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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 9 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
ThomasA, Monkele, Nicole Z., fabianne

Wer weiß Rat? Wer hat Erfahrungen mit Strattera?

Startbeitrag von ThomasA am 23.11.2007 11:05

Hallo alle zusammen,

ich habe mir lange überlegt, ob und wie ich hier schreiben könnte. Aber inzwischen sind meine Sorgen so groß geworden, dass ich nicht mehr weiter weiß. Vielleicht kämpft sich jemand durch die lange Geschichte und weiß Rat?

Gleich vorweg: Ich bin nicht gegen die Verwendung von Ritalin/Strattera, fühle mich aber irgendwie, hm, uninformiert.

Seit Anfang August bekommt mein Sohn Strattera. Anfangs 25mg, seit Anfang Oktober 40mg. Anfang August sprach die Schule noch von Verhaltensauffälligkeiten, die man aber lösen könne. Inzwischen drängt die Schule auf psychiatrische Behandlung und spricht über den Wechsel auf eine Schule für Erziehungsprobleme. Die Schule weiß nichts von dem Medikament. Der erste Termin in der Psychiatrie ist aber erst im Januar.

Nur kurz vorweg.
Es geht um den 12-jährigen Sohn von meiner Expartnerin und mir, der bei ihr lebt. Sie hat das alleinige Sorgerecht, wir waren damals nicht verheiratet und das gemeinsame Sorgerecht gab es damals noch nicht. Er lebt seit gut sieben Jahren ununterbrochen bei ihr. Bei sämtlichen Arztterminen bin ich nicht dabei, gelegentlich wird der Junge durch ihren Mann begleitet.

Unser Sohn ist seit der Einschulung in inzwischen stark zunehmendem Maße auffällig. Er hat von Anfang an die Erledigung der Hausaufgaben und dann auch die Mitarbeit im Unterricht verweigert. Laut den Lehrern läuft es gut, "wenn es X gerade interessiert, ansonsten fällt er durch störendes Verhalten auf. Er ist sehr pfiffig, gibt sich aber keine Mühe." Bei den Hausaufgaben läuft es ähnlich und es wurde wirklich viel probiert.

Im letzten Frühjahr war er dann auf Wunsch seiner Mutter für drei Wochen stationär in einer kinderneurologischen Klinik, weil sie eine starke Lernbehinderung und ADS oder ADHS vermutete. So ihre Worte damals. Der Kinderarzt schwanke zwischen ADS und ADHS. Für mich war das alles recht neu. Sie beantragte auch den Wechsel auf eine Förderschule für Lernbehinderung. Dieser Wechsel wurde aber wohl vom Rektor und Schulamt abgelehnt, die Lehrer waren der Ansicht (nach Beobachtung im Unterricht durch Externe), dass er nicht lernbehindert ist und auch kein AD(H)S hat.

Laut der Mutter ist das Ergebnis aus der Klinik nichts wert, es sei "nicht auf psychische und psychologische Probleme eingegangen" worden und man habe sie nicht ernst genommen.

Auf auf der weiterführenden Schule (Gesamtschule) lief es in den ersten Wochen besser als in der Grundschule. Dann wurde es aber wieder schlimmer und er muss auch regelmäßig wegen nicht gemachter Hausaufgaben in den Zusatzunterricht. Hinzu kommt stark störendes Verhalten im Unterricht und immer öfter aggressives Verhalten gegenüber anderen bzw. deren Schulsachen und Kleidung. Vor den Sommerferien bekam er für ein paar Wochen Dipiperon-Saft, weil er bei seiner Mutter schlecht schlafen würde.

Inzwischen ist er fast täglich im sogenannten Trainingsraum. Dort sind Schüler, die aus dem Unterricht fliegen. Es hat bisher kein Lehrer und auch keiner aus den beiden Familien geschafft, an ihn heranzukommen. Auch die Schulpsychologin nicht. Sie wollte mit ihm über sein Verhalten sprechen und wurde mit „Laß mich in Ruhe, Schlampe“ zum Schweigen gebracht. L Inzwischen sind auch noch Diebstahl aus der Klassenkasse und vom Lehrer hinzugekommen. Warum? „Ich hatte Hunger.“ Warum hast du dir morgens nichts mitgenommen? „Habe ich vergessen.“

