Neu hier und so viele Gedanken....

Startbeitrag von Froschmama am 12.06.2009 23:09

Hallo,

ich habe heute erfahren, daß mein Sohn (er wird nächsten Monat 9) ADHS hat. Den Verdacht habe ich schon ca. 1-2 Jahre. Irgendwann dachte ich "Das kann doch alles nichts mit normalem Trotz oder Hilferuf etc. zu tun haben?!"

Entschuldigt, wenn ich jetzt weiter aushole und vieles schreibe, was mir grade so im Kopf rumspukt, aber ich weiß einfach momentan nicht, wohin mit meinen Gedanken.

Ich bin seit kurz nach seinem 4. Lebensjahr Alleinerziehend. Eigentlich war ich das schon immer. Mein Ex-Mann hatte seine Freude daran, mit dem Kind "angeben" zu können, aber sobald es um Verantwortung oder sich-drum-kümmern ging oder er gemerkt hat, daß sein Kind auch Ansprüche hat, schob er ihn an mich ab.

2004 trennte ich mich von ihm und bin wieder in meine Heimatstadt zurück gezogen. Mein Sohn war anfangs jedes Wochenende bei seinem Vater. Seit dieser eine Freundin hat und ich es irgendwann leid hatte, mir seine Jammerei anzuhören, daß er ja gar keine Zeit habe, habe ich ihn zum 14-Tage-Papa gemacht, was auch mir zugute kam, weil ich dann mehr Zeit mit meinem Kind habe. So dachte ich....

Ich arbeite fast Vollzeit (35 Std. bei 5-Tage-Woche) und muß ALLES alleine managen. Der Vater des Kindes ist nach wie vor nicht bereit, WIRKLICH Vater zu sein. Sprich: Wenn er ihn am WE hat, wird dieses und jenes veranstaltet (Feiern mit Verwandten, Kinobesuche, Radfahren usw.) aber Hausaufgaben? Nein, dafür hat er doch keine Zeit. Das wird an Oma + Opa (Eltern meines Ex) abgeschoben. Oma, die nur noch 10 % Sehfähigkeit hat und Opa, der schwerhörig ist und zu eitel, ein Hörgerät zu tragen. :-(

Mit der Zeit bekam ich immer mehr Vorwürfe, was ich alles mit dem Kind falsch mache. Er würde bei mir nur nebenher laufen, ich mache nix mit ihm etc. Ich habe versucht, ihm und all den anderen, die so toll reden können, zu erklären, wie unser Leben ausschaut. Daß ich meinem Sohn alles 10 x sagen kann und es trotzdem noch so ist, als wäre es zum einen Ohr rein gegangen und zum anderen grade wieder raus. Daß er ständig etwas vergißt...., Dinge rumliegen läßt oder verliert..., in der Schule gerade noch so mitkommt (er geht jetzt in die 2. Klasse) aber sehr viele Aufgaben zuhause nach dem Hort - und d. h. nach 17.30 Uhr - nachholen muß, weil er sich nicht konzentrieren kann...., daß er sehr impulsiv ist und mit nichts warten kann.... - all die typischen Anzeichen für ADS/ADHS wurden mir zum Vorwurf gemacht. Das Kind ist so, weil ich mein eigenes Leben nicht im Griff habe. Weil ich ihn "vernachlässige", weil ich so viel arbeite und auch sonst wenig mit dem Kind mache.

Daß ich wenig mit dem Kind mache stimmt. Ich würde es so gerne, aber ich kann es nicht! Ich bin mit den Nerven einfach am Ende und mich dann am WE noch in ein völlig überfülltes Schwimmbad zu begeben mit einem Kind, das "nicht hört" UND nicht schwimmen kann .... - mich dem Streß auszusetzen, das pack ich einfach nicht!

Bis vor ca. 1 Jahr dachte ich, daß mein Sohn so ist, um mich zu ärgern oder weil es eine Art Hilfeschrei ist, um mehr Aufmerksamkeit von mir zu bekommen. Und ich bin an dem Punkt angelangt, daß ich von mir selbst sage, daß ich keine gute Mutter bin. Ich habe Depressionen, die schon soweit gingen, daß ich an Schlaftabletten dachte. Ich habe keine und würde sie auch nie nehmen - einzig und allein des Kindes wegen. Er ist das Beste, was ich habe und ich würde es ihm nie antun wollen, daß er ohne mich da stehen müßte. Aber die Tatsache, daß ich darüber nachdachte, hat mich wach gerüttelt. Ich bin zu Erziehungsberatungsstellen gegangen und letztendlich ist es so, daß ich selbst eine Therapie machen werde. Ich kann einfach nicht mehr.

