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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Nadra, Rosenfan, geli67, Dagmar D., Agnes69

Mal wieder am Ende?

Startbeitrag von Nadra am 19.06.2009 07:30

Hallo!

Lese hier ab und zu mal mit und bin dann teilweise sehr entsetzt, welche Karrieren Kinder mit ADHS durchleben.

Zu uns: Unser Sohn war schon im Kindergarten "auffällig". Wobei er einerseits impulsiver Täter andererseits oft Opfer war und von Kindern und Eltern gemobbt wurde wurde von Erziehern so ins Gespräch gebracht).
Wir wechselten den Kindergarten, da wurde es etwas ruhiger, aber nicht gut. Die Schuld suchten wir, obwohl uns von anderer Seite Mobbing bestätigt wurde, lange Zeit nur bei ihm und uns. Auch zu Hause war er sehr schwierig, d.h. er ging einem unentwegt auf die Nerven, missachtete Regeln. Ihr kennt das!
Obwohl er sehr intelligent ist, hatte ich Angst vor der Einschulung. Tatsächlich gab es Oktavhefteinträge ohne Ende. Allerdings betrifft das auch noch einige andere Jungen in der Klasse.
Er gehört zu den leistungsstärksten Kindern in seiner Klasse.

Ende der ersten Klasse waren wir endlich so am Ende, dass wir einen Kinderpsychiater konsultierten, dem ich auf den Kopf zu die Symptome schilderte und ADHS als Diagnose in den Raum stellte. Diese wurde bestätigt. Er bekam und bekommt Equasim und wir konnten eine sofortige Besserung der häuslichen Situation erleben.
Nur die Schule!!!! Von Anfang an bis heute wird er teilweise für Dinge beschuldigt, die entweder gar nicht oder in anderer Form stattgefunden haben. Daraus entwickeln sich, wenn wir die Kraft haben einzuschreiten, Einzelverhöre, die dann zum Schluss führen, dass alles Erfindung war. Unser Sohn verschafft sich zusätzlich Schwierigkeiten, weil er erstmal alles zugibt. Allerdings wird ihm auch kaum Gelegenheit gegeben, sein Erleben zu schildern.
Er ist mit der Schulhofsituation sehr überfordert und wenn er da durch die anderen Kinder rennt, bekommen Kinder in letzter Zeit häufiger mal Ellenbogen ab. Was natürlich nicht geht, aber dieser Generalverdacht ist auch unerträglich.
Zwischendurch hatten wir eine ruhige Zeit (2 Monate), aber Anfang März ist er von einem Mädchen seiner Klasse um 20 Euro erpresst worden. Seitdem ist er wieder von der Rolle.
Kürzlich gab es wieder eine Mobbingbeschuldigung, die wir in einem Gespräch mit Schuleitung und Klassenleitung zu seinen Gunsten bereinigen konnten.
Kurz darauf hatte er zu Beginn der letzten Unterrichtsstunde eine "Prügelei" mit einem Klassenkameraden. Es wurden die Kinder getrennt (nicht gesprochen), runtergebracht zum Klassenlehrer in den Werkraum. Dort wurden sie in unterschiedliche Ecken gestellt mit dem Gesicht zur Wand (eine andere 3. Klasse war anwesend) mit dem Hinweis dort bewegungslos zu verharren. Diese Strafe galt für den Rest der Stunde. Unser Sohn berichtet, er sei von einem Kind, das nahe seiner Ecke saß geärgert worden. Dies habe geflüstert, es mache richtig Spaß ihn zu ärgern, da er sich alles gefallen lasse.
Wir haben unser Kind nun zu Hause behalten für den Rest der Woche und einen Brief an Klassenleitung und Schulleitung geschrieben, dass die Strafe erniedrigend war und wir um Unterlassung solcher Bestrafung ersuchen.
Die Eltern des anderen betroffenen Kindes haben uns mitgeteilt, dass sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen.

