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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Mela, Frieda71, nele34, icke WES, Rosenfan, Scarlotta

Kind verlässt in Wut die Schule

Startbeitrag von Mela am 28.08.2009 20:02

Hallo zusammen,

ich arbeite in einer offenen Ganztagsschule und habe wie so oft das Problem mit der Aufsichtspflicht. Sie entspricht nicht dem Bedürfnis eines unserer ADS-Kinder. Es möchte bei schlimmen Wutanfällen die Möglichkeit haben, einfach "abhauen" = nach hause gehen zu dürfen.
Ich möchte das erlauben, weil er am besten weiß, was gut für ihn ist in solchen Augenblicken - meist kommt er sowieso nach einer halben Stunde wieder und ihm geht es gut.
Die OGS Leitung sagt, ich darf ihn nicht gehen lassen, auch nicht mit genereller Einwilligung der Eltern/Erziehungsberechtigten.
Ich will und werde ihn aber nicht festhalten, einsperren oder auch nur die Tür verschließen. Er rastet dann noch mehr aus, verliert komplett die Kontrolle und schmeißt mit Stühlen und Sonstigem um sich. Was soll er auch sonst tun?
Wie kann ich das pädagogisch-menschlich Richtige tun und das Bedürfnis der Leitung nach Einhaltung der Aufsichtspflicht hinkriegen?
Können die Eltern mich wirklich nicht entbinden? Wie regeln das die Schulen, die die Kinder in so extremen Situationen gehen lassen? Machen sie das auf eigenes Risiko?
Ich habe absolut nicht den Eindruck, dass der Junge (dritte Klasse) in seiner Wut nicht in der Lage wäre, den Straßenverkehr richtig einzuschätzen - jedenfalls nicht weniger, als sonst auch.
Ist es wahrscheinlich, dass ich mich da eher irre?
Wo kann ich dazu was nachlesen- Gesetzestexte, Urteile, etc. wären sehr interessant.
Danke Euch schon jetzt herzlich!!!

Liebe Grüße aus Aachen,
Mela

Antworten:

Hallo Mela,

leider sind die Schulgesetze ja in jedem Bundesland anders. Aber man kann da ganz gut im Internet nachschauen, wie der jeweilige Gesetzestext ist.

Prinzipiell ist es eine Verletzung der Aufsichtspflicht, wenn das Kind einfach das Schulgelände verläßt, insbesondere dann heikel, wenn etwas passiert. Aber es ist auch verdammt schwierig, in so einer Situation zu entscheiden, was das Beste ist.

Wir hatten selber häufiger schon solche Situationen, sowohl in der GS als auch an der weiterführenden Schule. Es wurde dann immer bei uns zu Hause angerufen. Bei der GS war es so, daß, wenn keiner zu erreichen war, mein Sohn so lange im Schulbüro sitzen mußte (wenn es ganz krass war). Ansonsten wurde er mal vor die Klassenzimmertür geschickt.

An der jetzigen Schule war es gelegentlich so, daß einer von uns dann hinkommen und ihn abholen mußte. Bei uns war das bislang kein Problem, da wir seit geraumer Zeit beide zu Hause waren. Ab September ist dann zumindest mein Mann noch zu Hause und kann notfalls hinfahren.

Bei meinem Sohn kommt zum ADS aber auch noch Asperger Autismus dazu. Da gibt es leider mal solche Situationen, wo er einen ruhigen Platz braucht, um wieder runterzufahren. Da reichen aber manchmal schon wenige Minuten aus. Aber alleine durfte er auch noch nie nach Hause.

In Gesprächen mit der Schule haben wir auch schon nach Möglichkeiten gesucht, ob es einen Raum gibt, in den er sich kurzzeitig zurückziehen kann. Eine akzeptable Lösung haben wir bislang aber auch noch nicht gefunden.

