Vater und Sohn streiten ständig. Ich kann nicht mehr!

Startbeitrag von Lethra Fuchs am 06.11.2013 22:01

Hallo, ich bin neu hier. Ich bin auf der Suche nach Hilfe.
Ich bin 43, Mutter und Hausfrau und mein Mann 48 ist selbstständig. Unser Sohn ist acht und geht in die dritte Klasse.
Vor eineinhalb Jahren wurde unserem Sohn Hyperkinetische Störung mit Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert. Auf Medikamente haben wir verzichtet. Noch kommt der Junge in der Schule gut klar. Sicher, es gibt Reibereien, aber bisher konnten wir zusammen mit den Lehrern und unserem Sohn alles regeln.

Was mir von Anfang aufgestoßen ist, dass mein Mann die Diagnose nicht wirklich wahrhaben will. Außerdem nimmt er den Jungen nicht wirklich ernst und statt normaler Gespräche veralbert er ihn oder reißt dummer Witze. Unser Sohn ist sensibel und mittlerweile geht er hoch wie eine Rakete... Egal was mein Mann sagt.

Er sieht seinen Vater nicht als Vater. Er hat null Respekt vor ihm und ständig zoffen die beiden sich. Durch seine Selbstständigkeit ist mein Mann den ganzen Tag im Büro. Das liegt zwar im gleichen Haus, aber 12 Std. des Tages ist mein Mann halt nicht gut ansprechbar. Abends ist er kaputt und gestresst und dann ist erst recht schnell dicke Luft. Wenn er sich dann mit dem Kleinen streitet, verhängt er dann Strafen für den nächsten Tag die ich dann durchziehen darf. TV verbot und Ähnliches.

Schlimm für mich, weil ich alles mit dem Jungen mache. Mein Mann geht am Wochenende mit uns mal irgendwo hin. Kino oder so. Aber lieber hat er seine Ruhe nach einer stressigen Woche. Dabei müsste er mehr für sich tun. Er hatte schon einen Schlaganfall. Aber er tritt nicht kürzer. Das ist meine zweite Angst, mit ich zu Leben gelernt habe.
Mein Sohn hat in der Familientherapie mich als Bärin und meinen Mann als Hasen gezeichnet. Als ich das sah, musste ich heulen. Auch sieht der Junge mich und sich zusammen und seinen Vater weit Weg von uns.
Manchmal denke ich an Trennung. Denn mein Mann hilft nicht wirklich wenn es um den Jungen und seine Entwicklung geht. Vorwürfe, dummer Sprüche und ähnliches,statt Lob und Anteilnahme.
Wenn ich meinem Mann sage das das so nicht geht, dann ist er beleidigt und mault rum.
Wäre ich alleine besser dran?
Was kann ich ändern
Mein Mann war ja auch bei der Familientherapeutin. Er erzählt ihr was sie hören will und auf dem Weg nach Hause erzählt er schon wieder was anderes.
Er ist gut darin den Leuten alles zu verkaufen. Das gehört zu seinem Beruf.

Ich leide inzwischen an Depressionen. Haben ständig Rückenprobleme und Fressattacken.

Die Familientherapie ist alle 14 Tage und hilft bei diesem Problem nicht wirklich.

Ich weiß... langer Text. Ich hoffe nur jemand versteht mich.

Antworten:

