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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
BeateRS, Dagmar D., geli67, Frieda71, Rosenfan

Risperdal bei ADHS

Startbeitrag von BeateRS am 20.07.2009 19:10

Hallo!
Mein Sohn (12 Jahre) ist derzeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie stationär. Nachdem Methylphenidat keine überzeugende Wirkung zeigte und eher die Impulsivität und Aggression verstärkt hatte, hatten wir zwischenzeitlich Stratera ausprobiert. Darauf hat er Herzrhythmusstörungen bekommen. Jetzt auf Station haben sie Amphetamin probiert - er ist fast durch die Decke gegangen, unausgeglichen, reizbar, depressiv.
Jetzt will der Arzt uns zu Risperdal raten, in Kombination mit Pipamperon. Ich hab mal im Internet gesucht und bin völlig erschlagen von den Nebenwirkungen, sitz hier und könnte nur noch heulen. Mein Kind ist doch kein Versuchskaninchen, ich weiß einfach nicht mehr, ob wir das alles verantworten können... Wir hatten so gehofft...
Mein Sohn hat auch (wie wir Eltern) ständig Gewichtsprobleme. Jetzt ist eine der häufigsten Nebenwirkungen (laut Erfahrungsberichten Betroffener) heftigste Gewichtszunahmen. Er hatte gerade abgenommen und ist so stolz darauf, bewegt sich jetzt wieder lieber - und ich befürchte im Falle einer Gewichtszunahme weitere soziale Probleme, Selbstzweifel und all die negativen Seiten des Übergewichtes. Außerdem das mit den Tics, mit Parkinson - ich weiß nicht, was ich übermorgen dem Arzt sagen soll... Was, wenn wir Nein sagen? Was wird dann mit meinem Kind?
Ich bin so fertig, wieder eine Hoffnung, die wie eine Seifenblase zerplatzt ist ... Wir hatten gehofft, dass die stationäre Einstellung auf die bisherigen Medikamente den Durchbruch bringt und jetzt wird es alles immer noch ne Nummer schlimmer.
Bitte entschuldigt, dass ich meinen Frust hier ablade, ich weiß langsam nicht mehr, wem ich das erzählen soll, unsere Familie hat schon beim ersten Ritalin an unserem Verstand gezweifelt ...
Hat jemand von Euch Erfahrung mit Kind und Risperdal oder Pipamperon?

Herzlichen Dank!
BeateRS

Antworten:

Hallo Beate,

bislang habe ich auch noch keine Erfahrungen mit Risperdal. Aber bei uns ist es ähnlich.

Mein Sohn, jetzt 11 J., bekommt z.Zt. Ritalin LA. Wir hatten letzten Herbst von 20 auf 30 mg hochdosiert, weil wir hofften, seine Aggressionen würden damit weniger werden. War aber nicht der Fall. Er wird jetzt auf 20 mg wieder runterdosiert, weil die 30 mg zuviel für ihn waren.

Nach den Sommerferien soll es dann zusätzlich mit Risperdal losgehen. Die Kipsy hatte darüber ausführlich mit uns gesprochen. Allerdings ist sie- wie ich auch- der Meinung, daß er definitiv autistische Züge hat, einen Asperger wollte sie nicht gleich festlegen.

Sie sprach auch von den möglichen Nebenwirkungen, die insgesamt aber rel. selten sind. Die häufigste sei wohl tatsächlich eine ziemliche Gewichtszunahme. Um das etwas zu unterdrücken, soll er u.a. deswegen das Ritalin weiterbekommen, aber eben auch wg. des ADS.

Sie sagte, daß sie mit 0,25 mg anfangen würde und auf max. 1 mg steigern würde. Erwachsene dagegen würden zwischen 2 und 4 mg bekommen. Schon ein großer Unterschied. Und sie hätte mittlerweile auch Erfahrungen in dem niedrig dosierten Bereich.

Für uns ist das momentan die einzige Hoffnung, daß sich seine Aggressionen endlich legen werden. Vor allem für die Lehrer ist es sonst sehr schwer, weil er unberechenbar ist und sie nie wissen, wann er wieder austickt. Er stellt dann leider auch für sich und andere eine Gefahr dar. Von daher haben wir eigentlich keine andere Wahl.

