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ADHS ADS Selbsthilfe
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10
Erster Beitrag:
vor 6 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 6 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Zut, hilde, Dagmar D.

Anti-Agressionstraining?

Startbeitrag von Zut am 31.03.2011 10:44

Hallo zusammen,

ich hatte heute ein Gespräch mit der Religionslehrerin meines Sohnes (3.Kl).

Es ging um seine Beziehungsprobleme mit den anderen Kindern der Klasse, um die Spannungen zwischen ihnen und ihn.

Er schafft es nicht, sich in die Gruppe einzufügen, wird von manchen Kindern abgelehnt.

Ein Beispiel: eine Gruppe Kinder spielt im Schulhof zusammen, mein Sohn will mit ihnen spielen, mischt sich ein, ohne vorher zu fragen, ein Kind regt sich deswegen auf, weil mein Sohn trotz des klaren "Hör auf, uns zu stören!" weiter die anderen Kinder "stört".Es kommt zwischen den Beiden zu Handgreiflichkeiten.

In einer Gesprächsrunde sagten die anderen Kinder im Religionsunterricht, daß er sie gestört habe und daß er hätte mitspielen dürfen, wenn er vorher gefragt hätte.

Oder er nahm plötzlich das Religionsbuch des Nachbarkindes, ohne Vorfragen, weswegen das Kind selbstverstständlicherweise irritiert darauf reagierte.

Zu Hause haben wir das gleiche Problem: das Kind erkennt die innere Grenzen der Anderen nicht, unterbricht Gespräche, weil er gleich etwas Wichtiges sagen will, kann nicht warten, daß ich gerade eine Email fertig geschrieben habe, ich muß sofort kommen, um irgendetwas zu schauen und wir dann laut oft laut und gewalttätig (zeigt die Fäuste, greift mich an), wenn ich gegen seinen Willen vorgehe.

Gestern war der Geburtstag seiner kleineren Schwester, es kam zu 3 Vorfällen:
*beim Essen wollte er unbedingt am gleichen Platz wie immer sitzen, obwohl ich die Sitzordnung wegen der vielen Kinder diesmal anders gestaltet hatte.Er tauschte dann prostestierend die Teller aus und hörte nicht auf meine Aufforderung, doch an dem anderen Platz zu sitzen.
*beim Photographieren meiner Tochter -er saß in der Mitte des Tisches neben ihr-bat ich ihn, ein bißchen zur Seite zu rutschen, damit meine Tochter im Objektiv allein sichtbar sei (sie blas gerade ihrer Kerzen aus).Er wollte nicht.
*dann spielten die Mädchen im Wohnzimmer friedlich miteinander.Als ich kurz reinschaute, zielte er gerade mit seinem Bogen auf die Mädchen und ich forderte ihn auf, den Bogen aufzuräumen.Weil er ihn weder aufräumen noch geben wollte, mußte ich ihm den Bogen mit Gewalt aus den Händen reissen, was nicht einfach war, weil er jetzt mit 8 Jahre eine unglaubliche körperliche Kraft hat.
*später forderte ich ihn auf, den Fernseher wieder auszuschalten, um die Mädchen in Ruhe spielen zu können.Er weigerte sich, wollte weder ausschalten noch mir die Fernbedienung geben.Ich mußte ihn wieder die Fernbedienung mit Gewalt aus der Hand reissen und wurde auch laut.

Ich möchte jetzt die Psychologin vom SPZ fragen, ob es nicht ein Anti-Agressionstraining gibt, wo das Kind lernen kann, mit anderen Menschen ohne Gewalt und Agressionen zu kommunizieren.Denn ich stoße da als Mutter an meine Grenzen.

Hat jemand hier Erfahrungen mit einem solchen Trainining?

LGZuz

Antworten:

Hallo Zut,

ob es das für so kleine Kinder schon gibt, weiß ich nicht. Alternativ wäre ein Impulskontrolltraining oder eine Verhaltenstherapie möglich.

Kennst du das Buch Wackelpeter und Trotzkopf? Kann ich wirklich empfehlen.

von Dagmar D. - am 31.03.2011 18:32
Hi Dagmar,

vielen Dank für deine Antwort.

