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Fotogalerie Tschechien und Slowakei
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Erster Beitrag:
vor 6 Tagen, 5 Stunden
Letzter Beitrag:
vor 5 Tagen, 2 Stunden
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Joachim Piephans, 217 055, Martin L., Zamracena

Pilsner Umstieg (m. 18 mobil-B.)

Startbeitrag von Joachim Piephans am 10.08.2017 16:04

Von den blauen Bergen kommen wir,
mit der Sommerkart'n warn wir hier ...


Die Berge im Felsenland sind grün, nicht blau, und ich war allein unterwegs. Aber ich kam per "jizdenka na leto" von diesen Bergen zurück, war dem Ex 350 "Einstein" zwei Stunden voraus und hatte also in Pilsen mehr als genug Zeit. Eine Durchsage im Rx 774 "Točník" Praha hl.n. - Klatovy machte darauf aufmerksam, daß der Zug wegen der Umbauarbeiten im Pilsner Hauptbahnhof gebrochen wird und man sich deswegen von der Nord- auf die Südseite der Station in die Anschlußgarnitur zu begeben habe. Der Zug kam am nördlichen Hausgleis noch weit vor dem Empfangsgebäude am Zwischensignal zu stehen, eine Völkerwanderung quer über den Inselbahnsteig setze ein. Dort wartete man dann auf den Sp 1965 von Eisenstein herab, dessen Wagen die Fortsetzung des "Točník" bilden sollten, natürlich ohne höhere Qualität und somit ohne Berechtigung, das "x" zu führen.




Der Reisendenstrom ist verebbt, 362 017 setzt vom Park des hier zwangsgeteilten Rx 774 ab.




... heute schon in Pilsen Feierabend ...




Die Maschine setzt um, man wird wohl in zwei Stunden als Rx 779 wieder einsetzen.




Grund des Ganzen: die Nordseite des Bahnhofs ist wie bekannt unterbrochen, es wird eine neue Überführung über die Straße gebaut. Temporäre Abschlußsignale machen den ansonsten schon fertig modernisierten Bahnhofsteil als Kopfbahnhof für die Prager Richtung nutzbar. Jedoch sind die wenigen Gleise der Südseite nicht ausreichend, um den Rx 774 durchgehend verkehren und zur selben Zeit den Sp 1965 enden zu lassen. Nur für eine Garnitur ist neben allem anderen gedrängten Verkehr Platz.




Auch der südliche Umgang um das Gebäude ist gesperrt.




Der ebenerdige Vorplatz ist Lager- und Arbeitsfläche für die Baustelle.




Dieser Herr in Schwarz - es könnte auch eine Dame gewesen sein - übernahm für kurze Zeit die Bauaufsicht.




Zum Abschluß der Neugestaltung des ganzen Bahnhofs werden hoffentlich auch die gußeisernen Geländer renoviert. Wer leistet sich heute noch dermaßenen Schmuck an einem Funktionsbau? Vielleicht ginge es der Gesellschaft hier und da besser, man täte es wieder öfter.




Flügelrad. Im Hintergrund die Baustelle für die neue Überführung der Gleise auf der Nordseite.




Inzwischen war auf dem Hausgleis der Südseite der Sp 1965 angekommen und die bereitstehende 242 208 hatte sich an dessen Schluß drangesetzt.




Mit 42 Jahren auch nicht mehr ganz jung, dient sie am Ort ihrer Entstehung.




Warten auf die Fertigmeldung ...




... und mit nur wenigen Minuten Verspätung setzt der gebrochene "Točník" seine Reise ins Angeltal fort.




Noch ein Blick auf die wunderschöne Fassade des zentralen Bahnhofs am westlichen Ast der einstigen k.k. privilegierten Kaiser Franz Josephs-Bahn ...