Vielleicht gibt es bei Euch an der Schule so einen Raum, wo er sich zurückziehen kann. Sinnvoll kann auch eine ganz bestimmte Ansprechperson sein, an die er sich dann wenden kann, zu der er auch Vertrauen hat.

Liebe Grüße,


von Rosenfan - am 29.08.2009 01:27
Hallo Mela, hallo Conny!

Einen drittklässler (ca. 8 - 9 Jahre) würde ich als Lehrer auch gerade wärend eines Wutanfalls nicht vom Schulgelände lassen. Aber einen Raum, in den sich Schüler in einer sollchen Situation zurückziehen können, wo vielleicht sogar ein Boxsack oder ähnliches, an dem man seine Wut dran auslassen kann sich befindet, wäre schon ideal. Irgendwo sollte doch wohl in jeder Schule ein Kämmerlein zu finden sein, das man entsprechend herrichten kann. Sooooooo viel muss man da auch nicht investieren.

Was aber den jetzigen Zustand angeht, so solltest Du einfach versuchen, ihn am Verlassen des Klassenraumes / Schulgeländes zu hindern. Gelingt es Dir nicht, ohne die Aufsichtspflicht gegenüber den anderen Kindern zu verletzen, so ist er Dir eben entwischt.

In diesem Fall sollte Dir keiner einen Strick daraus drehen, denke ich.

Gruß

icke!

von icke WES - am 29.08.2009 15:16
Hallo !

Was sagen denn die Eltern dazu ?
Es kann nicht angehen, dass Du ihn einfach "entwischen" läßt - wenn dann etwas passiert, hast Du ein verdammt großes Problem.
Ich denke, es sollte zum einen mit den Eltern gesprochen werden, was sie von dieser Art von Situations-Bewältigung halten, zum anderen läßt sich dann doch bestimmt eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden, wie z. B. der vorher erwähnte "Ruheraum" o.ä.

LG
Scarlotta


von Scarlotta - am 29.08.2009 17:14
ich schließe mich mal an,
auf jedenfall hören was die eltern sagen!

meiner war ja auch immer für nen ausrater gut...kam auch oft genug völlig zur falschen zeit nach hause, da hätte ich mir schon mal nen anruf gewünscht!!
aber alle wußten ja, ich bin nicht arbeiten...ha...aber dann doch mal einkaufen!!

philipp hat oft hier vor der haustüre gesessen und auf mich gewartet....zum glück!!!!!

was wäre gewesen, wenn er sich auf und davon gemacht hätte??

das ist es eben, das ist der punkt... du weißt nicht, was das kind tut..und du, als nur aufsichtspflichtige kennst das kind doch gar nicht.

in der situation mag ich nicht stecken!!

von nele34 - am 29.08.2009 17:44

Ergänzung

Danke Euch sehr für die bisherigen Antworten.
Es handelt sich um ein Kind, das im Heim lebt.
Er ist 10 Jahre alt. Es verbringt in der Woche täglich etwa 9 Stunden bei uns. Davon etwa die Hälfte mit mir und meiner Kollegin.
Niemand kennt ihn momentan so gut, wie wir hier, da wir immer die selben Personen sind (kein Schichtwechsel wie im Heim) und auch die Zeit und das Interesse haben, uns mit ihm auseinander zu setzen.
Es gibt Rückzugsvereinbarungen und auch geeignete Räumlichkeiten sowie einen Innenhof den er von seiner Seite aus verschließen und so ganz alleine nutzen kann, wenn ihm das alles so hilfreich erscheint.
Selbstverständlich rufen wir an, wenn er geht. Und klaro auch wieder, wenn er wieder da ist und natürlich auch, wenn er dann wieder geht.
Ich arbeite seit etwa 15 Jahren mit ADS/H-Kindern und ihren Familien und habe dabei so um die 200/300 betroffene Kinder begleiten dürfen.
So ganz ahnungslos bin ich nicht.
Und zu den Müttern, die nicht angerufen wurden - oder erst, wenn eh alles gelaufen war, gehöre ich auch.... Wer kam damals schon dazu, sich auf das Thema ADS zu spezialisieren, wenn er nicht durch eigene Betroffenheit den pädagogischen Notstand erkannte, in dem wir waren/sind?!

