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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
marion3de, Doris Schmitt, Uli10_0, Frieda71, Margit H.

Bin total entsetzt !

Startbeitrag von marion3de am 29.03.2007 06:48

Hallo,

bin total entsetzt, wie manche Eltern aus unserer Klasse (3.) mit der Krankheit ADHS bei unserer Tochter damit umgehen.

Meine Tochter (9 J) ADHS (Mischtyp) mit Medis eingestellt schon seit 3 Jahren, zur Zeit Ritalin 10 mg morgens und 10 mg mittags, war gestern bei einer Freundin zum Spielen für 2 1/2 Stunden eingeladen. Es ging alles gut, da sie ja nur in den Zeiten zum Spielen geht wo sie noch unter Medikation steht. Als ich die Kleine abgeholt hatte, sprach mich die Mutter an und erklärte mir, dass sich die Klasse wohl angeblich unter meiner Tochter gestört fühlt und ihre Tochter sich dadurch nicht konzentrieren könnte. Was aber viel schlimmer ist, dass sie es nicht gut findet, dass meine Tochter in der Klasse alleine sitzen darf nur weil sie sich dann besser konzentrieren kann. Sie findet es absolut unverschämt, dass man bei ihr solche Ausnahmen macht und auf die anderen Kinder keinerlei Rücksicht genommen würde.

Und jetzt kommt der Hammer wortwörtlich: "Warum steckt man solche Kinder nicht in eine andere Klasse oder in anderen Schulen wo sie hingehören"!

Da hab ich ersteinmal geschluckt. Habe sie dann gefragt, ob sie Behinderte auch gerne auf einem anderen Planeten sehen würde oder gar noch schlimmer einen Blinden von der Schule nehmen würde, mit der Begründung, der ist sowieso zu blöd weil er nix sieht?

Daraufhin war sie erstmal ruhig.

Habe schon die ganze Zeit das Gefühl gehabt, dass die Eltern sich gegen uns verschwört haben. Bin es mir einfach leid, jedem unser Leid auf die Nase zu binden, da ja sowieso kein Verständnis aufkommt.

Sie hat sich zwar entschuldigt, aber ein Geruch bleibt. Habe zu den meisten Eltern eigentlich ein sehr gutes Verhältnis gehabt, war auch 2 Jahre lang Elternsprecher und in der 3. Klasse hatte ich dann keine Möglichkeit mehr, weil es unbedingt eine andere Mutter mal machen wollte. Ist ja auch gut so, aber warum jetzt dieser Angriff.

Was kann ich noch tun, damit ich die Eltern (es sind nicht viele, sondern nur solche die sich gerne über andere ärgern und wichtig machen möchten) beruhigen kann? Die Lehrerin ist auf meiner Seite und das ist mir eigentlich das wichtigste. Können die Eltern (es sind wie gesagt nur ein paar) dafür sorgen, dass meine Tochter auf eine Sonderschule oder in eine andere Klasse gebracht wird? Muss noch dazu sagen, dass meine Tochter zweitbeste in dieser Klasse ist und gerne und leicht lernt.

Bin echt am Boden zerstört, wie kann man nur so über ein Kind denken!

Liebe Grüße an alle die täglich gleiches oder ähnliches mitmachen wie wir.

Antworten:

Hallo Marion!

Ich kann sehr gut verstehen, daß Du entsetzt bist! Sind doch unsere Kids total liebenswert!
Einen wirklich guten Rat kann ich Dir eigentlich auch nicht geben, habe ich doch erst selber erfahren, wie schwer die Umgebung mit der Diagnose ADS umgehen kann.
Meine Tochter hat in der Schule ziemlich abgehängt, jeder meinte, sie sei selber schuld, sie hätte doch mehr lernen müssen. Aber sie kann erst jetzt wirklich mitlernen, seit sie medikamentiert ist. Das konnte aber keiner verstehen. Jeder meinte: "Du kannst nicht alles auf ADS schieben!"
Ich denke, so geht es den Müttern aus Deiner Klasse auch.
Außerdem hat die eine Mutter vielleicht Angst, ihr Kind könnte vielleicht auch ein Aufmerksamkeitsproblem haben.....?

Eine Freundin hat in einer anderen Situation zu mir gesagt: "Kränk Dich nicht allzusehr, mein Vater sagte immer 'Was juckt es eine deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr schabt!?'"

Getreu diesem Zitat wünsche ich Dir viel Kraft...

LG
Margit

von Margit H. - am 29.03.2007 12:25
Hallo Marion,

ist ja wirklich der Hammer, was diese Frau von sich gibt. Ich schätze aber, das fast jeder hier so eine Geschichte erzählen kann.

Wenn Deine Tochter die zweitbeste ist, ist ihre dann die Beste in der Klasse? Ich glaube, ich hätte ihr auch noch geantwortet, wenn ihre Tochter schlechter ist in der Schule, liegt es an den Eltern, die sich nicht kümmern oder aber ihre Tochter muß auch an eine andere Schule, weil sie Probleme hat, den Stoff zu lernen. Das ist ja schließlich auch so ein Vorurteil.