... bevor ich dieses wohlbekannte Etablissement aufsuche, um der Reise einen böhmischen Ausklang zu geben. Es sollte allerdings noch siebeneinhalb Stunden dauern, bis ich den Fuß auf den heimischen Bahnsteig setzen konnte - dem Zwangsumstieg zwischen Ex 350 und 357 in Furth im Wald (Tausch der Garnituren) und daraus resultierendem Anschlußverlust in Schwandorf nach Nürnberg wegen läppischer acht nicht abgewarteter Minuten sei Dank.
Dem Ex 350 fuhr ich bis Domažlice im 844 des MOs 7420 voraus.





Auch wenn die Überführungsbauwerke fertiggestellt und die Gleislücken geschlossen sind, wird Pilsen an der Ostseite des Stationsgebäudes einen kleinen Kopfbahnhof behalten, die beiden dort endenden Stutzgleise, die schon fertig saniert sind. Man kauft übrigens Prellböcke aus dem westlichen Nachbarland - und traut ihnen dann nicht, weswegen man sicherheitshalber eine Sperrschwelle davorsetzt und jeweils nochmals eine blaue Rautentafel zusätzlich zu der auf dem Bock montierten und zum Abschlußsignal? Hallo, hat man den Švejk Josef grad irgendwo in Pilsen gesehen?


Ich bitte wegen der Verwendung von Aufnahmen aus dem Mobiltelefon um Nachsicht. Die Kamera hatte in den zwei Tagen zuvor etliche Filme zu belichten und deswegen schon Pause. In Domažlice nahm ich sie freilich für die so schön in letzter Sonne stehenden 810 046 (rot, nach Janovice n/Ú) und 430 (blau, nach Běla n/R) freilich noch einmal heraus ... Mag sein, daß das Gezeigte fotografisch nicht vom Hocker reißt, aber ich fand's eine willkommene Abwechslung beim Aufenthalt.


Ach ja, da war ich gewesen:



... und da auch:




Grüße,
Joachim

Antworten:

Ahoj Joachim,

die Felsenlandschaft auf dem vorletzten Foto entstand an der trat' 047 und ist eine der schönsten Kulissen des Riesengebirgs-Vorlandes für Eisenbahn-Aufnahmen. Das letzte Bild kann ich nicht genau zuordnen, es könnte ebenfalls zwischen Trutnov und Adršpach entstanden sein.

Zum Pilsener Hauptbahnhof: Noch schöner als die schmiedeeisernen Sinnbilder der Eisenbahn sind die Flügelräder auf dem Dach des Empfangsgebäudes. Nach all dem, was ich vor einigen Wochen im Bereich des partiellen Kopfbahnhofs gesehen habe, bin ich überzeugt, dass die Eingangsseite des Empfangsgebäudes genauso geschmackvoll saniert wird. Lassen wir uns überraschen!

S přátelským pozdravem

Zamracena

von Zamracena - am 10.08.2017 19:38

Re: Pilsner Umstieg

Grüß Dich Joachim,

ich danke für den Blick durch Deine Aufnahmen nach Pilsen. Ist auf jeden Fall interessant für mich, schon weil auch 3 Monate seit dem letzten Umstieg dort eine ganz erhebliche Zeit sind.


Zu dem Anschlußbruch in Schwandorf noch eine Frage. Weißt Du, ob seitens des Zugpersonals im ALX 350 eine entsprechende Vormeldung von Anschlußreisenden getätigt wurde? Ohne eine solche geht in Deutschland nur mit Glück ein solcher Anschluß in Händen des Fdl Schwandorf oder zufällig durch die Betriebslage aus. Kein örtliches Personal ist mehr befugt, eigenständig über solche Fragen zu entscheiden, wenn es um mehr als "wenige Minuten" (also unter 5 Minuten) geht. Manche Kollegen setzen sich mehr darüber weg als andere, aber grundsätzlich ist bei 8 Minuten Wartezeit (oder sogar noch + Umsteigezeit?) im 60´er-Takt auf eingleisiger Strecke und mit Flügeleien auf Unterwegsbahnhöfen auch die vertretbare Eigenkompetenz mangels Überschaubarkeit der Folgen dann wirklich mal zu Ende. Und ohne Anstoß durch Vormeldung sind dann auch die zu diesen Entscheidungen befugten Stellen meist nicht aktiv und bewerten nicht die Folgen des gewünschten Wartens und treffen dann auch keine Entscheidung.


