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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Agnes69, geli67, Lizanne

Bericht: hohe Dosierung bei 8jähriger

Startbeitrag von Agnes69 am 15.10.2009 14:02

Hallo zusammen!

Vielleicht habt Ihr ja mitgekriegt, dass bei L., meiner Jüngsten, inzwischen die Diagnose fertig ist und wir seit einigen Wochen daran gearbeitet haben, die richtige Ritalin-Dosierung für sie zu finden.

Dabei sind wir irgendwie auf keinen grünen Zweig gekommen, und M., unsere Frau ADS-Coach, die uns dabei betreut hat, ist aus den Dingen, die ich ihr am Telefon geschildert habe, auch nicht wirklich schlau geworden.
Deshalb hatten wir gestern einen Termin bei ihr.

Ich hatte ja so einige Dosierungen ausprobiert - von 2,5 mg bis 10 mg -, und nachdem L. bei jeder Variante ziemlich erschreckende Anfälle von Überreizung hatte (deshalb hab ich auch so herumprobiert - weil es schlimmer war als sonst, dachte ich, sie sei überdosiert), hab ich seit Sonntag aufgegeben.
Wir sind dann gestern - noch ohne Medis - gleich nach der Schule zu M. gefahren, die Schultasche voller Hausübungen.

M. hat kurz mit L. geredet, ihr 10 mg gegeben und sie dann mit der Hausi anfangen lassen.
Nach knapp einer Stunde war sie noch immer ziemlich unkonzentriert.
M. hat mir versichert, dass wir nicht "am Ziel vorbeigeschossen" seien, und auch ich hatte keine Zwischenphase erkennen können, in der die Wirkung vielleicht kurz gepasst hätte.
Also bekam sie nochmal 5 mg nach. Dann wurde es langsam besser, aber noch nicht ganz - mit weiteren 5 mg war eine recht gute Wirkung da.

Sie braucht also 20 mg (= 2 Tabletten) - dreimal am Tag - das heißt, ich darf alle 10 Tage um das Rezept gehen, auf dem maximal 2 Packungen à 30 Stück verschrieben werden dürfen.
Und hübsch teuer wird's auch. Jedes Mal knapp 10 ¤ Rezeptgebühr (5 pro Packung).
Aber wenn sie's braucht...
Ich hoffe, der Kinderarzt legt sich nicht quer!

Es hat mich gewundert, dass zu wenig Dosierung schlimmer ist als gar keine, aber M. hat mir erklärt, dass dann die Wirkung gerade mal dafür reicht, zu erkennen, dass es einem nicht gut geht, aber nicht dafür, sich wirkich ordentlich zu steuern.

L. hat in den letzten Tagen auch über komische Dinge geklagt: zum Beispiel, dass es sie so nervt, wenn sie die eine Hand auf dem kühlen Tisch und die andere auf dem warmen Oberschenkel liegen hat. Sie hat dann den ganz starken Drang, links und rechts die gleichen Verhältnisse herzustellen.
M. sagt, das liegt daran, dass sie unter Medi-Wirkung diese unterschiedlichen Qualitäten warm-kalt usw. zum ersten Mal so deutlich wahrnimmt, und sich daran erst gewöhnen muss.
Ein "normales" Kind lernt mit ein, zwei Jahren, diese Eindrücke einzuordnen und zu verarbeiten.
Sie muss es jetzt nachholen, aber das geht bei kontinuierlicher Medikation viel schneller - sollte in wenigen Wochen kein Problem mehr sein.
Man lernt nie aus...

Eigentlich hat M. zur Dosisfindung nicht viel mehr gemacht, als L. über gut zwei Stunden hinweg bei den Hausis zu beobachten.
Hab mich schon ein bisserl über mich selbst geärgert und mich gefragt, ob ich das nicht selber hinkriegen hätte können, wenn ich mir nur genügend Zeit genommen hätte, aber dann wurde mir klar, dass das zu Hause nie so funktioniert hätte.
L. hätte die Arbeit nicht nur langsam und unkonzentriert gemacht, sondern wäre ganz schnell ausgezuckt, und hätte sich dann von mir nichts mehr sagen lassen.
In der fremden Umgebung hat sie sich viel besser zusammengerissen - wie sie das auch in der Schule macht.