Meiner ist so ziemlich der schlechteste in der Klasse, obwohl wir täglich üben. Die schlechten Noten kommen nur durch Schusselfehler zustande, aber wenn es heißt, 1. Klasse bitte nochmal (egal ob freiwillig oder sitzen geblieben), ist das schon mal ein Stempel. Den habe ich selber auch schon vergeben, bis ich mit der Mutter ins Gespräch kam, deren Sohn freiwillig wiederholte.

Vorurteile kann man also abbauen, man muß nur wollen und ein wenig nachdenken und man muß auch dazu stehen.

Ich habe bisher die Erfahrungen gemacht, das ich von mitleidig bis bösartig angesehen wurde und hinter vorgehaltener Hand und hinter meinem Rücken getuschelt wird. Gott sei Dank ist mein Rücken relativ breit.

Mein Sohn sitzt auch ganz vorne alleine am Tisch, damit er die anderen Kinder nicht ablenkt bzw. nicht von den anderen Kindern abgelenkt wird, außerdem braucht er den Platz, da er keine Ordnung auf dem Tisch halten kann.

Als seine Klassenlehrerin für länger krank war, wurde die Klasse aufgeteilt. Ein paar Tage, bevor seine Lehrerin wieder kam, nahm ich an einem Bastel-Elternabend der anderen Klasse teil und mußte mir dort von einer anderen Mutter anhören, daß sie froh ist, das wieder Ruhe in die Klasse eintritt und die Störenfriede weg sind. Viele Fragen, aber aus Stolz(?) hielt ich meine Klappe.
Hatte die Lehrerin das gehört? Wußte die Frau, das ich noch da bin, bzw. die Mutter des angeblich größten Störenfriedes bin?

Mir wurde von einer anderen Lehrerin mal so lapidar mitgeteilt, das unsere Klasse die mit den Problemkindern ist, nur frage ich mich, was sucht ein Mädchen dann in der Klasse, die schon in der Kita lesen und schreiben konnte und mehr erwachsener wirkt, wie manch 14 jährige,deren Mutter aber selbst noch Kind war als sie schwanger wurde und das Mädchen allein großzieht, oder der Junge, der von seiner Mutter auf Hochleistung getrimmt wird oder ein anderes kluges Mädchen, nur weil ihre Eltern Aussiedler sind?


Vielleicht kannst Du ja mal mit der Lehrerin darüber sprechen, das beim nächsten Elternabend auch mal das Thema ADS angesprochen wird zwecks Aufklärung. Ich habe das selbst erlebt, es ist so, das diese drei Buchstaben für viele Menschen ein rotes Tuch ist, und wir zu doof unsere Kinder zu erziehen.
Wenn ich aber anderen über mein Kind und unsere Probleme berichte, ohne ADS zu erwähnen, was wir hinter uns und vor uns haben, dann hören die mir ohne Vorurteile zu und zeigen Interesse und fragen auch später nach wie es uns geht, ob es Fortschritte gab. Nenne ich aber das Kind gleich beim Namen habe ich schon verloren.

Ich glaube übrigens nicht, das Deine Tochter die Klasse oder gar die Schule verlassen muß. Dazu sind ja auch ihre Leistungen viel zu gut.
Wie Du selber schon gesagt hast, wäre sie schwerhörig, oder könnte sie schlecht sehen hätte sie ja auch einen "Extraplatz" vorne.
Vielleicht sind diese Eltern ja auch nur neidisch, weil ihre Kinder "normal" sind und deshalb vielleicht irgendwie langweilig. Bei uns gibt es ja fast täglich neue Überraschungen. Meiner hat gestern abend innerhalb von 45min ca. 5 Sätze mit 5 neuen Wörtern geschrieben, 24 Matheaufgaben fast ohne Finger, nur mit wenig Meckern und fast alle richtig gerechnet und ein Gedicht, das vor einer Woche halb saß, perfekt auswendig gelernt. Soviel in so kurzer Zeit und das mit Freude, was für eine schöne Überraschung!

Viel Glück,
Brit

von Frieda71 - am 29.03.2007 12:51
Hallo Marion,

es ist wirklich beschämend, wie manche Menschen, bei denen äußerlich alles "Heile Welt" ist, über unsere Kinder und uns reden.
Wir haben diesbezüglich auch schon jede Menge einstecken müssen.

Ich finde es super, dass die Klassenlehrerin auf Deine Tochter eingeht und ihr die Chance bietet, ungestörter dem Unterricht folgen zu können; die Leistungen beweisen es schließlich und geben Euch Recht.

Eine gute Bekannte von mir ist Klassenlehrerin in einer Grundschule. In der Klasse ist auch ein betroffener Junge, bei dem es allerdings nicht so stark ausgeprägt ist, das Aufmerksamkeitsdefizit, Chaos am Platz etc trifft aber voll zu. Problem ist, dass die Eltern des Jungen sich komplett gegen ADS sperren. Sämtliches Reden nutzt hier nichts.

