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Niels K., T47 007

Mit der Ečska durch die Prager Unterwelt

Startbeitrag von T47 007 am 23.03.2017 19:00

Ich habe jetzt erstmal überlegen müssen, ob ich einen neuen Treat anfange oder ob ich mich an den unten stehenden von Niels anhänge, denn auch ich war bei dem nicht abgesprochenen Forumstreff auf der Setkaní am Wochenende dabei. Erkannt habe aber auch ich niemanden… Letztlich fiel die Entscheidung für ein neues Thema.

Der Hauptgrund für den Besuch in der böhmischen Hauptstadt war allerdings die Exkursion zur Metro Prag, für die ich erfreulicherweise noch eine Fahrkarte ergattern konnte. Aber ich erzähle am besten der Reihe nach:
Los ging’s früh in Rumburk mit einem blauen Raubfisch der České dráhy. Der Vier-Minuten-Anschluss in Děčín zum Radobýl hat super geklappt, so dass dem zeitigen Eintreffen in Prag nichts mehr im Wege stand. Einzig der Fahrzeugeinsatz an Elbe und Moldau ist ein kleiner Kritikpunkt: Für solche Langstrecken sind die Elefanten nicht unbedingt geeignet, zumal der Zug Richtung Prag immer voller wurde. Das wäre die Werktagsvariante angenehmer gewesen…

Nun stand als erstes der Besuch der Börse an. Größere Investitionen wurden zwar nicht getätigt, aber ein paar interessante Anregungen waren auf jeden Fall wieder dabei.
Punkt 2 auf der Tagesordnung war ein kleiner, nicht eisenbahnbezogener Stadtbummel mit Mittagessen, bevor wieder die Masarykbahnhof angesteuert wurde. Als nächstes stand nämlich eine Fahrt mit der „Wochenend-S-Bahn“ von Libeň nach Hostivař an. Während des Aufenthalts in Libeň kam dabei 742.403 mit einem leeren Containerzug aus der Gegenrichtung gefahren.



In Hostivař angekommen, war wieder etwas Warten auf den nächsten Zug Richtung Stadtzentrum angesagt. Langweilig wurden diese paar Minuten aber nicht, denn unserer Brotbüchse folgte zunächst ein Bügeleisen, dann ein MVTV und schließlich ein Güterzug gen Süden mit 2x 363.5 und an dritter Stelle einer 163 von ČD Cargo. Wohin letztere wohl unterwegs war?



14:05 sollte dann der Sonderzug für die Metro-Exkursion am Hauptbahnhof starten. Also konnten noch gute 20 Minuten anderweitig genutzt werden, z. B. für ein Bild des Brotbüchsentreffens (links Sonderzug zur Metro, rechts Planzug Richtung Čerčany)…



… oder für ein Foto mit viel bunter Eisenbahn (Arriva-945.001, KŽC-M152.0535 und – schwach in der Halle zu sehen – Regiojet).



Vollbesetzt startete der Sonderzug pünktlich gen Praha-Krč, wo das Anschlussgleis zum Depot Kačerov der Metro beginnt. Am Tor des Geländes der Prager Verkehrsbetriebe stiegen neben zwei Rangierern auch zwei Reiseführer der DPP zu, die während des gesamten Besuchs sehr viel über Geschichte und Technik der Metro erzählten, wobei zumindest für mich mit meinen beschränkten Tschechischkenntnissen nicht alles verständlich war.
Unser KŽC -Sonderzug fuhr bis ins Depotgelände, wo direkter Umstieg in den historischen U-Bahnzug der Baureihe Ečs möglich war.





Da dort allerdings keine Stromschiene lag, wurde der Zug von einer DPP-Diesellok der Reihe 797 in den elektrifizierten Bereich geschoben, bevor es ab ins Dunkel ging.
Fotos aus dem U-Bahntunnel gibt’s keine (bei den Lichtverhältnissen bräuchte man schon ein Stativ und Ruhe – beides war nicht gegeben – aber ich will versuchen kurz bisschen was zu den „Sehenswürdigkeiten“ zu schreiben (für weitere Informationen sei z. B. auf Wikipedia verwiesen).

Erste Pläne für eine U-Bahn kamen schon Ende des 19. Jahrhunderts auf, richtig ernst wurde es mit dem Bau einer U-Bahn aber erst kurz vor dem 2. Weltkrieg, der dann aber dafür sorgte, dass aus den Plänen nichts wurde. In den 1950er und 1960er Jahren verfolgte man die Idee wieder zielstrebiger, allerdings war damals noch eine Art „U-Straßenbahn“ geplant. Im letzten Moment entschied man sich dann aber doch für ein reines U-Bahn-System nach sowjetischem Vorbild.

Am 9. Mai 1974 wurde die erste Linie, die heutige Linie C von Kačerov bis zur Station Sokolovská eröffnet. Zum Einsatz kamen Triebzüge von Metrowagonmasch, Typ Ečs. Von dieser ersten Baureihe ist heute noch ein Zug im Besitz der DPP, allerdings auch nur als Museumsfahrzeug. Das allerdings in einem sehenswert guten Zustand!





Und mit diesem Zug fädeln wir jetzt an der Station Kačerov auf die Linie C Richtung Norden ein. Dadurch dass es die erste Prager U-Bahnlinie ist und zum Zeitpunkt des Baus noch keine großen Erfahrungen mit dem Tunnelbau in Städten vorhanden waren, liegt die Strecke verhältnismäßig nah an der Oberfläche. Offene Abschnitte, wie z. B. bei der Berliner U-Bahn gibt es aber nicht.