Ich weiß nicht mehr, wer und wie mein Sohn ist und er selber weiß es auch nicht mehr. Wir haben schon vor einem Jahr an Schulwechsel gedacht, gestaltet sich in einer Kleinstadt aber schwierig. Müsste ja eine Superschule sein, die uns weiter helfen könnte. Die gibt es nicht. So viele Wunden und Narben!!
Andererseits wird ihm große Hilfsbereitschaft attestiert. Die nützt ihm nicht nur den anderen!

Wir sind inzwischen zusätzlich dahinter gekommen, dass die Abstände zwischen den Medikamenteneinnahmen eventuell zu groß waren und dass 10 mg Equasim morgens für die Schulsituation zu wenig waren. Der Arzt meinte, es ist möglich, dass unter großem Stress das Medikament schneller verbraucht wird!?

Gruß Nadra


Antworten:

Hallo Nadra!

Erstmal herzlich willkommen im Forum!
Finde ich übrigens toll, dass Du Dich gleich eingebracht und Geli einen Hunde-Tipp gegeben hast!

Mir tut es sehr Leid für Euch, dass sich Eure Situation so schwierig gestaltet!
Ich hoffe, es melden sich noch andere Foris, die mit Mobbing und Ähnlichem eigene Erfahrungen gemacht haben und Dir da Tipps geben können.
Kann aber sein, dass Du ein bisserl Geduld brauchst - am Wochenende kann es hier vorübergehend recht ruhig werden.

Mir fällt dazu momentan nur eine Frage ein:
Könntet Ihr Euch vielleicht einen Schulwechsel vorstellen, da Dein Sohn ja in der jetzigen Schule in der Sündenbock-Rolle gefangen zu sein scheint?

Ansonsten möchte ich nur mal auf Deine letzte Frage eingehen:
Auch wir (mein Sohn ist inzwischen 12 und bekommt seit 2 1/2 Jahren Medikamente) haben beobachtet, dass die Wirkungsdauer von den Anforderungen des jeweiligen Tages abhängig ist.
Damit meine ich jetzt weniger die kognitiven Anforderungen durch den Schulstoff, sondern mehr die emotionalen und sozialen Anforderungen - sich zu beherrschen, wenn er provoziert wird, und Ähnliches.

Deshalb kann es durchaus sein, dass auch Dein Sohn am Vormittag, wenn er sich dem Hexenkessel in der Schule stellen muss, eine höhere Dosierung - bzw. häufigere Einnahme - braucht, als am Nachmittag, den er im geschützten Umfeld der Familie verbringt.

Bei meinem Sohn hat sich allerdings das Nachdosieren des Ritalin in der Schule schwierig gestaltet - der kleine Chaot hat es vergessen oder die Zeit dafür nicht gefunden -, sodass wir auf das Retard-Medikament Concerta umgestiegen sind, das den Wirkstoff kontinuierlich über bis zu acht Stunden abgibt.
Vielleicht wird so etwas auch bei Deinem Sohn nötig sein.

Vielleicht weißt Du:
Alter, Größe und Körpergewicht des Kindes sind bei der Dosierung nur ein ungefährer Anhaltspunkt.
Inzwischen weiß man, dass es auch entscheidend ist, wie schnell der Wirkstoff vom individuellen Stoffwechselsystem wieder abgebaut wird.

Ich hoffe, es geht Euch bald besser!

Liebe Grüße!

Agnes

von Agnes69 - am 19.06.2009 19:48
Hallo!

Im Nachinein, fällt mir ein, dass unser Sohn eine Weile (ruhigere Zeit) die Tablette von sich aus schon nach der 3. Stunde genommen hat. Er hatte selber das Gefühl, es wäre Zeit. In den letzten Wochen hatte er sie aber manchmal noch in der Hosentsche, also vergessen oder berichtete, sie erst in oder am Ende der 2. großen Pause genommen zu haben.
Habe auch schon Tabletten unter dem Sofa gefunden.

Außerdem fällt die Verschlechterung im Verhalten mit dem Erpressungsvorfall zusammen. Dazu hat der Klassenlehrer offensichtlich sadistische Züge. Klingt vielleicht übertrieben, ist aber so.