Ich hatte auch schon vor Monaten von dem Medikament gelesen und auch von den Nebenwirkungen. Ich hatte da bislang auch große Bedenken, traute mich auch nicht, daß bei der Kipsy anzusprechen. Aber die Nebenwirkungen müssen ja nicht unbedingt eintreten. Falls es doch schwere Reaktionen geben sollte, würde sie es auch sofort wieder absetzen.

Jetzt müssen wir erst noch den Gesundheitscheck machen- EKG, Blutentnahme usw. Aber wir sind da recht zuversichtlich. Da ist die evtl. Gewichtszunahme für mich auch momentan eher das kleinere Problem. Werde ihn diesbezüglich auf jeden Fall weiterhin dazu motivieren, wieder mit Sport anzufangen.

Liebe Grüße,


von Rosenfan - am 20.07.2009 23:27
Liebe Conny,
herzlichen Dank für Deine schnelle Antwort. Ich sehe die mittlerweile heftige Aggression meines Sohnes - wie bei Medikinet auch - als Folge des Methylphenidats. Beim ersten Mal (also bei Medikinet-Gabe) ist der Arzt auf diese Vermutung von mir gar nicht eingegangen. Jetzt geben sie Amphetamin und die Aggression hat in einem Maß zugenommen, dass ich meine, sie sollen erst mal das Amph. absetzen. Dann können wir sehen, was er braucht. Ihm einfach beides zu geben halte ich für verrückt.
Gut, wir hatten noch kein Arztgespräch wegen Risperdal, ein Erstes ist für heute abend geplant...
Das mit der Gewichtszunahme werden wir nicht in den Griff bekommen, weil wir das Problem die ganze Zeit schon hatten. Er hat halt die Veranlagung eh schon und ist schon jetzt leicht übergewichtig. Die sozialen Probleme, das Hänseln und ÄRgern der Mitschüler, ist ja auch ein Auslöser seiner Aggressionen. Ich hab im Moment das Gefühl, wir treiben den Teufel mit Belzeebub aus...
Ich melde mich nach dem Arztgespräch wieder.
Lieben Gruß
Beate

von BeateRS - am 21.07.2009 05:22
Hallo Beate,

bei uns war es genau anders herum, Junior bekommt seine Aggressionen und seine Impulsivität erst seit Ritalin in den Griff. Es fällt ihm leichter, sich selbst zu beherrschen und Probleme lassen sich nun leichter durch ruhige Gespräche statt mit nicht enden wollenden Wutausbrüchen aus der Welt schaffen.

Nebenbei hat er in der Schule einen deutlichen Sprung nach vorne geschafft, was wohl daran liegt, dass er nicht mehr so oft "abschaltet", wenn etwas nicht nach seinem Willen geht.

Habt Ihr es schon mit anderen Therapien probiert, z.B. Verhaltenstherapie? Etwas, zur Selbstkontrolle und womit sein Selbstwertgefühl gesteigert wird, dass er somit vielleicht auch über den Dingen stehen kann und seine Klassenkameraden ihn nicht mehr hänseln, bzw. er sich die Hänseleien nicht mehr annimmt.

Ich wünsche Euch, dass Ihr doch noch das Richtige für Euren Sohn findet.

Liebe Grüße,
Brit

von Frieda71 - am 21.07.2009 07:12
Hallo Beate,

unser Sohn ist jetzt 10, hat von Ritalin über Strattera und Concerta alles durch, was in Österreich genehmigt ist.
Strattera war das Schlimmste, dadurch wurde er total agressiv und war voll durch den Wind. Dann stiegen wir auf Concerta um, was gut war, bis er einen enormen Wachstumsschub hatte und wir keine passende Dosierung mehr gefunden hatten.
Dazu kam dann Risperdal, von dem wir auch sehr skeptisch waren. Nach 6 Monaten konnten wir keine Verbesserung feststellen, nur Nebenwirkungen. Auch er ist durch uns zu einer Gewichtszunahme vorbelastet. Er nahm unheimlich zu, sein Bauch wurde ganz schwabbelig. Er hatte zu nichts mehr Lust.
Wir hätten dann auf Seroquel umsteigen sollen, aber Sohnemann hat sich total geweigert. Die Ärzte von der Klinik schafften leider auch keine richtige Medikamenteneinstellung.
Sohni äußerte selber den Wunsch, alles abzusetzen und wieder auf Ritalin umzusteigen. Schon während der Ausschleichphase von Risperdal zeigte sich, dass er weniger agressiv wurde. Auch legten sich die Tics wieder vollständig.