Ich erinnere mich in solchen Situationen an Fortbildungen mit Frau Neuhaus. Dort hieß es immer, dass wir die Kinder in eskalierenden Situationen nicht festhalten, körperlich zwingen oder gar einsperren sollen.
Damit, mich strickt daran zu halten, fahre ich auch immer sehr, sehr gut.
Nur in dieser Situation - Verlassen des Schulgeländes zur OGS Zeit - bin ich nicht frei in der Entscheidung, wegen des Damoklesschwertes Aufsichtspflicht.

Das Heim, als genereller Inhaber der tatsächlichen Personensorge, ist damit einverstanden, dass wir ihn nicht festhalten und ihn gehen lassen, wenn er nur durch körperlichen Zwang daran gehindert werden kann.

Ich denke, dass der Hinweis auf die Aufsichtspflicht für die anderen Kinder, der ich nicht gerecht werde, wenn ich eventuell über Stunden hinter diesem einen Kind herlaufen muss, weil es ausrastet und ich es nicht gehen lasse, ist schon sehr hilfreich.
Hat vielleicht noch jemand Rechtliches aus NRW bei der Hand oder einen schönen Link dazu, der sich spezieller mit solchen Kindern beschäftigt (ein Urteil wäre voll gut!).
Ich kann nichts im Netz finden.

Liebe Grüße,
Mela


von Mela - am 29.08.2009 19:59
Hallo Mela,

über Rechtssprechung weiß ich leider auch nichts, aber solch ein Kind hab ich auch zu Hause (4. Klasse), der dann gerne mal vor lauter Wut abhauen möchte. Sonst wird er verbal aggressiv, die Steigerung sind auch fliegende Gegenstände und wenn er ganz oben angekommen ist, sollte man selber in Deckung gehen (glücklicherweise bisher nur einmal passiert - aber er griff eine Lehrerin an). Inzwischen ist er an einer Schule, die 30km weiter weg ist, da geht sowas schon gar nicht.

Als er noch hier im Ort an der Schule war, wäre ich dagegen gewesen, hätten sie ihn alleine gehen lassen. Lieber sollten sie mich oder jemanden anrufen, der ihn hätte abholen können.

Meist ging es aber schon, wenn er alleine vor der Klassentür saß oder auch mal in einen anderen Raum geschickt wurde. Oft hat mein Kind selber drum gebeten, was ihm auch gewährt wurde.

Leider ist es an seiner jetzigen Schule nicht so gerne gesehen.

Im Grunde geht es ja nur darum, dass das Kind seinen Kopf wieder frei bekommen muss. In Deinem Fall braucht das Kind scheinbar dafür frische Luft und Bewegung. Du schreibst, es gibt Rückzugsvereinbarungen und einen Innenhof, warum kann er die nicht nutzen bzw. nutzt er sie nicht? Ist der Innenhof zu klein, um durch Bewegung die Wut abzubauen?

Ich würde ihn trotzdem in der Schule belassen und mit ihm gemeinsam Regeln aufstellen, wie er in solchen Situationen zu reagieren hat und welche Möglichkeiten ihr ihm bietet. Findet Alternativen zum Nachhauseweg.

Im späteren Leben kann er doch auch nicht einfach abhauen, wenn ihm was gegen den Strich läuft. Früher oder später muss er lernen, damit umgehen zu können. Und lieber Früher und mit Boxsack, als wenn er hinterher gar nicht mehr weiß, wohin mit seinen Aggressionen.

Liebe Grüße,
Brit

von Frieda71 - am 30.08.2009 14:30
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