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vor 10 Jahren, 11 Monaten
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Alice

RFID

Startbeitrag von Alice am 09.12.2006 09:40

Aus: [www.foebud.org]
(lohnt sich, da mal selbst reinzuschaun!)

Was ist RFID?

RFID ist die Abkürzung für Radio Frequency IDentification, also für Funk-Frequenz-Identifizierung, oder anders: Identifizierung per Funksignal.
Ein RFID-Chip (oder Tag) besteht aus einem klitzekleinen Chip mit Drähten, die eine Antenne bilden (das Röntgen-Bild unten zeigt den RFID-Chip in der Metro-Payback-Kundenkarte). Die Chips sind in Gegenstände, Etiketten oder Verpackungen eingebaut und brauchen keine eigene Batterie. Sie funktionieren per Funk (für Physik-Fans: per Induktion): Ein Lesegerät, häufig auch "Antenne" genannt, sendet einen Funk-Impuls und der Schnüffelchip sendet eine auf ihm gespeicherte weltweit einmalige Nummer zurück.


Wo gibt es RFID?
Einzelhandel
Erklärtes Ziel der RFID-Lobby ist es, in den kommenden Jahren alles, jede Steckdose, jede Hose, jeden Schuh und jeden Joghurtbecher mit RFID auszustatten. Und jedes Produkt, das mit RFID verkauft wird, ist ein Schritt in diese Richtung. Folgerichtig ist der Handel der wichtigste Partner bei der Einführung der Schnüffelchips. In verschiedenen Läden werden schon jetzt Bewegungsprofile von Kunden mit RFID erstellt oder es wird erfasst, ob Werbe-Displays, an denen jemand vorbei gegangen ist, direkten Einfluss auf das Kaufverhalten haben (Marktkauf). Wenn die Chips mit dem Kunden den Laden verlassen, sind sie allerdings keineswegs Müll: Sie bleiben aktiv bzw. sie werden weiterhin ihre Daten preis geben, sobald sie angefunkt werden, egal von wem. Noch ist das kein wirklich großes Problem (zumindest nicht für die Privatsphäre), weil wir noch keine flächendeckende Infrastruktur von Lesegeräten haben. Sind die Chips aber erst im Umlauf, werden die Lese-Antennen nicht lange auf sich warten lassen. Und dann weiß bald jede Tanksäule, welches Kaugummi wir in der Tasche haben, und spielt uns während des Tankens Spots von Konkurrenzprodukten vor.

Eintrittskarten / Tickets
RFID in Eintrittskarten und Tickets sind eine besondere Gefahr für die Privatsphäre: Mit dem Argument, dass die Einlasskontrolle per Funk schneller gehe, wird durch die Funkchips die Möglichkeit geschaffen, die Teilnehmer/innen einer Veranstaltung auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Mit Antennen an den Eingängen zu Räumen z.B. kann protokolliert werden, wer welchen Vortrag gehört hat oder wer mit wem gleichzeitig in einem Raum war und so vielleicht gesprochen hat. Da viele Tagungszentren oder Stadien zusätzlich auch noch videoüberwacht werden, können bei Bedarf schnell Verknüpfungen von Videobildern und per Funk ausgelesener Identität hergestellt werden. Bei Rockkonzerten ist das vielleicht auf den ersten Blick kein Problem, aber möchten Sie, dass Ihr Arbeitgeber oder das Innenministerium wissen, welchen Vortrag Sie sich bei einer Gewerkschaftstagung angehört haben?