So kenne ich meinen Sohn nicht, auch wenn sowas natürlich unglaubwürdig klingt. Auch Geld hat er bei mir noch nie genommen. Bei seiner Mutter verschwindet anscheinend ständig Geld und auch anderes. Aber ich erlebe natürlich nicht den Alltag. Er ist inzwischen fast regelmäßig alle zwei Wochen am Wochenende bei mir und auch meistens einen Teil der Ferien. In den Herbstferien nicht, als Strafe für schlechtes Verhalten in der Schule. Das wurde von der Mutter so gewünscht, damit er sehen würde, dass sein Verhalten auch bei mir spürbare Konsequenzen haben würde. Andere Vorschläge meinerseits wurden wohl vom Kinderarzt abgelehnt.

Ach, falls es wichtig ist: Er ist ca. 154 Zentimeter groß und wiegt ca. 32 Kilo, ist aber auch sehr schmal gebaut.

Weiß jemand Rat, wie ich meinem Sohn helfen kann? Vermutlich wird sein Verhalten in der Pubertät nicht einfacher...

Thomas


Antworten:

Hallo Thomas,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum.

Du wirst sehen, dass es gut tut sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und vielleicht auch deren Probleme zu lesen, denn oft kann man aus den Berichten der anderen viel mitnehmen für sich selber.

Eure Situtation klingt ganz schön verfahren. Nach Deinem kurzen Bericht schätze ich Deinen Sohn so ein, dass er sehr intelligent ist und sich einfach im Unterricht sehr langweilt. Wurde denn auch ein IQ-Test gemacht bei ihm?
Oftmals stören nämlich gerade intelligente Kinder, denen langweilig ist und gerade diese Kinder stehen manchmal nur einen Schritt vor der "Sonderschule" - Leider!!!

Das zweite was mir auffällt ist, dass er Strattera bekommt. Anscheinend als erstes Mittel. Das ist eigentlich ungewöhnlich, denn meistens wird erst MPH (also Ritalin o.Ä.) versucht. Strattera hat auch hier im Forum bei vielen nicht die gewünschte Wirkung. Und das was Du so über die Hausaufgabensituation schreibst und Stören im Unterricht usw. scheint mir schon eher für Ritalin zu sprechen als für Strattera.

Auf jeden Fall finde ich es klasse, dass Du Dir so viele Gedanken machst und Deinem Sohn helfen willst.

Hast Du denn einen besseren Zugang zu ihm? Kannst Du mit ihm reden?

Sicherlich ist es keine Lösung einen ADSler, der aus verschiedenen Gründen wohl nicht wie gefordert im Unterricht mitmachen kann, in einen Strafraum zu schicken. Was machen die dann da??? Blödsinn??? Rumgammeln??? Sinnlose Strafarbeiten??? Was soll das für einen Sinn haben.

Sicher sehe ich ein, dass auch die anderen Schüler störungsfrei unterrichtet werden müssen. Aber jemanden der sich nicht integrieren will/kann dann so aus dem Klassenverband auszuschließen ..... ob das die Lösung ist - ich bezweifle es.

Ich würde nun an Eurer Stelle versuchen, einen Termin beim Arzt zu bekommen und zwar als Notfalltermin. Versuchen von Strattera auf MPH zu wechseln, dazu den Arzt evtl. auf Risperdal o.Ä. ansprechen, falls die Agressionen immer noch bestehen. Parallel dazu wird er wohl eine Verhaltenstherapie brauchen um aus dieser Negativspirale irgendwie herauszukommen. Und nicht vergessen den IQ-Test, denn er könnte auch unterfordert sein.

Ich drücke Euch die Daumen und hoffe, dass Dein Sohn bald Hilfe bekommt.

Liebe Grüße

Monkele



von Monkele - am 23.11.2007 17:08
Hallo Monkele,

danke für Deine Antwort.

Mit den Ärzten kann ich nicht sprechen, auch bei einer "Familientherapie" im ersten Schuljahr war nicht ich dabei, sondern der damalige Partner der Mutter.

Ja, Strattera scheint das erste Mittel zu sein. Abgesehen von dem Dipiperonsaft, der anscheinend auch bei ADHS verwendet wird. Mir wurde damals gesagt, der sei gegen Einschlafprobleme.

