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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Finchen09, Frieda71, Monkele, Sonnenblume80

Neu hier und ratlos

Startbeitrag von Finchen09 am 25.10.2009 14:55

Hallo an alle hier im Forum!

Ich bin zwar hier neu angemeldet, habe aber schon eine Zeit lang bei euch mitgelesen. Ich bin so dankbar, für die vielen tollen Tipps, die ihr euch gegenseitig gegeben hat, viele meiner Fragen wurden so beantwortet!!!

Ich bin als Erwachsene selber von ADHS betroffen und meine beiden Kinder haben es auch.
Wir nehmen alles drei Medis, trotzdem klappt es derzeit mit meinem 10-jähr.
Kind leider gar nicht...
Mit Medikamenten (morgens 36mg Concerta und 5mg Equasym, nachmittags
2,5mg Equasym) kriegen wir den Alltag meistens geregelt.

Leider kommt es immer wieder zu den übelsten Wutausbrüchen, die mittlerweile die ganze Familie belasten.
Zu dem ADHS kommt auch noch eine Hochbegabung dazu, denn eines alleine reicht wohl nicht (smile).

Zur Zeit hilft uns eine Psychologin mit einer Verhaltenstherapie, wir hatten auch schon prima Fortschritte, aber immer nur so lange, wie es dafür Belohnungen nach einem Belohnungsplan gab...

Sobald mein Zwerg hier zu Hause nicht den Kopf durchsetzen kann, ist es die reinste Hölle. Es wird gegen Wände getreten, mit Gegenständen geworfen und beleidigt, dass es über jede Hutschnur geht.

Da ich als Kind wohl ähnlich gewesen sein soll, habe ich wirkliche Schwierigkeiten dauerhaft konsequent zu sein. Ich bemühe mich redlich, werde aber immer wieder schwach, weil mir "hart" sein zu unfair vorkommt, denn mit dem ADHS sind nunmal Probleme vorhanden.
Schläge wie bei mir als Kind waren damals auch keine Lösung.

Ich selbst habe mir schon Hilfe bei einer Ergotherapeutin gesucht und bekomme seitdem mein Leben wieder besser geregelt, von gelegentlichen Rückschlägen mal abgesehen.

Heute war wieder ein gruseliger Tag und deshalb schreibe ich nun auch hier.
Es stand Lernen für die Schule auf dem Plan, da morgen ein Test und eine Arbeit anstehen.
Riesen Geschrei, weil mein Zwerg wieder anders wollte, als abgesprochen.
Eine Stunde Wutanfall.

Schließlich gab es ein homöopathisches Mittel zum beruhigen.

Was macht ihr in solchen Situationen, wie bekommt ihr den Alltag mit solch einem unberechenbaren Rumpelstilzchen in den Griff?
Mittlerweile graut es mir schon vor jedem neuen Tag, da ich befürchte es kann jede Minute wieder eskalieren.

Für jeden guten Tipp bin ich sehr dankbar!!!
Sorry, dass es so lang geworden ist.

Finchen09

Antworten:

Hallo Finchen,

na dann herzlich Willkommen hier. Schön, dass Du nun auch schreibst und nicht nur liest ;). Aber mir hat das Lesen hier auch immer sehr viel geholfen.

Was ich bei unserem Sohn immer wieder festgestellt habe war, dass er schlecht mit Streß und mit unvorhersehbaren Situationen umgehen konnte (heute ist er 18 und es geht viel besser !!!).

Ich habe daher immer versucht, dass ich gerade bei Sachen wie Lernen für eine Probe Ruhe und Ordnung eingeplant habe. Hat zwar nicht immer geklappt, aber meistens. Vielleicht kannst Du ja mal ein bisschen nachüberlegen, warum es zu dem Ausbruch kam:

- wurde er abrupt aus einem Spiel rausgerissen, das ihn im Moment 1000 mal mehr interessiert hat als Lernen? (Ich weiß alles andere ist interessanter als lernen *grins*) Ich habe immer versucht die Lernphasen nach uninteressanten Tätigkeiten wie Aufstehen, Frühstück, Mittagessen zu legen.

- interessiert ihn das Thema nicht??? Vielleicht kann man es etwas interessanter verpacken (hat man als Mutter auch nicht immer Lust dazu, aber manchmal gehts)

- waren ihm die Vorbereitungen für 2 Tests zu viel? Dann lieber schon Freitags anfangen und in kleine Portionen aufteilen.

- Und ihm vielleicht nach der Stunde Wutanfall klar machen, dass er jetzt mit dem Lernen fertig wäre und man dann etwas schönes hätte machen können.

Das sind so die Gedanken, die mir dazu einfallen.

Ich muss aber auch sagen, dass unser Junior nie gerne gelernt hat. Nicht, dass er nicht wißbegierig wäre. Es gab Zeiten, da hat er die Wissenssendungen im Fernsehen aufgesaugt wie ein Schwamm. Er hat ein unheimliches Wissen über Sachen, die ich nicht im Ansatz weiß, aber trockener Schulstoff, den man lernen muss ....*ächz*

Unserer hat auch am Besten gelernt, wenn ich es ihm vorgelesen habe, da Lesen nie seine Leidenschaft war. Heute liest er schnell und gut, da er viel im Internet spielt und da auch sehr viel lesen muss. Tja, es muss halt nur der Anreiz dazu da sein.....;)

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim "Wutanfallimvorausvermeidungstaktiklernen".

