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Forum zu den Eisenbahnen in der Slowakei
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
wxdf, AAW, s-lin, M41, nix mehr, Niels K., Joachim Piephans

US Steel will das Stahlwerk Košice verkaufen

Startbeitrag von wxdf am 25.03.2013 18:10

Als Käufer ist Evraz, ein Unternehmen des russischen Oligarchen Rinat Achmetov , im Gespräch.
Die slowakische Regierung entwickelt nun hektische Aktivitäten, um US Steel vom Verkauf abzubringen.
Dies wäre nämlich auch ein schwerer Schlag für ZSSK Cargo, was zur Zeit schon mit Verlusten kämpft und damit die Beförderung von Erz aus der Ukraine über die Breitspurstrecke verlieren würde, weil dann das Werk in Košice ein reines Walzwerk werden würde und Halbfabrikate angeliefert würden, während die Erzverarbeitung in der Ukraine erfolgen würde.
Außerdem hat US Steel Erz aus Kanada geordert, das kurioserweise billiger als das ukrainische sein soll, obwohl es mit Schiffen in Gdansk auf die Bahn umgeschlagen wird. Den Weitertransport übernimmt Cargo Polska in Zusammenarbeit mit einem privaten slowakischen EVU, ZSSK Cargo konnte die Ausschreibung für diesen Transport nicht gewinnen.
Für Slowakisch-Könner zum Nachlesen:
[www.slovakradio.sk]
[ekonomika.sme.sk]

Antworten:

Für Slowakisch-Nichtkönner die Frage ab wann -auf Grund kanadischer Lieferungen- mit dem Absinken der Erzzug-Frequenz auf der Breitspurstrecke zu rechnen ist. Da ist ja jetzt schon nicht der ganz dicke Verkehr. :-(

Ansonsten fällt mir zu diesem Thema nur eines ein: Die Welt ist ein Irrenhaus und überall ist die Zentrale...

von Niels K. - am 25.03.2013 18:41

Der Genosse Fico konnte es abwenden

[www.topky.sk]-
Er flog am 24.3. mit einigen Ministern, dem Košicer Landeshauptmann und dem Bürgermeister nach Pittsburgh und überzeugte die Amerikaner wortreich, in Košice zu bleiben.
Heute wurde im Stahlwerk eine Vereinbarung über Erleichterungen in der Entwicklungspolitik und der Energetik unterzeichnet. Das Memorandum soll minimal 5 Jahre gelten und wenn die Slowaken artig sind und bei den nächsten Wahlen die Sozialdemokraten weiter die Mehrheit behalten, sogar 15 Jahre.
US Steel wird ab 1.1.2014 im Heizwerk zwei Kessel rekonstruieren, die anfallende Abgase zur Wärmegewinnung nutzen. Einem einmaligen Investitionsaufwand dafür von 70-80 Millionen € steht eine jährliche Einsparung von 14 Mio € gegenüber.
Unabhängig davon sind bereits zwei kanadische Schiffe mit Erz in Gdansk angekommen und bis zum Jahresende sollen sieben kommen, womit der Jahresbedarf von 5 Mio t an Erz gedeckt wird.
Wie es momentan auf der Breitspurstrecke aussieht, schaue ich mir über Ostern beim Verwandtenbesuch mal vor Ort an.

von wxdf - am 26.03.2013 14:56

Re: Der Genosse Fico konnte es abwenden

Zitat
wxdf
... Erleichterungen in der Entwicklungspolitik und der Energetik ...


Was nichts anderes bedeuten dürfte als Steuererleichterungen, Ausnahmen beim Emissionsschutz, Stromgebührennachlässe und zugeschnittene Gesetze. Überall derselbe zukunftsblinde Kapitalismus. Und gewählte Volksvertreter machen Bücklinge vor Industriebossen.

Trübe Grüße,
Joachim

von Joachim Piephans - am 26.03.2013 15:19

Stimmt fast, aber nicht ganz

Auszugsweise Übersetzung aus dem Link:

Auf dem Gelände der Fabrik, in den Räumen der Galvanisierungslinie unterschrieb Fico vor den Arbeitnehmern zusammen mit dem Präsidenten des Košicer U.S.Steel David Rintoul, ein Memorandum über den Verbleib in der Slowakei. „Das ist sehr wichtig für die Slowakei und Košice. Sobald wir erfuhren, dass die Beschäftigung bedroht ist, begannen wir zu handeln und Lösungen zu suchen. Die Regierung kämpft um jeden Arbeitsplatz“ , sagte er nach der Unterzeichnung und versicherte:
"Wir wollen, dass die Stahlproduktion bei uns günstige Bedingungen hat, weil von ihr auch weitere strategische Betriebe, ich nenne wenigstens Cargo, abhängen. Ich versichere, dass die Regierung U.S.Steel keine direkten Investitionsstimuli und auch keine Steuerfreiheit versprochen hat. Wir haben uns über gewisse Erleichterungen geeinigt, was die Entwicklungspolitik und die Energetik betrifft. Einige werden bis zu 15 Jahre gültig sein. Das Memorandum gilt minimal 5 Jahre und dann, wenn es diese Regierung noch geben wird, werden wir weiter verhandeln“-
Die Gesellschaft verpflichtete sich wiederum, dass sie die Beschäftigung aufrecht erhalten wird und es keine Massenentlassungen geben wird. Sie wird auch mit weiteren strategischen Betrieben der Slowakei zusammenarbeiten.