Bahncard und Fahrkarten
Beim Einsatz von RFID in Fahrkarten liegt die Erstellung von Bewegungsprofilen auf der Hand: Wenn jede Fahrt einzeln abgerechnet wird, sind Strecke und Zeitpunkt automatisch abgespeichert. Anonymes Reisen ist dann Vergangenheit. Die (de facto) Bundesbahn hat gleich direkt ihre "Dauerausweise" mit RFID verwanzt...
Ausweise und andere Identitätspapiere
RFID in Ausweisen sind für Überwachungs-Trolle besonders effektiv, denn: Das Erfassen eines Menschen über die Gegenstände, die er bei sich trägt (Schuhe, Jacken, Kaugummipackungen) ist recht aufwendig. Schließlich muss zur Zeit noch bei jedem erfassten Schnüffelchip eine Rückfragen an mehrere Datenbanken gestellt werden: "Wer hat diese Schuhe damals wo mit Kunden-/Kreditkarte gekauft?" Bei Ausweisen ist der Weg direkt: "Wem gehört dieses Ausweispapier?" Minimalforderung sollte also sein, dass die Daten auf dem Funkchip verschlüsselt werden und nur von "berechtigten Stellen", z.B. Grenzkontrollen, ausgewertet werden dürfen. Das ist aber nicht vorgesehen (und wer sollte auch sicherstellen, dass nicht trotzdem Unbefugte Zugriff auf die Daten erhalten?). Außerdem: Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll, dass z.B. die Polizei die Chips in den Ausweisen entschlüsseln könnte - was auf den zweiten Blick allerdings bedeutet, dass ein Lesegerät neben einer Demonstration innerhalb von Sekunden alle Teilnehmer/innen erfassen kann, ohne dass diese das überhaupt merken. Eine besondere Gefahr für die Wahrnehmung demokratischer Grundrechte!
Seit November 2005 enthalten die neuen elektronischen und mit biometrischen Merkmalen versehenen EU-Reisepässe (ePässe) in Deutschland einen RFID-Chip. Darauf ist unter anderem das digitale Foto gespeichert - der digitale Fingerabdruck soll folgen.

Geldscheine
Geldscheine mit RFID-Chips bergen ungeahnte Möglichkeiten, ausspioniert zu werden: Zum einen ist damit auch das Bezahlen mit Bargeld nicht mehr anonym. Und zweitens weiß so jeder Spitzbube mit ausgefeilter Lesetechnik (alles eine Frage der Zeit), wieviel Geld wir so im Portemonnaie haben...
Hitachi arbeitet zusammen mit der Europäischen Zentralbank an der Idee, RFID-Chips in Geldscheine einzubetten. Dadurch würde die Anonymität des Bargelds beseitigt, weil einzelne Scheine verfolgt werden könnten. Sie würden sozusagen Ihr Bargeld "registrieren", wenn Sie es von einem Bankangestellten erhalten oder aus dem Geldautomaten holen. Euro-Scheine könnten schon ab 2007 mit RFID ausgestattet werden. (Stand: Anfang 2004)
Bücher
Diverse Bibliotheken setzen inzwischen auf RFID im Buchdeckel. Das automatische Sortieren und das Erfassen von Büchern an falschen Standorten wird dadurch erheblich vereinfacht. Auch Selbstbedienungs-Ausleih- oder Rückgabe-Terminals sind möglich. Die Verarbeitung dieser Daten im großen Stil allerdings ermöglicht auch "tolle" Interessenprofile auf Knopfdruck: "Sag mir, was Du liest, und ich sage Dir, was Du denkst (und was Dich vielleicht verdächtig macht oder einen bestehenden Verdacht bestätigt)." Mit RFID in Büchern sind Gedanken nicht mehr frei.

Und: Eurocard / Kreditkarten / Kundenkarten / Krankenkassen-Karten und und ......

