lebt hier noch jemand mit mehreren ADHS-kindern?

Startbeitrag von urmely am 03.04.2010 13:10

vor längerer zeit hab ich hier schon mal mitgelesen und ein bißchen mitgeschrieben, irgendwann blieb dann keine zeit mehr dafür.

ich bin momentan wieder mal total am ende und mag nicht mehr. zu meiner lebenssituation:

mein mann (anfang 40) ist frührentner nach einem schlaganfall mit 30 jahren. er ist zuhause und kümmert sich um haushalt und kinder. leider ist er auch hochgradiger adhsler und hat schon eine lange karriere mit suchtproblematik hinter sich. momentan verbringt er wieder halbe nächte am pc.... er ist also gerade weniger gleichwertiger partner als mein 4., pubertierendes, kind.

mein großer (9) ist adhs mischtyp mit hochbegabung (iq 135). seit er auf der welt ist, ist er unterbeschäftigt und unzufrieden, dazu hat er eine ausgeprägten laberzwang. er bekommt derzeit concerta 27, was aber mittlerweile nicht mehr ausreichend scheint. zumindest meinte das die ärztin diese woche nach der auswertung der letzten videobeobachtung. von der zeit, in der die medis wirken bekomme ich so gut wie nix mit, da bin ich bei der arbeit (vollzeit). wenn ich gegen 18 uhr nach hause komme, hat die wirkung in der regel schon nachgelassen.
jetzt steht der wexel an die weiterführende schule an und ich hab magenschmerzen ohne ende. derzeit ist er im auswahlverfahren für den hochbegabtenzug an einem gymnasium in der nähe... die adhs-problematik habe ich dort bisher nicht erwähnt, da ich angst davor habe, dass er dann gleich den stempel weg hat. aber ob er zu den "richtigen" hochbegabten wirklich passt?

meine mittlere (8) ist adhslerin ohne hyperaktivität. von ihr hört und sieht man in der regel nix... auch nicht in der schule. auch sie hat einen iq von deutlich über 130.... es ist zwar auf der einen seite schön, dass sie nicht so fordernd anstrengend ist, aber auf der anderen seite muss ich mich immer bemühen an ihr dran zu bleiben. sie macht viel mit sich selbst aus, ich grüblerisch und kränkelt viel (bzw. fühlt sich krank...).

unser jüngster (5) ist momentan mein größtes sorgenkind. eigentlich wollten wir ihn dieses jahr einschulen. er ist nur 11 tage nach dem muss-termin geboren.
in den letzten monaten hat sich sein sozialverhalten aber dermaßen verschlechtert, dass ich mir sorgen mache, wie er damit überhaupt auf die schule gehen soll. er hat sich einen mächtigen fäkalwortschatz zusammengesammelt, den er auch extrem häufig nutzt. dazu ist er extrem hyperaktiv (wir stehen noch am beginn der tests, aber die ärztin zweifelt nicht daran, dass er adhsler ist) und extrem laut. er kann nicht normal reden, brüllt immer. tests beim HNO waren ohne besondere ergebnisse, er hört normal. aufgrund der bisher durchgeführten tests bei der adhs-ärztin geht diese davon aus, dass auch er einen deutlich überdurchschnittlichen iq hat. wenn er gefordert wird, kann er sich wenigstens für kurze zeit "zusammenreißen". wenn er sich langweilt (also z.b. am wochenende oder in den ferien) ist er unausstehlich. ebenso im kindergarten.

unser familienleben ist mittlerweile nur noch zum heulen. am liebsten würde ich meine sachen packen und alleine irgendwo hin fahren. mein mann sieht nicht ein, dass er mit seinen spontanaktionen und seiner unberechenbarkeit den kindern noch mehr "schadet". ich muss arbeiten gehen, da wir sonst von hartz4 leben müssten. automatisch kommt es immer häufiger dazu, dass wir erziehungstechnisch nicht mehr an einem strang ziehen, was ja auch wieder kontraproduktiv ist.

