Doch nicht so gut wie gedacht (rel. lang)

Startbeitrag von Rosenfan am 26.05.2009 13:36

Hallo Ihr Lieben,

heute könnte ich mal wieder Euren Rat bzw. Eure Meinung gebrauchen.

Ich war heute in der Schule von Frederick, um dort im Biounterricht ein kleines Referat zu halten. Kurz davor paßte mich sein Engl.- und Relig.lehrer ab, der auch stellv. Schulleiter ist.

Er teilte mir mit, daß es z.Zt. gar nicht gut laufen würde mit Frederick. Besonders schlimm war es kurz vor den Osterferien. Da gab es an zwei Tagen hintereinander Probleme, wo wir ihn abholen mußten. Er war von allem und jedem genervt und meinte dann, das Leben hätte sowieso keinen Sinn mehr usw., will da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Jedenfalls waren die Klasse und die Lehrer extrem geschockt deswegen.

Aber wir kannten so etwas schon. Darauf wurden zeitweise die Medis abgesetzt. Dann lief es besser, auch nach den Ferien. Mittlerweile kriegt er wieder die Medis (30 mg Ritalin LA).

Das eigentliche Problem liegt aber nach wie vor in seinem Verhalten. Einfachste Anweisungen verweigert er schon. Danach macht er komplett dicht. Die Lehrer kommen dann nicht mehr an ihn ran. Dadurch hatte er auch kürzlich eine Bioarbeit total verhauen. Ich denke schon, daß er da einiges mehr gekonnt hätte.

Ich kann die Lehrer ja verstehen, daß sie nicht mehr weiter wissen. Wir aber auch nicht. Mit den HA zu Hause ist es ja auch immer mal noch ein Kampf, daß er sie vollständig macht, vor allem wenn es für ihn! sehr viel ist oder erscheint. Können könnte er es eigentlich.

Wir hatten vor knapp 2 Wochen erst ein Gespräch mit der KL und der Schulpsychologin. Ein 2. findet am 12.06. statt. Die Kipsy erreiche ich wg. eines Termins zum Elterngespräch erst morgen wieder.

Aber ich habe irgendwie das Gefühl, daß wir, was sein Verweigerungsverhalten betrifft, ewig nur auf der Stelle treten. Ich weiß da echt nicht mehr weiter. Und die Pubertät steht uns erst noch bevor.

Der Schulleiter legte mir heute nahe, daß, wenn sich da nicht bald was ändert, er irgendwann nicht mehr diese Schule besuchen könne. Vielleicht war das jetzt auch etwas übertrieben, aber ganz unrecht hat er da wohl auch nicht.

Vielleicht weiß jemand von Euch, was wir da noch machen könnten. Er ist ja auch der totale Einzelgänger, verkriecht sich nur zu Hause. Und stationär war er ja erst letztes Jahr. Die sagten dort aber auch, daß er eben mitarbeiten müsse. Da klappte es ja weitestgehend auch rel. gut. Aber das ist ja auch nicht 1:1 wie zu Hause bzw. Schule.

Sorry, daß es doch etwas länger geworden ist.

Liebe Grüße,

Antworten:

Hallo Conny,

puh, das ist schwierig.

Für die Schule kannst du ihn nicht fernsteuern, aber wenn er sich dort komplett verweigert, das wird das Ordnungsmaßnahmen nach sich ziehen und evtl. auch verkürzten Unterricht. Evtl. meinte der Schulleiter dieses. Evtl. wäre ein zweiter KJP-Aufenthalt noch mal ganz gut.

Für die HA-Situation zu Hause gibt es vielleicht eine Möglichkeit, die greift.

Wenn er die HA in kleine Brocken einteilt, die ca. 15 Minuten lang sind. Z.B. könnte jedes Fach ein solches Teilchen sein oder auch die Aufgabe in einem Fach noch mal zerteilen.

Das Ganze in den Portiönchen auf einen längliche Zettel schreiben, mit den Uhrzeiten und vor allem kleine Pausen dazwischen, die er aber nicht zum PC-spielen oder fernsehen nutzen darf.