Sie hat mit der Klasse und dem Jungen auch die Vereinbarung getroffen, dass er alleine ganz vorne sitzen darf. Die Eltern des Jungen waren entsetzt, doch sie machte ihnen deutlich klar, dass sie in der Klasse die Entscheidungen zu treffen hat.

Im Sozialkundeunterricht sprach sie mit den Kindern das Thema ADS an, stellte auch Arbeitsblätter etc zusammen. Von den meisten Eltern kam sehr positive Resonanz und auch Verständnis für den Jungen.

Vielleicht gibt´s bei Euch auch die Möglichkeit, dass die Lehrerin das Thema im Unterricht anspricht.

Liebe Grüße

Ulrike



von Uli10_0 - am 29.03.2007 18:54
Hallo,

zunächst einmal kannst Du gar nichts tun. Verständnis kann man nicht einfordern. Da helfen Aufklärungen nichts ect...

Du hast mit deinem Spruch schon einen Denkanstoß gegeben.

Eltern können im Übrigen nicht dafür sorgen, dass jemand auf die Sonderschule kommt. Das muss von den Lehrern oder Eltern ausgehen, dann muss es ein vorgeschriebenes Verfahren mit Gutachten ect.. geben. Ist jemand gut in der Schule, sprich eine Förderschule Lernbehindert kommt nicht in Frage, gibt es für gesunde Kinder wenig andere Möglichkeiten. Also kommt Förderschule Geistig behindert nicht vor, die Förderschule Körperbehindert nicht, auch nicht die für Sehbeeinträchtigte oder Gehörbeeinträchtigte.

Dann bliebe nur noch die Fördeschule Verhaltensauffällig/Sozial-emotional beeinträchtigt. Bevor ein Kind aber da rein muss, muss es heftig abgegangen sein, da muss es Angriffe gegeben haben auf Lehrer, Schüler ect.. Es muss gewaltätig gewesen sein usw.

Da mache Dir keine Sorgen. Wenn die Lehrerin zufrieden ist, muss auch kein Kind die Klasse wechseln. Beschwert sich denn die Lehrerin über dein Kind? Stört es den Unterricht?

Es ist wahrscheinlich die Sonderrolle, die zu Neid und Missgunst führt.

Meine Tochter sitzt mit fast 15 noch immer vorne und alleine. Vorne, weil sie sehr klein ist, alleine weil sie es so möchte und mit ihrem Busenfreund nur Unsinn macht. Das hat die Lehrerin probiert mit den beiden. Ihr Kumpel ist ein ganz netter, liebenswürdiger junger Mann, der aber noch ganz lausbübig ist. Er kennt die Scherzgrenze von Victoria und da kommt nur Quatsch dabei raus.

Aber beschwer hat sich niemand.

Doris

von Doris Schmitt - am 30.03.2007 07:42
Hallo,

zunächst einmal ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die mir geschrieben haben.

Wie schon gesagt, ist die Kleine in der Schule zwar auffallend aber nicht aggressiv. Sie lernt gut und gerne, kann halt nicht abwarten bis sie dran kommt, saß bisher immer vorne ganz alleine, doch jetzt hat sie eine Nebensitzerin, mit der es z.Zt. ganz gut funktioniert. Dies hat die Lehrerin so entschieden, weil sie sich in der Vergangenheit sehr gut benommen hat, laut Lehrerin.

Die Klassenlehrerin hatte mich schon bevor der Elternabend stattgefunden hat darauf aufmerksam gemacht, dass sich Eltern wohl daran stören, dass meine Tochter ganz vorne und alleine sitzen darf. Ich denke auch, dass es sich hierbei um wachsenden Neid handelt, weil meine Tochter sehr gute Noten schreibt. Es ist für alle Kinder sehr störend diese ständige Umsetzerei und genau da braucht meine Tochter nicht mitmachen, da sie eben den Sonderstatus hat und vorne sitzen bleiben darf. Denke, dass ist hier der Neid der Eltern, nach dem Motto: "warum mein Kind nicht auch"!

Denke auch nicht, dass Eltern nur aus Neid entscheiden können ob ein Kind in eine andere Klasse kommen darf oder nicht, oder noch schlimmer, dass das Kind die Schule wechseln soll.

Aber es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich von solchen Kindern gedanklich gerne trennen möchte, wenn das eigene Kind nicht besonders gut in der Schule ist und selbst an Konzentrationsmangel leidet (aber aus reiner Schlampigkeit und Unlust, laut der Mutter, die selbst an Schlampigkeit leidet wie sie selbst sich auch bezeichnet, aber genau die sind gefährlich denke ich).

Auch bin ich der Meinung, dass ich nicht Gott und die Welt über unsere Probleme aufklären muss, nur damit wir in der Gesellschaft (die normgesteuert ist) anerkannt werden.

Danke, Ihr habt mir wieder Mut gemacht :-)

von marion3de - am 30.03.2007 09:03
....ach ja, hab noch ganz vergessen, die Mutter ist selbst Lehrerin und arbeitet an der Berufschule.

Daher auch meine Ängste, dass die vielleicht was durchsetzen könnte, was uns wiederum schaden würde.



von marion3de - am 30.03.2007 09:07
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