Liebe Grüße

Moni



von Monkele - am 25.10.2009 18:51
Hallo Finchen,

ohhh, dass kenne ich sehr gut und morgen sind die Ferien vorbei... HILFE!
Hausis, Arbeiten...STRESS pur!

Ein Tipp von einem meiner vielen ;-)) Psychologen letzte Woche war super.

Ich spreche wieder noch mehr mit "Ich Botschaften" und geben meinem Kind daher die Chance zu erleben, was dieses Verhalten mit MIR macht.
Keine Schuldzuweisungen, keine Strafen etc., immer wieder in Beziehung treten und das Kind in Beziehung treten lassen, betonen, dass man die Mama ist und Mamas dürfen auch Anforderungen stellen, weil sie sich kümmern, sorgen etc.

Ich mache mir Sorgen...
Ich wünsche mir, dass...
Mich verletzt dass, wenn du mich so nennst...
Ich möchte eine freundliche Familie...
Ich fühle mich wohl wenn,...
Ich fühle mich nicht wohl, weil...
Ich bin deine Mama, ich begleite dich beim Zähne putzen, weil ich möchte, dass du dich in 10 Jahren über deine gesunden Zähne freuen kannst.
Ich verstehe die Aufgabe so. Wie verstehst du sie? Ich habe eine andere Meinung zur Lösung. Möchtest du sie wissen?

Meiner hielt bei einer seiner vielen Schimpfparaden, die wirklich böse unter die Gürtellinie gehen, plötzlich inne und nahm mich kurz danach in den Arm, als ich ihm sagte, dass mich das verletzte.
Es muss in dem Moment halt wirklich echt empfunden sein und man darf kein Gefühl der Bestrafung oder des Genervtseins in sich tragen sonst geht es nach hinten los und schadet der Beziehung nur.

Vielleicht magst du´s mal (wieder) so versuchen.

LG
Sonnenblume

von Sonnenblume80 - am 25.10.2009 20:57
Hallo Finchen,

meinen Vorrednerinnen kann ich mich nur anschließen, denn wenn ich nicht weiß, was den Wutanfall ausgelöst hat, dann weiß ich auch nicht, wie ich dem so recht begegnen soll.

Wenn mein Zwerg mich auf's Übelste beleidigt, dann sage ich ihm das auch und ich zeige ihm das auch. Ich denke, mit 9 Jahren wird er wissen, wie man sich fühlt, beleidigt worden zu sein. Also ziehe ich die volle Show ab: sagen, dass er mich beleidigt hat, stehen lassen. Wenn er später was von mir will, ohne sich entschuldigt zu haben, dann lasse ich ihn links liegen und sage ihm, dass er es auch alleine machen kann, er braucht mich ja nicht. Schließlich bin ich traurig, weil er mich nicht mag.

Das bringt ihn dann zum Nachdenken (hihi, oftmals gibt es auch schon Männergespräche, weil er vorsichtshalber erst mal zu Papa geht) und er entschuldigt sich und wir knuddeln uns. Das ist das, was ich wollte, warum wir uns gestritten haben, lass ich erst mal weit außen vor. Schließlich ist er ja auch froh, dass Mama wieder lieb mit ihm ist.

Geht es ums Lernen und er will nicht, weil er es einfach doof findet, lass ich ihn auch schon mal die Konsequenzen spüren. Dann lernt er halt nicht, er wird schon sehen, was herauskommt. Meist ging es allerdings sehr glimpflich aus. Er bekommt übrigens kein Taschengeld, aber Noten von 1 bis 3 werden gestaffelt ausgezahlt. Manchmal macht er uns arm ;-)

Mein Kind und ich sind übrigens echte Sturköppe und er weiß, wenn er heute drum herum kommt, sein Zimmer aufzuräumen, muss er es doch irgendwann machen, dann darf er z. B. erst raus oder fernsehen oder Nintendo spielen, wenn das Zimmer i.o. ist. Oder er sucht sein Spielzeug in der Tonne, denn dann hat er zu viel, wenn es ihm egal ist.

Mein Spruch: Ich habe 30 Jahre mehr Erfahrung im Stur sein als du!
Oder: Ich war auch mal klein und so wie du, ich kenne alle Tricks! Mir machst du nichts vor.

Manchmal könnte ich mich schon darüber amüsieren, wie sich alles wiederholt.

Liebe Grüße und ruhig Blut (ich weiß, leichter gesagt als getan)
Brit

von Frieda71 - am 26.10.2009 10:49
Herzlichen Dank an euch alle für die guten Tipps!
Werde mal sehen, was ich ausprobieren kann...

Ich denke, dass Frust und Stress ein großes Thema sind.
Das mit den "Ich-Botschaften" habe ich in einem Starke Eltern-Starke Kinder-Kurs vom Kinderschutzbund gelernt (man probiert ja sooooo vieles), aber wie das nun mal mit dem Durchhalten so ist (smile).

Den Nachmittag über gab es jedenfalls eine "Nachdenkzeit" im Zimmer,
inkl. alleine essen müssen.

Heute Morgen war es schon friedlicher, mal schauen, wie lange es anhält.
Seid lieb gegrüßt,
Finchen09

von Finchen09 - am 26.10.2009 16:22
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