Große Bahnrundreise von und nach Kosice

Startbeitrag von wxdf am 20.04.2009 18:43

Da hatte ich nun gedacht, die Rückreisewelle würde in der Nacht vom Ostermontag zum Dienstag sein, aber am 15.4. mit dem Zug 0:02 h ab Ko¨ice nach Vrutky strömten auf jeder Station neue werktätige Massen in den langen Zug. In Vrutky war es im Warteraum schön warm, man musste nur auf die jungen Zigeuner aufpassen, die immer wieder durch den Raum schlichen und wohl hofften, schlafende Reisende um etwas erleichtern zu können. Dann ging es mit dem Stadler-Triebwagen weiter nach Martin, wo ich 15 min Zeit hatte, die Bushaltestelle in der ulica J.Jesenského zu finden. Wäre ja auch zu einfach, wenn man vom aufgelassenen Busbahnhof vor dem Bahnhof abfahren würde. In Nitrianské Pravno verlasse ich den Bus am Marktplatz und habe 26 min Zeit, den Bahnhof zu finden. Dort steht ein 813+913, der auf den Namen Chocholou¨ek hört (ein Doktor, der Geisteskranke behandelt, stammt aus dem Komödien-Film „Joachim, wirf ihn in die Maschine“ aus dem Jahre 1974). Nun ja, Humor ist den Eisenbahnern wohl nicht fremd. An der Verkehrskanzlei hängt eine Mitteilung, dass sich 8:10-9:20 h daselbst ein Mn herumtreiben tät und wer Interesse hätte, Güter zu befördern, solle sich getrost bei der Aufsicht melden.
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Der Personenverkehr war im Rahmen des großen Nebenbahnsterbens 2003 hier schon mal abgesägt worden. Danach begab es sich, dass immer wieder überfüllte Busse Fahrgäste an den Unterwegsstationen einfach stehen ließen, worauf sich diese derart massiv aufregten, dass man den Personenverkehr wieder aufnahm. Zunächst bescheiden mit 2 Zugpaaren Mo-Fr und einem Prievidza-Nedo¸ery. In dieser Fahrplanperiode gibt es nunmehr 6 Zugpaare Mo-Fr, eins zusätzlich freitags und neu 2,25 Zugpaare am Sonntag nachmittags. Also eine echte Erfolgsgeschichte.
Wir fahren mit bescheidener Besetzung los, aber unterwegs steigen zahlreiche Schüler und Werktätige zu, so dass wir in Prievidza mit sehr guter Besetzung ankommen. Die Schaffnerin schaut auf meine Interrail-Fahrkarte wie ein Schwein ins Uhrwerk, will sich aber wohl keine Blöße geben, dass sie sie nicht versteht und so entschließt sie sich schließlich, Datum und Zugnummer drauf zu schreiben, obwohl das gar nicht notwendig wäre. Unklar bleibt, warum vor den mit Blinklichtanlagen gesicherten Bahnübergängen auf 10 km/h abzubremsen ist.
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Nun würde ich zwar gerne mit der Bahn nach Banská Bystrica weiterfahren, würde aber spätestens in Horná ¦tubna stranden und so warte ich auf den von Trenčín überfüllt ankommenden Fernbus. Der Fahrer schreit irgendwann, der Bus sei voll und so bleiben 10 frustrierte Fahrgäste zurück. Na gut, dann drehe ich eben noch eine Runde um den Bahnhof und fahre 8:05 h mit dem nächsten.
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In Banská Bystrica habe ich 20 min Zeit, um vom Busbahnhof zum Eisenbahnhof zu schlendern, wo der Schlafwagen vom Horehronec abgehängt und die Lok gewechselt wird. Die Personenwagen sind vom älteren Typ, wo sich die Fenster öffnen lassen. Ja, so mag ich die Eisenbahn. Sich Fahrtwind um die Nase wehen lassen, das Rattern der Schienenstösse zu hören und vom letzten Wagen aus die Diesellok filmen zu können, wie sie die nächste Kurve nimmt. Wobei es an einer Stelle auch mal sehr unangenehm riecht, weil die Bauern Gülle auf die Felder ausgebracht haben. In Brezno erfolgt der Umstieg auf die ehemalige Zahnradstrecke Richtung Tisovec – Jesenské, wo es teilweise sehr langsam vorangeht, aber so kann ich eben die Landschaft gut genießen. In Rimavská Sobota haben wir planmäßig 6 min Aufenthalt und kaum sind alle Fahrgäste ausgestiegen, fährt der Triebwagen davon. Ist aber kein Grund zur Panik, obwohl mein Rucksack im Triebwagen verblieben ist, denn der kommt nach Umstellen der Weiche zum Gleis 1 zurück und es wird ein Triebwagen mit Beiwagen angekuppelt.
In Jesenské muss ich nun von 13:25 h bis 15:40 h Zeit totschlagen. Ursprünglich wollte ich zu einem Berg mit einer ehemaligen Burg hinaufsteigen, aber da es sehr warm ist und es dort wohl nur noch unbedeutende Reste geben soll, weil der Besitzer seinen Bauern schon im Mittelalter gestattet hat, die Burg zwecks Gewinnung von Baumaterial komplett auseinander zu nehmen, gehe ich lieber auf Nahrungssuche und werde gleich in der Kneipe am Bahnhof fündig: Hühnerleber in Kartoffelpuffer mir Rohkost, individuell zubereitete Hausmannskost, mit 1 Flasche Bier um 3,29 ¤. War ein Genuß ...
Dann kommt noch der lokbespannte Zug von Rimavská Sobota vorbei. Mit Güterverkehr ist nicht viel los und nachdem ich noch meinen Kaffee und Waffeln verzehrt habe, gibt es das große Triebwagentreffen.