Er soll die Zeiten, die er für die Aufgaben schätzen, du gibst noch ein paar Minuten Reservezeit drauf, wenn die Schätzung realistisch ist.

Nun arbeitet er gegen die Uhr. Ist er schneller, kann er länger Pause machen, aber spätestens nach der vereinbarten Zwischenzeit wird abgebrochen.

Wenn er schneller arbeitet, kann er die eingesparte Arbeitszeit *nach* der Erledigung aller Aufgaben als Fernsehzeit oder PC-Zeit nutzen.

Aufgaben, die nicht innerhalb des Zeitfensters erledigt wurden, können anschließend erledigt werden. Diese zusätzlich verbrauchte Zeit wird wieder von der verdienten Zeit abgezogen.

Sollte dein Sohn nun auf die Idee kommen, sich unendlich lange Zeiten zu überlegen, um viel Zeit verdienen zu können, so kannst du das umgehen, indem die Spielzeit auf eine bestimmte Tageszeit festgelegt wird, z.B. von 17 bis 18 Uhr. Dauern die HA wegen der ausgedehnten Zeitannahmen nun länger, verbraucht sich automatisch die Spielzeit.

Auf diese Weise lernt dein Sohn, sein Verhalten selbst zu regulieren, denn es hängt von ihm ab, für was er seine Zeit verwendet. Und es werden Strafen vermieden, was für das Klima ganz gut ist.

Als Zeitgeber kann ein Wecker oder ein Kurzzeitwecker dienen. Wichtig ist, dass dein Sohn zu dir kommt, um die HA vorzuzeigen und nicht du zu ihm, denn er soll ja lernen, sein Verhalten zu managen.


von Dagmar D. - am 27.05.2009 07:20
Oh je, Conny. Das ist eine schwierige Zeit.
Scheint mir, Du haettest doch den richtigen Durchblick. Ich habe eine enorme Angst vor Komplikationen mit Lehrern, weil meine ersten Erfahrungen leider sehr traurig waren. Da scheinst Du viel staerker zu sein als ich. Wünschte, ich könnte das besser ertragen.

Was Dagmar erklaert hat, ist sehr gut. Im Prinzip haben wir das auch ab und an gemacht. Da gibt es kein Schimpfen, kein Nörgeln usw. Vorher haben wir alles durchgesprochen und dann auch "willig" in die Tat umgesetzt. Aber wichtig ist wohl "konsequent" zu bleiben. Und da hapert es bei mir nach kurzer Zeit. Denn nach einer Weile fangen Verhandlungen seitens meines Sohnes an. - Da wünschte ich mir schon sehr, mein Mann waere nicht so passiv. Oder wenn dann mal aktiv, dann wenigstens fördernd.

Die Pubertaet - ich weiss nicht ob ich das richtig sehe, aber ich sehe an meinem Sohn, der 12 Jahre alt ist, dass er ganz gerne mal seinen Kopf durchsetzen will. Ab und an versucht er auch neu erlernte Schimpfwörter an den Mann/Frau zu bringen. Bisher ging es mit leichten Ermahnungen ganz gut, was diese Schimpfwörter angeht. Aber es ist jetzt schon des öfteren so gewesen, dass wenn ich nein sage, er ja sagt und dann auch tut was er will. Daher pass ich jetzt auf, lieber keine ja oder nein Situationen zu schaffen. Solange es nichts wirklich wichtiges ist, sondern eher wie an die frische Luft gehen und vielleicht Basketball spielen, halt ich mich zurück und lass ihn gewaehren. Ich sage ihm nur noch schnell, er soll nicht so lange auf sich warten lassen, weil ich mir sonst Sorgen machen würde. Dazu muss man wissen, dass wir in Istanbul leben, mit wenig Grünflaechen und Spielmöglichkeiten. Er braucht auch die Möglichkeit sich auszuleben.

Wahrscheinlich hat Dein Sohn viel mehr Möglichkeiten, sich vielleicht sportlich zu betaetigen oder an einer Theatergruppe teilzunehmen. Wenn er an solchen Aktivitaeten teilnimmt ist es vielleicht an der Zeit etwas Neues auszuprobieren. Was anderes faellt mir im Moment auch nicht ein.

