Lebensgeschichte und jetzt Concerta 18mg (sehr lang)

Startbeitrag von Isabell H. am 26.11.2008 11:29

Hallo alle miteinander,

bin eigentlich sonst nur eine stille Mitleserin...hab schon viele interresante Sachen hier durch das Forum erfahren können.

Mein Sohn ist jetzt 8 Jahre ,seit Dezember 2006,nimmt er Medikamente.

Wir haben einen langen Weg was die Medikation angeht hinter uns.Wir waren bei einer Kinderärztin die sich auf ADHS spezialisiert hat die ganzen Jahre in Behandlung.Wo Verhaltenstherapien,soziales Kompetenztraining,Elterntraining auch durchgeführt wurde.
Er bekam am Anfang Equasym dann wurde um gestellt auf Medikinet,wo wir am Ende bei 70mg (ja Ihr lest richtig) für ein Kind mit 23 kg waren.
Die Ärztin meinte immer na da gehen wir doch mal mit der Dosierung etwas höher.Bis ich sagte das ich das nicht mehr mitmachen würde weil die Nebenwirkungen immer extremer wurden (Aggressionen ohne Ende,er hat kaum noch was gegessen,Alpträume wenn er dann endlich mal geschlafen hatte,Tics).

Somit überwies sie mich zu einem Kinderpsychater.

Der nahm meinen Benni gleich aus der Schule und setzte von heute auf morgen das Medikinet ab.Er verschrieb ihm ein Beruhigungssaft mit dem er über die nächste Zeit kommen sollte.
Nach der ersten Einnahme rief ich den Notarzt,da mein Sohn mit Krampfanfällen reagierte.Es war ganz furchtbar,ich dachte mein Kind würde sterben...

Er wurde sofort in unser Universitätsklinikum eingewiesen,wo er drei tage lang auf einer normalen Kinderstation ,im wahrsten sinne des Wortes tobte.
Keiner bekam ihn unter Kontrolle.
Am dritten Tag kam dann endlich mal ein Kinderpsychater der meinte das er mir einen Therapieplatz in der KJP anbieten könne.

Ich nahm sofort dankend an....endlich sah ich Licht am Ende des Tunnels.

Benjamin war drei Monate in Behandlung,er ging nach den Ferien normal in seine Schule weiter,Dienstags und Donnerstags besuchte ich ihn und am We durfte er immer heim kommen.Er bekam dort erstmal kein MPH mehr,jedoch wurde bei ihm Risperdal angesetzt da er sehr aggressiv war. Man mekte jedoch das ihm das MPH fehlte, er hatte zu nichts Ausdauer ,er konnte nix spielen geschweige denn mit sich anfangen.

Nach dem Schulbeginn bekam er 5mg Ritalin ,dies merkte man sofort.
Es hielt zwar immer nur für drei Stunden an,aber es war eine Hilfe.
Mein Kind fing wieder an zu malen und konnte seine Kreativität (von der er sehr viel hat) wieder ausleben.

Nach drei Monaten kam er endlich heim.Ich war überglücklich...jetzt konnten wir einen neuen Lebensabschnitt beginnen.Die Zeit in der KJP war das beste was uns passieren konnte.

Jedoch in der Schule gab es immer wieder Schwierigkeiten,er schrieb nur 5en und 6en in der 3.Klasse Dies teilte ich meinem neuen behandelten Arzt(ich ging nicht zurück zu der alten Ärztin) mit und er testet Benjamin auf LRS und Rechenschwäche.
Und wie sollte es sein auch das hat mein Sohn.

Somit suchte ich das Gespräch mit der Lehrerin , die mir sagte das die Lehrerkonferenz empfehlen würde Benni in die zweite Klasse zurück schulen zu lassen.Dies tat ich auch.Die Noten wurden wieder besser und die ständigen Mißerfolge waren wie weg geblasen.

In der Zwischenzeit zerbrach auch meine dreijährige Beziehung mit meinem Partner,es war ihm alles zuviel Verantwortung hier.Was sollte ich machen,ich nahm es so hin.Leiden tue ich jedoch heute noch sehr darunter.