Seit er regelmäüßig Ritalin nimmt, hat er sich viel besser unter Kontrolle, während der Wirkungszeit kann man vernünftig mit ihm reden und er ist auch einsichtig.
Er wird nur mehr richtig agressiv, wenn die Wirkung von Ritalin nachläßt bzw. der Rebound da ist oder, wie abends, gar keine Wirkung mehr vorhanden ist.

Entschuldige, das ist jetzt keine Stärkung für dich, deinem Kind Risperdal zu geben, aber wir standen auch vor dieser schwierigen Entscheidung und klammerten alle Hoffnung daran.
Wir stellen unseren Sohn inzwischen auch nicht mehr als Versuchskaninchen zur Verfügung, deshalb haben wir zugestimmt, Seroquel nicht zu verabreichen.

Wir arrangieren uns mit dem Ritalin, was uns auch nicht immer gelingt. Aber im Großen und Ganzen geht es gut. Er hat während der Wirkungszeit keinen Appetit, dafür isst er dann abends seine Hauptmahlzeit. Aber das ständige Naschen zwischendurch hat aufgehört.

Vielleicht solltet ihr auch euren Sohn befragen, womit er sich besser fühlt. Es dauert sicher ein paar Wochen, bis sich durch ein Medikament eine Besserung zeigt, die alten Medis müssen wohl auch vollständig abgebaut werden. Gebt ihm die Zeit, das durchzuhalten.

Das Kind muss sich wohl fühlen und die Medis akzeptieren, sonst wirken sie meiner Meinung nach nicht. Mit 12 Jahren kann er da sicher schon selber feststellen, wie es ihm mit dem jeweiligen Medikament geht.

Ich wünsche euch alles Gute, eine Entscheidung zu treffen!

Geli

von geli67 - am 21.07.2009 08:03
Hallo Beate,

wenn Kinder Nebenwirkungen zeigen, die aufgrund des Wirkmechanismus eines Medikaments eigentlich gar nicht sein können, fragen Ärzte und Therapeuten immer danach, wie die Eltern der Medikation gegenüber stehen. Gibt es noch Vorbehalte oder Ängste? Haben die Eltern die Diagnose akzeptiert oder gibt es noch Überlegungen, dass man das eigentlich nicht haben will, evtl weil man auch Ähnlichkeiten zu sich selbst erlebt?
Die nächste Frage ist, wie wurde die Medikation dem Kind erklärt? Gab es Untertöne, die in Richtung Bravmachpille zielen?

Du schreibst, dass die Aggressionen durch das Medikament ausgelöst sind. Weshalb seid ihr denn zum Arzt gegangen? Was habt ihr denn geschildert, so dass diese Diagnose gestellt wurde? Was waren die Gründe, dass er jetzt stationär aufgenommen wurde?

Risperdal ist ein Medikament, das erfolgreich gegen Aggressionen eingesetzt wird, insbesondere auch dann wenn Züge von Autismus mit im Spiel sind. Aber auch dieses Medikament kann nur dann wirken, wenn dein Sohn und ihr als Eltern voll dahinter steht.

Setz dich doch mal mit deinem Sohn zusammen und schreib mit ihm mal auf, weshalb ihr zur Diagnose gegangen seid. Warum ihr als Eltern diese Untersuchung gewollt habt, aber noch viel wichtiger, warum euer Sohn zum Arzt gehen wollte und was er dort erzählt hat. Im nächsten Schritt wäre es wichtig herauszufinden, ob er überhaupt eine Änderung bewirken möchte und wenn ja in welchen Punkten. Wenn er keine Veränderung möchte, dann wäre es besser alle Medikamente abzusetzen und zu warten, bis er einen Veränderungswunsch hat. Denn ohne diesen kann kein Medikament wirken, aber aufgrund der Ablehnung wird er 1000 Nebenwirkungen produzieren.

Wenn er Veränderungen wünscht, ist es ganz wichtig, dass er erkennt, dass sich nichts von alleine verändern will, auch keine Pille kann wirken, ohne dass der junge Mensch das will. Das Medikament kann seinen Bemühungen nur unterstützen, aber nichts von alleine bewirken.



von Dagmar D. - am 21.07.2009 09:43
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