von wxdf - am 26.03.2013 15:59

Was ich auch noch nicht wusste ...

Es gibt auch privaten Güterverkehr auf der Breitspurstrecke. Soll billiger sein als auf der Normalspur über Plavec zu fahren:

Private Hummeln am Abzweig Slančik

SŽDS fährt seit Juni 2012

Quelle: [www.vlaky.net]

von wxdf - am 27.03.2013 19:25

Transportkosten

Hallo,

so lange Transport so billig ist, wird sich nichts mehr ändern. Arbeit bleibt fern. Erz aus Amerika oder sonst wo aus China etc... kann nicht billiger sei als aus Krivoj Rog oder Kiruna.
Transport... Billiger machen, damit wir günstig auf Arbeit kommen? Warum kommt Arbeit nicht mehr zu den Menschen?
Alles das gleiche: Kosten der Unternehmen outsourcen...
Steuerliche Abschreibung - Fahrtkostenpauschale. Im gewissen Teilen sourct damit ein Bürger seine Kosten auf alle um, oder?

Also wo anfangen?
Spätestens dann wenn Gas und Öl scheinbar ! unbezahlbar werden, rascht das Schaffot herunter. Strom aus Probellern und blauen Platten auf Dächern und Äckern, um Batterien für die Karre zu laden?
Na dann produziert mal fröhlich drauf los.

Mobilität um jeden Preis, oder ein dubioses RECHT darauf?
Bei dem Gerangel um Stahl in Kosice, Ostrava, Krakow etc. ght es nur noch darum, derlei entgültig vom alten Kontinent zu lösen. Denn da "hinten" in China kann auf Kosten der Allgemeinheit ausgebeutet, verpestet, etc. werden... Wäre es rechtlich dort wie hier, sähs sofort anders aus.

Wir runter im Leben? Oder jedem Reisbauern seinen Golf und Urlaub auf Malle?

malo

von nix mehr - am 31.03.2013 14:31

Re: Was ich auch noch nicht wusste ...

Ich war am Samstag 23.03. und Sonntag 24.03.13 an der Breitspurbahn unterwegs, der Verkehr war ordentlich. Am Samstag standen in Haniska pri Kosicach die beiden Hummeln abgestellt. Direkt gegenüber dem Bahnbetriebswerk befindet sich ein neues Containerterminal, dieses kann vmtl. auch mit Breitspur angefahren werden.

Am Mittag war ich in Kalsa, dort fuhr um 13 und 16 Uhr ein Zug nach Kosice, gegen 17 Uhr kam ein Zug aus Richtung Kosice.

Am Sonntagabend war ich bei Budkovce, dort fuhren um ca. 16:30 Uhr ein Zug gen Ukraine sowie kurze Zeit später ein Zug nach Kosice.

von M41 - am 31.03.2013 19:03

Re: Transportkosten

Zitat
malo
... Denn da "hinten" in China kann auf Kosten der Allgemeinheit ausgebeutet, verpestet, etc. werden... Wäre es rechtlich dort wie hier, sähs sofort anders aus.


Tja, irgendwann (nach unser aller Zeit) werden die Standards in China den unseren entsprechen. Ich hege die Befürchtung, daß es dann bei uns nur noch die derzeit dortigen Standards (Lohn etc.) geben wird. Der Kreislauf aus Aufstieg und Fall eben.

Grüße,
André

von AAW - am 31.03.2013 19:57

ZSSK Cargo darf 300.000 t kanadisches Erz transportieren

[spravy.pravda.sk]

von wxdf - am 31.05.2013 16:25

Richtig so

Ob man den Genossen Fico mag oder nicht, das mit dem Stahlwerk hat er gut hingekriegt. Und eine Begründung für die staatliche Intervention war ja auch das Schicksal der abhängigen Unternehmen, allen voran Cargo.

Ob man das gut finden muss, das Erz aus Kanada zu beziehen anstatt aus Breitspurland, ist hier ja nicht die Frage. Im Kapitalismus zählt nun mal jeder Cent, und größer dürften die Preisunterschiede nicht sein.

SG aus Romania
ste

von s-lin - am 02.06.2013 16:12
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