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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
13
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Steffi1, Wahlpöttler, tiger40, Nana, Emmi78, silkesluka, Dagmar D.

Diagnose "Hyperaktivität/ADHS" durch Kinderarzt - wo gehe ich zum SPZ?

Startbeitrag von Steffi1 am 03.07.2013 09:15

Guten Morgen,

ich bin neu in diesem Forum, neu im Thema ADHS und bin sehr verunsichert.

Es geht um meinen Sohn, der nun 8, fast 9 ist und am Ende der zweiten Klasse steht.
Im Grunde hat Sohnemann Probleme seit er auf der Welt ist: schreibaby, hat nur wenige Stunden am Tag geschlafen, irgendetwas zwischen hysterischem und Tobsuchtsanfall als Kleinkind aus nichtigsten Anlässen, hatte Integrationsprobleme im Kindergarten, hat sich dort entweder superwohl gefühlt oder wollte gar nicht hin. Auf der anderen Seite war er sprachlich extrem früh extrem weit, war unglaublich sozial und einfühlsam - hatte aber gleichwohl Probleme, Kontakte zu knüpfen obwohl er sie beständig suchte- war ab dem Moment in dem er laufen konnte immer in Aktion und Bewegung und das immer am Limit.

Im Lauf der Jahre verschärften sich die Probleme.
Ich bin zig Wege gegangen, meist ohne Ergebnis (Erziehungsberatung, Heilpraktiker, Kinderarzt, kinesiologe, Gespräch mit einer Kinderpsychologin, Institut für Lernförderung). Das einzige Ergebnis erbrachte ein Test auf Hochbegabung. Er gilt als hochbegabt, wirkt aber gar nicht so, die schulischen Leistungen werden kontinuierlich schlechter...

Mittlerweile macht sein Verhalten echte Probleme.
Er redet den ganzen Tag ohne Pause, schnell, laut und hämmernd.
Er ist immer in Aktion, teilweise wie unter Zwang. Z.B. Steht er in der Küche und stampft mit den Füßen, schüttelt Arme und Kopf in einem irren Tempo. Auf die Frage "was tust du da? Warum machst du das?" antwortet er:"weiß nicht, ich muss das machen".
Er erledigt alles im Eiltempo, lässt sich aber selten richtig auf etwas ein.
Er nimmt alles wahr, ist mit der Aufmerksamkeit überall und dadurch abgelenkt und unaufmerksam.
Sorge macht mir, dass das alles ihn, aber auch uns zunehmend ins Abseits katapultiert. Mein Sohn sucht einerseits Anschluss, schafft es aber nicht in einer Gruppe zurecht zu kommen. Wo er ist, gibt es Stress. Wo er dabei ist, ist es laut, undiszipliniert, wild. Er leidet unter starken Stimmungsschwankungen, manchmal wirkt er auf mich regelrecht depressiv. In letzter Zeit kommt zunehmend Aggressivität ins Spiel, die oft von seiner Seite ausgeht. Früher war er genau das Gegenteil...
Dazu kommt ein übertriebener Gerechtgkeitssinn, der fast an Gerechtigkeitswahn grenzt und auch ganz komisch argumentiert. Überhaupt wird alles be- und zerredet. Er erkennt keine Regeln mehr an und argumentiert wie wild.

Das alles hat sich durch die Schule ganz stark verstärkt und tut es immer weiter.
Er fängt oft nicht an und wird nicht fertig.
Er kann kaum lesen und schreiben (Ende klasse 2).
Die Handschrift ist schlecht.
Er schusselt wie wild (verwechselt Rechenzeichen, verdreht Zahlen, liest Aufgabenstellungen nicht oder falsch).
Ein grosses Problem sind die Hausaufgaben. Wir haben fast jeden Mittag ein Drama zuHause. Wenn er beim Abholen ein grimmiges Gesicht macht, graut mir schon. Es kostet z.T. Ganze Nachmittage. Drama!!!
Manche Sachen kann er wirklich nicht. Neulich war die 8er Reihe auf. Wir haben geübt bis sie für mein Gefühl "saß". Am nächsten Tag war es, als hätte er sie nie gelernt. Und das war wirklich so. Also haben wir sie neu gelernt. Beim Abendbrot bricht er in Tränen au s, weil er angeblich die 8er Reihe nicht kann. Er Versicherte mir, er könne sie nicht mehr, er wüsste gar nichts.

Am letzten Elternsprechtag meinte seine Lehrerin, er sei wahrscheinlich Hyperaktivität. Aber da solle ich gar nichts machen. Medikamente wären auch keine Lösung. Insgesamt lehnt sie Kontakte zu den Eltern leider ab. Auch Gespräche gibt es außer dem obligatorischen Elterngespräch im Januar keine.
Von meinem Sohn weiß ich allerdings, dass sie von ihm sehr genervt ist und ihn (und andere) oft anbrüllt, weil er unruhig ist. Das ist keine Art. Allerdings ist er unruhig (bei den HA heisst auf dem Stuhl sitzen, dass er auf seinem Stuhl sitzt, kniet, steht, das gleiche auf der Lehne, er steht auf, rutscht, zappelt, ...)

Mittlerweile bin ich am Ende.
Er verbaut sich in Klasse 2 schon die Schule.
Er wird immer mehr zum Außenseiter.
Das betrifft aber auch mich und den Kleinen. Wo immer wir sind, mischt er alles auf. Ich stoße immer wieder auf Ablehnung. Es gibt Vowürfe ohne Ende von allen Seiten, ich wäre nicht konsequent, nicht streng genug, zu streng. Meine Eltern meinen, ich würde zuviel machen, weil wir am Wochenende Veranstaltungen wie Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr besuchen. ("das Kind kommt überhaupt nicht zur Ruhe" ) dabei macht er keine Kurse und Vereine, weil das immer schlecht funktioniert.
Dem Kleinen werde ich vermutlich viel zu wenig gerecht, weil Sohnemann permanent meine Aufmerksamkeit erfordert.

