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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Maria-V, Rosenfan, Margit H.

Vorstellung und auf der Suche nach Tipps *ziemlich lang

Startbeitrag von Maria-V am 19.11.2007 19:08

Hallo zusammen,
ich heiße Maria und wohne in der Nähe von Köln. Ich bin auf dieses Forum gestoßen, da ich eine Tochter mit ADS habe und zur Zeit - wieder mal - ziemliche Probleme ins Haus stehen.

Ich habe zwei Kinder, eine Tochter mit ADS, sie ist 8 Jahre, und einen 6-jährigen, schwerbehinderten Sohn, der geistig auf dem Stand eines 1,5-jährigen ist. Aufgrund seiner Erkrankung hat er hyperaktive Züge, so dass es hier schon ziemlich turbulent zugeht. Die ADS-Diagnose wurde Anfang des Jahres in der KJP Köln gestellt, nach einer langen Odyssee bei Ärzten, der hiesigen Erziehungsberatungsstelle und Psychologen, die das Verhalten meiner Tochter als "vollkommen normal und gesund" bezeichnet haben, da sie ja "ständig hinter ihrem kranken Bruder anstehen muss". Erst als im ersten Schulhalbjahr damit gedroht wurde, meine Tochter aufgrund ihres aggressiven Verhaltens von der Schule zu verweisen und auch zu Hause die Situation eskalierte, erfolgte die Einweisung in die KJP und damit die Diagnose. Es wurde mir ans Herz gelegt, meine Tochter teilstationär in einer Wohngruppe unterzubringen, um die sozialen Kompetenzen zu fördern.

Meine Tochter lebt zur Zeit in einer 5-Tage-Gruppe ganz in der Nähe und besucht dort auch die Grundschule. Meine Tochter hat großes Heimweh und äußert dieses auch ganz klar. Nun wurde mir mitgeteilt, dass die Klassenlehrerin mit "diesem Kind" nicht klar kommt. Der Unterricht werde zu sehr gestört und die verbalen Entgleisungen seien nicht mehr tragbar. Auch die Erzieher der Wohngruppe sind mit meiner Tochter überfordert, da sie auf nichts positiv reagiert. Ich wurde also nun vor die Wahl gestellt, meinen Sohn in ein Pflegeheim zu geben, um mich um meine Tochter zu kümmern oder aber das Sorgerecht für meine Tochter abzugeben und sie in ein Kinderheim zu stecken. Denn nur wenn mein Sohn, der gefüttert, gewickelt, angezogen, gewaschen und ständig beaufsichtigt werden muss, nicht mehr bei uns wohnt, kann ich mich entsprechend um meine Tochter kümmern.

Ich bemühe mich zur Zeit um einen Pflegeheimplatz für meinen Sohn und habe am Samstag einen Termin zur Besichtigung, denn das Wohl meiner Tochter messe ich einen ebenso hohen Stellenwert ein wie das meines Sohnes. Ich habe nur große Angst, dass ich trotz allem versage. Ich würde meinem Kind so gerne helfen, habe aber keine Ahnung wie. Egal wo ich hingehe, komme ich als unfähige, inkonsequente Mutter dieses Balges, welches sich nicht benehmen kann und andere Kinder schlägt. Wir werden beide abgestempelt, wobei es mich zwar kränkt, ich damit aber halbwegs umgehen kann. Meine Tochter hat jedoch weder Freunde und wird durch solch ein Verhalten noch darin bestärkt, dass sie sowieso niemand lieb hat und sie eigentlich in einem großen Loch verschwinden könnte, ohne dass es jemanden stört.

Ich habe daher die Bitte an alle mit mehr Erfahrung, wie kann ich uns den Einstieg erleichtern im täglichen Miteinander? Habt ihr vielleicht kleine Rituale, die euren Kindern Mut geben und das Gefühl, dass sie sehrwohl gewollt und geliebt werden? Ich sage meiner Tochter oft, dass ich froh bin dass ich sie habe, aber bei der kleinsten Gelegenheit wirft sie mir vor, dass sowieso nur mein Sohn wichtig für mich sei und ich sie ja eigentlich nie haben wollte. Ich bin für jeden Rat dankbar.

Lieber Gruß
Maria

Antworten:

Liebe Maria!

