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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 9 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 9 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
motoki, Rosenfan, Agnes69

Wie sag' ich's dem Lehrer?

Startbeitrag von motoki am 12.09.2008 14:55

Hallo,

ich weiß nicht, wie ich mich in folgender Situation richtig verhalten soll... und würde mich deshalb sehr um Feedback von euch freuen.

Es geht um folgendes:
Seit knapp zwei Wochen geht unsere Tochter (ADS) nun in die fünfte Klasse einer neuen Schule (Gym.) Wärend der ersten Tage gab es natürlich noch keine "feste" Sitzordnung. Unsere Tochter sagte mir aber ganz zu Anfang, sie hätte einen "blöden" Sitzplatz, weil sie immer den Kopf ganz extrem zur Seite drehen müsse, um an die Tafel sehen zu können. Ich beruhigte sie und sagte ihr, dass die Sitzordnung sich bestimmt in den nächsten Tagen nochmal ändern wird.

So war es dann auch. Diesmal bekam sie einen Sitzplatz (es sind schräg gestellte Vierertische) nach "ihrem Geschmack". Tafel und Lehrer hatte sie super im Blick, um sie herum wenig quasselnde Kinder und noch dazu ein Mädel, mit der sie sich gut versteht. Sie war ganz glücklich damit.

Heute nun kam sie total verheult nach Hause. Ihr Klassenlehrer hatte in der letzten Schulstunde mehrere der Kinder (auch sie) umgesetzt. Ihrer Aussage nach konnte sie sich a) überhaupt nicht konzentrieren weil ihr circa 8 Kinder im Nacken sitzen, die ständig am quasseln sind und b)kann sie von ihrem Sitzplatz aus den Lehrer so gut wie gar nicht sehen, da ein großer Junge die Sicht versperrt.

An ihrem "alten"Sitzplatz sitzt nun ein anderer Junge, die anderen Kinder an ihrem Tisch wurden nicht umgesetzt.

Meine Tochter ist noch immer ganz aufgelöst. Als ich ihr zunächst sagte, sie solle am Montag dem Lehrer sagen, dass sie dort nichts sehen kann/bzw. sich nicht konzentrieren kann meinte sie weinend: "Das bringt nichts, Herr X sagt, das ist nun die endgültige Sitzordnung!"


Bis jetzt weiß niemand in der neuen Schule etwas über das ADS unserer Tochter. Es gab a) noch keine Möglichkeit darüber zu sprechen und b) wollten wir auf der neuen Schule nicht gleich "mit der Tür ins Haus fallen". Wir wollten erstmal, dass die Lehrer unsere Tochter ganz unvoreingenommen kennenlernen . Außerdem wollten wir uns auch erstmal ein Bild über die neuen Lehrer machen.

Nun aber denke ich, dass ich möglichst schnell mit dem Lehrer sprechen muss, denn wenn ich höre, dass sie sich durch "quasselnde Kinder" gar nicht konzentrieren kann,.....dann schrillen bei mir mächtig die Alarmglocken....

Zumal wir im Rahmen der ADS-Diagnostik bei einem speziellen HNO-Arzt waren, um auditive Wahrnehmungsstörungen auszuschließen bzw. zu diagnostizieren. Der Arzt stellte fest, dass unsere Tochter Probleme hat, den "Nutz-Schall" (Stimme des Lehrers) vom "Stör-Schall" (Lärmpegel im Klassenzimmer)voneinander zu unterscheiden. Er sagte uns, dieses Problem hätten viele Kinder und es würde sich(trotz ADS) im Laufe der Zeit höchstwahrscheinlich von alleine bessern. Wichtig sei aber in der Schule ein Sitzplatz in der Nähe der Tafel, idealerweise mit einem Ohr zum Lehrer und nicht mitten unter anderen Schülern, sondern ehr am Rand, ohne Blick auf das Fenster etc. (Attest darüber habe ich aber nicht)

Habe leider noch keine Telefonnummer des Lehrers. Der erste Elternabend ist erst am kommenden Donnerstag, doch auch da werde ich nicht die Gelegenheit haben, mit dem Lehrer ungestört zu sprechen.

Ich habe nun die Idee, meiner Tochter am Montag einen Brief mit in die Schule zu geben. Doch was genau soll ich schreiben?