Nun war ich bei einer neuen Kinderärztin. Sie sagte, er hatte wohl ADHS. Wir sollen zum HNO-Arzt, um eine auditive wahrnehmungsstörung ausschließen zu lassen. (dr. Erb in Ffm) wir haben ein Rezept für Ergotherapie. Und sollen zum Osteopathen (Heinze in Langen). Außerdem soll ich zu einem "Sozialpädagogischen Zentrum" SPZ gehen. Diese seien in den Kinderkliniken Offenbach, Ffm-Höchst und Darmstadt. Außerdem gäbe es in Ffm noch eine weitere Stelle, die ADHS diagnostizieren könne, die sie aber nicht kennt. Könnte das Rode-Köttelwelsch sein? (habe ich ergoogelt)

Soll ich das tun? Was muss ich beachten? Die Wartelisten sind ja soooo laaaang....wohin wende ich mich am Besten?

Außerdem hat die Kinderärztin gemeint, die Schule würde immer schwieriger für ihn. Ich solle über einen Schulwechsel in Richtung Waldorf oder Montessori nachdenken. Und ich solle froh sein, wenn er überhaupt irgendwie halbwegs manierlich durch die Schul käme!

Ich bin echt verzweifelt.
Was soll ich jetzt machen? Was ist wichtig? Bestimmt hätte ich früher reagieren müssen, nicht erst in Klasse zwei.

Dabei ist mein Großer eigentlich ein lieber Kerl. Er ist neugierig und aufgeweckt und kannecht so unglaublich lieb und süß sein!

Ich glaube, ich habe viel zu viel geschrieben.
Sorry.
Sollte jemand die Geduld haben, bis hier hin zu lesen, würde ich mich über eine Antwort riesig freuen! Danke!

Steffi1

Antworten:

Hallo Steffi,
das was du da schilderst, hört sich ganz stark nach ADSH an. Mit Sicherheit ist er auch hochbegabt (bei ADS beinahe die Regel). Das sich Hochbegabung zwangsläufig positiv in den Schulnoten wiederspeigelt, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die besten Schulnoten bekommen nämlich die Schüler, die am besten mit der Lehrmethode und dem Schulsystem zurecht kommen. Hochbegabte im Allgemeinen und ADS´ler im Speziellen gehören aber definitiv nicht dazu. Wenn man versucht sie, so wie man es in meiner Schulzeit praktizierte, mit Gewalt auf die Spur zu bringen, endet das meist erfolglos und hinterläßt Schäden bei den Kindern. Ich fing z. B. an zu stottern und kam davon die nächsten 30 Jahre nicht mehr los. Ich kann zwar nur aus meiner (leidvollen) Erfahrung sprechen, aber erkenne bei deinem Sohn eine Menge Parallelen. In Vielem ähnelt das was du über deinen Sohn schreibst meiner eigenen Kindheitserfahrung. Lediglich die Hyperaktivität äusserte sich bei mir etwas anders. Ruhig sitzen bleiben konnte ich auch kaum, habe aber Sport gehasst wie die Pest (mach ich heute noch). Das Problem in der Schule lag für mich in der gängigen Lehrmethode. Ich lerne von "Innen nach aussen", das heist , ich muss verstehen was ich lerne und kann z. B. keine Formeln pauken. Überhaupt haben Hochbegabte im Allgemeinen große Probleme sich Wissen künstlich anzueignen. Entweder man versteht was da zu lernen ist oder man ist chancenlos. Auswendig lernen war für mich z. B. so gut wie unmöglich. Um z. B. Autofahren zu lernen, bin ich bei der Physik angefangen. Ich mußte verstehen wie ein Motor, ein Getriebe und das ganze Auto funktioniert bevor ich auch nur einen meter fahren konnte. Einfach nur erklären welche Schalter und Hebel zu betätigen sind reicht nicht, ich muß verstehen was ich da tue. Ein weiteres wichtiges Element sind Bilder. ADS`ler und besonders Jungen denken oft in Bildern. Z. B. hatte ich mit Geometrie nie ein Problem (kann man zeichnen, sind Bilder) bei Algebra, also reinem Formelpauken, jedoch war ich chancenlos. Eine Mathearbeit in Geometrie machte mir richtig Spass und ich heimste dabei gute Noten ein. Gab es aber Algebra wurde es zum Lottospiel. Das ist kein Witz, bei Algebra habe ich wirklich oft geraten und dabei manchmal noch eine 4 gerettet.
Später während meines Ingenieurstudiums hatten wir einen hervorragenden Mathematikprofessor. Er brachte es fertig mir den versäumten Lehrstoff (Algebra) der letzten 5 Schuljahre innerhalb von 20 Minuten beizubringen. Wie? Natürlich mit Bildern und Diagrammen. Danach war Mathe plötzlich so einfach..
Das größte Problem in meinem Leben war aber das Vergessen und das fehlende Zeitgefühl. Regelmäßig habe ich Geburtstage und Jubiläen vergessen. Auch wichtige Berufliche und Private Termine wurden regelmäßig verschusselt. Sogar mein erster Hochzeitstag.. aber das ist eine andere Geschichte. Ein Therapeut erklärte mir einmal warum das so ist. Stell dir den Kopf eines Menschen wie einen großen Lagerraum vor. Die meisten Menschen haben dort ihr Wissen relativ ordentlich in Regalen gestapelt und haben jederzeit guten Zugriff darauf. Im Kopf eine hochbegabten AdS´Ler, also auch im Kopf deines Sohnes, befindet sich oft sehr viel mehr Wissen, allerdings befindet es sich in einem großen ungeordetem Haufen so dass er es nur schwer wieder findet. Wahrscheinlich ist die gelernte 8-er-Reihe bei deinem Sohn ebenfalls auf diesen Haufen gelandet. Ich will damit sagen, dass er zu dem Zeitpunkt wo ihr gelernt habt, die Sache wohl verstanden hatte aber dann wie er sie brauchte sie nicht mehr so schnell finden konnte. Intensiveres Lernen bringt da also überhaupt nichts.
Ja, was meine Handschrift angeht..seitdem es Textverarbeitung gibt kann ich endlich meine eigene Schrift lesen.
Wie ich meine offizielle ADS-Diagnose bekam, war ich 43 Jahre alt. Allein das Wissen darum war etwa 80% der "Therapie". Als ich wusste, das bei mir einige Dinge einfach anders funktionieren konnte ich entsprechend darauf reagieren. Den Rest regelte ich mit Methylphenidat (Ritalin). Dein Sohn geniest den riesigen Vorteil das er weis das er ADS hat. Er und sein Umfeld sind zumindest teilweise in der Lage darauf zu reagieren (und nicht mit "manuellen" Diskussionen wie in meiner Kindheit)
Ich empfehle dir, dich mit einschlägiger Literatur einzudecken um so viel wie möglich über ADS zu erfahren. Weiterhin empfehle ich dir, auch wenn viele das nicht gerne lesen werden, deinem Sohn Methylphenidat (Ritalin) verschreiben zu lassen. Und zwar aus folgenden Gründen: Ritalin hilft ihm sich zu konzentrieren, er erfährt, wie es ist "Normal" zu sein. Er hat dann eine Vergleichsmöglichkeit. Ich meine damit (so war es jedenfalls bei mir) wenn du ihm jetzt bittest ruhig zu sein, sich zu konzentrieren usw. hat er keine Ahnung was du eigentlich von ihm willst weil er es nicht verstehen kann. Mit Ritalin merkt er plötzlich wie das ist "ruhig zu sein" Was Konzentration bedeutet usw. Er kennt also zumindest ansatzweise "beide" Seiten. Für mich tat sich mit 43 Jahren plötzlich eine neue Welt auf. Heute, mehr als 10 Jahre später, nehme ich immer noch Ritalin, aber deutlich weniger (so 1 Tablette am Tag bei Bedarf, oft auch tagelang überhaupt keine). Ich habe gelernt auf die ADS-Symptome zu achten und kann sehr oft gegensteuern. Ohne Ritalin wäre das nicht möglich, da ich die Symptome überhaupt nicht wahrnehmen, bzw. erkennen würde. Darin sehe ich den größten Vorteil von Methylphenidat.
So, ich glaube fürs Erste reicht das (das Problem, kein Ende finden zu können habich immer noch..)
Viel Grüße aus dem Ruhrgebiet und alles Gute für dich und deine Familie

