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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Sonnenblume80, Rosenfan, Dagmar D.

Recht auf Dokumentationseinsicht?!

Startbeitrag von Sonnenblume80 am 10.06.2009 11:01

Hallo Ihr Lieben,

ich bereite mich auf einen Streit mit dem Jugendamt vor und frage euch,

konntet Ihr schonmal die Akte Eures Kindes oder Eurer Familie einsehen?

Und, wie ist das mit der Klinikakte?

Sie wollen mir zur Zeit weiß machen, dass ich in die Klinikakte Einsicht haben darf (wenn jemand vom Klinikpersonal dabei ist), sie mir jedoch nicht kopieren darf.

Meine Info ist uneingeschränkter Zugriff als Erziehungsberechtigte.

Kennt jemand die Gesetzeslage genauer?

Ihr würdet mir eine Menge Zeit ersparen.
Und, gibt es Erfahrungsberichte von Euch, die es geschafft haben ihr Kind zu Hause zu behalten trotz gegenteiliger Beurteilung vom JA?
Ich sehe mich da einer großen Macht gegenüber, die mich zwar nicht mehr ruhig schlafen lässt, mich jedoch auch nicht einschüchtert.

Was genau bedeutet "eine seelische Gefährdung"? Und, ist ein Verhaltensplan zu wenig emotional um ein Kind ohne Struktur und Halt im Alltag zu begleiten? Unglaublich, was DIE sich rausnehmen!

DANKESCHÖN!

Sonnenblume

Antworten:

Hallo Sonnenblume,

in die Akten des Jugendamtes hast du keine Einsicht. Aber wenn du dir einen Anwalt nimmst, dann kommst du an die Infos.

Befundberichte im Bereich Psychiatrie werden üblicherweise nicht zu Einsicht gegeben. Wenn das bei dir anders ist, hast du schon großes Glück. Kopieren darfst du diese nicht.

Um das Ganze gleich zu vervollständigen. In Schulakten darfst du auch unter Aufsicht Einsicht nehmen, aber nichts kopieren.

Es gab mal eine Mutter hier, die ihr Kind gegen den Willen des JAs zu Hause betreut hat. Wenn du unter pucki8 suchst, findest du ihre Berichte.

von Dagmar D. - am 10.06.2009 14:54
Hallo Sonnenblume,

geht es hier nur um eine Fremdbetreuung oder auch um den Entzug des Sorgerechtes? Das ist ja ein gewaltiger Unterschied.

Falls es hier "nur" um eine Fremdbetreuung geht, kann man dieses durchaus auch als eine Chance für die Kinder und für einen selbst sehen. Mit der Zeit wird man auch als Elternteil oft betriebsblind und erkennt manche Probleme nicht mehr so.

Und alle hier wissen ja aus eigener Erfahrung, daß der Umgang mit unseren ADSlern nicht unbedingt einfach ist. Da spreche ich aus eigener Erfahrung.

Was wären denn die Gründe, weshalb das JA Dein Kind aus der Familie nehmen will?

Das mit den Akten ist so eine Sache. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß es ganz schwierig, teilweise sogar unmöglich ist, in die Klinikakten der eigenen Kinder Einsicht zu nehmen. Bei uns ging es damals nur um den Diagnosebericht. Darin waren fast alle Angaben von uns. Lediglich die Therapieempfehlung kam von der Klinik.

Trotzdem bekamen alle anderen Einsicht (Schulpsych., FH, JA), nur wir nicht. Erst, nachdem ich da vehement Druck gemacht habe und nicht locker ließ, eben mit der Erklärung, daß hier keine Gefährdung vorliege und die meisten Angaben ohnehin von uns wären, bekamen wir den Bericht als Kopie zugeschickt. Aber das war wohl eher die Ausnahme.

Und da Du ja schreibst, daß eine seelische Gefährdung vorläge, könnte es mit einer Akteneinsicht sehr schwierig werden.

Ich hoffe, ich konnte Dir trotzdem etwas helfen.