Jedenfalls bin ich froh, dass ich nun weiß, wie wir weitermachen.

Wollte Euch nur auf dem Laufenden halten, und vielleicht bringt dieser Beitrag ja auch mal jemand anders eine brauchbare Information...

Liebe Grüße!

Agnes

Antworten:

Hallo Agnes,

60 mg pro Tag sind für eine Achtjährige wirklich recht viel, aber heute geht man ja davon aus, dass man den individuellen Stoffwechsel respektiert und nicht mehr nach der Formel "1mg pro kg Körpergewicht" geht. Unser Kinderneurologe (echt ein Spezialist) sieht das genauso. Schaut halt mal, wie das Töchterlein die Dosis verträgt.

Mein Sohn wiegt inzwischen 60 kg und braucht maximal 55 mg pro Tag (und das auch nur bei heftigen Belastungen in der Schule). Diese Dosis hat er aber auch schon vor 2 Jahren gebraucht. Eine hohe Einstiegsdosis heißt also nicht unbedingt, daß ihr jetzt jahrelang immer höher dosieren müßt (war damals meine Befürchtung).

Einen Tipp kann ich dir aus eigener Erfahrung geben: Wir haben festgestellt, daß die erste Dosis morgens schon 2omg sein muß, aber bei den folgenden Nachdosierungen darf es etwas weniger sein, weil die Wirkung anscheinend nicht gleich total weg ist, also so eine Art Minimalspiegel bleibt. Neulich habe ich wg. Vorbereitungen auf eine Arbeit gedacht, ich geb meinem Sohn auch mal nachmittags 20mg, denn es war echt viel zu tun. Da hab ich uns beiden allerdings schwer ins Knie geschossen, denn der arme Kerl hat nur noch gegähnt und gejammert - war klar überdosiert. Probiert doch mal die Abfolge 20-20-15 oder 20-15-15 aus, vielleicht klappt's ja und ihr habt ein paar mg gespart:-). Am Wochenende gibt's bei uns nur 20mg, um die Hausaufgabenphase abzudecken, und in den Ferien inzwischen nichts mehr.

Übrigens, am Rande eine gute Nachricht, mein Junior war gerade fünf Tage mit einer befreundeten Familie in Urlaub, OHNE Tabletten. Hat alles supergut geklappt, kein Ärger, nix...wir sind überglücklich...sowas war vor zwei, drei Jahren noch absolut unvorstellbar...ich bin immer sooo dankbar, wenn Leute außerhalb der Familie ihn mögen und gut zu ihm sind :-). Ist halt nie selbstverständlich gewesen bei uns.

Einen lieben Gruß durch die kkkkkkalte Herbstluft - eigentlich Winterluft. Der Herbst wurde dieses Jahr übersprungen und bei uns gibt's deshalb nachher eine Pizza TRE stagioni ;-).

Euridike

von Lizanne - am 15.10.2009 15:57
Hallo liebe Agnes,

danke für diesen wertvollen Tipp - auch für dein Mail!!

Die Bedenken mit dem Kia habe ich dir da schon mitgeteilt, nochwas bleibt da offen:
Sohnemann isst mit Ritalin GAR nichts mehr, oft erst am Abend die erste Mahlzeit, die dann natürlich recht üppig ausfällt. Und Frühstücken ist nicht sein Ding.
Wann essen die Kinder dann??
Und es hält ihn auch wach - komischerweise. Er schläft oft erst gegen 23 Uhr ein. Wie geht das bei euch??

Bitte unbedingt auf dem Laufenden halten!

Lieben Gruß, Geli

von geli67 - am 16.10.2009 12:51
Liebe Euridike!

Danke für den Tipp mit den geringeren Zweit- und Dritt-Dosierungen.
Klingt irgendwie einleuchtend!
Ich glaube, das werde ich später einmal ausprobieren, aber jetzt bleib ich mal eine oder zwei Wochen eisern bei der ausgemachten Dosis, weil ich eh schon ein bisserl ein schlechtes Gewissen hab, wegen der Herumprobiererei in der letzten Zeit.