von Wahlpöttler - am 03.07.2013 17:38
Hallo Steffi


Als ich gestern die Geschichte von dir und deinem Sohn gelesen habe dachte ich kurz es ist die unsere.Mein großer ist in der zwischenzeit 11 und ein guter Realschüler in der 5ten Klasse.

Er war auch schreikind 8monate exstreme wutataken als kleinkind und konnte sich auch sehr früh sehr gut ausdrücken.Ob er hochbegabt ist weis ich nicht aber er hat teilbegabungen zb eine unglaubliche merkfähigkeit das heist wenn er im unterricht aufpasst mus er praktisch nichts lernen ein Buch das er gelesen hat kann er fast wörtlich widergeben.Im gegenzug hat er eine motorische enwicklungsstörung und kann zb keine schuhe binden oder gerade schneiden.

möchte nicht so viel von uns schreiben wenn du magst kannst du unter es kann auch segen sein nachlesen ist aber schon eine weile her.

Mein sohn nimt seit mitte der 2ten Klasse Medikinet ich habe mich lange dagegen gewehrt haber sei Leidensdruck war einfach zu Groß.seitdem kann er zeigen was in ihm steck weis was normal ist wie man sich verhält und kann sich konzentrieren und die Schule macht ihm Spass auch wenn er das nie zugeben würde.

Mit anderen schularten ich glaube das er da die selben schwierigkeiten hätte.Unser KA der auf ADS speziallisirt ist hat uns damals von der Waldorfschule abgeraten da die klassen noch größer sind un unsere Kinder Struktur brauchen.

So so viel wollt ich gar nicht schreiben aber ich will dir mut mache aus einem schulhasser kann ein guter schüler werden der gern zur schule geht.

LG Tiger

von tiger40 - am 04.07.2013 06:34
Hallo Steffi,

ich glaube, so ziemlich jeder hier kann Dir die meisten Verhaltensweisen bei seinem eigenen Kind bestätigen.

Was die Termine beim SPZ oder der Kinder- und Jugendpsychiatrie angeht: anrufen, fragen, betteln.
Immer wieder und bei allen, die Du erreichen kannst!

Ich würde als "Überbrückung" schon mal versuchen Termine bei einem Ergo- oder Verhaltenstherapeuten zu bekommen (Rezept vom KiArzt).
Vermutlich wird die Therapie erst mal nicht viel Erfolg haben, aber es ist ein Anfang!
Und wenn der Therapeut nicht weiterkommt, gibt es vielleicht auch schneller einen Termin im SPZ (funktioniert manchmal, aber leider nicht immer!)