RFID – Das Problem
Immer wieder wird abgewiegelt: „Meine Güte, über den Strichcode haben sich vor 20 Jahren auch alle aufgeregt und vorm ›gläsernen Kunden‹ gewarnt. Was soll denn an RFID nun so anders sein?“ – Das werden wir Ihnen auf dieser Seite erklären.
Das neue an RFID-Chips ist, ...
· ... dass damit jeder Gegenstand eine weltweit eindeutige Seriennummer bekommt und damit eindeutig identifizierbar ist. Bislang hat jeder Joghurtbecher einer bestimmten Sorte im Regal den gleichen Strichcode aufgedruckt. Mit RFID wird jeder Becher einzeln identifiziert. Erst der nachgeschalteten Datenbank ist zu entnehmen, zu welcher Sorte gerade dieser Becher gehört. Sie als Käufer/in werden dadurch ebenfalls eindeutig identifizierbar, wenn Sie den Becher z.B. mit Bank- oder Kundenkarte bezahlt haben.
· ... dass die Schnüffel-Chips per Funk und damit berührungslos, ohne dass Sie es merken können, gelesen werden. Während Sie z.B. den Strichcode Ihrer Kundenkarte ausdrücklich vor ein Lesegerät halten müssen, wissen Sie bei RFID-Technik nicht, wer zu welchem Zeitpunkt etwas über Sie weiß.
· ... dass die Chips so klein und billig sind, dass sie bald in jeden Jackenkragen, jede Schuhsohle eingepflanzt werden können. Dort lassen sie sich nicht mehr entfernen, ohne das Produkt (z.B. den Schuh) zu zerstören. Das bedeutet: Jede Lese-Antenne, an der Sie vorbei kommen, erfaßt Ihren Chip aufs Neue (vielleicht im Bus, an der Tankstelle, im nächsten Supermarkt...). Die uns bisher bekannten "Deaktivatoren" haben das nicht verhindert. Häufig wird auch angeführt, die Chips gingen doch ganz einfach in der Mikrowelle kaputt. Wir haben es ausprobiert: Der Chip geht dort in Flammen auf und brennt z.B. ein Loch in den Joghurtbecher. Eine ganz schöne Sauerei!

Das kann böse Folgen haben:
· Unser Einkaufsverhalten wird ausspioniert, ohne dass wir es merken. Z.B.: Wer steht wie lange vor welchem Regal? -> Welche Werbung kann man diesem Kunden gezielt zuschicken?
· Antennen zum Auslesen können auch in Türschwellen, Tanksäulen oder Ampeln eingebaut werden. Dann wissen bald viele - möglicherweise auch Geheimdienste oder Verbrecher - welches Kaugummi wir kauen und welche Kreditkarten wir bei uns tragen.
· Produkte ohne RFID wird es irgendwann nicht mehr geben.
· Und überhaupt: Je mehr Funk benutzt wird, desto höher der Elektrosmog.
· Womit es ja aber nicht aufhört, was mögliche Umweltschäden durch die flächendeckende Verbreitung der Chips angeht. Sobald sie ausgedient haben, sind sie nämlich Sondermüll aus Silizium-Substrat, Kupfer, Blei, Kunststoff und ggfs. Glas, auf dessen Entsorgung die Müllbeseitigungsbetriebe nicht eingestellt sind. Möglicherweise sind sie das ja bald, doch das löst nicht die weiteren möglichen Umweltbelastungen durch Abfall, der auf Deponien usw. landet und dann Luft und Gewässer belastet. Darüber macht sich inzwischen sogar die oberste US-amerikanische Umweltbehörde, das "Office of the Environmental Executive (OFEE)" Gedanken (Quelle: ZDNET, Dezember 2005)
· Vom Regen in die Traufe: RFID löst keine Probleme, sondern schafft neue. So soll Ladendiebstahl angeblich mit RFID nicht mehr möglich sein, weil ja jeder, der mit einem RFID-verwanzten Gegenstand die Kasse passiert, registriert wird. Naja, wenn Sie gerade an der Reihe sind, und jemand schiebt sich mit einem geklauten Gegenstand in der Jacke an Ihnen vorbei, wird dieser Gegenstand allerdings registriert - aber auf Ihrem Kassenbon. Der Laden hat dann kein Problem mit Ladendiebstahl mehr, der Gegenstand wird ja bezahlt - von Ihnen...

Wohin das führen kann:
Auch wenn es unglaublich klingt: Die folgenden Szenarien sind entweder bereits Realität oder eng an die Marketing-Strategie-Papiere und Patentanmeldungen der RFID-Lobbyisten angelehnt. Eine beeindruckende Sammlung dieser Original-Unterlagen finden Sie im Buch "Spychips".

Den nachfolgenden Text haben wir für den BigBrotherAward 2003 entworfen. Einiges davon ist bereits Realität - anderes kann noch kommen.