Leider zeichnet sich ab, dass der Abstand von vier Stunden zu groß sein dürfte.
Gestern und heute hat L. brav ihre zwei Tabletten nach der dritten Stunde genommen. Da weiß ich nicht, wie es ihr kurz vorher gegangen ist.
Und gestern Nachmittag hatte sie Turnen, und ich konnte ihr die dritten 20 mg leider erst hinterher geben. Da war es klar, dass sie ein Loch dazwischen hatte.

Aber heute um 14.30, als die dritte Dosis fällig war, war sie schon wieder in so einer "Ich weiß zwar nicht, warum, aber gleich zuck ich aus!"-Stimmung. Ich nehme an, da fiel der Spiegel gerade wieder unter den kritischen Punkt, und bis die nächsten Tabletten gewirkt haben, hat es natürlich wieder einige Zeit gedauert, in der ich alle Provokationen von ihr fernhalten musste. *schwitz*

Naja, das müssen wir jetzt halt eine Weile durchstehen, und ich beobachte weiter, damit ich bei Bedarf klare Aussagen machen kann.
Vielleicht gewöhnt sie sich ja auch mit der Zeit an das Auf und Ab.
Ansonsten wirds dann wohl Zeit für Concerta (bei uns das einzige Retard-Medikament). Das schüttet den Wirkstoff ja schön kontinuierlich aus.

Aber wenn ich an ihre Tagesdosis denke - da werden wir wohl die größte Concerta-Version brauchen.
- Autsch! Da wird die Krankenkassa aber misstrauisch werden - ist ja gemein teuer, das Zeug...!

Liebe Geli!

Meine Kinder essen - Gott sei Dank - recht brav in der Früh.
Vor allem der Große füllt sich die Müslischüssel immer "mit Gupf".
Zu Mittag geht dann meistens wenigstens eine kleine Portion rein, und am Abend dann wieder mehr.

Heute hat L. zu Mittag auch weniger gegessen, als ich es von ihr gewohnt bin, hat aber gesagt, die Würstel mit Püree seien halt nicht so ihr Ding.
Ich möchte vorläufig möglichst wenig darauf eingehen, denn wenn sie mal mitkriegt, dass sich die Medis auf den Appetit auswirken könnten, dann redet sie sich das womöglich erst ein.

Ebensowenig habe ich sie bisher gefragt, wie es ihr mit dem Einschlafen geht. Ich denke, wenn sie gröbere Probleme hat, wird sie es mir schon sagen.
Nochmal rausgekommen ist sie jedenfalls, seit sie Ritalin kriegt, nicht.

Beim Großen würde ich derzeit am liebsten eine Überwachungskamera einbauen. Die alte Leseratte hält seit einigen Monaten ihre Licht-aus-Zeit so gut wie nie ein!
Und uns ist es einfach zu mühsam, ihn hundertmal zu kontrollieren, bzw. wir vergessen es...

Aber er kommt t

von Agnes69 - am 16.10.2009 14:30
- sorry - beim neuen Laptop liegt das Touchpad so blöd, da komm ich beim Schreiben so leicht dran, und diesmal hab ich unabsichtlich den "Eintrag"-Knopf angetippt... :-(

Also:
Aber er kommt trotzdem soweit ganz ordentlich morgens aus den Federn, und ich kalkuliere auch pubertäre Veränderungen mit ein...
Also ich möchte das schon in den Griff kriegen, mache mir aber vorläufig keine allzu großen Sorgen deswegen.

Ich denke mir, schlimmer als es ist, kann es mit dem Essen bei Euch eh nicht mehr werden.
Es ist halt nicht rasend gesund - zumindest nach der landläufigen Meinung - wenn man nur einmal am Tag isst.
Aber freiwillig verhungert ein Kind auch unter Ritalin nicht, also denke ich, dass Dein Sohn wahrscheinlich weiterhin am Abend seinen Bedarf decken wird - egal, wieviel Medis er bekommt.

Und vielleicht könnte Dir da M. auch helfen. Ich weiß noch von einem Mädchen, das gröbere Probleme mit dem Essen gemacht hat - ich glaube, da konnte sie was tun.
Sie kann den Kindern auch ziemlich gut erklären, was in ihrem Körper und mit ihrer Wahrnehmung unter Medi-Wirkung so passiert, und wie man am besten damit umgeht.
Soviel ich weiß, könnte man sich die Appetitlosigkeit oft wieder abtrainieren, wenn man nicht zuviel Aufhebens drum macht und trotzdem normal isst.

