Minuten später 705 919 (aufgrund farblicher Entgleisung in s/w :D) in der Gegenrichtung.

Da der kleine O530 keine Lust auf Rückkehr nach Černovice hat, geht es auch zurück wieder zu Fuß. Beim örtlichen Bäcker wird noch in aller Ruhe ein türkischer Kaffee und eine Marokanka ausgefasst, wir lassen die vergangenen vier Tage Schmalspurbahn-Exzess revue passieren und erfreuen uns am Erreichten. Wir sind uns einig: wenn wir könnten, würden wir da bleiben. Doch wahrscheinlich würde es auf Dauer langweilig werden, und so beschließen wir eine kleine Zugabe zum Schluss und dann den geordneten Rückzug in den Alltag. Natürlich mit dem einstimmigen Beschluss, so bald als möglich zurückzukehren.



Viele Grüße aus Erfurt,

Peter

Antworten:

:cheers:

von LVT771 - am 13.02.2017 06:37
Hallo Peter,

vielen Dank für diesen sehr schönen Bericht von der Obratanerin und der JHMD.
Zu Fuß durch die Gebiete zu streifen und sich zum gewünschten Motiv rechtzeitig einfinden - eiene Klasse Leistung !!!
Die Motivauswahl finde ich sehr überzeugend. Mich stört es weniger wenn die Sonne nicht alles oder gar nichts ausleuchtet. Klar sind Sonnenbilder immer die bessere Wahl, aber in der Winterzeit nicht immer möglich.
Die Digitaltechnik lässt ja einiges zu und so kommen die Bilder in schwarz weiß sehr gut rüber :-)
Sehr schön ist die dokumentierte Ruhe entlang der letzten CD Schmalspurbahn.
Verschneite Straßen und weite Blicke - einfach schön anzusehen.
Sehr schön, dass es auch die blaue JHMD´lerin es wieder zu Einsätzen schafft.
Wenn nur noch einer dieser modernen Triebwagen im Einsatz ist, dann sollte ich doch mal wieder der JHMD einen Besuch abstatten. Der geführte GmP macht das ganze noch interessanter :xcool:
Euch wünsche ich viel Spaß beim Planen der nächsten Tour zu diesen schönen Bahnen.

Winterliche Grüße
Ronny

von PKP-ST44 - am 22.02.2017 11:04
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