Mein Großer (10) bekommt seit er in die Schule gekommen ist Medikinet.
Ohne die Medis hätte er die Förderschule besuchen müssen.
Er ist ein sehr guter Schüler.

Als er bei seiner Ergotherapeutin war und zum ersten Mal seine Tabletten genommen hatte, konnte er die Aufgaben vollständig erledigen. Eine Premiere!
Als wir dann rausgekommen sind, sprang mein Großer plötzlich wie ein Wilder herum und jubelte:
"ICH BIN NICHT BLÖD!!!"
Das war einer der schönsten Momente in meinem und vermutlich auch in seinem Leben!

Ich wünsch Dir viel Erfolg und alles Gute!!
Liebe Grüße,
Silke

von silkesluka - am 04.07.2013 07:10
Hallo Wahlpöttler,

Vielen Dank für Deine ausführliche Mail. Ich habe mir fest vorgenommen, beim Lernen zukünftig "optischer" vorzugehen. Außerdem war ich erstaunt darüber, wie sehr Du auf den Aspekt der Hochbegabung eingegangen bist. Das habe ich bislang in weiten Teilen ausgeblendet, da es mir nicht so stichhaltig und nicht so wichtig für unsere Probleme zu sein schien. Wahrscheinlich greifen verschiedene Punkte ineinander. Auch dass Du Abitur gemacht und studiert hast, hat mir nach der Aussage der Kinderärztin echt gut getan. (nicht dass er zwingend sein Abi machen muss, aber dass er die Chance noch hat, finde ich richtig gut!)
Danke fürs Erklären und Mutmachen!
Viele Grüße und alles Gute auch für Dich!
Steffi

von Steffi1 - am 05.07.2013 19:58
Hallo Tiger,

Es tut echt gut, zu lesen, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Und vor allem, dass es die Chance auf Besserung gibt.
Das was Du über die für unsere Kinder wichtigen Strukturen geschrieben hast, habe ich im Hinblick auf Montessori schon überlegt. Wenn er sich so schon ständig ablenken lässt, ist es bestimmt sehr schwer sich seinen Unterrichtsstoff selbst auszusuchen und alleine zu bearbeiten. Waldorf kenne ich bisher zu wenig....
Vielen Dank fürs Mutmachen. Vielleicht fasst Sohnemann ja doch noch mehr Fuß in der Schule.

Viele Grüße
Steffi

von Steffi1 - am 05.07.2013 20:10
Hallo Silke,

An der Ergotherapie bin ich dran. Wir sind spätestens Anfang September dran und stehen dort auf der Warteliste falls vorher jemand ausfällt. (bis letzte Woche war mir Ergotherapie gar kein Begriff...). Danke für den Tipp mit der Ergotherapie und dem Termin beim SPZ. Seid ihr auch aus dem Rhein-Main-Gebiet? Wenn ja, ist eine Stelle zur Überprüfung von ADHS besonders bzw. gar nicht zu empfehlen? Muss ich auf irgendetwas achten?

Auf jeden Fall freut es mich so sehr, zu lesen, dass Dein Sohn und andere Kinder "die Kurve gekriegt" haben. Ich hab mich nach dem Besuch bei der Kinderärztin richtig schlecht gefühlt. Vielen dank fürs Mutmachen.

Alles Güte für Euch!
Viele Grüße
Steffi

von Steffi1 - am 05.07.2013 20:31
Hallo Steffi,

kommst du aus Frankfurt? Dann kann ich dir gute Adressen geben, wo du auf kompetentes Personal triffst.

Schreibe mir mal eine Mail, denn im Forum veröffentlichen wir keine Ärzteadressen. Meine Mailadresse siehst du, wenn du auf meinen Namen klickst.

von Dagmar D. - am 07.07.2013 08:08
Hallo Steffi,

ein herzliches Willkommen hier im Forum. Mein Sohn (übermorgen wird er 9) leidet auch an ADHS. Die Diagnose wurde kurz nach seinem fünften Geburtstag gestellt. Am Anfang wollten wir die Diagnose nicht wahrhaben, ja haben uns eingeredet sie sei falsch. Als er dann im September 2011 eingeschult wurde, dauerte es keine 4 Wochen, bis uns sein Lehrer anrief.

- er sei unkonzentriert
- laufe im Klassenzimmer spazieren
- störe seine Mitschüler durch "Geräusche"

Ja, da wir wie bereits gesagt, die Diagnose nie wirklich wahrhaben wollten, haben wir sie in der Öffentlichkeit (u.a. auch bei der Schuleinschreibung) verschwiegen. Wohl auch weil wir uns dafür geschämt haben.
Von vielen Seiten haben wir zu hören bekommen, wir hätten unser Kind nicht richtig erzogen, wir sollten endlich mal durchgreifen... Leider haben wir das nicht nur von Menschen gehört, die nichts von der Diagnose wussten, sondern auch von der eigenen Familie (die darüber informiert waren). Und das schmerzt.

Nun auf Grund des Lehrergesprächs (im Oktober 2011) haben wir nach langen hin und her uns dazu entschieden ihn medikamentös einzustellen. Ich weiß noch, wie ich mit "Bauchschmerzen" und den ersten Ritalin Rezept in der Apotheke stand, als ich meine Bedenken und mein Unwohlsein bei der Apothekerin schilderte meinte sie nur: "Ach, was meinen Sie, wie viele solche Rezepte täglich bei uns eingereicht werden!"
Das war kurz vor Weihnachten 2011!