Viele Grüße
217 055

von 217 055 - am 10.08.2017 19:57

Schwandorfer Nicht-Umstieg

Zitat
217 055
Zu dem Anschlußbruch in Schwandorf noch eine Frage. Weißt Du, ob seitens des Zugpersonals im ALX 350 eine entsprechende Vormeldung von Anschlußreisenden getätigt wurde? Ohne eine solche geht in Deutschland nur mit Glück ein solcher Anschluß in Händen des Fdl Schwandorf oder zufällig durch die Betriebslage aus. Kein örtliches Personal ist mehr befugt, eigenständig über solche Fragen zu entscheiden, wenn es um mehr als "wenige Minuten" (also unter 5 Minuten) geht. Manche Kollegen setzen sich mehr darüber weg als andere, aber grundsätzlich ist bei 8 Minuten Wartezeit (oder sogar noch + Umsteigezeit?) im 60´er-Takt auf eingleisiger Strecke und mit Flügeleien auf Unterwegsbahnhöfen auch die vertretbare Eigenkompetenz mangels Überschaubarkeit der Folgen dann wirklich mal zu Ende. Und ohne Anstoß durch Vormeldung sind dann auch die zu diesen Entscheidungen befugten Stellen meist nicht aktiv und bewerten nicht die Folgen des gewünschten Wartens und treffen dann auch keine Entscheidung.



Servus,

ich mag hier dazu gar nicht viel schreiben, besser im persönlichen Gespräch. Jedenfalls war ich gestern stinksauer, gemildert nur dadurch, daß in Schwandorf die Bahnhofsbäckerei/-Cafeteria bis 22.15 Uhr geöffnet hat und ein Naabecker Helles den Zorn kühlen durfte. In Stichpunkten:

- Die Zugführerin hat mehrmals versucht, vorzumelden, bekam jedoch keine Verbindung oder niemanden ans Telefon.

- Furth im Wald ab mit plus 13. Der Meister fuhr granatenscharf auf dem Limit, in Cham jedoch wieder sieben (!)Minuten ausgebremst durch entgegenkommende OPB, die man in Roding auch hätte stehenlassen können (endet in Furth, dort kein Anschluß zu beachten). Stattdessen stellt man einen internationalen Expreß hin!

- Ankunft Ex 350 in Schwandorf um 21.12 Uhr (plan 20.56); RE nach Nürnberg wohl plan um 21.07 raus. Es reichen drei Minuten Übergang, hätte man also bis 21.15 Uhr warten müssen = plus 8 hätte der Anschlußzug bekommen, mehr nicht.

- Es komme mir keiner mit betrieblichen Zwängen oder der "Fahrplanstabilität" - jederzeit herzlich gern, aber nicht spätabends nach 21 Uhr, wenn Menschen einfach nach Hause wollen! Da sollten die Prioritäten im Lauf eines Tages zu einem gewissen Zeitpunkt umgeschaltet werden. Die Strecke ist nur bis Amberg eingleisig, da kommt nichts entgegen. Und in Neukirchen wird nicht geflügelt, sondern vereinigt - lasse ich halt den Weidener zuerst einfahren und setze den Schwandorfer (planmäßig erster Teil) hintendrauf, schon ist wieder fast alles im Lot. Braucht die Werkstatt den Schwandorfer, muß er halt in Nürnberg wieder rausgeholt werden: wir sprechen dann schon von 22.15 aufwärts, da ist genug Platz und Zeit. Je später der Abend, desto weniger akzeptiere ich als zahlender (!!) Kunde betriebliche Zwänge als Begründung dafür, daß mir ein Zug vor der Nase wegfährt. Da sitzt meine hauptsächliche Kritik: nicht die Tageszeit zu bedenken.