Die täglichen, lautstarken Wortgefechte mit meinem Sohn, der Job und nebenbei alles andere wie Arzttermine mit dem Kind, Termine von mir, Sport für das Kind, einkaufen usw. usf. - das liegt alles allein in meiner Hand. Fragt mich nicht, wie ich es bis hierher oder besser gesagt bis heute geschafft habe. Ich bin eine Kämpfernatur, aber so langsam schwinden meine Kräfte.

Meine Mutter ist gestorben, als mein Sohn 5 Monate alt war. Zu einer Zeit, als ich sie mehr denn je gebraucht habe, denn meine Schwiegereltern sahen in meinem Kind ihr eigen Fleisch und Blut. Und mein Mann hielt zu ihnen. Mit dem Tod meiner Mutter ist mein Anker weg gefallen. Ich hatte niemanden mehr, der mich verstanden hat oder mich irgendwie gestützt hat. Mein Vater hatte mehrere Schlaganfälle und ist dadurch körperlich behindert, womit er sich auch nicht um das Kind kümmern konnte.

Meine Schwester lebt in ihrer (kinderlosen) Weichspül-Welt, in der kein Platz für meine Probleme ist. Wohl aber für Vorwürfe mir gegenüber und äußerungen wie daß sie nicht nachholen will, was ich mit dem Kind versäume.

Ein immer wieder aufkommender Vorwurf von allen möglichen Seiten (und natürlich auch Stirn runzelndes Fragen der Ärzte), warum das Kind bisher keinen Sport gemacht hat, muß ich immer wieder mit derselben Antwort quittieren: Ich gehe fast Vollzeit arbeiten, um 17.00 h gibt es kaum noch Sportangebote für Kinder seines Alters und abgesehen davon habe ich niemanden, der sich außer mir darum kümmert, daß er in Sport gehen kann. Ich habe ihn jetzt in einer (von Therapeuten betreuten) Sportgruppe für übergewichtige Kinder angemeldet. Damit fahre ich 1 x in der Woche 1,5 Stunden Miese auf meinem Zeitkonto ein, wo ich keinen Plan habe, wann ich die wieder rein holen kann/soll. Um 07.00 Uhr anfangen und um 07.30 h zuhause anrufen, daß das Kind zum Schulbus laufen soll? Das läuft vielleicht mit anderen Kindern, aber nicht mit meinem. Ich erspar mir den Streß und Ärger, wenn ich dann feststellen muß, daß er die Zeit mit Spielen oder "Trödeln" verbracht hat, statt sich fertig zu machen.

*seufz*

So, und dann also mein Verdacht, daß das Kind ADS oder ADHS haben könnte. Er kann praktisch nicht still halten, immer ist er in Bewegung. Er kann sich nicht konzentrieren, Hausaufgaben sind für beide Seiten eine einzige Tortour. Regeln? Ich habe alles Mögliche ausprobiert - und irgendwann resigniert. Auch ein Fehler, aber irgendwann kann man auch nicht mehr.

Bei den Tests ist raus gekommen, daß mein Sohn ein überdurchschnittliches Sprachverständnis hat. Das erklärt auch seine super Leseleistungen. Er ist mit der Beste in der Klasse, selbst ihm völlig fremde Texte liest er von Anfang an flüssig und so gut wie fehlerlos. Auch in der Rechtschreibung kommt er gut mit, einzig und allein die vielen "Flüchtigkeitsfehler" hauen ihm die ein oder anderen Fehler rein. Seine Handschrift läßt sehr zu wünschen übrig, so sehr er sich auch bemüht. Mathematik ist ganz schlimm (für meine Begriffe). Ich bin selbst keine Leuchte in Mathe, aber wenn ich ihn z. B. frage, was 10 - 3 ist, dauert es manchmal eeewig, bis eine Antwort kommt und ich bin derweil am Verzweiflen. Jetzt weiß ich, warum.... und ich überlege, ihn ggf. auf eine Dyskalkulie testen zu lassen.