Wir haben wegen des langen Unterrichts ein retardiertes Präparat versucht. Es war eine Katastrophe. Offensichtlich sezte die Wirkung normal ein, 1 Stunde alles positiv und dann der totale Absacker, nur noch übellaunig und depressiv. Er selbst fühlte sich "wie betäubt". Das ging so ca. 3 Stunden.
Wir sind mit dem behandelnden Arzt überein gekommen, dass das Medikament zu ungleichmäßig abgebaut wurde und auf das normale Equasim zurückgekommen.
Die Wirkung setzt nach 15-20 Min. ein und hält 3 1/2 Stunden an.
Er wiegt jetzt 36 Kilo und hatte eine Tagesdosis von 30mg. Wir haben die erste Dosis jetzt von 10mg auf 15mg erhöht, damit kommt er auf 35mg insgesamt.

Aber: Er schluckt (meistens) Tabletten und seine Umwelt spielt verrückt. Kurz vor dieser absurden "Eckensteherei", hatte er in einem gemeinsamen Gespräch mit der Schulleitung gesagt, dass er Angst vor seinem Lehrer hat, weil dieser ihm sowieso niemals glaube. Deshalb gebe er alles zu.
Die erniedrigende Strafe wird aktuell als "streitbar", aber nicht unmöglich eingeschätzt.

Schulwechsel: Keine sinnvolle Alternative vorhanden, aber zur Zeit nicht ausgeschlossen. Er selber ist eine Kämpfernatur und möchte nicht wechseln. Wäre auch fatal, wenn er als "sozial inkompatibel" einfach gehen würde.

Manchmal sehe ich ihn an (er ist ein ausgesprochen hübsches Kind) und suche nach dem "Brandzeichen", das ihn als "Idioten" markiert. Ich verstehe es nicht!

Gruß Nadra

von Nadra - am 20.06.2009 06:49
Hallo Nadra,

mir ist aufgefallen, beim Lesen deiner Beiträge, dass die zwei Monate, die ruhiger verlaufen sind, mit einer anderen Mediamenteneinnahme übereinsstimmen.
"Im Nachinein, fällt mir ein, dass unser Sohn eine Weile (ruhigere Zeit) die Tablette von sich aus schon nach der 3. Stunde genommen hat. Er hatte selber das Gefühl, es wäre Zeit."

Da du schreibst, dass dein Sohn beides ist, Täter und Opfer (das ist übrigens sehr häufig so), solltet ihr doch noch mal ein neues Medikament ausprobieren. Es gibt eine Reihe von Retardprodukten, da solltet ihr nach dem ersten nicht die Flinte ins Korn werfen.

Wegen des Mobbings gibt es die Möglichkeit sich an den Schulpsychologen zu wenden, die kennen sich mit dem Thema aus und können konkret helfen, da sie auch die Möglichkeit haben in die Schule zu gehen und mit allen Beteiligten zu sprechen.

Von einem Schulwechsel rate ich ab. Die Persönlichkeit deines Sohnes ändert sich durch den Schlwechsel nicht.

Macht ein Sohn ein Verhaltenstraining? Das ist sehr zu empfehlen, da er dort lernt konstruktiv mit anderen umzugehen und sich von unangemessenem Verhalten anderer besser abzugrenzen.

von Dagmar D. - am 21.06.2009 08:01
Liebe Nadra,

das ist eine sehr schwierige schulische Situation, in der ihr euch befindet.

Einem kann ich mich Dagmar anschließen - ein Schulwechsel ist sicher nicht die ideale Lösung. Wir hatten ähnliche Probleme.

1. Auch unser Sohn wurde mit Geld erpresst. Ich hatte es am Elternabend vorgebracht, da viel auch anderen Eltern auf, dass ihre Kinder wohl deshalb Geld für die Schule brauchten. Ich hatte mich an die Direktorin gewandt, die hier sehr kompetent gehandelt hat.
Wir haben unseren Sohn sehr gelobt, dass er uns das gestanden hat und somit der Sache ein Ende bereitet werden konnte.