LG,

von Rosenfan - am 10.06.2009 16:21
Hallo Conny,

vielen Dank für Deine Antwort.
Es geht nur um eine Fremdunterbringung.
Und, die seelische Gefährdung ist der einzige Grund, den ich mir zusammen reimen kann, es liegen sonst keine greifbaren Gründe vor.
Und, seelische Gründe sind interpretierbar. Hier sagt der eine Therapeut das eine und der andere das andere und ich habe das Gefühl, dass das JA nur auf die negativen Seiten schaut und die ganzen Fortschritte meines Sohnes gar nicht erkennt.

Zur Zeit habe ich aber grünes Licht, es gäbe im Moment keinen Bedarf ihn aus der Familie zu nehmen. Betonung liegt auf "zur Zeit!"

Außerdem würde er bei einer Fremdunterbringung total blocken! Er hat sich in der Klinik schon gar nicht geöffnet und nur den "Coolen" raushängen lassen, um dann am WE bei mir zu Hause über seinen Problemen zusammen zu brechen.
Nach drei Monaten ist uns mit viel Mühe eine Integration in sein Umfeld, seine Klasse und zu seinen Freunden gelungen. ALLEINE! Die Hilfe vom JA war eine totale Katastrophe! Sie arbeitete analytisch und konnte mit unseren verhaltenstherapeutischen Maßnahmen nichts anfangen. Sie kam für 2 Stunden die Woche in einen gefüllten Tag und erwartete eine völlig freie Zeit ohne sich vorher mit mir abzusprechen...(was haben die Kinder noch an hausis auf, was gibt es zu lernen, muss noch geduscht werden, wann ist Abendessen usw.).

Warum mein Sohn fremduntergebracht werden soll, liegt an einer "Bindungsstörung"; ADHS und Wahrnehmungsstörungen liegen auch noch vor. Aufgrund der vielfältigen Problematiken wäre ich nicht in der Lage ein entwicklungsförderndes Umfeld zu bieten. Mein Sohn droht zur Zeit öfter mit Suizid, übergeht gerne die Grenze anderer um sie noch zu spüren und provoziert gerne.

Ich bin so froh einen Therapeuten gefunden zu haben, der die ganze Motivation und Arbeit einmal sieht, die ich für mein Kind schon geleistet habe und weiter leiste. Wenn nicht ich, wer denn dann?!
Und einem Bindungsgestörtem Kind die einzige Bezugsperson wegnehmen?! Na, super. Welche gravierenden Entwicklungs- und Verhaltensstörungen erfährt er denn dadurch?!

Ich fühle mich super kontrolliert und mir und meinem Kind wurde bis jetzt von Seiten des JA nicht geholfen, es wurde nur Druck ausgeübt.

Ich bin soweit auch über einen Anwalt zu gehen, wobei mir die Sachlage nicht klar ist, warum ich keine Akteneinsicht haben sollte. Ein Angehöriger oder Betreuer von einem Altenheim- oder Behindertenwohnheimbewohner darf auch die volle Akte einsehen und kopieren. Ich glaube, dass sich die Ärzte und das JA nur noch daran gewöhnen müssen, dass dies eingefordert wird.

Wünsch Euch alles Gute.

Sonnenblume

von Sonnenblume80 - am 12.06.2009 19:49
Hallo Sonnenblume,

wir hatten auch längere Zeit mit dem JA zu tun. Das fing damals in der 2. Klasse im Reliunterricht an. Da ging es um das Thema Sterben und Tod, speziell hier eines Vaters.

Mein Sohn hatte da nur gemeint, er fände es nicht so schlimm, wenn sein Vater tot wäre, was natürlich alle schockierte. Wir wurden dann, ohne vorher darüber informiert zu werden, in die Schule vorgeladen. Daraus entwickelte sich dann der Kontakt zum JA mit diversen Terminen.