Die Ärztin sagte, er müsse mit Medis behandelt werden. Ich habe von Ritalin & Co. gehört und bin hin und her gerissen. Ich möchte eigentlich erstmal versuchen, ob wir das mit Homöopathie in den Griff bekommen. Habe hier und in anderen Foren auch schon diverse Meinungen dazu gelesen. Ich bin total unschlüssig, was ich diesbezüglich machen soll. Eine Verhaltenstherapie ist erst dann sinnvoll, wenn es mit der Konzentration klappt.

Wieviel Zeit soll ich denn ungefähr veranschlagen, um zu testen, ob es mit Homöopathie klappt? Ist ein Zeitraum bis zum Ende der Sommerferien (wäre hier 21.08.) zu kurz, um einen ersten Eindruck zu kriegen, ob ihm mit homöopathischen Mitteln geholfen werden kann?

Ich habe eine Mutter-Kind-Kur beantragt, allerdings eine Kur für uns beide. Ich kann wie gesagt auch nicht mehr und brauche Hilfe. Die Unterlagen werde ich am Montag abschicken, ich habe das Ergebnis heute noch abgewartet weil ich es ggf. in den Antrag mit einbeziehen wollte.

Hinzu kommt, daß mein Sohn Übergewicht hat UND sehr groß ist. Mit seinen noch 8 Jahren ist er bereits 1,55 m groß und hat Schuhgröße 40/41.

Im Dezember letztes Jahr wurde eine Skelettalterbestimmung gemacht. Er hatte zu dem Zeitpunkt eine Größe von 1,49 m und das Skelettalter ist auf ca. 11,3 Jahre ermittelt worden. Er hatte zu dem Zeitpunkt bereits 74 % seines Größenwachstums erreicht, das mit einer Endgröße von 2,00 m bis 2,02 m berechnet wurde. Aufgrund der Größe seines Vaters und meiner Größe wurde die Mindestgröße mit 182,5 cm berechnet. Große Männer, das ist ja schon gut und die sind ja auch bei den Damen hoch im Kurs. *grins*
Aber 2,00 m??? *seufz*

Er ist in Endokrinologischer Behandlung (mein erster Verdacht war, daß er vielleicht eine Störung im Bereich der Schilddrüse haben könnte, weil er so Probleme mit der Konzentration hat) und dort wurde der Verdacht auf Cushing-Syndrom geäußert. Erklärung findet ihr hier: [de.wikipedia.org]

Am Mittwoch wurden Bluttests gemacht, die Ergebnisse erfahre ich in ca. 14 Tagen.

Durch das Übergewicht wird er ausgegrenzt, durch seine Andersartigkeit durch ADHS sowieso und dann wird auch von der Umwelt viel zu viel von ihm erwartet, weil er eben schon locker als 12-Jähriger durch geht. Das Übergewicht hat er, weil er irgendwie permanent am Futtern ist. Nicht mal Süßes. Aber hier mal ne Scheibe Wurst, dort mal Käse.... bei den Mahlzeiten wird um jede Nudel gestritten, die ich mehr auf dem Teller habe. Das geht soweit, daß wir kaum noch zusammen essen. Was für mich auch sehr schlimm ist, denn praktisch grenze ich ihn damit ja auch aus. Aber das Thema Essen ist bei uns schon lange kein Thema mehr, das mit Genuß zu tun hat. Ständig muß ich ihn ermahnen usw.

Ihr seht, alles in allem haben wir eine für ihn und mich sehr nervenaufreibende Zeit und Familiensituation.

Bin für jeden Tip dankbar, was ich noch machen kann. Außer in erster Linie der Kur für uns beide. Ich möchte so gerne wieder zu meinem Kind finden....

War jetzt alles vielleicht etas konfus und vor allem sehr viel. Aber die Gedanken gehen drunter und drüber und ich sitze Nächte lang vor dem PC und lese und lese, um mir erstmal Infos und Tips zu holen.

Danke fürs Lesen und wäre lieb, wenn ihr mir irgendwie Input geben könntet.

LG,
Sabine

Antworten:

Hallo Sabine,

erst mal Willkommen hier im Forum. Hier stehst Du wirklich nicht alleine mit Deinen Sorgen und Problemen da. Deine Geschichte hat sich hier schon ganz oft wiederholt.