Vor zwei Tagen dann hatte ich wieder ein Gespräch mit dem Arzt der meinte er würde gern Benjamin Concerta 18 mg verschreiben ,da er damit über den ganzen Tag kommen würde.Ich stimmte zu und hoffe nun das es diesmal das richtige Medikament ist.

Nun hab ich mir mal alles von der Seele geschrieben,hoffe es ist nicht zu lang geworden,doch eigentlich ist es lang,aber es ging wirklich nicht kürzer.

Wer hat von Euch Erfahrungen mit Concerta 18mg in Verbindung mit Risperdal 0,5 mg?

Vielen Dank für Euere Geduld
Isabell

Antworten:

Hallo Isabel,

es ist prima, dass dein Sohn schon ein soziales Kompetenztraining und eine VT machen konnte. Das wird ihm auf jeden Fall auf Dauer helfen, wenngleich ihr heute noch Probleme habt. Meine Kids sind schon erwachsen, profiteren aber heute noch von dem damals Gelernten.

Die Reaktion auf den Beruhigungssaft ist sehr sehr heftig, aber unsere ADS'ler reagieren auf normale Beruhigungsmittel entweder gar nicht, paradox oder aber extrem, aber eben nicht so, wie es sein sollte. Wer so etwas verschreibt, kann kein ADS-Experte sein.

Concerta ist ein MpH-Produkt. Bei aggressiven Kindern wird oftmals zu einem MpH-Produkt leicht dosiertes Risperdal dazu gegeben. Das ist eine Kombination, die i.d.R gut vertragen wird. Einige Nicht-ADS-Fachleute wollen das MPH unbedingt vermeiden und dosieren dann Risperdal, aber sehr hoch (mehrere mg). Die Kinder werden dadurch aber eher ruhiggestellt und erhalten nicht wie bei MPH ihre Konzentrationsfähigkeit und die Fähigkeit zur Impulskontrolle. Deshalb wird von Fachleuten die Kombi-Behandlung empfohlen.

von Dagmar D. - am 28.11.2008 18:35
Liebe Isabell,

dein Eintrag ist schon eine Weile her. Ich bin auf ihn gestossen, als ich nach Nebenwirkungen und Concerta suchte.

Wie geht es Benny jetzt mit dieser Dosierung? Unser Sohn wird jetzt 10, nimmt seit ca. 8 Monaten 36 mg Concerta und 2x 05 mg Rispderdal.

Am Anfang waren wir nach all den Hürdenläufen sehr glücklich darüber, es schien sich alles zum Guten zu wenden. Er wurde deutlich besser in der Schule, schrieb in Mathe jede Zahl ins Kästchen, Einer unter Einer etc. was vorher nicht möglich war.

Er hat aber durch das Risperdal ziemlich zugenommen und ist äußerst lustlos.
Und dann häuften sich plötzlich sehr agressive Übergriffe auf Mitschüler und auch auf mich.

Wir mußten ihn vor den Semesterferien für die restlichen 4 Tage aus der Schule nehmen. Wir hofften, dass ihm die Pause gut tun würde, aber er konnte die Ferien gar nicht genießen.

Nun eskalierte es wieder in der Schule, der KIA wollte ihn stationär in der Kinderpsychatrie einweisen. Dort schickte man uns wieder heim und meinte, das würde man vorläufig auch ambulant behandeln können.
Wir sind überzeugt, dass unser Sohn auch so toben würde wie deiner, wenn er dort bleiben muss.

Ist die KJP ausserhalb der Klinik? Wie funktionierte das, er ging seine Schule und mittags dort hin, hat dort auch von Montag bis Freitag übernachtet? Sorry, die Fragen klingen vielleicht blöd, aber ich kenne mich diesbezüglich überhaupt nicht aus.

Unser Sohn möchte nun selber weg vom Concerta und wieder zurück zu Ritalin. Das kann er selber etwas steuern und kontrollieren. Er meint, dass er von Concerta so agressiv wird.


Du warst schon länger nicht mehr im Forum aktiv - vielleicht liest du zufällig mein posting und kannst mir antworten!


von geli67 - am 18.02.2009 07:17
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