Wünsche Euch viel Glück,
Sunchen





von Sunchen - am 27.05.2009 09:27
Hallo Conny,

das Problem kenne ich leider nur zu gut, bei uns geht es ganz ähnlich ab. Letzte Woche rief mich auch die Schule an, ich müsse ihn abholen. Ging aber nicht, ich musste arbeiten und hatte die Oma organisiert, die ihn nach Schulende abholte. Sie reist ca. 50 min an und konnte nicht früher kommen.

Die Lehrer waren total sprachlos, als ich das erklärte. Aber ich kann einfach nicht immer alles liegen und stehen lassen. Ich verstehe die Lehrer und dass sie keine extra Aufsichtsperson haben. Und in anderen Klassen wollen sie Sohnemann schon gar nicht mehr sehen.
Aber langsam schleicht sich das Gefühl ein, dass er das schnell spitz hat, wenns nicht läuft, mache ich totalen Blödsinn, dann darf ich nach Hause....

Jetzt war er z.B. 2 Tage super brav, ich erhielt sogar einen Anruf von der Schule, dass es super läuft! Wow! Und was war? Ich hatte ihm versprochen, mit ihm schwimmen zu gehen, aber er muss eben in der Schule mitmachen.. es ist schwer zu verstehen, dass er wirklich 5 Stunden durchhält, um das Nachmittagsprogramm zu bekommen.
Wieso schafft er das?
Und ich kann ja nicht täglich so eine Animation anbieten.

Hier sind wir auch total ratlos.

Liebe Conny, ich kann dir leider keinen Tipp geben, aber vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass da hinter der Grenze genauso ein Rabauke ganz ähnliche Probleme hat. Die Pubertät gesellt sich bei uns auch schon dazu - wunderbar!

Ich wünsche euch alles Gute!!!

von geli67 - am 27.05.2009 16:01
Hallo Ihr Lieben,

erst mal vielen Dank für Eure Ratschläge. Das mit den HA könnte ich mal versuchen. Allerdings gibt es meist nur Probleme bei Fächern, wo er keine Lust drauf hat oder es eben sehr viel ist. Heute hatte es wunderbar geklappt, ohne daß ich überhaupt was sagen mußte.

Den nächsten Termin für ein Elterngespräch habe ich erst für den 24. Juni bekommen. Vorher war nichts mehr frei, oder wir konnten nicht.

Manchmal habe ich so ein bißchen den Verdacht, daß bei ihm evtl. auch Asperger im Spiel ist. Vor einiger Zeit gab es bei uns in der Zeitung mal einen ausführlichen Bericht darüber mit Symptombeschreibung. Da paßte so vieles auf ihn. Werde die Kipsy auf jeden Fall mal darauf ansprechen.

Sport ist für ihn leider gar kein Thema mehr. Früher hatte er mal Schwimmen im Breitensport und danach ca. 1 Jahr lang Judo gemacht. Da aber die Halle für lange Zeit (immer noch) gesperrt werden mußte und es erst spät und wenig Ausweichmöglichkeiten gab, verlor er jedes Interesse. Wir konnten ihn leider nicht mehr dazu motivieren.

Er geht auch nur ungerne raus. So was wie Toben oder Fußballspielen sind irgendwie nicht sein Ding. Dazu kommt bei ihm noch, daß seine Motorik auch nicht so gut ist, sieht immer etwas tollpatschig und träge aus.

Liebe Grüße,


von Rosenfan - am 28.05.2009 18:11
hallo

Ja es ist richtig was du sagst das dein sohn dann wohl nicht mehr zur schule darf zwar nihct für immer aber für einige zeit.

Ich bin Elternbeirat bei meinem Sohn in der Klasse und da haben wir den fall gerade . ADS und nicht mitmachen nur stören etc.

Der Schüler durfte 2 wochen nicht mehr am Unterricht teilnehmen, einen Verweis bekam er und er darf nicht mehr an Schulischen außenaktivitäten teilnehmen.

lg polyesther

von Polyesther - am 11.06.2009 08:18
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