2. Er mag seine Klassenlehrerin auch nicht, sie hat eine eigene Art von Humor, vielleicht ähnlich vergleichbar mit eurem. Es klingt sadistisch, dabei meint sie es eigentlich nur gut. Die Kinder verstehen das aber nicht.
Wir hatten einen Schulwechsel geplant, ich hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, allerdings nicht mir der KL und der Direktorin gesprochen, da ich vorher checken wollte, ob ein Wechsel überhaupt möglich wäre. (ohne vorher die Pferde scheu zu machen) Diese waren ganz von der Rolle, als sie das erfuhren. Das ist mir inzwischen eine Lehre. Seit diesem Gespräch hat sich die Schule voll für uns eingesetzt, er hatte im neuen Schuljahr eine Stützlehrerin bekommen, mit der wir sehr gut kommunizieren.
Weiters haben wir eine Art Vertrauenslehrerin, die zwischen Eltern und Schule vermittelt - hilft uns auch sehr.
Allerdings spricht die KL nicht mehr mit mir, das macht inzwischen nur mehr mein Mann. Sie kommuniziert nur mehr über die Stützlehrerin und die Direktorin mit mir. Damit kann ich leben, es ist das letzte Schuljahr in dieser Schule.

Die Kipsy meinte, ein Schulwechsel würde Sohn auch nicht ändern und er wäre "Sieger", weil wir ihm Probleme aus der Welt schaffen.
Er ist auch Täter wie Opfer. Wir sind inzwischen schon soweit, dass wir immer fragen - was hast du angestellt? Ist auch verkehrt, da müssen wir uns bemühen.
Wir haben auch der KL gesagt, dass er sich von ihr gemobbt fühlt. Danach kam keine große Veränderung.

Dann hat Sohn entdeckt, dass ich die Handynr. von der KL gespeichert hatte und hat ihr per sms mitgeteilt, dass er sie hasst.
Die Direktorin hat es mir mitgeteilt, obwohl KL darauf bestand, uns nicht zu informieren.
Wir haben mit Sohn diskutiert, mit der Vertrauenslehrerin, aber Kl wollte nicht mit uns sprechen.
Jedenfalls hat sich die Situation seit diesem Ereignis deutlich verbessert. Vielleicht war es ihr gar nicht bewußt, wie sehr er unter ihrem Verhalten leidet. Er hatte auch nachts immer wieder eingenäßt. Seither ist das nicht mehr vorgekommen.

Das sind jetzt sicher keine hilfreichen Tipps für dich, aber vielleicht kannst du die Situation nun aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Unsere Kinder müssen auch lernen, mit unangenehmen Situationen fertig zu werden, durchzuhalten und auch kapieren, dass sie durch ihr häufiges Fehlverhalten oft unschuldig drankommen.
Bei kritischen Situationen hatte ich öfters mal in der Schule nachgefragt, wie das aus der Sicht der Lehrer war und Sohn hat sich inzwischen eine Methode zugelegt, wo er immer als das Opfer da steht. Er ist schon ganz unbewußt in diese Rolle geschlüpft.
Seitdem er mitbekommt, dass ich in sehr engem Kontakt mit der Schule stehe, ist das besser geworden.

Ich wünsche euch alles, alles Gute! Geli





von geli67 - am 21.06.2009 13:23
Erstmal danke für eure Antworten!
Schulwechsel wäre die letzte Option.

Es ist von der Schule schon länger zugegeben, dass unser Kind immer unter Generalverdacht steht und sich als Sündenbock "anbietet". Unser Fehler war, dass wir zu spät, auf ihn und eine andere Mutter gehört haben, sondern stattdessen nach dem Motto handelten: "Der Lehrer hat immer recht."
Natürlich baut er mal Mist, aber das machen auch andere Kinder, die ihrerseits nicht dafür gemobbt werden. Ursache ist ganz offensichtlich sein mangelndes Selbstwertgefühl. Daran haben wir Mitschuld, weil wir sehr aufgebracht auf Tadel durch den Lehrer reagiert haben, anstatt uns in Ruhe mit ihm auseinanderzusetzen. Auch Lehrer können die Unwahrheit sprechen oder sich vor der Wahrheit verschließen bzw. eigenes Fehlverhalten beschönigen. Das machen auch massenweise Menschen ohne ADHS regelmäßig.