Als erstes möchte ich Dich hier im Forum herzlich willkommen heißen und Dir ein großes Paket Kraft schicken.
Eine Tip in dem Sinne hab ich leider nicht. Ich kenne mich mit der Problematik doch zu wenig aus. Aber es drängt mir zu allererst eine Frage auf: Gibt es nicht die Möglichkeit, Unterstützung bei der Pflege Deines Sohnes zu bekommen; Sei es über eine Sozialstation oder ähnliches oder vielleicht auch über Nachbarschaftshilfe.

Aus Deinem Posting höre ich so ein bisschen raus, daß Du in einer heftigen Zwickmühle bist. Zum Einen hast Du kein gutes Gefühl, Deinen Sohn in ein Pflegeheim zu geben, zum anderen verlierst Du das Sorgerecht für Deine Tochter, wenn Du es nicht tust......

Aber vielleicht hilft es Dir, wenn ich Dir erzähle, daß der Sohn meiner Tante auch nach langem Ringen in einem "Behindertenwohnheim" lebt. Bei ihm ist zwar wahrscheinlich das Handycap anders gelagert, aber sie meinte auch irgendwann: "Ich bin nicht immer für ihn da, weil ich irgendwann diese WElt verlassen werde, und dann ist es besser, wenn er jetzt schon daran gewöhnt ist, daß sich auch mal jemand anderes um ihn kümmert."

Er lebt in diesem Heim und fühlt sich sichtlich wohl dort. In regelmäßigen Abständen kommt er dann nach Hause und so verliert er auch diesen Kontakt nicht. Eine Unterbringung im Heim muß nicht bedeuten, jemanden abzuschieben, es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht.
Ich kann mir schon vorstellen, daß es Dich als Mutter fast zerreißt, so eine Entscheidung zu fällen, denn wir sind nunmal so gelagert, daß wir immer allen unseren Kindern gerecht werden wollen.

Aber ich denke, Du kannst keinem Deiner Kinder gerecht werden, wenn Du nicht die Chance hast, Dir ein bisschen Luft zu verschaffen. Ich weiß, daß das so leicht gesagt ist, aber in der REalität nicht einfach umzusetzen ist.

Ich weiß jetzt nicht, ob Dir mein Geschribsel eine Hilfe ist, aber es gibt hier bestimmt noch viele andere, die da einige Ideen oder das eine oder andere Kraftpaket haben....

LG

Margit



von Margit H. - am 19.11.2007 21:43
Hallo Margit,

vielen Dank für Deine Antwort.
Das Problem bei meinem Sohn ist leider so, dass er eine verkürzte Lebenserwartung hat. Kinder mit seiner Erkrankung erreichen durchschnittlich das 20. Lebensjahr. Es fällt mir unsagbar schwer ihn loszulassen, kann darüber jedoch nicht die Not meiner Tochter übersehen. Dass es ihm gutgeht, dafür kann ich bei der Auswahl des Pflegeheims sorgen, das Wohl meiner Tochter ist jedoch davon abhängig, wie ich den Alltag mit ihr schaffe. Ich habe einfach Angst, dem nicht gewachsen zu sein und Fehler zu machen, die die Situation verschlimmern und vermeidbar wären, wenn man vorher darauf Aufmerksam gemacht worden wäre. Ich merke z.B. dass ich stark mit mir ringe, wenn sie Dinge tut, die eigentlich nicht so schlimm sind, die sie damals nur immer eingesetzt hat um mich zu verletzen. Damit möchte ich jedoch umgehen können um ihr eine gute Basis zu schaffen. Ich weiß dass meine Tochter sehr an mir hängt, dies jedoch nur bedingt zeigen kann, ich möchte es bei ihr anders machen. Verstehst du wie ich das meine?

Was meinen Sohn betrifft, so habe ich einmal die Woche den ambulanten Kinderhospizdienst zur Unterstützung hier. Freunde haben sich nach der Diagnose und den heftigen Ausrastern meiner Tochter stark minimiert. Geblieben ist eine Freundin, die jedoch weiter weg wohnt. Vom näheren Umfeld kann ich keine Hilfe erwarten. Meine Tochter leidet unter der Situation ewig an zweiter Reihe zu kommen. Es bleibt daher nur die Möglichkeit uns auf unbestimmte Zeit von meinem Sohn zu trennen um ihr wirklich die Zeit zukommen zu lassen die sie benötigt und verdient. Auch wenn es schwer fällt tue ich es gerne, weil meine Tochter ein tolles Kind ist und es nicht verdient hat, dass man sie fallen lässt. Meinen Sohn sehe ich ja trotzdem noch, denn er kann uns besuchen kommen oder wir fahren zu ihm - und irgendwann holen wir ihn auch zurück.