Sämtliche Intelligenztests aus den letzten Jahren ergaben einen IQ zwischen 84 und 92. Von Hochbegabung gehe ich nicht aus. Beim Lernen hat er recht große Probleme, vor allem mit dem Wiedergeben von gelerntem Stoff. Wenn er heute etwas begriffen hat, z.B. Mathe, kann man meistens am nächsten Tag wieder von vorne anfangen. :-( Das liegt sicherlich auch an seinem totalen Desinteresse, was Schule angeht. Er sagt auch seit der Einschulung konsequent, dass Schule und Lernen ihm keinen Spaß machen. Sachen, die ihn interessieren kann er sich hingegen jahrelang merken.

Die Schule ist sehr engagiert. In diesem Trainingsraum sind immer 1-2 Lehrer und oft auch die Sozialpädagogin der Schule. Er war auch zwischen Ostern und den Sommerferien jede Woche zu Gesprächen dort, weil die Schule versuchte, herauszufinden warum er sich so verhält.
Auch das Konzept der festen Nacharbeitsstunden zwei Mal pro Woche in der 7. Stunde finde ich nicht schlecht. Kinder, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten, müssen dann zur Nacharbeit. So bekommen sicherlich manche Kinder überhaupt eine Chance in Ruhe ihre Aufgaben zu machen. Auch dort sind immer 1-2 Lehrer anwesend. Bei ihm reicht diese eine Stunde leider oft nicht aus.

Ich hatte lange einen recht guten Draht zu ihm. Aber seit einer Weile verbringt er oft das ganze Wochenende mit Nacharbeiten und Lernen. Vor ein paar Wochen musste er Hausaufgaben aus den letzten 12 Tagen nachholen... Er sagt, er würde sie lieber bei mir machen. Hm, dafür kommen wir dann zu nichts anderem und er trödelt halt auch sehr viel. Ich weiß dann auch oft nicht, ob ich ihn schludern und schmieren lassen soll oder die Stimmung durch Ermahnen noch mehr verderben. Schwierig. Auf jeden Fall passt es ihm nicht, dass er hier auch auf sein Verhalten in der Schule angesprochen wird.

Deshalb fand ich es auch falsch, dass er in den Herbstferien nicht kommen durfte. Auf der einen Seite soll ich "auf ihn einwirken", auf der anderen Seite wird der Kontakt stark eingeschränkt.

Ich werde seine Mutter mal vorsichtig auf Ritalin ansprechen. Habe heute erfahren, dass die Schule einen vorübergehenden Ausschluß vom Unterricht möchte, weil es immer schlimmer wird.

Eine Verhaltenstherapie bekommt er bisher nicht.

Thomas

von ThomasA - am 23.11.2007 19:32
Hallo Thomas,

puh, die Situation ist ja echt schwierig. Die Schule scheint aber trotzdem sehr engagiert zu sein.

Vielleicht kannst Du ja was erreichen in Bezug auf Ritalin. Könnte schon sein, dass es wesentlich besser wirkt.

Stutzig macht mich, dass er lieber bei Dir die Hausaufgaben von 12 Tagen nachholt als diese daheim zu machen. Entweder Du hast mehr Geduld oder ??? Schade, dass dann die ganze Zeit flöten geht, die man für andere Dinge verwenden könnte.

Das mit dem Lernen und am nächsten Tag wieder weg ist auch bei unserem Sohn häufig so gewesen. War aber mit MPH besser. Auch können oft Therapien erst richtig wirken, wenn mit MPH der Zugang zum Kind geschaffen ist.

Ich wünsche Dir, dass Du mit der Mutter Deines Sohnes diesbezüglich reden kannst. Die Situation ist sicher nicht immer einfach.

Liebe Grüße

Monkele

von Monkele - am 23.11.2007 21:23
Hallo Thomas,

du hast ja eine ziemlich schwierige Situation mit deinem Sohn, aber ich finde es toll, wie du dich dafür interessierst!

Unser Sohn wird 9 und hat 8 Wochen Strattera genommen (ist ADHS diagnostiziert) - aber er wurde dadurch sehr agressiv - es gab nur noch Probleme in der Schule, ständig mußte er in eine andere Klasse..