Was den KiA betrifft - wenn es Probleme gibt, werde ich vielleicht versuchen, mir die Rezepte von der Kinderärztin schicken zu lassen, die früher bei uns in die Gemeinde gegangen ist, und die recht viel mit M. zusammenarbeitet.
Irgendwie muss es ja gehen.
Ich denke da auch immer an die Familie mit den hohen Dosierungen aus der Innsbrucker SHG - bei denen geht es ja auch...

Liebe Grüße!

Agnes

von Agnes69 - am 16.10.2009 14:44

Bericht: hohe Dosierung bei 8jähriger - unser Versuch..

Liebe Agnes,
hab mich schon gewundert, warum du so plötzlich aufhörst....

Übrigens - sollte es die Überwachungskamera im Doppelpack billiger geben, schließe ich mich der Bestellung an.....

Wir hatten es am WE auch mit 20 mg probiert - der Schuß ging komplett nach hinten los!! Mussten dann nach 2,5 Stunden nachdosieren - nahmen 15 mg und siehe da - als hätten sie unser Kind ausgetauscht!
So nehme ich an, dass er doch überdosiert war??? Oder sollte das heißen, er war unterdosiert??


Am Freitag ist die erst Mathearbeit, S. hatte ja bisher 7 (!!) Hausis verleugnet und nicht gemacht... habe inzwischen mit dem Lehrer gesprochen... der ist sehr nett, aber ein typisch zerstreuter Mathematiker mit allergrößter Liebe zu den Zahlen (und erwartet, dass das jeder mitbringt), erklärt kaum was im Unterricht (wozu gibt es Eltern?) und ist im allgemeinen eher chaotisch. Also ganz und gar nichts für einen ADSler.
Aber er schien von meinem Interesse offenbar beeindruckt und bemüht sich offensichtlich mehr um S. !!

Aber S. verweigert das Lernen, Üben - es ist nur ein Kampf!! Unsere Nerven liegen blank!


War heute mal bei der DE Lehrerin vorstellig, da kam durchwegs mehr positives wie negatives!! War ganz erstaunt, aber sie hat offensichtlich einen Draht zu ihm. Habe den E Lehrer im Foyer getroffen - hat mich gefragt, ob S. für den Test heute gelernt hätte- ja, hat er, - das hat man deutlich gemerkt, sein Kommentar!

Ja also, jetzt noch 2 Tage überstehen und dann sind Ferien!! Warten ja noch ob, was in der KJP in Salzburg rauskommt - wenn wir ein gutes Gefühl dort haben und einen Platz bekommen, nehmen wir das sofort an. Er muss einfach lernen, seine Gewaltausbrüche in Griff zu bekommen, bevor er strafmündig wird.... Wir sind jetzt auch so weit, dass wir Eltern voll und ganz dahinter stehen - dort hat man auch wesentlich mehr Erfahrung mit solchen Kindern als in IBK. Schon deshalb wollen wir lieber dorthin. Deshalb warte ich mit M. noch ab.

Da sollten wir uns schon endlich mal treffen - musst mir dann ja von eurem Herbsttreffen berichten!!!

Wünsche euch viel Spaß beim Herbstreffen!

Geli

von geli67 - am 21.10.2009 13:22
Danke, liebe Geli!

Sorry, dass ich Dir in den letzten Tagen wieder nicht gemailt habe, aber ich war - neben den üblichen Sachen - total mit den Reisevorbereitungen beschäftigt. - Für mich hab ich ja heute halbwegs flott gepackt, aber ich musste einiges bedenken, damit Papa und Großeltern für die Kinder alles haben, was sie brauchen....

Aber sobald Du nach dem Herbsttreffen etwas Luft hast, quatschen wir mal wieder ausgiebig!
Da freu ich mich schon sehr drauf!

Schön jedenfalls, dass Du auch Positives über Deinen Lauser zu hören bekommst!
Und gut, dass Ihr wegen der Sache mit Salzburg einer Meinung seid - das macht es bestimmt leichter!

Alles Liebe!

Agnes

von Agnes69 - am 21.10.2009 20:36
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