Lediglich zu sagen, sie könne dort nicht sehen bringt es bestimmt nicht. Soll ich mich auf den Arzt berufen und erklären, dass unsere Tochter Probleme hat, die Stimme des Lehrers aus dem Klassenraumlärm rauszufiltern?

Die Grenze zwischen diesem Problem und dem damit einhergehenden Konzentrationsproblem bzw. der ganzen ADS Problematik ist aber doch fließend.... Wenn ich dann in einem späteren Gespräch das ADS noch anschneide....wundert sich der Lehrer doch, wieso ich nicht gleich damit rausgerückt bin......

Nun weiß ich gar nicht mehr was ich machen soll. Möchte ADS zu diesem frühen Zeitpunkt gar nicht gern ansprechen. Andereseits möchte ich auch nicht, dass ausgerechnet unsere Tochter nun noch schlechtere Startbedingungen hat, als die "Normkinder". Wie soll ich die Sache angehen?????

Bin dankbar für jeden Rat/jede Meinung.

Liebe Grüße
Motoki

Antworten:

Hallo Motoki!

Ich denke, ich würde an Deiner Stelle einmal damit anfangen, mich auf das zu beziehen, was der Arzt gesagt hat - also nur das auditive Problem.

Sollte es später doch nötig werden, das mit dem ADS zu erzählen, und Du wirst gefragt, warum Du das nicht gleich gesagt hast - dann sag doch, dass man leider vorsichtig sein muss, weil Vorurteile darüber weit verbreitet sind.
Vielleicht bringt das den Lehrer dann auch dazu, beweisen zu wollen, dass ER keine Vorurteile hat.

So würde ich es jedenfalls machen...

Wie auch immer Du Dich entscheidest - ich wünsche Dir und Deinem Mädel alles Gute!

Habt ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße!

Agnes

von Agnes69 - am 12.09.2008 15:26
Hallo Motoki,

diese Unsicherheit kann ich nachvollziehen. Mein Großer wurde jetzt auch auf die weiterführende Schule umgeschult. Ich habe auch erst mal nichts gesagt, weil ich die Lehrer erst mal ihr eigenes Bild machen lassen wollte.

Wir hatten neulich einen Anruf der KL, weil es einen kleinen, aber nicht wirklich schlimmen Zwischenfall gab. Mein Mann hatte ihr dann von der Problematik (es ging um einen spez. Mitschüler, den er schon von der 4. Klasse her kannte) erklärt und dann auch das ADS erwähnt. Sie waren dann so verblieben, daß sie eine E-Mail schickt, wenn was sein sollte.

In Deinem Fall würde ich bei der Schulleitung nach der Nummer des KL fragen und mich dann mit ihm in Verbindung setzen, oder mit ihm in der Schule einen Termin machen. Ich würde ihm dann auf jeden Fall vom Problem mit der akustischen Wahrnehmung erzählen und darum bitten, daß Deine Tochter wieder auf den alten Platz gesetzt wird.

Es ist ja keinem damit geholfen, wenn sie nur die Hälfte mitkriegt. Ich denke mal, daß der KL das nicht in böser Absicht gemacht hat. Im Gespräch merkt man dann ja auch, wie der Lehrer so drauf ist. Je nachdem würde ich dann evtl. auch vom ADS erzählen.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen.

LG,

von Rosenfan - am 12.09.2008 17:38
Hallo Agnes und Conny!

Vielen Dank für eure Antworten. Ihr habt mir schon damit sehr weitergeholfen, indem ihr mein Bauchgefühl bestätigt habt.

Da ich den Lehrer persönlich kurzfristig nicht erreichen konnte, die Sache aber eilig ist, habe ich meiner Tochter heute einen Brief mitgegeben, in dem ich mich zunächst auf die Störung der auditiven Reizverarbeitung beschränkt habe. Habe dem Lehrer mitgeteilt, welche Sitzplatzkriterien wichtig sind und auch geschrieben, dass der "alte" Sitzplatz deshalb optimal war. Nun muss er ja reagieren, mal schauen, was er daraus macht.

Am Donnerstag ist ja dann auch der erste Elternabend. Dann kann ich vielleicht schon ein wenig mehr einschätzen, wie der Lehrer eingestellt ist. Dementsprechend werde ich dann alles weitere entscheiden.

Ganz liebe Grüße an euch von
Motoki

von motoki - am 15.09.2008 08:52
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