Heute gut eineinhalb Jahre später muß ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war, allerdings ist auch unser Sohn absolut kein guter Schüler, beim letzten Elterngespräch vor etwa acht Wochen meinte sein Lehrer er stehe im Gesamtbild so auf der Note 4, gut ist was anderes!

Ich weiß auch gar nicht mehr genau, wie es um seine Intelligenz stand, als vor mittlerweile fast 4 Jahre, die Diagnose gestellt wurde, ich meine er habe eine "durchschnittliche Intelligenz", was immer das auch heißen mag.

Nun ist das zweite Schuljahr fast zu Ende, und in Lesen tut er sich immer noch sehr schwer, ebenso in Rechtschreibung (die letzten beiden Diktate waren beide eine 6) Mathe fällt ihm zwar etwas leichter, aber manchmal denke ich er kapiert es einfach nicht, dazu kommt, dass er sich dann oft nichts sagen lassen will.

Mir graut schon vor der dritten Klasse die er ab September besucht, denn eines weiß ich von unserer älteren Tochter, leichter wird es nicht.

Ich kann dir nur den Tip geben dich nicht all zu sehr gegen Medikamente zu wehren, denn unser kleiner ist unter seinen Medis ein ganz anderes, liebes und vernünftiges Kind. Allerdings hat dies nichts mit ruhigstellen zu tun, wie doch von Laien oft unterstellt wird.

Liebe Grüße Emmi

P. S. Das schreiben in diesen Forum hat mir sehr geholfen, und hilft mir immer noch.

von Emmi78 - am 16.07.2013 13:01
Hallo allerseits
Emmi78 hat ganz recht, mit Ruhigstellen hat Ritalin (Methylphenidat) nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, "gesunde" Menschen benutzen Methylphenidat sogar als Droge um wach zu bleiben (Speed). Da aber ADS`ler auf Drogen (auch auf Alkohol) ganz anders reagieren, werden ADS`ler ganz ruhig und konzentriert mit Methylphenidat. Man kann die Wirkung ganz einfach erklären. Bei Menschen mit ADSH funktionieren die Synapsen, also die "Datenübertragung" vom Gehirn zum Körper, nicht richtig. Methylphenidat korrigiert diese Fehlfunktion weitestgehend. Die Wirkung ist also ähnlich wie eine Brille bei Menschen mit einer Sehstörung. Ganz egal wie man einen solchen Menschen erzieht oder wie sein Charakter ist, er wird ohne Brille nie richtig sehen können. Genauso verhält es sich bei Menschen mit ADSH. Die Funktion der Synapsen ist keine Sache der Erziehung oder des Charakters. Also lasst euch nichts von Erziehungsfehlern oder "ungezogenen Gören" erzählen. Allerdings gelingt es vielen ADS´lern die Defizite mittels ihrer Intelligenz, zumindest teilweise zu kompensieren. Methylphenidat ist dabei eine Große Hilfe, denn es hilft diesen Menschen sich zu orientieren und überhaupt erst zu verstehen was es heist ruhig und "normal" sein. Wie sehr Ritalin helfen kann die Konzentration zu steigern, habe ich am eigenen Leibe gespürt. Die Ergebnisse zweier Intelligenztests an denen ich teilgenommen hatte, differierten nur aufgrund der Einnahme von Ritalin, um 20 Punkte! Beide Ergebnisse waren im überdurchschnittlichen Bereich. Die Unterschiede waren eklatant in dem Bereich wo es um Zahlenkollonen, lange Rechenaufgaben oder einfach darum ging Dinge zu "sortieren" und das Ganze unter Zeitdruck. Ohne ritalin "verheddert" man sich einfach. Einen ähnlichen Effekt zeigte bei mir auch der Genuss einer halben Flasche Rotwein. Das ist natürlich für Kinder völlig indiskutabel und auch bei Erwachsenen nur sehr bedingt anwendbar. Es zeigt aber auch eine große Gefahr für ADS`ler, die durch Methylphenidat erheblich eingedämmt werden kann. Viele ADS`ler spüren das bei ihnen irgendetwas nicht stimmt. Sie sind z. B. müde wenn andere wach sind und können dafür abends nicht einschlafen (so wie bei mir). Sie fangen dann an zu experimentieren und stellen dann fest, dass bei dem Konsum von Drogen so manches besser geht. Ich habe z. B. Jahrzentelang geraucht um ruhig zu werden. Manchmal trank ich, um abends einschlafen zu können einen ganzen Liter Rotwein. Mit der Einnahme von Ritalin ging es plötzlich auch ohne Rotwein und Zigaretten.
Dabei hatte ich noch Glück. Viele ADS`ler greifen zu härteren Drogen um ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Die Ergebnise sind dabei oft, vorsichtig ausgedrückt, "unbefriedigend". Ich bin überzeugt, mit Methylphenidat wäre so manchem eine Drogenkarriere erspart geblieben.

von Wahlpöttler - am 16.07.2013 20:42
Hallo Wahlpötter

Danke für deine ausführungen ich finde sie sind immer sehr schön zu verstehen.

Als es damals bei uns drum ging ob Medis oder nicht sagte unser KA das ich glaube sogar 60%aller nichtbehandelten ADSler zu Drogen oder Genusmittel greifen.

Mein Großer reagiert aut zb Cola auch andersrum und wird ruhiger.
Was machst du gegen einschlafpropleme? Mein Merlin brauch immer ewig meist bis 23.00 Uhr und kommt dan morgens nicht aus dem bett am WE schläft er dann oft bis 10.00 Also er braucht seinen schlaf es ist nur alles verschoben Mein KIA hat gemeind wir sollten es mit melantonin versuchen aber mir graut es ihm nochmal ein med. zu geben.