Erstes „Highlight“ im Untergrund ist dann ein Abstellgleis, welches an der Station Pražského povstání vom Gleis Richtung Háje nach rechts abzweigt und mit der zugehörigen Weichenverbindung für das Aus- und Einreihen von Verstärkerzügen Richtung Stadtmitte genutzt wird.

Einen kurzen Blick auf’s Tageslicht kann man an der Station Vyšehrad (früher Gottwaldova) erhaschen und obwohl jetzt ein großes Tal gequert wird, bleibt’s dunkel. Die Metro quert das Nusle-Tal mittels Nuselský most, allerdings im Tubus unter der Straße und so von außen nicht sichtbar. Der Bau dieser Brücke begann übrigends noch zu Zeiten der U-Straßenbahn und musste recht aufwendig für die deutlich schwereren U-Bahnzüge verstärkt werden.

Kurz vor der nächsten Station, I. P. Pavlova fädeln zwei Verbindungsstrecken zur Linie A nach rechts ab, die Kreuzung der Linie C erfolgt dabei niveaufrei. Früher war die Verbindung recht wichtig, war doch Kačerov das erste (und zeitweise einzige) Depot. Aber auch heute wird die Verbindung gelegentlich noch genutzt.

Nach der Umsteigestation zur Linie A folgt der Hauptbahnhof, bzw. die Station Hlavní nádraží. Diese Station ist wieder etwas exotisch, denn es gibt zwei Seiten- statt einen Mittelbahnsteig, außerdem fällt auf, dass über den Gleisen ungewöhnlich viel Luft nach oben ist. Grund: Die ursprünglich geplante U-Straßenbahn, die mit Oberleitung deutlich mehr Platz nach oben benötigt hätte.
A propos U-Straßenbahn: in Fahrtrichtung Süden ist kurz hinter dem Hauptbahnhof ein toter Seitentunnel erkennbar, der für die Straßenbahn gedacht war.

Nach dem Hauptbahnhof folgt (wieder in nördliche Richtung) die Station Sokolovská, oder wie sie heute genannt wird Florenc. Vor dieser Umsteigestation zur Linie B befindet sich eine doppelte Gleisverbindung, hinter der Station fädelt mittig die eingleisige Verbindung zur Linie B aus. Und es folgt noch eine (bzw. eigentlich zwei) weitere Besonderheit: vor und hinter der Moldauquerung befinden sich Flutschutztore. 2002 haben die allerdings auch nicht viel genützt, als die Moldau u. a. auch die U-Bahn flutete…

Noch eine Station (Vltavská) und es hieß „Konečná stanice, prosíme vystupte.“ Die Station Fučikova, heute bekannt als Nádraží Holešovice, wurde tatsächlich so angekündigt – aber sofort gefolgt vom Hinweis „nein, bitte nicht aussteigen, wie fahren noch ein Stück“, denn der Endpunkt der Sonderfahrt war die Wendeanlage, ein zweigleisiger Kopfbahnhof, hinter der Station.

Im Sonderzug gab es automatische Ansagen zu den hier beschriebenen Besonderheiten und zur Geschichte, die durch die beiden Reisebegleiter noch ergänzt wurden. So wurde man fast die komplette Fahrzeit hin und zurück unterhalten!

Die Rückfahrt endete dann direkt in der Halle des Depot Kačerov. Auch hier gab es wieder längere Ausführungen über Bau, Größe und Besonderheiten (Waschanlage, Unterflurdrehbank). Außerdem war ein kleiner Stand mit Souvenirs aufgebaut.





Mit der Brotbüchse ging es schließlich wieder zurück. Dabei wurde natürlich wieder die Rampe vom Depot zum Bahnhof Praha-Krč befahren, die ebenfalls etwas Besonderes ist. Sie diente als Teststrecke und ist daher zu einem großen Teil mit Stromschiene ausgestattet. Da diese aber mit dem normalen Eisenbahnlichtraumprofil nicht vereinbar ist, ist die Strecke als Vierschienengleis mit leichter seitlicher Verschwenkung des „normalen“ Gleises ausgeführt.

Die Sonderfahrt endete dann schließlich wieder im Hauptbahnhof, dieser Bericht ist allerdings schon hier zu Ende, da die Heimreise ohne weitere Höhepunkt verlief.

Ich hoffe, der Bericht war auch ohne Tunnelbilder interessant. Allerdings denke ich, dass angesichts der Nachfrage noch öfters Sonderfahrten im Prager Untergrund unterwegs sein werden, so dass es auch für die, die diesmal nicht dabei sein konnten noch eine Möglichkeit geben wird die Ečska zu erleben.

Antworten:

Re: Mit der Ečska durch die Prager Unterwelt (m1B)

Zitat
T47 007
Allerdings denke ich, dass angesichts der Nachfrage noch öfters Sonderfahrten im Prager Untergrund unterwegs sein werden,
so dass es auch für die, die diesmal nicht dabei sein konnten noch eine Möglichkeit geben wird die Ečska zu erleben.


Das hoffe ich sehr. Und vielleicht gibt ja mal eine Sonder-Ausgabe mit deutschprachiger Begleitung. Mindestens zwei Interessenten kenne ich schon. ;)



:spos: Danke Dir für die virtuelle Teilhabe an dieser Tour. So weiß ich wenigstens halbwegs, was ich verpasst habe. Und dass ich mich beim nächsten Mal eher für eine Teilnahme entscheiden muss.

von Niels K. - am 23.03.2017 21:02
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