Gut ist auf jeden Fall, daß Ihr eine Diagnose habt. Darauf kann man nun aufbauen. Homöopathie laß lieber gleich sein. Haben manche hier ausprobiert, ohne Erfolg. Kostet nur unnötig.

Die Entscheidung, ob er Medis kriegen soll, liegt letztlich bei Dir. Natürlich gibt es auch Nebenwirkungen. Eine, die Deinem Sohn momentan aber eher nützen könnte, ist, daß der Appetit gehemmt wird. Allerdings holen die meisten Kinder das dann oft abends nach. Aber es schadet dem Körper auch nichts, wenn er mal 5-6 Stunden nichts zu essen kriegt.

Falls Du Dich dazu entschließen solltest, kann es etwas dauern, bis das richtige Medikament und die richtige Dosierung gefunden ist. Aber oftmals merkt man sehr schnell eine positive Wirkung und die Kinder haben dann auch oftmals ihre ersten Erfolgserlebnisse. Eben weil sie sich plötzlich viel besser konzentrieren können. Oft verbessert sich auch das Schriftbild.

Aber das wird die Ärztin Dir ohnehin alles erklären.

Was seine Körpermaße betrifft, ist er tatsächlich schon recht weit. Aber mein jüngerer Sohn ist 7 Jahre, auch schon knapp 1,40 m groß und hat Schuhgröße 36. Allerdings ist er ein totaler Spaddel, obwohl er ordentlich futtert. Auch mein älterer Sohn, 11 J., ist schon ca. 1,55 m groß. Ich selber war mit 13 Jahren schon 1,85 m. Auch alles andere als klein.

Bei mir wurde es hormonell gestoppt. Innerhalb eines Jahres bin ich noch einen Zentimeter gewachsen. Sonst wäre ich noch deutlicher größer geworden, und das als Frau!! Für einen Mann sind 2 m heutzutage nichts ungewöhnliches mehr. Meine drei Brüder sind auch so groß.

Bei meinen Jungs möchte ich auch eine Bestimmung machen lassen. Nur wenn sie deutlich über 2 m werden sollten, würde ich es stoppen lassen.

Aber ich selber kenne das aus eigener Erfahrung. Ich selbst und jetzt meine Kinder wurden immer für deutlich älter geschätzt. Dadurch wurde auch immer entsprechend mehr erwartet. Wenn ich den Leuten dann erklärt habe, er ist aber erst so und so alt, kam meist ein Ach so oder Aha. Da mußt Du leider für Sorge tragen, daß Dein Sohn nicht überfordert wird.

Ein Antrag auf eine Mutter- Kind- Kur ist immer gut. Hier im Forum gibt es auch einige Mütter, die da näheres zu sagen könnten. Ich selber habe es nie versucht. Ist aber zur Zeit aus anderen Gründen ein wenig schwierig bei uns.

Auf jeden Fall wünsche ich Dir ganz viel Kraft zum Kämpfen und Durchhalten. Oftmals hilft es schon ein wenig, sich hier ein bißchen auszusprechen und Trost zu holen.

Liebe Grüße,


von Rosenfan - am 12.06.2009 23:59
Hallo Sabine,

willkommen im Forum :-)

Du schreibst sehr deutlich, dass du mit dem Pensum nicht mehr durchkommst. Das kann ich verstehen :-)

Da du aus deiner Verwandtschaft keine Hilfe bekommst, versuche ich mal ein paar Ideen aufzuschreiben aus denen du deine Ideen entwicklen kannst.

Aber: Du brauchst dringend Entlastung!

Bei uns in Frankfurt gibt es Kinderhorts, die von 7:00 bis 17:00 Uhr geöffnet sind. Dort werden die Kinder betreut, erhalten Mittagessen und machen Hausaufgaben. Falls es das bei euch nicht gibt, ist die Frage, ob das privat zu organisieren ist, dass er nach der Schule für 2 bis 3 Stunden zu einer Tagesmutter geht. Ich selbst habe für eine berufstätige Mutter mittags das Kind betreut und habe ihr gleichzeitig die Wohnung sauber gemacht. Wenn sie nach Hause kam, hatte das Kind zu mittag gegessen, die HA waren erledigt und die Wohnung war sauber. Da stand für diese Mutter wirklich Freizeit an.