Auf Anraten des Arztes haben wir den Plasmaspiegel im Blut gemessen, d.h. soweit ich das jetzt richtig sagen kann:Strattera baut ähnlich wie ein Antidepressivum einen gewissen "Spiegel" im Blut auf - dieser muß bei der richtigen Dosierung nachgewiesen werden können. Unser Sohn hat 1,45 m, auch 32 kg und nahm auch 40 mg, wobei 36 mg die Idealdosierung gewesen wäre.
Der Test ergab, dass der Spiegel viel zu niedrig war. Wir könnten jetzt mit bestimmten Blockern den zu schnellen Abbau von Strattera im Körper verzögern, das ist uns aber zu kompliziert.

Nachdem die Schule auch die Rute ins Fenster gestellt hat, haben wir wieder auf Ritalin umgestellt, zumindest für die Schulzeit.

Aber es ist sehr schwierig mit ihm, Hausaufgaben dauern ewig, ausser wir locken ihn mit einem tollen Besuch im Hallenbad etc., dann gehts schneller. Aber als berufstätige Mutter geht das halt nicht immer. Aber in eurer Wochenendphase wäre das sicher möglich!

Wir haben jetzt nochmal eine Austestung bei einem erfahrenen Kinderpsychologen bevorstehen - Sohni verweigert total, aber wir sehen sonst keine Zukunft mehr. Vielleicht gibt es auch für euch in eurer Nähe ein erfahrenes Team, bei dem du einen Termin zur Testung machen kannst?

Dein Sohn braucht dich jedenfalls ganz fest - ich merke jetzt schon, wie mich mein Sohn blockiert und eigentlich den Vater sucht, der zwar da ist, aber natürlich auch nicht immer die Geduld hat und beruflich arg eingespannt ist.... gib ihm viel Kraft, Geduld, Liebe und Verständis!!

Ich wünsche euch beiden alles Gute und viel Durchhaltevermögen!

von fabianne - am 26.11.2007 20:17

Ist es möglich, dass Strattera Aggressionen verstärkt?

Ist es möglich, dass Strattera Aggressionen bei manchen Patienten verstärkt?

Inzwischen steht unser Sohn kurz vor dem Rauswurf von der Schule. Vor den Weihnachtsferien wurde er für 14 Tage suspendiert, weil mit ihm kein Unterricht mehr möglich sei.

Er bekam Schulbeginn im August (oder kurz davor) 25 mg Strattera pro Tag. Weil er in der Schule deutlich auffälliger wurde als noch vor den Ferien wurde die Dosis zu den Herbstferien auf 40 mg erhöht.

Seitdem geht es nur noch rund in der Schule. Er sei tw. mehrmals täglich aus dem Unterricht in den Trainingsraum geschickt worden, sehr aggressiv gegenüber anderen Kindern und auch Lehrern. Wenn ich mit ihm rede, scheint er einsichtig aber resigniert. So nach dem Motto, er würde sowie so von der Schule fliegen, sei ein Versager... träumt aber gleichzeitig - typisch Kind - davon, dass schon nichts passieren wird.

Die Mutter lehnt nach wie vor eine begleitende Verhaltenstherapie ab. Das wäre Zeitverschwendung. Der Kinderarzt würde nichts von Ritalin halten.

von ThomasA - am 04.01.2008 13:09

Re: Ist es möglich, dass Strattera Aggressionen verstärkt?

Zitat
ThomasA
Ist es möglich, dass Strattera Aggressionen bei manchen Patienten verstärkt?


Hallo

Ja es ist möglich. Muss aber nicht.
Mein Sohn hat auch Strattera genommen, langsam hochdosiert, nach 11 Wochen haben wir abgesetzt, weil er jeden, der ihm nur im Wege stand geschlagen, getreten, gebissen etc. hat.

Er sollte damals aus der Kita fliegen, die Kipsy hat es mir erst nicht geglaubt, bis die Kita-Erzieherin selber anrief und berichtete, dass er sogar gegen Erwachsene aggressiv wurde.

Für uns war dies die schlimmste Zeit, die wir je erleben mussten.
Mein Junior ist so schon aggressiv, aber dies verschlimmerte alles noch mehr.

LG Nicole

von Nicole Z. - am 04.01.2008 15:34
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