Er steht auf der Warteliste für eine Verhaltenstherapie, ist aber auch an der unteren Altersgrenze für diese spezielle Methode. Er ist intelligent und durschaut jeden Therapieansatz sofort. Dann liefert er alle gewünschten Antworten und Verhaltensweisen, denn die Theorie beherrscht er super. Er hat sogar ein ungewöhnlich hohes Regelbewußtsein und Gerechtigkeitsempfinden.
Oder er sagt gar nichts, bevor er sich auf Glatteis begibt. Er lässt sich von einem Therapeuten also schwer "fassen".

Ehrlich gesagt frage ich mich aber, warum mein Sohn Medikamente nimmt und therapiert wird, wenn alle anderen mindestens genauso bekloppt sind, besonders sein Lehrer.
Wie kann es sein, dass man seine Unsicherheit und Angst angeblich besorgt zur Kenntnis nimmt und ihn dann eine Schulstunde lang an den Pranger stellt? Merkwürdige Art einem Kind zu helfen!?
Die Lage ist inzwischen so, dass er besonders behandlungsdürftig ist wegen der seelischen Verletzungen, die ihm von anderen zugefügt werden/wurden.

Tatsache ist, dass die ergangene Art der Bestrafung erniedrigend ist und damit gegen das Gesetz verstößt. Diese Strafe ist ergangen, mit dem Ziel, ihn zu demütigen und uns eins auszuwischen, weil wir den Lehrer kritisiert haben. Habe noch 2 ältere Kinder am Gymnasium. Es ist teilweise unglaublich, was Schulen mit unseren Steuergeldern an Kindern anrichten. Die beiden Großen sind davon zum Glück weniger stark betroffen, aber ich könnte Bücher schreiben, über Verhaltensweisen von Lehrern im Unterricht. Ich bin sicher, dass da manch einer dringend was schlucken müsste.

Dabei ist es völlig irrelevant, ob ein Kind ADHS hat oder nicht. Er ist ein guter Schüler, stört normalerweise (war eine große Ausnahme mit der Prügelei im Unterricht) nicht den Unterricht, sondern arbeitet sogar fleißig mit. Schreibt meistens 1-2, selten 3.
Ich bin weder bereit, mich für mein Kind zu schämen, noch den Lehrern und Mitschülern freie Bahn zu lassen, was ich leider bisher aus Konfliktscheu meistens getan habe.

Wir kommen mit Equasim ja eigentlich sehr gut über den Tag. Dabei kommt es darauf an, dass unser Sohn entsprechend mitarbeitet/nachdosiert. Er spürt selber, wenn die Wirkung abflacht. Sehe das ähnlich wie bei einem Diabetiker. Er soll mit unserer Hilfe lernen, selber seine Therapie zu steuern. Die Motivation dazu wird natürlich von der Schulsituation nicht gefördert. Wenn er auch mit wirkendem Medikament und ohne Fehlverhalten der Beschuldigte ist, wozu dann überhaupt Tabletten nehmen? Immerhin prallt ohne Tablette der Tadel wenigstens besser ab. Dann macht er einfach sein Gehirn zu. Kann teilweise verstehen, dass er diese Fähigkeit nicht opfern will. Wozu die eigenen Stärken aufgeben?

Demnächst steht Sommerurlaub an. Dann sehen wir weiter. Bin momentan einfach nur wütend, aber nicht auf meinen Sohn. Den habe ich nur super lieb. Und er tut mir leid, denn natürlich merkt er: "Jetzt sind die meinetwegen total von der Rolle." Morgen muss er wieder hin und sich von Lehrer und Mitschülern anmachen lassen. Ganz allein in dieser Situation. Traurig! Wie wird das arme Schwein eines Tages an seine Kindheit zurückdenken?