Zu den Drogen, ich denke in der zwischenzeit das auch ich ADS habe sehe viele änlichkeiten muss mich schwer strukturiren usw. ich habe nach meinem Großen 9 Jahre nicht geraucht und dafür Schokolade gegessen seit 2 jahren Rauche ich wider und Trinke unmengen Kaffee.

Einen schönen Tag Tiger

von tiger40 - am 17.07.2013 05:45
Hallo tiger 40,
deine Vermutung selber von ADS betroffen zu sein ist durchaus nicht unbegründet. ADS, so weis man heute, ist zumindest teilweise, auch erblich bedingt. Wenn ich so über die Lebensläufe meines Vaters und meines Großvaters nachdenke, (das was ich selbst erlebt habe und das was mir erzählt wurde) so muß ich feststellen, dass bei beiden vieles auf ADS hindeutet.
Natürlich war soetwas wie ADSH zu Lebzeiten meines Großvaters (1973 gest.) und zur Jugendzeit meines Vaters (2005 gest.) noch kein Thema. Mein Vater, als ältester von 13 überlebenden Kindern (meine Oma war 18 mal schwanger!) "genoß" eine gnadenlos konsequente Erziehung die ihren Höhepunkt dann gegen Ende des 2. Weltkrieges fand wo er als 16-Jähriger in den Krieg ziehen musste. Als einziges "Hilfsmittel" bei ADS-Sympomen galt damals der "Schlag an den Nacken", eine saftige Ohrfeige oder in hartnäckigen Fällen eine ordentliche Tracht Prügel. Seine ADS-Symptome wurden somit konsequent unterdrückt und kamen daher kaum zum Vorschein. Die Folgen dieser Unterdrückung konnte man ihm ansehen wenn man über ADS bescheid wussste. Genau wie ich stotterte er, allerdings hat er das bis an sein Lebensende beibehalten. Sein Selbstvertrauen war ebenfalls nur noch rudimentär vorhanden (meine Mutter trug ihren Teil dazu bei..) Bei meinem Großvater war das ganz anders. Er war dem Alkohol sehr zugetan und ein unruhiger Geist. War sehr impulsiv, cholerisch und wahrscheinlich (oft eine ADS-Eigenschaft) übersexualisiert. Natürlich wurde darüber nicht gesprochen (erzkatholisches Dorf im Münsterland) aber die 18 Schwangerschaften meiner Großmutter (Auch im damaligen Münsterland rekordvedächtig), sprechen für sich. Ich selbst habe 3 Söhne von denen zumindest der älteste starke ADS-Symptome zeigt. Auch bei einigen Geschwistern meines Vaters entdecke ich mittlerweile einige ADS-Symptome. Zu dieser Erkenntnis bin ich erst gekommen als ich schon 43 jahre alt war. Mein Großvater war da schon längst verstorben. Als ich anfing mehr und mehr über ADS zu erfahren, verstand ich auch einige Dinge im Leben meines Vaters und meines Großvaters.
Mein Vater fing an mir leid zu tun. Er konnte nicht richtig sprechen (ich habe mein Stottern mittlerweile im Griff) und wurde von meiner Mutter liebevoll unterdrückt. Das Thema ADS wurde als Anstellerei, Blödsinn oder als Psychoquatsch abgetan. Als ich bei meinem ältesten Sohn ebenfalls ADS-Symptome entdeckte wollte seine Mutter nichts davon wissen. Im Gegenteil reagierte sie noch schlimmer wie meine Mutter und tat alles als Ausrede und Unfug ab. Sie gab mir keine Chance auf unseren Sohn entsprechend einzuwirken. Dabei hätte ich ihm als Betroffener und mittler weile auch schon etwas Sachkundiger durchaus helfen können. Mein Sohn ergriff die Chance, entzog sich völlig meinem Einfluss und "drehte richtig ab".
Obwohl mein Sohn sehr intelligent ist (wahrscheinlich sogar hochbegabt) erlangte er keinerlei Schulabschluß. Meine Frau trennte sich von mir (ich glaube, weil sie von ADSH und all den Symptomen nichts wissen wollte) und unser Sohn durchlebte einige Jahre im Chaos. Mittlerweile hat er sich aber wieder gefangen.
Wenn man sich also selbst in seiner eigenen Verwandschaft umschaut und gezielt auf ADS-Symptome achtet wird man sich nicht selten wundern..
Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gelangt: das größte Problem ist nicht ADS sondern das Verhalten der Umwelt.
(mein Gott, schon wieder so viel geschrieben...)

von Wahlpöttler - am 17.07.2013 21:32
Hallo Steffi,

vieles, was du beschreibst, habe ich bei meinem Sohn (mittlerweile 11 Jahre) festgestellt.Mit 7 Jahren bekam er die Diagnose ADHS, mit 9 Jahren die Diagnose Hochbegabung dazu.

Ich weiß nicht, was du seit deinem letzten Posting entschieden/gemacht hast, aber hier möchte ich dir folgende Tipps geben.

1.Es ist wichtig, daß das Kind von kompetenten Fachleuten auf ADHS untersucht wird.Dazu zählen leider die meisten Kinderärzte nicht, da ADHS im Medizinstudium leider nicht unterrichtet wird (obwohl es 5-10% der Kinder betrifft, also keine seltene Krankheit ist).