April 2003
Der Future-Store in Rheinberg bei Duisburg eröffnet. Marion Z. als Test-Kundin ist beeindruckt: Wenn sie ihre neue Kundenkarte neben den Einkaufswagen hält, wird sie von einem Display auf dem Griff persönlich begrüßt und bekommt ihren persönlich abgespeicherten Standard-Einkaufszettel, den sie vorher angeben mußte, angezeigt. Bei jedem Einkauf ergänzt der Computer die Liste je nach den ihren persönlichen Vorlieben. Per "Navigationssystem" auf dem Display wird sie immer den optimalen Weg zum nächsten Produkt ihrer Einkaufsliste geführt. Such-Zeiten entfallen. Außerdem: Weil Diebstahl durch die RFID quasi unmöglich wird, sollen die Preise insgesamt sinken, heißt es. Das Aufs-Band-Laden an der Kasse entfällt, die Zahlung erfolgt per Karte. "Seeeeeehr praktisch!"
Mai 2003
Die ersten Vertreter des Handels besichtigen den Future Store und sind begeistert! Nie wieder sind Waren ausverkauft, das Nachfüllen der Regale kann zentral koordiniert werden. Keine Preisauszeichnung mehr, weil die Preise direkt vom Zentralrechner auf die Displays an den Einkaufswagen gegeben werden. Kunden können außerdem über die Displays individuell mit Werbespots angesprochen und beworben werden. Supermarkt-Pächter Dietmar K. jubelt "Eine Revolution für den Handel, wir gehen in ein goldenes Zeitalter!", in eine Fernsehkamera.
September 2003
Die Redaktion von Spiegel-Online fällt auf die Presse-Arbeit der Metro AG herein und lobt in einem redaktionellen Artikel ausschließlich die Vorteile für die Verbraucher. Zum Beispiel sei es jetzt möglich, dass Kunden sich über die Displays das genaue Herkunftsland der Waren anzeigen lassen. Der Einkauf werde viel transparenter. In der Marketing-Abteilung der Metro Gruppe knallen die Sektkorken. "Glauben die echt, dass wir so doof sind, und da rein schreiben, dass diese Kaffeebohnen von 5jährigen Kindern gepflückt worden sind???", wundert sich Praktikantin Nina S. Im Anschluß an die Feierstunde gibt sie weiter Umwege in das Navigationssystem des Einkaufswagen-Servers ein, damit er die Kunden an bestimmten Produkten vorbei führt.
Oktober 2003
Marion Z.aus Duisburg liest in der Zeitung einen Artikel zum Big Brother Award und ist erschrocken über die Überwachungsmöglichkeiten durch RFID. In einem Leserbrief wird abgewiegelt: RFID wäre ja gar nicht gefährlich, man könne sie ganz einfach in der Mikrowelle zerstören. Erschrocken wirft sie ihre letzten Future-Store-Einkäufe in die Mikrowelle. Die Butter schmilzt, der Reissverschluss an der Jeans sprüht Funken. O-Ton: "So ein Mist, das mache ich nicht noch mal!" Ob die Chips dabei kaputt gegangen sind, weiß sie nicht.
April 2004
Der Informatik-Student Lars H. (zweites Semester) entwickelt im Auftrag des FoeBuD e.V. in Bielefeld einen kleinen, einfachen Störsender, mit dem man das Auslesen der Daten der RFID verhindern kann. Marion Z. kauft sich einen davon. Lars H. bricht sein Studium ab und gründet ein Start-Up-Unternehmen für diese Störsender. Den Gewinn spendet er anteilig dem FoeBuD e.V.
Juni 2004
Die Supermarkt-Fachkraft Gerd J. ist begeistert von der neuen Technik. Das lästige An-der-Kasse-Sitzen fällt weg, die Regale sind leichter befüllbar, die Lager effektiver genutzt. Als er abends nach Hause kommt, liegt dort ein Brief seiner Geschäftsleitung mit einer Abmahnung. Er sei in den vergangenen Wochen durchschnittlich 9 Mal auf der Toilette gewesen und habe dort pro Tag ca. 72 Minuten zugebracht. Das liege 27 Minuten über dem Soll und diese Zeit werde ihm zukünftig von seinem Arbeitszeitkonto abgezogen. Entsetzt sucht er seinen Supermarkt-Kittel ab und findet einen RFID im Kragensaum.
September 2004
Die RFID kosten jetzt nur noch 1 Ct. pro Stück und unterliegen ab sofort einem gemeinsamen technischen Standard. Damit ist eine flächendeckende Einführung in greifbare Nähe gerückt. [Anm. der Red.: So tief sind die Preise für Chips noch nicht gefallen, aber es geht immer weiter abwärts]
Oktober 2004
Schafskäse-Hersteller Karsten P. hat inzwischen 10 Faxe der größten Handelsketten bekommen. Wenn er nicht innerhalb von drei Monaten RFID in alle seine Verpackungen integriert, werden die Lieferverträge mit ihm gekündigt. Karsten P., der sich bisher immer gegen diese Technik gesträubt hat, gibt auch im Sinne seiner 75 Mitarbeiter nach.
November 2004
Marion Z. bekommt einen Bußgeldbescheid der Stadt Duisburg. Das Papier eines von ihr gekauften Mars-Riegels wurde im Ententeich des Stadtparks gefunden. Marion Z. grübelt und kommt darauf, dass sie den Riegel einem Kind beim Martins-Singen geschenkt hat. Zähneknirschend zahlt sie 10 Euro Bußgeld.
Januar 2005
Startup-Unternehmer Lars H. ist krank. Er bittet seine Nachbarin Nina S., für ihn einkaufen zu gehen. Als sie ihm den Kassenbon präsentiert, ist er verwundert, dass Nina S. für viele Produkte das Doppelte bezahlt hat. Sie stellen fest, dass zum Beispiel Toilettenartikel für sie teurer sind als für ihn. Beim Vergleich mit Freunden stellen sie fest, dass alle Frauen mehr für Toilettenartikel bezahlen als Männer, dass Familien mehr für Videos bezahlen als Singles usw. Ein Anruf bei der Verbraucherzentrale ergibt, dass das Wettbewerbsgesetz schon vor Monaten in irgendeiner Ladenschlusszeit-Novelle mit geändert worden ist. Gegen diese "Preis-Diskriminierung", wie der Fachbegriff lautet, könne man jetzt nichts mehr unternehmen.
April 2005
Supermarkt-Fachkraft Gerd J., inzwischen arbeitslos, weil er seine Toiletten-Zeiten nicht in den Griff bekommen hat, geht tanken. Da der RFID an der Kaugummi-Packung in seiner Jackentasche nicht im Supermarkt zerstört wurde, wird er als Kaugummi-Kauer identifiziert und die Tanksäule spielt ihm während des Wartens Werbespots für Konkurrenz-Kaugummis vor.
Juli 2005
Start-up Unternehmer Lars H. kauft sich einen neuen intelligenten Kühlschrank. Dieser Kühlschrank weiß aufgrund der RFID, was er geladen hat, welcher Joghurt am Verfallsdatum ist und was als nächstes eingekauft werden muss. Über das Internet kann der Kühlschrank selbständig nachbestellen oder den Display-Einkaufszettel im Supermarkt ergänzen. Außerdem macht er über ein Display in der Tür Rezeptvorschläge. Nachts träumt Lars H. davon, dass sein Kühlschrank für sich eigenmächtig jeden Abend eine Pizza Tonno bestellt und mit dem Toaster zusammen aufisst. Er wird schweißgebadet wach. Verkatert findet er morgens im Briefkasten eine Ermahnung seiner Krankenkasse. Sein Speiseplan weise zu viel Farb- und Konservierungsstoffe auf, steht da. Wenn er seine Ernährung nicht umstelle, werde ab Anfang kommenden Jahres sein Versicherungsbeitrag erhöht.
August 2005
Marion Z. steht vor ihrem Supermarkt und die Tür öffnet sich nicht. Die erste Frage des Marktleiters: "Haben Sie vielleicht einen Störsender in der Tasche? Nee, dann kommen sie hier auch nicht mehr rein." Das gleiche erlebt sie bei fast allen Supermärkten in ihrer Umgebung. Ab sofort lässt sie den Sender zu Hause. Abends findet sie im Altpapier einen Zeitungsartikel aus dem November 2003: "Datenschützer sehen Gespenster - Metro-Gruppe sagt, Schwarzmalerei völlig unrealistisch"