Fast ein ganzes Jahr später gab es dann ein erstes Hilfeplangespräch. Es wurde daraufhin beschlossen, daß wir einen FH bekommen. Der kam dann 2x/Wo. zu meinem Sohn. Er sollte in erster Linie mit ihm die HA machen, klappte aber eher selten. Außerdem führte er mit uns wöchentlich Elterngespräche. Für mich damals eine zusätzliche Belastung, weil ich als Alleinernährerin Vollzeit mit Bereitsch.- u. Wochenendiensten arbeiten war (allerdings wg. Zeitvertrag insges. nur 13 Monate).

Diese Gespräche brachten die erste Zeit schon einiges und öffneten bei einigen Dingen unsere Augen. Aber es war für mich auch ziemlich anstrengend. Da die Hilfe immer nur für ein halbes Jahr gewährt wird, gab es dann nach entspr. Zeit wieder ein Hilfeplangespräch. Danach fanden die Elterngespräche auf unseren Wunsch nur noch alle 2 Wochen statt.

Die Hilfe gab es insgesamt dann bis zur stat. Aufnahme in die KJP. Das JA war davon allerdings nicht so angetan. Die hätten eigentlich lieber mit uns gearbeitet, als in erster Linie eine Therapie für Frederick zu machen. Sie sahen in erster Linie die Fehler bei uns.

Das dem nicht (ausschließlich) so ist, weiß ich jetzt immer besser. Erst heute hatten wir wieder eine große Gesprächsrunde in der Schule. Es wurde immer deutlicher, daß er durch sein Verhalten für die Lehrer und auch Schüler unberechenbar ist. Man weiß nie, wann er ausrastet.

Das passiert allerdings auch nur dann, wenn er geärgert, angegriffen oder provoziert wird. Dann würgt er meistens den anderen. Ich weiß, daß das nicht ok. ist, haben wir auch schon zig Mal mit ihm drüber gesprochen.

Aber ein Grund dafür ist wohl auch seine Wahrnehmungsstörung. Er sieht das nicht als schlimm an, wenn er so reagiert. Es fiel heute auch erstmals offiziell der Verdacht auf Autismus. Diesen Punkt möchte ich auch unbedingt geklärt haben. Das könnte so vieles erklären. Und vielleicht könnte man mit dieser Diagnose dann auch andere Therapieansätze machen.

Wir haben uns erstmal so geeinigt, daß wir doch noch mal Kontakt zum JA aufnemen. Außerdem haben wir ja noch den Termin zum Elterngespräch bei der Kipsy.

Du siehst also, wir sind in einer ähnlichen Situation wie ihr.

Liebe Grüße,


von Rosenfan - am 12.06.2009 23:34
Es gibt ein Recht auf die Dokumentationseinsicht!
Die Psychologin bestand nur darauf mit dabei zu sein, es wurden sogar Unterlagen kopiert und das allerwichtigste,

der Arztbrief, in dem dringend geraten wurde, meinen Sohn im Moment außerfamiliär unterzubringen wurde in eine wertschätzende, ressourcenorientierte Sicht umgeschrieben!

Ich musste nur einmal mit dem Anwalt drohen und bei Formulierungen behilflich sein.

Allen Menschen, denen es ähnlich ergeht, bitte ich kurz inne zu halten und sich zu Fragen, ob sie das Urteil EINES Gutachtens so hin nehmen wollen.
Die Konsequenzen sind so weitreichend. Mein Sohn wäre daran kaputt gegangen!

Wir waren ausserdem in einer Mutter-Kind-Kur und die haben uns eine vorbildliche, wertschätzende und vertrauensvolle Interaktion bescheinigt.

Manchmal scheint die Macht der Ärzte so groß, doch auch sie hat Grenzen.

Liebe Dagmar,
bitte goggle noch einmal nach, es gibt Gesetze darüber. Leider habe ich keine Ahnung wie ich die hier reinstelle, aber DU als Moderatorin solltest unbedingt die richtigen Aussagen weitergeben.

Ich bin immer noch stinkig und kann diese Erfahrung kaum verarbeiten...
Hauptsache uns geht es wieder besser.

Liebe Grüße
Sonnenblume

von Sonnenblume80 - am 10.08.2009 17:26
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