Mit unserem örtlichen SPZ haben wir leider keine gute Erfahrungen gemacht, was dazu geführt hat, daß unser Sohn schliesslich kein Methylphenidat bekommen hat.Der 1.Arzt war zwar sympathisch und hatte bereits beim 1.Gespräch keinerlei Zweifel an ADHS, aber 1 Woche nachdem er uns das Ritalin verschrieben hat (1.Woche 5 mg, 2.Woche 10 mg, als Ritalin 10 mg) ging er in Vaterschaftsurlaub und den 2.Termin bekamen wir erst 2 Monate später.Mein Sohn sprach sehr gut auf MPH an (schon bei 10 mg war er in den nächsten 3-4 Stunden unglaublich ruhig, freundlich, kooperativ, putze seine Zähne ohne Diskussion, machte seine Hausaufgaben in 30 Min, obwohl zu dieser Zeit ohne MPH eher 2 Stunden notwendig waren), aber der starke Rebond Effekt am Frühnachmittag (plötzlich wechselte seine Stimmung von freundlich/kooperativ auf extrem agressiv, unausgeglichen) hat mich so sehr verunsichert, daß ich das Präparat bereits nach 3 Tagen abgesetzt habe.

2 Monate später erfuhr ich vom SPZ, daß dieser Arzt (der sein Wissen vom Vorgänger hat!) die Station verlassen hatte.Ich bekam einen Termin mit einer neuen Assistentärztin, die offensichtlich keine Ahnung von ADHS hatte: sie hatte einen Spickzettel auf dem Tisch und jedesmal, als ich eine Frage über ADHS Medis hatte, schaute sie zuerst auf diesen Zettel.Auf meine Fragen hin, seit wann sie als Ärztin arbeitete, antwortete sie "seit 3 Wochen".

Mein Vertrauen im SPZ war dahin, ich entschied mich leider, kein Ritalin mehr zu geben.Im Nachhinein betrachte ich das als der größte Fehler überhaupt, denn mit MPH hätten die Verhaltensstörungen (oppositionnelles, agressives Trotzverhalten) mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht das Ausmaß gehabt, das sie bisher hatte.

Dann entschied ich mir für einen Versuch mit Mikronährstoffen (Magnesium, Zink, Fischöl), da bei meinem Sohn einen intrazellulären Mangel festgestellt worden war (private Untersuchung im Vollblut, da Serumwerte in diesem Fall nicht aussagekräftig ist).Es ging damit deutlich besser, der Bube war weniger reizbar, ausgeglichener, umgänglicher.

Aber nach 1 Jahre weigerte er sich, die Präparate weiter einzunehmen, die Reizbarkeit/Agressivität nahmen wieder dermaßen zu, daß ich mich entschied, wieder Kontakt mit dem SPZ aufzunehmen.Diesmal verlangte ich einen Termin bei einer erfahrenen Kinderärztin und keinem Assistenarzt.

Die Ärztin liess wieder Konzentrations-und Intelligenzstests von der Psychologin des SPZ durchführen, die diesmal aber unauffällig waren.Dies war bereits nach dem Konzentrationstraining im SPZ gewesen, welches übrigens die Konzentration bei den Hausaufgaben dermaßen verbessert hatten, daß der Bube sie von da her ohne meine Hilfe und relativ zügig erledigen konnte.

Trotz der mittlerweile unauffälligen Konzentrationstests empfahl die Ärztin einen erneuten Versuch mit Methylphenidat, da der 1.Versuch ja vielversprechend war und MPH nachweislich auch gegen das oppositionelle Trotzverhalten (betrifft laut Studien ca. 40-50% der ADS Kinder) wirken kann.

Leider gab es an dem Tag, wo ich das Rezept mit meinem Sohn hätte abholen müssen, einen heftigen Streit zwischen mir, so daß mein Mann mit ihm zum SPZ fuhr.

Die Agressivität des Kindes fiel der Ärztin auf, die meinem Mann das MPH Rezept deswegen weigerte und die Vorstellung bei einem Kinderpsychiater empfahl.Dieser hat gleich nach dem 1.Gespräch ADHS aufgrunde der guten Noten in der Schule ausgeschlossen.

Einige Wochen später trennte ich mich von meinem Mann, der mit meinem Sohn in einer eigenen Wohnung lebte.Dort wurde das Kind immer agressiver und äusserte während Wutanfällen Selbstmordgedanken.

Ich ermutigte meinen Mann, nachdem ich dort mit der Ärztin gesprochen hatte, das Kind in die Kinderpsychiatrie unterbringen zu lassen.

Dort hiess es nach unauffälligen Konzentrationstests und einem 30-minütigen Gespräch (!), das Kind hätte kein ADHS, die Verhaltensstörungen wären die Folge meiner Depressionen und der Ehestreite (welche immer durch das Verhalten des Kindes ausgelöst wurden).Es wurde eine Unterbringung im Internat empfohlen, was unverzüglich geschah.

Da die Kinderpsychologin dieser Kinderpsychiatrie meine vielen Hinweise auf die ADHS Symptome unseres Kindes ignorierte (ADHS wurde auch beim Cousin festgestellt, Opa, Vater und Schwester meines Mannes haben alle ADHS Symptome) und mir ansonsten am Tel. sagte, "ADHS sei eine Modekrankheit, Ritalin sei eine Droge und mache Kinder süchtig" hatte ich erhebliche Zweifel an ihrer Diagnose.

Ich nahm deswegen einen Termin bei einem niedergelassenen Kinderpsychiater in München, der sich mit anderen Kollegen auf ADHS spezialisiert hatte.Dort hiess es wieder, die Konzentrationstests seien unauffällig, das Kind habe kein ADHS und bräuchte kein MHP.

Aber zumindest kam durch die Konzentrationstests die Hochbegabung zur Tage, welche durch die bisherigen Intelligenzstests im SPZ (mit 7, vor Konzentrationstraining-> normaler IQ von 103-105) und in der Kinderpsychiatrie (mit 9, nach Konzentrationstraining-> überdurchschnittliche Intelligenz mit IQ von 115-18) nicht erkennbar gewesen war.