==> Insgesamt aber macht mich die Sache deshalb so wütend, weil es mir nicht zum ersten Mal passiert. Bei den Zügen aus Prag, zumal beim letzten des Tages, gibt es **immer** Reisende in Richtung Nürnberg, darunter Bürger des Nachbarlandes oder Touristen, die zuerst Prag, dann Nürnberg besuchen (via carolina!). Hat man uns vor einigen Jahren schon die direkten Züge Nürnberg - Prag genommen, so kann oder will man jetzt nicht mal eine durchgehende Reisekette sicherstellen, was das mindeste wäre, um entspanntes Reisen zu ermöglichen. Was für eine Begrüßung im eben erreichten Staat, wenn das Gleis 1 leer ist, es keinerlei Ansage gibt und das Häuschen der Verkehrsaufsicht längst verrammelt ist - ein Armutszeugnis.
Deswegen würde es sich für meine Begriffe gehören, den Anschluß immer warten zu lassen, auch ohne Vormeldung (die ja eben auch schiefgehen kann - kein Anruf bedeutet eben nicht, daß keiner für Nürnberg dabei ist, siehe gestern). Unter "immer" verstehe ich, daß der Schwandorfer Fahrdienstleiter bei abzusehender Anschlußverzögerung selbständig dem Nürnberger RE 3572 bis 20 Minuten Verspätung geben kann, dies der BL nur mitteilt. Das sollte Standardverfahren sein. Und auch bei noch größerer Verspätung hat man dann großzügig zu entscheiden. Natürlich fährt noch ein letzter Zug, ein Lumpensammler. Doch es gibt dann immer noch Leute, die von Nür aus noch weitermüssen. Dann ist es nicht mehr lustig.

Auch wenn im System der hiesigen Eisenbahn die Prager dem Nahverkehr zugeschlagen sind, handelt es sich doch um internationale Expreßzüge (Gattung Ex beim Nachbarn), die und deren Reisende entsprechend zu behandeln sind. Und das, ich wiederhole mich, erst recht bei der letzten Tagesverbindung!! Die Länderbahn hätte sich mal darum zu kümmern, die Sauberkeit der Wagen annehmbar zu gestalten, ich hatte am Montag einen derart abgeranzten Bm erwischt. Es wäre zu klären, was der Zwangsumstieg / Tausch der Garnituren mitten in der Zugleistung soll. Und DB Netz samt Regio hätten im Verbund mit der DLB sichere Reiseketten sicherzustellen. Rede- und Handlungsbedarf gibt es also genug. Das verlange ich als Kunde, oder ist das zuviel verlangt?


Kontrastierend dazu: der R 946 von Hradec Králove hat gestern seine Abgangsverspätung von plus 8 trotz Weichenumbau in Vélky Osek, trotz nur eines durchgehenden Gleises durch die aufgewühlte Großbaustelle Čelákovice, vor der wir drei Minuten wegen entgegenkommenden Gegenzuges warten mußten, trotz mehrerer La, trotz Signalhalt in Balabenka auf plus 6 bei der Ankunft in Praha hl.n. reduziert. Meisterleistung aller Beteiligten.


Ich behalte mir vor, das schon mehrfach Erlebte der BEG, der Länderbahn, DB Netz und DB Regio vorzutragen. Das würde kein lustiger Brief werden. Ich möchte gern Courage bei den handelnden Personen sehen, die dem Wohl des Reisenden dienen und keinen abstrakten Zwängen. Wer weiß aber, ob dann nicht nur schmallippige Textbausteine zurückkommen und sich die Mühe lohnt. Könnte in den zwei Stunden, die für ein fundiertes Schreiben aufzuwenden sind, auch meine Dias vom Pragverkehr um die Jahrtausendwende anschauen ...


Leider immer noch nicht wieder beruhigt, dennoch mit herzlichen Grüßen,
Joachim

von Joachim Piephans - am 10.08.2017 22:02

Re: Schwandorfer Umstieg

Servus Joachim,

es tut mir leid, wenn ich mit meiner Frage dazu Deinen Blutdruck gesteigert habe. Das lag natürlich nicht in meiner Absicht.
Ich wollte mit meiner Schilderung der "Normalität" in Deutschland auch nicht ausdrücken, daß so die bestmögliche Organisation dieser Sachverhalte ist. Es ist nur die pauschal gültige Realität - ausdrücklich ohne jede Wertung, geschweige Rechtfertigung.