Wir wiederholen noch einmal: Die obigen Szenarien sind sehr eng an die konkreten Planungen der RFID-Lobbyisten angelehnt und werden zum Teil schon in Pilot-Projekten getestet. Es gibt vertrauliche Marketing-Strategie-Papiere, die von CASPIAN, einer amerikanischen Verbraucherschutzorganisation, gefunden und im Internet öffentlich zugänglich gemacht worden sind. Darin steht ausdrücklich, dass es eine der wichtigsten Aufgaben ist, die Sorge der Verbraucher um den Schutz ihrer Privatsphäre durch Marketing-Maßnahmen zu zerstreuen.
Eine solche Zielvorgabe sollte Sie besonders mißtrauisch machen.
Was tun gegen RFID?
Wir wollen RFID nicht komplett verhindern. Es geht uns nicht darum, die RFID-Entwicklung zum Erliegen zu bringen, auch wenn das unserem "Stopschild-Logo" immer unterstellt wird. Im Gegenteil. StopRFID heißt für uns das gleiche, wie ein Stopschild an der Strasse: Anhalten, eine kurze Pause einlegen, konzentriert nach rechts und links gucken, und und erst dann weiter fahren, wenn die Reise wirklich gefahrlos fortgesetzt werden kann. Wir wollen keine Abschaffung von RFID, sondern Gesetze, die die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger schützen.
Industrie, Handel und die "Wirtschaftsförderer" in der Politik preschen mit Volldampf auf den Milliardenmarkt RFID, ohne darauf zu achten, dass die Privatsphäre der Menschen links und rechts am Weg dabei auf der Strecke bleibt. Wir sehen uns als "Watchdogs" dieser Entwicklung - und Sie können uns dabei helfen.