Falls ein Kinderhort nicht zu finanzieren sein könnte, aber vorhanden ist, greift das Jugendamt unter die Arme. Weitere Möglichkeiten mit Hilfe des JAs ist eine Tagesmutter. Dort kannst du dein Kind vor der Arbeit hinbringen und abends wieder abholen. So ist dein Kind gut betreut. Da Tagesmütter meist selbst Kinder haben, geht vieles in einem Aufwasch. Ich habe meine Tageskinder mit zur Turn- oder Musikstunde genommen, die meine Kinder ohnehin besucht haben, sodass diese Kinder auch an all dem teilnehmen konnten, ohne zusätzliche zeitliche Belastung für die Mütter.
Das Jugendamt ist übrigens verpflichtet für ein so junges Kind eine Tagesbetreuung zur Verfügung zu stellen.

Ich finde es auch wichtig, dass dein Kind betreut ist, denn ich denke, dass er nicht hört hat was damit zu tun, dass er sehr lange Zeit alleine ist. Er kann in dieser Zeit tun und lassen was er will und ist in dieser Zeit auch für sich selbst verantwortlich. Das heißt er übernimmt die Verantwortung für sich selbst, die sonst ein Jugendlicher hat. Da versteht er natürlich nicht, dass er auf der einen Seite diese Verantwortung hat und auf der anderen Seite hören soll wie ein kleines Kind. Ich denke, es ist wichtig, dass er in eine Betreuung kommt und wieder lernt nur Kind zu sein, dann wird er auch wieder besser hören.

Kannst du dir eine Putzfrau leisten, die z.B. einmal in der Woche für 2 Stunden zu dir kommt und den großen Putz macht? Das würde dir auch wieder Freiräume verschaffen.

Kannst du die Zeit. in der dein Kleiner beim Vater ist, nutzen? Mach in der Zeit was nettes für dich, irgendwas womit du Kraft tanken kannst. Du hast einen verdammt harten Alltag, denke daran, deine Speicher auch mal wieder aufzufüllen :-)



von Dagmar D. - am 13.06.2009 07:40
Liebe Dagmar,

danke für Deine Tips.

Da habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt. Mein Sohn ist tagsüber nicht alleine, er geht nach der Schule bis 17.00 Uhr in den Hort und ist dann gegen 17.30 Uhr zuhause, wenn ich ihn nicht abhole. Das kennt er auch schon aus dem Kindergarten so und es war da wie jetzt im Hort auch nicht so, daß er bis 17.00 Uhr alleine dort betreut werden mußte, weil alle anderen Kinder schon zuhause waren. Ja, das habe ich tatsächlich auch vorgeworfen bekommen - daß mein Kind bis 17.00 Uhr in der Betreuung sein muß, weil ich so lange arbeite.

Daß er alleine nach Hause laufen darf, hat ihn super-stolz gemacht. Aber auch dafür habe ich gegenüber seinem Vater lange kämpfen müssen! Er hat mich massiv angegriffen, weil ich das Kind alleine durch einen (zu der Uhrzeit belebten!) Park laufen lasse. Selbstverständlich werde ich das Kind in den Wintermonaten nicht alleine gehen lassen, aber da konnte ich mir den Mund fusselig reden. Ich habe es durchgezogen und auch wenn es jetzt komisch klingt, das sind Dinge, die mich stark machen. Weil ich das Gefühl habe, ich laufe nur noch gegen Mauern und alles, was ich auch versuche, wird nur mit Negativkommentaren bedacht. Ich weiß, welche Gefahren für Kinder - selbst für Jungen - bestehen, aber wenn es danach ginge, dürfte ich ihn auch nicht alleine eine Straßenecke weiter an den Schulbus gehen lassen, und müßte ihn an der Auslaufleine an mich ketten.

Ich arbeite bis 17.00 Uhr/17.30 Uhr. Dann sind meist noch Hausaufgaben zu machen, die er im Hort in der vorgegebenen Zeit nicht geschafft hat (Aufmerksamkeit!) oder Arzttermine oder oder oder. Wie belastend für das Familienleben gerade das Thema HA um eine solche Uhrzeit, nach einem Tag voller Spiel, Toben usw. ist, und das mit einem Kind, das eh schon Konzentrationsschwierigkeiten hat, brauch ich glaub ich gar nicht beschreiben. Ich bin für jeden Tag dankbar (und freue mich dann auch sehr für und mit meinen Sohn), an dem mein Sohn mir freudestrahlend sagt, er hat die HA im Hort geschafft.