die wochenenden verbringe ich mittlerweile keifend und brüllend... ich weiß, dass das falsch ist, aber ich kann nicht mehr anders. die schaffen mich einfach:-(

am wochenende und in den ferien setzen wir meist die medis aus, da unsere großen extrem untergewichtig sind. dazu wäxt der große mittlerweile zu langsam... ich möchte aber meine kinder auch ohne medis mögen können....

wie schafft ihr es, euch aus solchen negativen spiralen rauszuarbeiten? ich möchte gerne mehr freude empfinden, wenn ich meine kinder sehe. aber momentan sehe ich nur chaos, dreck, verwüstung. wir räumen gemeinschaftlich auf und ca. 30 minuten später ist alles wieder ein chaos. incl. verschmierter farben, zahnpasta oder irgendwo festgeklebter kaugummis.

sorry, alles etwas konfus, aber so fühl ich mich momentan auch.

lg
urmely

Antworten:

hallo Urmely,

ich kann dich verstehen. ich kenne das gefühl, alleine abhauen zu wollen. ich habe nur ein kind, der adhs-ler ist, aber ich habe auch ads, gehe arbeiten, und habe kaum noch kraft einen 18-jährigen noch wie ein kleinkind zu behandeln.

in momenten, wo ich ausraste, schreie ich bis zur erschöpfung, nehme dann zitternd beruhigungstropfen und bin dann manchmal 4-14 tage krank/depressiv.

am meisten kann ich mich erholen, wenn ich absolute ruhe um mich habe. das heißt, ich besuche oft meine mutter und schaue dort fern. sie macht rätsel und somit ist es ruhig, außer die geräusche v. tv.

wünsche dir viel kraft und finde einen weg, wo du dir selber gutes tust, dich entspannen kannst. bei 4 kinder und einen mann, ist es nicht so leicht in der wohnung ruhe zu finden. geh nach der arbeit nicht sofort heim, sondern setze dich in ein cafe und tue so, als ob du ein single wärst.

denke dabei nicht an zuhause. vielleicht hilft dir das. oder wenn du nicht ins cafe willst, dann kannst du dich genauso in die lobby eines hotels verkriechen, dort zeitung lesen und so tun als ob du auf jemanden warten würdest.

grüße

von ingrid_57 - am 03.04.2010 22:21
Hallo Urmely,

deine Belastung kann ich dir nachfühlen, habe auch drei ADS'ler, glücklicherweise nun erwachsen.

Ich habe das Gefühl, du wirst zwischen der ganzen Situation zerrieben, da kannst du natürlich kaum noch Nerven haben.

Wäre dein Mann denn bereit mit dir in eine Eheberatung zu gehen, damit er wieder zum Vater und Partner wird und ihr gemeinsam eure Kinder unterstützt. Wahrscheinlich braucht ihr nur wenige Sitzungen.

Du sagst, du möchtest deine Kinder auch ohne Medis mögen. Für mich war immer ausschlaggebend, was meine Kinder mögen. Können sie sich denn selbst ausstehen? Meine Kinds habe die Medis auch am WE genommen, denn diese unterstützen ja nicht nur beim schulischen Lernen, sondern vor allem auch beim sozialen Lernen.

Das Wachstum wird von den Medis nicht beeinflusst, da gab es mal eine alte aber falsch interpetierte Studie, die längst vielfach als widerlegt gilt. Das Gewicht ist wirklich ein ernster Thema, wenn man sehr schlanke Kinder hat. Unser Kinderarzt, der ein harter Gegener der medikamentösen Behandlung war, sagte in diesem Punkt jedoch, solange die Kinder gesund sind, ist das Gewicht ok. Es gibt eben sehr schmale Kids.

Wir haben unsere Kids essen lassen, wann sie Hunger hatten, das war durch die unterschiedlichen Medis zu unterschiedlichen Zeiten. Die gemeinsamen Mahlzeiten muss man ja nicht aufgeben, nur dass man die unterschiedlichen Hungerbedüfnisse berücksichtigt. Zusätzlich kann man bei Kids, die sehr wenig essen, den Kaloriengehalt erhöhen, Sahne in den Kakao statt Milch und einen extra Löffel gutes Öl über den Salat oder das Gemüse. Da sind deinem Erfindungsgeist keine Grenzen gesetzt.

von Dagmar D. - am 04.04.2010 12:45
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