Durch die Unterbringung im Internat sind die Wutanfälle und Selbstmordäusserungen wieder verschwunden, aber die anderen Symptome, die meines Erachtens auf ein ADHS hindeuten, sind geblieben: extreme Stimmungsschwankungen, Unfähigkeit, Grenzen zu akzeptieren und einzuhalten, oppositionnelles Trotzverhalten, hohe Ansprüche,...

Wenn das Kind im Internat ist, haben wir unsere Ruhe, aber am Wochende und in den Ferien ist es wieder die Hölle auf Erde: das Kind akzeptiert keine Grenzensetzung, will immer nur machen, was er will, rastet aus, wenn seine Wünsche nicht sofort erfüllt werden, verhält sich tyrannisch, seine Reaktionen sind unvorhersehbar, so daß wir ständig angespannt sind.

Dazu kommt, daß mein Mann unfähig ist, ihm Grenzen zu setzen, ihn verwöhnt (600 € Handy zu Weihnachten, 800 € Fahrrad im Frühjahr) und mich bei der Erziehung nicht unterstützt, sondern im Gegenteil micht schimpft, wenn ich meinem Sohn klar mache, daß sein Verhalten nicht OK ist (z.B. Gestern am See das Surfbrett seiner Schwester nehmen, nachdem er sein eigenes kaputt gemacht hat, indem er darauf gestanden ist).

Das Ergebnis: unsere Ehe ist im Eimer (mein Mann macht mich für alle Probleme verantwortlich), ich erwähne im Moment sogar eine Scheidung und ein Auszug, um ein neues Leben anzufangen.Kurz gesagt: diese Krankheit wegen der Fehlbehandlung der Ärzte hat unser Familienleben ruiniert und meines dazu.

Deswegen mein Rat: erkundige dich lieber bei der nächsten SHG bei einem guten ADHS Arzt (Kinderarzt/Kinderpsychiater), der ERFAHRUNG mit der Behandlung von ADHS Kindern hat.

Wichtig wäre, daß das Kind ein Konzentrationstraining in einer guten ergotherapeutischen Praxis absolviert, denn die Wirkung kann sogar ohne MPH dazu hervorragend sein (bei meinem Sohn und einem Klassenkameraden erlebt).Ein ganzjähriges Konzentrationstraining (45 Min/Woche) ist m.E. viel effektiver als ein Blocktraining von ein paar Wochen (1,5 Stunden/Woche, 9 Wochen lang, im SPZ).


Dann sollst du und der Vater des Kindes am Besten GEMEINSAM an einem Elterntraining (bietet die meisten SPZ an) teilzunehmen, um zu lernen, wie man mit solchen Kindern am Besten umgeht.Denn das Beste, was Eltern in diesem Fall machen soll, ist am gleichen Strang zu ziehen.Das Kind soll spüren, daß die Eltern sich einig ist und daß er seinen Willen nicht durchsetzen kann, daß er die Regeln und Grenzen akzeptieren/einhalten muß.Dazu ist das Buch von Prof.Döpfner sehr empfehlenswert.


Und eine Behandlung mit MPH ist meiner Meinung die BASIS für eine erfolgreiche Behandlung, die die Konzentrationsfähigkeit des Kindes und somit die Leistungen in der Schule erheblich steigern kann (Fall einer Freundin: Notendurchschnitt ohne MPH: 4-5, mit MPH: 1-2!) und die Impulsivität/Reizbarkeit/das oppositionelle Trotzverhalten mildern kann.

Zusätzlich (nicht anstatt von MPH!) kann die Gabe von Mikronährstoffen wie Magnesium, Zink und EPA (Fischöl) unterstützdend wirken, da in Untersuchungen ein großer Teil der ADHS Kinder einen Mangel an diesen Mikronährstoffen hatten, welche aber für die Bildung von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin, usw. unentbehrlich sind.Magnesium senkt die Muskel-und Nervenerregbarkeit.Mit diesen Präparaten hatten wir gute Erfahrungen gemacht, ich glaube allerdings nicht, daß die Wirkung so gut wie MPH ist.Zum Vergleich fehlen leider wissentschaftliche Untersuchungen.

Einen intrazellulären Mangel an Magnesium und Zink kann man übrigens mit einer Vollblutanalyse nachweisen, welche allerdings eine Privatleistung ist (Labor Bayer, Biovis, GanzImmun).Am Aussagekräftigsten ist die Messung in den Erythrozyten oder im Vollblut mit hämatokrit korrigierten Werten, da die Messung im Serum nicht auf den intrazellulären Gehalt Aufschluß gibt, ein normaler Serumwert also einen intrazellulären Mangel nicht ausschliesst.

Gute Magnesium-und Zinkverbindungen mit hoher Bioverfügbarkeit sind Magnesiumcitrat (Diasporal 300), Magnesiumaspartat und Zinkhistidin (CuraZink), Zinkorotat (Zinkorot 25).Unser Sohn bekam damals 300 mg Magnesium und 15 mg Zink.Magnesium soll man am Besten zwischen den Mahlzeiten einnehmen, Zink schüchtern 1 Stunde vor einer Mahlzeit und/oder vor dem Schlafen.Dann ist die Aufnahme im Darm am Besten.Es gibt mittlerweile gute Fischölpräparate für Kinder, z.B. flüssig mit Zitronen-oder Orangengeschmack.Hier soll man auf einen hohen EPA Gehalt achten.

Ich wünsche dir noch viel Kraft und Durchhaltevermögen!

LGJoMama

von Nana - am 18.08.2013 17:36
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