Eine Putzfrau kann ich mir nicht leisten. Ich bin froh, wenn das Geld den Monat über langt.

Bei jedem Klamottenwechsel rutscht mein Konto ins Soll und ich brauche ewig, um das wieder auszugleichen. Verglichen mit anderen Alleinerziehenden kann ich über mein Gehalt froh sein, ja. Dafür arbeite ich aber auch nicht in Teilzeit.

Kinderschuhe, danach brauche ich gar nicht mehr zu schauen. Bei seiner Größe sind schon Herrenschuhe und teilweise Herrenklamotten angesagt. Turnschuhe für die Schule, Turnschuhe für den Sport, Halbschuhe, Hausschuhe und und und. Second-Hand-Kleidung ist bei dieser Größe kaum noch zu finden und Hosen müssen anprobiert werden, ich kann mir ebay also sparen und leider habe ich im Freundes-/Bekanntenkreis niemanden, der einen größeren Sohn hat und Klamotten zu verkaufen hätte. :-(

Mir wird bei jedem solcher Einkäufe nur noch schwindelig... Unterstützung vom Vater des Kindes? Er ist der Meinung, daß er mit Zahlung des Unterhaltes außen vor ist. Er hat wohl Angst, daß ich das Geld für mich auf den Kopf hauen würde.

Ich habe gehört, daß es vom Jugendamt eine Art stundenweise Hilfe gibt, die z. B. solche Dinge erledigen könnte, wie das Kind in den Sport bringen etc. Weiß aber nicht, ob das am Ende nicht doch nur Gerüchte sind.

Ich habe im Juli einen Termin beim Amt für Erziehungshilfe. Die waren einige Zeit in der Klasse dabei und haben u. a. meinen Sohn beobachtet. Jetzt steht also die Besprechung an. Wobei ich nicht glaube, daß ich mit diesen Leuten groß "ins Geschäft" komme. Ich hab mich ziemlich über den Herrn vom Amt geärgert. Sie haben mir einen Termin freitags um 14.00 Uhr vorgeschlagen. Einen Termin mit meinem Ex-Mann zusammen. Ich habe angerufen und gesagt, daß ich Termine um diese Uhrzeit nicht wahrnehmen kann. Und abgesehen davon halte ich es für keine gute Idee, meinen Ex-Mann mitzunehmen, der mit dem Kind nicht zusammenlebt und von den Problemen keine Ahnung hat, weil er mit ihm am WE nur das Alles-ist-toll-Leben lebt. Der gibt nur "Anweisungen", was ich wie machen soll und ist selbst zu keiner Hilfe bereit. Die Probleme im Alltag habe ICH mit dem Kind, nicht er. Man hat mir dann einen weiteren Termin vorgeschlagen, den ich auch gerne wahrgenommen hätte. Leider hat mich mein Arbeitgeber aber genau zu dieser Zeit in eine 3-tägige Schulung eingeteilt, die ich beim besten Willen nicht absagen kann. Wir bekommen eine neue Software und ohne diese Schulungen kann ich nicht arbeiten. Also habe ich wieder angerufen und um einen neuen Termin gebeten. Da wurde ich dann schon angemacht, daß das nun der 3. Termin sei und mehr würden sie nicht vorschlagen. Wenn offensichtlich das Interesse fehle..... Ich habe den Herrn zurecht gestutzt und ihm klar gemacht, welche Gründe für die Terminverschiebungen meinerseits vorliegen, aber ich habe nicht den Eindruck, daß der Mann von seinem Schubladendenken abweicht. Und deshalb glaube ich auch nicht, daß das mit einem solch unflexiblen Herrn viel Sinn hat. Es sei denn, man würde mir eine/n andere/n Mitarbeiter/in zuordnen, der/die in der Lage ist, über den eigenen Tellerrand schauen zu können.

Ich weiß, daß viele Probleme zwischen meinem Sohn und mir auch mit der Trennung zusammenhängen können und nicht unbedingt mit ADS/ADHS. Aber es kommt eben alles zusammen und das macht mich so fertig.

LG,
Sabine

von Froschmama - am 13.06.2009 09:11
Liebe Conny,

danke für Deine Worte....