Folgend noch einige Bemerkungen als Reaktion in Auszüge Deiner Sätze hinein.

Zitat
Joachim Piephans
Servus,

- Die Zugführerin hat mehrmals versucht, vorzumelden, bekam jedoch keine Verbindung oder niemanden ans Telefon.

- Furth im Wald ab mit plus 13. Der Meister fuhr granatenscharf auf dem Limit, in Cham jedoch wieder sieben (!)Minuten ausgebremst durch entgegenkommende OPB, die man in Roding auch hätte stehenlassen können (endet in Furth, dort kein Anschluß zu beachten). Stattdessen stellt man einen internationalen Expreß hin!


Laut den mir sichtbaren Angaben in Datensytemen hatte der ALX 350 in Cham 5 min Standzeit, die Verspätung stieg von 14 auf 18 min.
Die Fahrzeit der ALX-Züge zwischen Furth und Schwandorf sind so knapp, daß "granatenscharfes Fahren" nur gerade so die Fahrzeit einhalten läßt - das ist mir auch schon öfter aufgefallen. Immerhin gingen dann von Cham bis Schwandorf doch noch 2 min weg.


Zitat
Joachim Piephans

- Ankunft Ex 350 in Schwandorf um 21.12 Uhr (plan 20.56); RE nach Nürnberg wohl plan um 21.07 raus. Es reichen drei Minuten Übergang, hätte man also bis 21.15 Uhr warten müssen = plus 8 hätte der Anschlußzug bekommen, mehr nicht.


Zustimmung, 8 Minuten Wartezeit hätten gereicht, vielleicht sogar nur 7 Minuten. Es hätte keine besonderen betrieblichen Schwierigkeiten gegeben - es fehlte nur die Vormeldung, ersatzweise die Eigeninitiative dieses oder jenes Eisenbahners.


Zitat
Joachim Piephans
- Es komme mir keiner mit betrieblichen Zwängen oder der "Fahrplanstabilität" - jederzeit herzlich gern, aber nicht spätabends nach 21 Uhr, wenn Menschen einfach nach Hause wollen! Da sollten die Prioritäten im Lauf eines Tages zu einem gewissen Zeitpunkt umgeschaltet werden. Die Strecke ist nur bis Amberg eingleisig, da kommt nichts entgegen. Und in Neukirchen wird nicht geflügelt, sondern vereinigt - lasse ich halt den Weidener zuerst einfahren und setze den Schwandorfer (planmäßig erster Teil) hintendrauf, schon ist wieder fast alles im Lot. Braucht die Werkstatt den Schwandorfer, muß er halt in Nürnberg wieder rausgeholt werden: wir sprechen dann schon von 22.15 aufwärts, da ist genug Platz und Zeit.


Das ist jetzt aber schon ein Hinweis, daß bestimmte Argumente in Deinen Augen (vielleicht auch nur manchmal) keine Gültigkeit haben? Fahrplanstabiliät ist in meinen Augen immer ein gültiges Argument, nur dessen Gewichtung sollte nicht absolut sein und gleich stark zu jeder Tageszeit und bei jeder Betriebslage angewendet werden.


Zitat
Joachim Piephans
==> Insgesamt aber macht mich die Sache deshalb so wütend, weil es mir nicht zum ersten Mal passiert. Bei den Zügen aus Prag, zumal beim letzten des Tages, gibt es **immer** Reisende in Richtung Nürnberg, darunter Bürger des Nachbarlandes oder Touristen, die zuerst Prag, dann Nürnberg besuchen (via carolina!). Hat man uns vor einigen Jahren schon die direkten Züge Nürnberg - Prag genommen, so kann oder will man jetzt nicht mal eine durchgehende Reisekette sicherstellen, was das mindeste wäre, um entspanntes Reisen zu ermöglichen.