Hallo liebe Lethra Fuchs,
au weia, das hört sich ja nicht gut an. Dass dein Mann und euer Sohn jetzt schon so aneinander geraten bedeutet Alarmstufe Rot. Wenn das so weiter geht möchte ich nicht dabei sein wenn dein Sohn in die Pubertät kommt.
Das größte Problem sehe ich wirklich im Verhalten deines Mannes. Ein Kind, besonders aber ein ADS-Kind benötigt beide Eltern. Ein ADS-Kind benötigt zudem noch eine besondere Konsequenz und eine starke äussere Struktur (eine Innere hat ein ADS-Kind leider kaum). Wenn dein Mann, so wie du es schilderst, sich aus der Erziehung quasi ausklinkt und alles dir überlässt ist die Katastrophe vorprogrammiert. Wenn dein Mann nicht als Vater für den Jungen da ist, darf er sich auch nicht wundern, wenn er von eurem Sohn nicht als Vater anerkannt wird. Besonders Söhne brauchen einen Vater als Vorbild und ab und zu auch die "starke Hand" des Vaters. Damit meine ich keine Ausübung von Gewalt sondern einfach männliche Konsequenz und Autorität. Eine Familie ist schließlich keine Demokratie. Du allein als Mutter bist damit völlig überfordert und kannst, beim besten Willen, nicht beide Rollen übernehmen. Dein Mann muß lernen seine Rolle als Vater und auch das Problem eures Sohnes ernst zu nehmen. Das er dieses aufgrund seiner Selbständigkeit und dem entsprechenden Arbeitspensum zeitlich nur eingeschränkt kann ist auch verständlich. Er könnte aber signalisieren, dass er die Sache ernst nimmt und damit wäre schon viel erreicht. Mit einer Trennung wäre zumindest deinem Sohn nicht geholfen, ganz im Gegenteil. Er hat so schon Probleme genug. Du mußt dir vor Augen halten, dass die Probleme die er jetzt mit seiner ADS hat ein Witz sind im Vergleich zu dem was ihn bei einer Trennung seiner Eltern erwartet. Meine erste Ehe fiel auch meiner ADS zum Opfer, ich weis wovon ich schreibe.
Ich bin selbst ständig mit meinem ältesten Sohn aneinander geraten meist wegen Nichtigkeiten. Meine Frau hat natürlich immer zu unserem Sohn gehalten und ich war der "Böse". Mein Sohn hat diese Uneinigkeit dann auch sehr geschickt zu seinem Vorteil genutzt. Bis ich eines Tages von meiner ADS erfuhr. Endlich verstand ich was mit mir (und wahrscheinlich auch mit meinem Sohn) los war. Fortan war es für meinen Sohn deutlich schwieriger mich aus der Reserve zu locken und ich verstand ihn auch besser. Meine (ex-)Frau wollte aber von dem ganzen "Psychoquatsch" nichts wissen und trennte sich von mir. Mein Sohn hatte dann völlig freie Bahn und drehte richtig ab.
Es ist also wichtig, dass beide Eltern Schulter an Schulter dem Kind gegenüber treten. Beide Eltern sollten immer geschlossen ihrem Kind genübertreten, auch dann wenn sie eigentlich nicht einer Meinung sind.
Warum dein Mann sich so verhält wie du es schilderst kann ich nicht nachvollziehen. Möglicherweise fühlt er sich durch euch nicht ernst genommen. Er fühlt sich schließlich als Chef und möchte auch so angenommen werden (er ist ja schließlich ein Mann). Vielleicht versucht er ja auf diese Weise seine Autorität auszuüben. Möglicherweise hat er ja auch selber ADS. Vielleicht sollte die Familientherapie zuerst in die Richtung deines Mannes arbeiten und erstmal seine Rolle als Vater definieren und stärken.
Vielleicht fühlt er sich ja von euch nicht ernstgenommen. Schließlich ackert er ja den ganzen Tag und opfert sich auf um seine Familie zu ernähren. Und dann wenn er eigentlich etwas Anerkennung ernten möchte dreht sich alles nur noch um den Jungen. Da kann schon Frust und auch Eifersucht entstehen und wenn ihr (alle) nicht aufpasst fängt er an euch nicht mehr als geliebte Menschen sondern nur noch als Gegner zu betrachten. Vielleicht solltest du die Situation auch mal aus dieser Sicht überdenken.
Ich wünsche euch allen viel Glück.

von Wahlpöttler - am 07.11.2013 23:08
Hallo,

mein Mann und mein Sohn geraten auch tagtäglich aneinander.
Das fängt morgens nach dem/mit dem Aufstehen an und endet wenn die Kinder ins Bett gehen sollen.
Eigentlich gibt es mit dem Großen keine schwerwiegenden Probleme, aber Mein Mann ist ein echter Zyniker und damit kann der Große gar nichts anfangen und natürlich auch nicht retournieren. UNd wenn er dann eine (aus sicht meines mannes) dumme Antwort gibt, ist der Krach natürlich wieder vorprogrammiert.
Ein harmonisches Frühstück wäre schon fast ein Traum von mir.

Seine Vergesslichkeit und sein ständiges Quatschen sind wirklich die größten Zankpunkte zwischen den Beiden.

Ich habe auch noch keine richtige Strategie gefunden, außer immer als Puffer dazwischen zu stehen.
Und meinem Mann vielleicht nicht alles was passiert (ist) zu erzählen.
Das kann manchmal schon helfen.

Und wenn Beide weg sind (Schule und Arbeit) - und ich Zeit habe, dann nehm ich sie mir und mach was ICH will. Ganz allein und nur für mich. Das gibt erst mal wieder Kraft für die nächste Krise.

Die besten Freunde werden die beiden nie werden, aber ich habe meinem Mann auch schon öfter die Meinung gesagt, (wenn die Kinder nicht dabei waren) und dann ging es erst mal wieder.

ich nehme an, das hlft dir jetzt auch nicht wirklich weiter, Entschuldige bitte.
Aber ich wollte Dir nur sagen: Du bist nicht allein damit. UNd ein patentrezept habe ich leider noch nicht gefunden.
Halte einfach durch und Trennung ist auch nicht immer das Beste, denn die Kinder wissen auch, dass es dann ihretwegen passiert ist.

Viele Grüße,
Silke

von silkesluka - am 14.11.2013 16:17
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