Ich sträube mich nicht grundsätzlich gegen die Medis, mit Homöopathie habe ich z. B. ansonsten sehr wenig Erfahrung. Was mir an der ganzen Sache zu schaffen macht, ist wohl eher meine eigene Angst, wie ich das alles hinkriegen soll. Was, wenn sich das Ganze so auswirkt, daß sich das Kind total zurück zieht usw. Ich tendiere dazu, ihm die Medis zu geben. Aber bin halt noch total hin und her gerissen. Ich bin mir unsicher, ob ein Teil der Probleme darin begründet sind, daß das Kind unter der Trennung leidet und und und. Aber ich habe die Hoffnung, daß sich vieles bessern würde, wenn ich auch in eine Therapie gehe. Daß er aus seinem Eßverhalten ohne Hilfe von außen nicht mehr raus kommt, habe ich begriffen und dahingehend schon einiges angeleiert. Auch kleine Schritte führen zum Ziel....

Der "Vorteil", daß er weniger Appetit hätte, kam mir auch als erstes in den Sinn. :-)

LG,
Sabine






von Froschmama - am 13.06.2009 09:28
Hallo Sabine,

nur kurz kurz zwischendrin:

"Unterstützung vom Vater des Kindes? Er ist der Meinung, daß er mit Zahlung des Unterhaltes außen vor ist. Er hat wohl Angst, daß ich das Geld für mich auf den Kopf hauen würde."

Der Vater des Kindes ist verpflichtet Unterhalt für sein Kind zu zahlen, sobald er mehr Einkommen, als seinen Freibetrag hat. Dieses Thema kannst du beim Gespräch mit dem JA anbringen, das Jugendamt ist verpflichtet diesen Unterhaltsanspruch durchzusetzen. Rechtlich ist es so, dass dein Sohn ein Recht auf diesen Unterhalt hat und du nicht im Namen deines Sohnes darauf verzichten kannst.

Wahrscheinlich habt ihr das gemeinsame Sorgerecht. Deshalb ist der Vater bei dem Gespräch dabei. Sieh es mal positiv, ihr könnt auch verabreden, dass der Vater am WE einen Teil der Pflichten, z.B. HA machen übernimmt und nicht nur ein Spaß-Programm durchzieht.

Viel Kraft :-)

von Dagmar D. - am 13.06.2009 09:53
Hallo Dagmar,

er zahlt Unterhalt. Aber mehr auch nicht. Frage ich ihn, ob er mal z. B. was dazu gibt, wenn ein großer Klamottenwechsel ansteht, heißt es: Er zahlt Unterhalt und das muß reichen. Das Geld sei ja nicht für mich gedacht. Es ist sinnlos, mit diesem Mann auch nur ansatzweise sprechen zu wollen.

Es geht hier um das ZfE, Zentrum für Erziehungshilfe Frankfurt, Kommunale Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Das hat meiner Meinung nach mit Jugendamt nix zu tun. Es sei denn, ich irre mit diesem Glauben.

LG,
Sabine

PS: Nebenbei eine andere Frage.... Ich habe grade gelesen, daß Adipositas und ADHS im Zusammenhang stehen könnten. Bei unserer Situation (Trennung) bin ich wie gesagt noch unschlüssig, ob das Eßverhalten meines Sohnes ein Ausdruck von kompensiertem Frust ist. Aber der Ansatz, ob es was mit ADHS zu tun haben könnte, hat mich jetzt hellhörig gemacht und ich habe auch eine Klinik im Netz gefunden, wo wir vielleicht ganz gut aufgehoben wären.

[www.seepark-klinik.de]

Ich muß den Kurantrag über die Rentenversicherung stellen, da wir beide in Kur gehen wollen. Kannst Du mir sagen, ob man von denen eine Klinik vorgeschrieben bekommt oder ob man sich selbst was suchen kann?

von Froschmama - am 13.06.2009 10:40
Hallo Sabine,

das ZfE ist halb JA und halb Schule. Wenn du also Hilfe vom JA brauchst, dann kannst du dort Unterstützung finden.

Eine Kurklinik kannst du schon ansprechen. Aber der Träger muss dieses Haus unter Vertrag haben, sonst wird es schwierig.

von Dagmar D. - am 15.06.2009 04:11
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