Gruß Nadra

von Nadra - am 21.06.2009 15:30
Noch vergessen: Der behandelnde Psychiater und die Psychologin haben uns bereits vor 2 Jahren den Schulwechsel empfohlen und letzten Herbst nochmal. Begründung war, dass unser Sohn zwar seine persönlichen Schwächen und Erfahrungen mitnimmt, aber an der jetzigen Grundschule immer weitere Verletzungen und Störungen seiner seelischen Gesundheit zu erwarten sind bzw. sein Selbstwertgefühl weiter sinken wird. Mangelndes Selbstwertgefühl und Unsicherheit sind in den meisten Fällen für agressives Verhalten verantwortlich.
Insofern müssen wir uns jetzt auch "an die eigene Nase fassen" und unsere bisherigen Entscheidungen in Frage stellen.

Gruß Nadra

von Nadra - am 21.06.2009 16:49
Hallo Nadra,

das mit dem Schulwechsel sehe ich etwas anders. Ich weiß jetzt nicht, in welche Klasse Dein Sohn jetzt geht. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sprechen.

Wir haben sogar die Schule noch gewechselt, obwohl das 4. Schuljahr schon begonnen hatte. Mein Sohn mußte sich auch Mobbing gefallen lassen. Immer war er derjenige, der angeblich alles verschuldet hatte. Die Schule sah das natürlich anders und wehrte sich vehement gegen den Ausdruck Mobbing.

Um nicht noch so ein Schuljahr voller Frust und Leiden zu erleben, haben wir ihn dann kurzerhand von der Schule genommen. Danach ging er das restliche Schuljahr auf die GS im Nachbarort (3 km Schulweg). Erst danach ging es langsam bergauf, allerdings auch mit einigen Rückschlägen. Aber insgesamt kein Vergleich zu vorher. Manchmal ist es besser, das Feld zu räumen, bevor man noch größeren Schaden nimmt.

Was diese demütigende Strafe betrifft, würde ich, falls nicht schon geschehen, umgehend mit der Schulleitung sprechen. Falls diese nichts unternehmen sollte, das kann man ja meist schon im Gesprächsverlauf erkennen, würde ich auf jeden Fall den Schulrat darüber informieren. Der ist meines Wissen nach dazu verpflichtet, der Sache nachzugehen.

So etwas darf man sich auf keinen Fall gefallen lassen. Auch so etwas ist Mobbing, weil hier jemand vorgeführt und gedemütigt wird.

Ich weiß selber, wie schwer es ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ob sie letztlich wirklich richtig waren, weiß man nur leider erst hinterher. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Glück dabei.

Liebe Grüße,


von Rosenfan - am 21.06.2009 21:20
Hallo!

Du sprichst mir aus der Seele. Habe eine sehr gute Freundin und eine sehr liebe Schwester, die mein Entsetzen über die Situation mit mir teilen. Es sind nur sehr wenige Menschen in die ADHS-Diagnose eingeweiht (aus eigener intuition und auf Anraten des Psychiaters). Ich bin froh, dass es liebe Menschen gibt, die uns und unseren Sohn schätzen.

Momentan sind wir noch sehr aufgewühlt. Er möchte nicht wechseln, weil es auch 2 Kinder in der Klasse gibt, die ihm inzwischen etwas bedeuten. Außerdem ist er ein Alpha-Männchen. Ausweichen geht gegen seinen Instinkt.
Es könnte auch sehr problematisch werden, in eine Klasse zu kommen, die schon 3 Jahre zusammen ist. Er ist kein Mitläufer und wird nie Stromlinienform erreichen. Das wäre auch etwas, was wir keinem unserer Kinder wünschen.

Ich glaube daran, dass aus seinen Schwierigkeiten auch Stärken entstehen können. Eine schwierige Situation für sich entscheiden; das könnte das Hilfreichste für seine Entwicklung sein. Es stellt sich natürlich die Frage, ob das an dieser Schule möglich ist. Ich weiß es nicht!

Gruß Nadra



von Nadra - am 23.06.2009 07:13
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