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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
geli67, Doris Schmitt

Artikel aus der örtlichen Presse

Startbeitrag von Doris Schmitt am 16.04.2009 07:53

Hallo ihr Lieben,

hier ein Artikel aus der örtlichen Presse.

Die Orte und Namen habe ich vorsichtshalber gekürzt.

Doris

Morddrohung in fünfter Klasse
L: In ihrer Ohnmacht weiß sich eine Mutter nicht anders zu helfen, als die Neigung ihres Sohnes zu Gewaltausbrüchen offen zu thematisieren. Die Schulleitung in L empfiehlt einen Schulwechsel, das Jugendamt lässt beide mit der Herausforderung offenbar allein.

Von Andreas Lang


„Mama, in meinem Kopf stimmt was nicht. Warum hilft mir denn niemand?" Dieser Hilferuf ihres zwölfjährigen Sohnes treibt eine Mutter aus dem südlichen R-p-Kreis schier zur Verzweiflung - erst recht mit den Bilden des Amoklaufs von Winnenden im Gedächtnis. Weil er in der Realschule in L. wiederholt ausfällig geworden ist und im März gegenüber einer Mitschülerin eine Morddrohung ausgesprochen haben soll, muss er zur Strafe nach den Osterferien zunächst zwei Tage lang zu Hause bleiben. Pädagogen und Mutter sind sich einig, dass der intelligente Junge eigentlich in eine spezielle Förderschule wechseln müsste. Doch in ihren Bemühungen, den Weg dorthin zu ebnen, fühlt sich die Frau vor allem vom Jugendamt des Kreises allein gelassen.


Mit drei Zeilen wurde die allein erziehende Mutter abgewimmelt. „Aus personellen Gründen sind wir leider nicht in der Lage, Ihr Anliegen zeitnah zu bearbeiten. Wir werden auf Sie zukommen, sobald wir wieder Möglichkeiten haben", wurde ihr lapidar mitgeteilt. Eine Woche später soll der Fünftklässler eine Klassenkameradin gewarnt haben: „Wenn du stirbst, dann werde ich bei dir sein."


Mit dieser Drohung sieht die besorgte Mutter eine neue Stufe in der Entwicklungsstörung erreicht. In einer S. Grundschule für Kinder, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS leiden, sah sie ihren Sohn noch passend aufgehoben. Doch den Wechsel in die Realschule im Sommer hat er nicht verkraftet. „Im Lauf der Monate hat sich immer klarer herauskristallisiert, dass er das Lernpensum packt, aber mit der Umgebung nicht zurecht kommt", hat die Mutter beobachtet. Blieb es anfangs bei schriftlichen Tadeln, müssen die Lehrer nun zu drastischeren Maßnahmen greifen.


Auf den größeren Klassenverband, der dem Unterricht in der behüteten Kleingruppe folgte, reagierte er zunehmend aggressiv und gewaltbereit. Bei Rangeleien zwischen Klassenkameraden vermag er sich mitunter nicht unter Kontrolle zu haben. „Wenn sich die Situation hochschaukelt, ist er überfordert und handelt nicht immer rational", warnt die Mutter. „Wenn ich ihn zu Hause, wo er ein Engel ist, auf seine Respektlosigkeiten und Ausbrüche im Affekt gegenüber Mitschülern wie Lehrern anspreche, ist er über sich selbst erschrocken. Mehr noch, er bettelt geradezu, ihm Auswege aufzuzeigen."


Zum Wohl der gesamten Klasse hat die Schulleitung unmittelbar vor den Osterferien ernstere Konsequenzen gezogen. Nach einer Klassenkonferenz wurde der vorübergehende Schulausschluss beschlossen. Eine Maßnahme, die Konrektorin Martina K. nicht leicht gefallen ist. „Inklusive unserer Schulsozialarbeiterin bemühen wir uns, den Jungen zu integrieren, aber wir kommen mit unserem Latein ans Ende", räumt sie auf Anfrage ein. Mit der Mutter stimmt sie überein, dass für diesen „außergewöhnlichen Fall" ein Schulwechsel auf der Hand liegt. „Zum Wohl des Schülers hoffe ich, dass solche Bemühungen fruchten."


Dazu braucht die Mutter aber nicht nur die Rückendeckung der Schule, sondern vor allem die des Jugendamts und von eingeschalteten Fachärzten. Denn von deren Empfehlung will es die Krankenkasse der Familie wesentlich abhängig machen, ob sie das Schulgeld für ein spezialisiertes Internat, etwa in Baden-Baden, zahlt. „Ich kann nicht mehr ausschließen, dass mein Sohn seine Drohungen unbewusst wahr macht", warnt die Mutter, die gerade dabei ist, sich selbstständig zu machen. Trotzdem ist sie für ihr Kind da und lässt keine Chance ungenutzt, es zu stabilisieren. „Ich bin doch keine Rabenmutter, aber alleine bin ich diesem komplexen Krankheitsbild nicht mehr gewachsen." Übers Internet hat sie sich inzwischen mit anderen Eltern vernetzt. Nach dem Schulausschluss schweben einige von ihnen seit Monaten im Ungewissen. Was passiert, wenn sie ihren Sohn zu Hause unbeaufsichtigt lassen muss, will sich die Mutter gar nicht ausmalen.


Gegenüber der R. hat sich ein Sprecher des Kreises mittlerweile für den unsensiblen Umgang des Jugendamts mit dem Anliegen entschuldigt. Die Behörde wolle sich umgehend mit der Mutter abstimmen, hieß es Anfang April. Auf eine Nachricht hat die alleinerziehende bis Ostern vergeblich gewartet.


Antworten:

Liebe Doris,

erschütternd! Mir fehlen die Worte, es ist schrecklich! Da will eine Mutter ihrem Kind helfen und nichtgeschieht! Offenbar muss wirklich erst etwas passieren, bevor jemand nachdenkt.
Wo leben wir bloß?

von geli67 - am 21.04.2009 15:11
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