Du schreibst da über Deine Lesart einer solchen Verbindung. In der Realität ist im täglichen Geschäft davon überhaupt nichts implementiert, schon gar nicht, daß irgendwer für irgendwas zu sorgen habe. Da gibt es ausschließlich Züge, die im Idealfall fahren wie sie bestellt wurden, auf Relationen, die vorgegeben wurden und möglichst mit den Kapazitäten, die bestellt wurden. Dazu gibt es Vorgaben zu bestimmten Details wie Ansagen, Anzeigen, Sauberkeit, Pünktlichkeitsziele usw. - aber eben nicht, was eine ideell oder theoretisch bestehende Direktverbindung ist, die gerade nicht durchgehend angeboten wird. Da sind Deine Vorstellungen vielleicht nachvollziehbar oder auch allgemein wohl begründet - aber eben auch weit entfernt von der Realität und dem realistisch Erwartbaren.

Umsteigen ist ja nicht mal im Fernverkehr - ohne daß verschiedene Unternehmen miteinander in Abstimmung treten müssen - etwas, was eine besondere Aufmerksamkeit genießt. Gerade (in den letzten beiden Jahren noch zunehmend) herrscht da die Doktrin, keinesfalls Verspätung durch Anschlußgewährung zu erzeugen, Reisende scheinen ein absolut unbedeutendes Argument zu sein. Die Eisenbahn ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht wirklich unbegründet in schlechtem Ruf, wenn auch nur relativ Wenigen im Detail klar ist, warum dies oder jenes so ist oder so gemacht wird. Als Ergebnis bleibt dann übrig, daß jeder Umstieg ein potentielles Risiko ist und man nicht mit zuverlässiger Ankunftszeit am Ziel rechnen sollte - die Nutzungsrate paßt sich dann zeitverzögert an solche Verhältnisse an. Erstaunlicherweise stelle ich zunehmend fest, daß viele Zeitgenossen sich schon so daran gewöhnt haben, daß von denen solche Zustände als "normal" gewertet werden.

Solltest Du eine Beschwerde noch schreiben, darfst Du vsl. damit rechnen, nicht wirklich in Deiner Argumentation verstanden zu werden. Zum Anschlußverlust selbst als berechtigte Kritik wird man Dir sicher zustimmen, darüber hinaus glaube ich nicht an irgendeine Wirkung einer solchen Beschwerde.


Zitat
Joachim Piephans
Was für eine Begrüßung im eben erreichten Staat, wenn das Gleis 1 leer ist, es keinerlei Ansage gibt und das Häuschen der Verkehrsaufsicht längst verrammelt ist - ein Armutszeugnis.
Deswegen würde es sich für meine Begriffe gehören, den Anschluß immer warten zu lassen, auch ohne Vormeldung (die ja eben auch schiefgehen kann - kein Anruf bedeutet eben nicht, daß keiner für Nürnberg dabei ist, siehe gestern). Unter "immer" verstehe ich, daß der Schwandorfer Fahrdienstleiter bei abzusehender Anschlußverzögerung selbständig dem Nürnberger RE 3572 bis 20 Minuten Verspätung geben kann, dies der BL nur mitteilt. Das sollte Standardverfahren sein. Und auch bei noch größerer Verspätung hat man dann großzügig zu entscheiden.


Das entspräche etwa dem Modell in Tschechien, mit der Wirkung, daß es nicht gerade wenige Tage gibt, in denen nahezu netzweit sehr viele Züge um die 20 min Verspätung haben. In einem Taktsystem ohne große Lücken kann das keine pauschal angemessene Lösung sein. Insofern widerspreche ich Dir da ganz entschieden. 20 min Verspätung, veranlaßt durch einen örtlichen Fdl sind als Grundsatz völlig überzogen - und auch in früheren Jahren gab es das nur, wenn die Wartezeitregelung so etwas vorsah. Vergleichbares gibt es unter anderem Namen auch heute noch, betrifft aber in der Regel nur den letzten Zug pro Richtung, wenn überhaupt.