Ja, das Buch habe ich schon und möchte es nochmals lesen.Unser ADS Eltertraining stützte sich größenteils darauf, aber leider habe ich die Tipps nur kurzfristig umgesetzt, der alte Trott kam irgendwann wieder.Im Moment haben wir nur die Punktekarte wieder eingeführt, was dazu führt, daß es für Zähneputzen, HAs, usw. keine Kämpfe mehr.Vor 2 Wochen hat er sogar sein Schlafzimmer zum 1.Mal aufgeräumt, da war ich richtig verblüfft.

Ein Impulskontrolltraining...das hört sich nichht schlecht an.Ich werde die Psychologin fragen, was sie davon hält und ob das SPZ so etwas anbietet.Am Besten wäre ein Training in der Gruppe, damit er lernt, mit Frustrationen/ empfundene Agressionen (er ist sehr schnell beleidigt, fühlt sich oft ungerecht behandelt, was seine Wut und seine Agressionen auslöst) umzugehen.

Wird die Agressivität besser mit Ritalin?

LGZut

von Zut - am 01.04.2011 13:22
Hallo Zut,

"Wird die Agressivität besser mit Ritalin?"

das kenne ich in allen Schattierungen. Teilweise verbessert es sich drastisch, dann wenn die Kids zu wenig Aufmerksamkeit auf soziale Prozesse lenken können, weil sie sonst schon reizüberflutet sind.

Im anderen Extrem ergibt keine keinerlei Verbesserung durch die Medikation. Und diese Kinder brauchen dringend eine gute Therapie, denn das wächst sich leider nicht aus, sondern verstärkt sich in Richtung Pubertät immer mehr. Und alles was man vor der Pubertät erreicht hat, ist gut.

Und dazwischen liegen die Schattierungen. Das ist das schwierige an ADS, dass man leider nichts voraussagen kann und die Medilation auch nicht bei allen gleich hilft. Manchen Kids hilft es, wenn sie zusätzlich zum MPH noch Risperdal bekommen um die Affekte besser kontrollieren zu können.

Aber dein Ansatz, sich um eine Therapie zu kümmern, ist gut. Ich drücke dir fest die Daumen, dass bei euch ein solches Training angeboten wird.


von Dagmar D. - am 01.04.2011 18:57
... falls bei euch die situation auch so schwierig ist, einen freien platz (einzel- od. gruppentherapie) bei einem verhaltenstherapeuten zu bekommen, könntest du dich auch nach einer spezialisierten ergo-praxis erkundigen.

bei uns gibt es z.b. eine praxis, die solche gruppen für kinder aufgrund langjähriger erfahrung und intensiver fortbildung sowie zusammenarbeit mit kinderpsychiatern mit gutem erfolg anbietet...

aber vielleicht seid ihr in eurer region mit therapiemöglichkeiten ja auch gesegneter?

viel glück jedenfalls wünscht

hilde.

von hilde - am 04.04.2011 14:41
Hi Hilde,

vielen Dank für den Vorschlag!

Ich muß sagen, daß ich schon daran gedacht habe.In unserem Dorf gibt es eine Ergo-Praxis, die sich auf ADS spezialisiert hat und Konzentrationstraining nach dem Margdeburger Modell anbietet.Ich weiß nicht, ob sie auch ein Verhaltenstraining zur Impulskontrolle anbieten, aber ich werde einfach mal fragen.

Ansonsten sind mir Verhaltenstherapeuten in unserer Gegend, die sich auf ADS spezialisiert haben, nicht bekannt.Sind das in der Regel Psychologen?

Unsere KIA-Praxis hat leider ADS 6 Jahren lang übersehen, trotz meinen wiederholten Fragen und Hinweisen.Die beiden KIÄ sind leider nach wie vor von keiner Hilfe, alles läuft jetzt nur noch über das SPZ.Die Überweisungen hole ich mir von meiner HÄ, die auch die Briefe des SPZ bekommt.