Unsere Arbeit kostet Geld, klar. Wie Sie spenden und/oder den FoeBuD auch ideell unterstützen können, finden Sie auf unserer Seite "Was kann ich tun?". Mit einem Einkauf in unserem FoeBuD-Shop schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie erhalten etwas "Hippes" und/oder Praktisches zum Thema StopRFID, das der Einstieg in manch spannende Diskussion sein kann. Und wir können in der Zeit mit ihrem Geld weiter arbeiten. Wenn das nichts ist...
Konkrete Maßnahmen gegen RFID könnten sein:

· Finden Sie RFID Wenn Sie irgendwo RFID finden (also einen Chip mit Antenne drumherum - meist reicht das Durchleuchten z.B. einer Kundenkarte mit einer starken Taschenlampe, häufig finden sich RFID auch unter Klebeetiketten), dann melden Sie uns das bitte. Einige Fundstellen, die wir schon kennen, finden Sie unter "Wo gibt es RFID?"
Wie Sie verborgene Chips erkennen, können Sie in unserer FAQ nachlesen.
Die Frequenz der im Handel üblichen RFID-Technik ist 13,56 MHz. Auf dieser Frequenz werden die Chips angefunkt und senden ihre Informationen zurück. Diese Frequenz können Sie auf einem Radio-Weltempfänger einstellen. Bewegen Sie den neben eine Antenne (einen RFID-Sender) auf dieser Frequenz, hören Sie ein gepulstes Störgeräusch, ähnlich wie ein Handy in der Nähe eines Lautsprechers. Damit können Sie leicht überall feststellen, ob die RFID-Frequenz 13,56 MHz angefunkt wird.