Der ganz links abgestellte ist der, mit dem ich von Brezno gekommen bin, auf Gleis 2 steht der von Tisovec nach Fil'akovo, auf Gleis 3 der von Ko¨ice nach Rimavská Sobota und auf Gleis 4 der von Fil'akovo nach Ple¨ivec, den ich gleich bis Lenartovce benutzen werde.
Von da aus laufe ich neben der Strecke nach Bánréve , wobei ich an der Grenze feststellen muss, dass sich dort ein wassergefüllter Graben befindet und so muss ich fluchend zurück laufen und diesen über die Eisenbahnbrücke überqueren. In der Ferne entweicht gerade der Bzmot nach Ozd. Wäre ja auch zu viel verlangt, wenn der in Lenartovce beginnen würde, aber dafür wird wohl ohnehin kein Bedarf bestehen. Ich könnte nun zwar mit dem Nachmittagszug nach Lenartovce zurück fahren, aber da müsste ich erst mal Forint tauschen oder vom Automaten abheben und Zeit habe ich ja ohnehin noch genug. In Lenartovce sitzt der Fahrdienstleiter draußen auf der Bank und langweilt sich. Ich sage zu ihm, ich wäre vor einem Jahr mal hier gewesen, als der M131 von der vlaky.net-Tour Richtung Slavo¨ovce nach Zvolen zurück überführt wurde, da hätten um diese Zeit noch 3 Güterzüge in seiner Station gestanden. Die Wirtschaftskrise wirke sich wohl auch aus ? Wird schon wieder besser werden, gibt er sich optimistisch und will natürlich wissen, wo ich herkomme. Ah, in Dresden sei er zu DDR-Zeiten auch mal gewesen, und ob es denn stimme, dass diese Kirchenruine im Stadtzentrum inzwischen wieder aufgebaut wurde? Ja, die Frauenkirche wurde wieder aufgebaut und ist eine große Touristenattraktion, bestätige ich ihm.
Nach einer Weile kommt der Bzmot mit 2 Zivilisten und 2 Eisenbahnern und kurz darauf kreuzen die beiden Schnellzüge. Meiner Richtung Ko¨ice führt diesmal nur klimatisierte Wagen ohne Fensteröffnungsmöglichkeit mit und so bleibt mir nur, die Landschaft durchs Fenster zu betrachten, bis wir pünktlich 19:07 h in Ko¨ice eintreffen.

Antworten:

Video: Horehronec von Banska Bystrica bis Brezno

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von wxdf - am 26.04.2009 06:11
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