Am Freitag habe ich einen Termin mit der Psychologin meines Sohnes im SPZ, schau mal, was sie dazu sagt.Die Leistungen in der Schule sind Spitze (1,6 Notendurchschnitt in den Hauptfächern), die letzten Konzentrationstest im SPZ sind sehr gut verlaufen.Das Hauptproblem liegt also jetzt bei der Verhaltenskontrolle, der Kontrolle der Impulsivität, der agressiven Impulse Beim letzten Besuch einer Freundin seiner Schwester hat er diese fast erwürgt, weil sir ihm versehentlich weh getan habe.Die Mama wird sich lange nicht mehr trauen, ihre Tochter zu Hause allein zu lassen.Oder er umarmt einen von hinten ruckartig mit voller so, daß es weh tut.Wenn das besser wird, dann haben wir fast ein normales Kind.

LGZut

von Zut - am 04.04.2011 20:15
Hallo Dagmar,

vielen Dank für deine Antwort!

Zitat
Dagmar D.
Im anderen Extrem ergibt keine keinerlei Verbesserung durch die Medikation. Und diese Kinder brauchen dringend eine gute Therapie, denn das wächst sich leider nicht aus, sondern verstärkt sich in Richtung Pubertät immer mehr. Und alles was man vor der Pubertät erreicht hat, ist gut.


Ja, ich sehe es auch so.Er ist 8 Jahre alt, in 4 bis 6 Jahren ist er in der Pubertät und da wird es sicher zunehmend schwieriger.Wenn ich sehe (spüre), welche körperliche Kraft er schon hat und wie er mir manchmal die Fäuste zeigt oder versucht, mich zu schlagen, dann macht mir die Zukunft richtig Angst.

Zitat

Und dazwischen liegen die Schattierungen. Das ist das schwierige an ADS, dass man leider nichts voraussagen kann und die Medilation auch nicht bei allen gleich hilft. Manchen Kids hilft es, wenn sie zusätzlich zum MPH noch Risperdal bekommen um die Affekte besser kontrollieren zu können.


Ja, das habe ich gelesen.Ich mache mir keine Illusionen über MPH, aber ich denke, ein neuer Versuch ist es wert.Er hat zwar bei 10 mg mit einer extremen Agressivität darauf reagiert, aber die neue KIÄ im SPZ meinte, es könnte sich um einen Rebound-Effekt gehandelt haben, der nach ein paar Monaten nachlassen kann.In der Tat war er nur am Nachmittag agressiv (der Versuch war in den Ferien, so daß wir ihn gut beobachten konnten).

Zitat

Aber dein Ansatz, sich um eine Therapie zu kümmern, ist gut. Ich drücke dir fest die Daumen, dass bei euch ein solches Training angeboten wird.


Vielen Dank!

LGZut

von Zut - am 04.04.2011 20:22
hallo, zut!

verhaltenstherapeutin haben in der regel eine grundausbildung als psychologen, pädagogen oder sozialpädagogen. zu erfragen wären die bei euch zugelassenen v-therapeuten dann sicher auch über das spz. du kannst aber auch bei der kassenärztl. vereinigung nachfragen.

mit unserem sohn habe ich übrigens über lange zeit geübt, dass er andere nicht im hals-nacken-bereich anfasst und immer eine armlänge abstand einhält...

gruß von hilde.

von hilde - am 05.04.2011 14:38
Hi Hilde!

Zitat
hilde
hallo, zut!

verhaltenstherapeutin haben in der regel eine grundausbildung als psychologen, pädagogen oder sozialpädagogen. zu erfragen wären die bei euch zugelassenen v-therapeuten dann sicher auch über das spz. du kannst aber auch bei der kassenärztl. vereinigung nachfragen.


Ich war heute bei der KIÄ, weil ich jetzt die ÜW nur noch über sie bekommen kann.Ich habe sie gefragt.Sie selbst bietet sowas nicht an, und sie weiß sonst nicht, wer/wo so ein Training anbietet.Morgen habe ich den Termin bei der Psychologin im SPZ, ich hoffe, ich denke daran, sie danach zu fragen.

Zitat

mit unserem sohn habe ich übrigens über lange zeit geübt, dass er andere nicht im hals-nacken-bereich anfasst und immer eine armlänge abstand einhält...

gruß von hilde.