· Prüfen Sie genau, wo ein RFID-Chip Ihnen wirklich nützt und wo der gleiche Nutzen auch mit einem Barcode oder anders erreicht werden könnte. Sehen Sie für sich keinen Vorteil, weigern Sie sich, Karten und Gegenstände mit Funk-Chip zu benutzen und fordern Sie eine nicht-funkende Möglichkeit, um die selbe Leistung (z.B. am Skilift oder in Bussen) nutzen zu können.
· Sprechen Sie mit Verkaufs- oder Thresen-Personal, mit Kongressveranstaltern oder Einlasskontrolleuren, wenn Sie irgendwo RFID finden. Die RFID-anwendenden Stellen müssen wissen, dass Sie die Technologie kennen und nicht haben wollen. Nur so wird ein gesellschaftlicher Denkprozess in Gang gesetzt. Richten Sie sich auf längere Diskussionen ein - meistens wird die Technologie sehr unkritisch eingesetzt.

· Wenn Sie einen Schnüffelchip gefunden haben, verlangen Sie genauestens Auskunft darüber, wo Lesegeräte stehen, welche Daten erfasst werden, wie lange sie wo gespeichert werden und wer Zugriff darauf erhält. Sie können auch eine Löschung verlangen.

· Verlangen Sie auf jeden Fall, auch bei Zerstörung des Chips die gleichen Rechte zu erhalten wie mit Chip. Einige Anwender koppeln z.B. Umtauschrechte mit einem RFID-Chip - man hat Ihnen aber zu jeder Zeit auch auf dem üblichen Wege (Vorlage des Kassenbons usw.) die gleichen Umtauschrechte zu gewähren. Das können Sie notfalls einklagen (sollten Sie das tun, sagen Sie uns bitte Bescheid!! :-))

Fällt Ihnen noch etwas ein? Wir nehmen gerne auch Ihre Ideen auf diese Seite auf.
Technische Gegenmaßnahmen:
· Noch schützen Metallhüllen Sie davor, dass Chips, die Sie evtl. bei sich tragen, ohne Vorwarnung ausgelesen werden können. Die Strahlen der Lesegeräte durchdringen die Metallhülle nicht. Das setzt natürlich voraus, dass Sie wissen, welche Gegenstände, die Sie bei sich tragen, einen RFID-Chip enthalten. (Einige Beispiele finden Sie unter unserer Rubrik "Wo gibt's RFID?") Bei Chips im Jackenärmel oder in der Schuhsohle ist das mit der Metallhülle so eine Sache... (Wie Sie RFID finden können, sehen Sie weiter oben auf dieser Seite unter "Finden Sie RFID")
Metallhüllen für Kundenkarten, Bahncards 100 usw. bekommen Sie unter anderem in unserem Shop. Alle Gewinne aus dem Shop kommen direkt unserer Arbeit zu Gute.

· In manchen Läden wird man Ihnen so genannten "Deaktivatoren" präsentieren. Lassen Sie sich diese Geräte genauestens erklären. Manche z.B. überschreiben nur eine einzige der auf dem Chip gespeicherten Nummern, während z.B. die weltweit eindeutige Seriennummer des Chips erhalten bleibt. Außerdem heißt "überschreiben" nicht "zerstören", der Chip bleibt also weiterhin "auf Sendung".

· Sie können den Chip nachhaltig zerstören, indem Sie die Antenne zerschneiden, oder, noch besser: lochen, so dass ganz bestimmt keine Verbindung der Drähte mehr möglich ist. Der Chip kann so nicht mehr senden. Evtl. verweigert man Ihnen z.B. bei einem zerschnittenen Chip in einer Eintrittskarte daraufhin den Einlass - wehren Sie sich gegen solche Maßnahmen. Nirgendwo ist verboten, einen RFID-Chip zu zerstören und Sie haben die Karte schließlich bezahlt!

· Immer wieder wird empfohlen, RFID-Chips in einer normalen Küchen-Mikrowelle zu zerstören. Wir raten dringend davon ab! Es dauert nur wenige Sekunden, bis Ihr Chip in Flammen aufgeht - und das "Trägermaterial" drumherum auch. Joghurtbecher, Kundenkarten oder Schuhsohlen bekommen sehr häßliche Löcher und die Schweinerei müssen Sie auch noch selbst wegmachen...




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