Zitat
Joachim Piephans
Ich behalte mir vor, das schon mehrfach Erlebte der BEG, der Länderbahn, DB Netz und DB Regio vorzutragen. Das würde kein lustiger Brief werden. Ich möchte gern Courage bei den handelnden Personen sehen, die dem Wohl des Reisenden dienen und keinen abstrakten Zwängen. Wer weiß aber, ob dann nicht nur schmallippige Textbausteine zurückkommen und sich die Mühe lohnt. Könnte in den zwei Stunden, die für ein fundiertes Schreiben aufzuwenden sind, auch meine Dias vom Pragverkehr um die Jahrtausendwende anschauen ...


Wie schon oben ausgedrückt, verkehrt wäre es bestimmt nicht. Erwarten würde ich aber alles und auch nichts, möglicherweise auch Textbausteine. Und dann wäre es wirklich schade um die mindestens 2h Arbeit.


Herzliche Grüße (und durchaus nachfühlend)
217 055

von 217 055 - am 11.08.2017 07:46

Re: Schwandorfer Umstieg

Ich danke Dir! Wir sind da schon sehr nah beieinander.

Das oft nur frustrierende, manchmal aber eben auch wütend machende Dilemma ist, daß Politik, Aufgabenträger und Unternehmen ihre Realität pflegen, die sich von der Realität, jedenfalls der Realitätswahrnehmung der Reisenden stellenweise fundamental unterscheidet. Erstere verfahren nach der Doktrin, daß sie sehr genau wüßten, was gut ist für den Kunden, und dieser doch darauf "abfahren" müßte, in Zwangslagen sich auch einfach fügen. Letztere erwarten immer noch (illusionistisch?), daß "die Bahn" doch endlich wieder mal begreifen möge, was der einfach Kunde wünscht und braucht ...

Das lösen wir hier nicht. Deswegen bleiben wir der Eisenbahn doch treu, oft freudestrahlend, mal zähneknirschend.

N drahu!
Joachim

von Joachim Piephans - am 11.08.2017 10:54

Re: Felsen

Ja, das vorletzte Bild entstand früh um sieben am "Echoplatz" bei Nieder Adersbach, beim Warten auf den ersten Zug von Trautenau. Rechts ist das letzte Haus des "Rabendörfl" zu sehen.

Das letzte Bild ist auf der südlichsten Hangwiese bei Janovice (Jonsdorf), ebenso an der Adersbacher Lokalbahn, geknipst. Hier verbrachte ich einen ganzen Nachmittag am Waldrand, las in Sloeterdijks neuestem Buch, wartete die vier Züge der 14- und 16-Uhr-Kreuzungen für Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln ab und stiefelte dann zum Wirt an der Hauptstraße, wo es panierten Käse, eine Halbe Krakonoš, Kaffee und palačinka gab. Der Blick geht in Richtung Skály (Bischofstein), die Lokalbahn biegt dann nach rechts in den Wald ab, auf Radvanice zu.

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 11.08.2017 15:12

Re: Schwandorfer Umstieg

Zitat
Joachim Piephans
Deswegen bleiben wir der Eisenbahn doch treu, oft freudestrahlend, mal zähneknirschend.

N drahu!
Joachim


Ein schönes Schlußwort dazu. Genau so, bitte.

Na drahu!

von 217 055 - am 11.08.2017 15:21

Schon Karl-Ernst Maedel

schrieb einst im anderen Zusammenhang davon, wie schwer es die Eisenbahn doch mitunter den Menschen macht, sie zu lieben.
Und das bereits vor vielen, vielen Jahren in seiner Geschichte "Die schönen Hungerjahre".

Daran hat sich bis heute wohl nichts geändert...

Doch der von Maedel auch irgendwann erwähnte "Eisenbahnbazillus" bleibt wohl nach Infizierung mit selbigen ein Leben lang erhalten, manch Unangenehmen zum Trotz.

Grüße, Martin

von Martin L. - am 11.08.2017 19:13
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