Wie alt ist er? Hat das bei ihm was gebracht?

Mein Sohn hat gerade meine Tochter an den Armen von hinten ziemlich brutal angefasst, ich dachte, er bricht ihr die Arme.Da ist mir der Kragen echt geplatzt.Er wollte mir partout nicht sagen, warum er das plötzlich getan hatte, obwohl sie ihm gerade nichts getan hat.Er hat mich nicht mal in die Augen geschaut, da ist meine Wut entbrannt.Das ist in einen Streit eskaliert, mein Mann hat sich eingemischt, flüstert mir nebenbei, wenn es so weiter geht, dann trennt es sich von mir, das war also ob, er mir einen Messer ins Herz gestochen hätte.Tränen, Selbstmordgedanken waren bei mir die Folge, dann hat er sich entschuldigt und habe dabei wie ein kleines Kind geweint.Ich könnte echt jetzt eine Pille einnehmen und für immer verschwinden, ich kann echt nicht mehr.Eine Beruhigungspille habe ich gerade genommen.Ich glaube, ich gehe morgen zu HÄ und frage nach einer Kur, allein oder mit meiner Tochter, um wieder Kraft zu tanken.So bald die beiden Nervensägen da sind (Mann, Verdacht auf ADS und Sohn) gibt es Krach, das ist echt nicht mehr auszuhalten.Ich kann es nicht erwarten, daß Sohni Ritalin nimmt und gut eingestellt ist, evtl. mit Risperdon.Wobei mir Strattera am Liebsten wäre, wegen der durchgehenden Wirkung.Ich habe Angst mit Ritalin vor dem Rebound-Effekt am Ende des Tages und die Abende werden sicher schlimmer werden als sie es ohnehin schon so.Ich hätte so gerne ein normales Leben mit normalen Kindern.UNd dann bin ich weiter zu 99% für die Behandlung des ADS Kindes verantwortlich, was mich überfordert.Morgen fahre ich wieder allein zum SPZ, weil mein Mann sich nicht frei nehmen will.Ich kann nicht mehr, echt.Und dann die Schuldgefühle, wenn das Kind sich in der Öffentlichkeit daneben benimmt, dieses Gefühl, die Anderen mit ihren zornigen Gesichtsauszügen sind der Meinung, daß du in der Erziehung eine totale Versagerin bist.Dieses Schicksal wünsche ich niemand.Ich fühle mich ständig bestraft.Vielleicht wäre eine Trennung (ich und meine Tochter, mein Mann und mein Sohn) die bessere Lösung.Nicht für das Kind, sondern für mich, um wieder ein normales Leben zu leben.Manchmal wünsche ich mir, daß dieses Kind nie geboren wäre.

Jetzt wünsche ich mir, daß das Kind nur ruhiggestellt wird und nie mehr überall aneckt, daß keiner mehr mir irgendwas vorwirft.Ich werde auch andere ADS Bücher lesen, insbesondere das Buch von Dagmar und von Elisabeth Claus.

Wie geht es deinem Kind eigentlich? Nimmt er MPH?

LGZut

von Zut - am 07.04.2011 18:42
liebe zut,

eine kur ist eine super idee - weißt du, wie du die beantragen kannst?

unser sohn ist z.zt. in stationärer behandlung. ambulant hat es nicht mehr hingehauen. er ist medikamentös sehr schlecht zu behandeln. hat lange diverse methylph.-präperate (medikenet, equasym, concerta) erhalten, die jedoch bei ihm immer relativ rasch die wirkung verloren und er immer höher dosiert wurde.
stattera hilft nur bei wenigen kindern - bei meinem sohn hat es nicht geholfen. risperidol hat er nicht vertragen, amphitamin ebenfalls nicht.
jetzt wird stationär nochmal geschaut, wie es gehen kann.

er ist 11 jahre, hat auch schon 2 jahre verhaltenstherapie (allerdings als einzeltherapie) hinter sich.

körperliche grenzen, wie die beschriebenen einzuüben, hat eigentlich ganz gut geklappt. hat aber einige monate gedauert.

gruß von hilde.

von hilde - am 08.04.2011 16:59
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