Ich suche Möglichkeiten, mit den alltäglichen Dingen, wie den Ausrastern, den Verweigerungen und den Beschimpfungen gelassener umgehen zu können.

LG
Maria

von Maria-V - am 20.11.2007 06:02
Hallo Maria,

auch von mir ein herzliches Willkommen und ein dickes Kraftpaket.

Wie kann man Dich eigentlich vor die Wahl stellen, Dich für eines Deiner Kinder zu entscheiden? Das finde ich nicht in Ordnung. Bist Du alleinerziehend? Das konnte ich Deinem Posting nicht entnehmen? Wenn nicht, welche Rolle spielt der Vater?

Bekommt denn Deine Tochter Medikamente? Wir haben vor 2 Wochen bei unserem Sohn (9,5 J.) damit angefangen. Wir merken schon einen gewissen Unterschied in die positive Richtung.

Bei ihm ist es so, daß er in den letzten Jahren ein starkes Verweigerungsverhalten entwickelt hat. Da gegen anzugehen, ist verdammt schwer, aber mit den Medis durchaus einfacher für uns.

Versuche doch mal, evtl. noch Hilfe über das JA zu bekommen. Ein Familienhelfer, der vielleicht auch mehr als einmal in der Woche kommt, könnte Dich entlasten.

Viel Glück.

LG, Conny S.



von Rosenfan - am 20.11.2007 21:47
Hallo Conny,

ich bin nicht alleierziehend, allerdings führen wir eine Wochenendehe, da mein Mann beruflich von sonntags bis freitags/samstags außer Haus ist. Unterstützung von ihm gibts "per Telefon". Das Verhältnis von ihm zu den Kindern ist ausgesprochen gut, wobei die Kinder eine intensivere Beziehung zu mir haben, was ja auch in dieser Situation normal ist.

Die Entscheidung vor die ich gestellt wurde ist ja keine Entscheidung für oder gegen ein Kind, sondern für welches Kind eine Heimaufnahme sinnvoller bzw. weniger belastend ist, und für wen es förderlicher wäre daheim zu sein. Ich habe das am Anfang auch so aufgefasst, beim nächtlichen drüber brüten habe ich aber dann verstanden was der Therapeut mir damit klar machen wollte.

Michelle wurde in der KJP mit Medikinet ret. eingestellt. Die Wirkung war jedoch gegen 15:30 Uhr 16:00 Uhr nicht mehr vorhanden, so dass sie jetzt in der Einstellungsphase mit Strattera ist. Ich bemerke, dass sie Gesprächen besser folgen kann, nicht mehr so sprunghaft in ihren Erzählungen ist und auch mehr Spaß an Schulaufgaben hat. Wenn wir z.B. im Auto fahren, bittet sie mich häufig ihr Matheaufgaben zu stellen die sie dann im Kopf rechnet oder fragt mich warum und wie irgendwas funktioniert. Ich muss sie abends auch nicht mehr 100 mal ins Bett schicken sondern nur noch 10 mal. Das aggressive Verhalten, also schlagen wenn ihr einer angeblich quer kommt oder übel ausfallend werden, wenn sie ihre Meinung nicht durchsetzen kann ist, wenn überhaupt, nur gering abgeschwächt. Sie hat immer wieder komplette "Ausraster" wobei sie sich in Konfliktsituationen reinsteigert. Sie beschimpft vor versammelter Klasse ihre KL mit üblen Ausdrücken, warf schon eine Schere auf einen Erzieher, trat einen Mitschüler mehrfach in den Bauch und solche Dinge.

Sie meint, sie könne das nicht kontrollieren und wüsste dann nicht warum sie das machen muss. Sie ist, wie ich es empfinde, in solchen Situationen in einem absoluten Ausnahmezustand und sehr unglücklich. Ich bemerke bei ihr seit der Medikamentösen Einstellung, dass sie nach solchen Dingen häufig von sich aus ein Gespräch mit mir sucht weil sie selbst die Situation nicht einordnen kann.

von Maria-V - am 21.11.2007 05:46
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