Volljährigkeit

Startbeitrag von Ellichen am 26.01.2015 22:15

Hallo,
unser Sohn, ADHSler, aber schon seit den letzten Schuljahren ohne Medikamente, schon "übervolljahrig" und seit Sommer Student (Dual), wohnt noch zuhause (weil in Nähe der Uni), hat eine (wirklich liebe) Freundin, es geht ihm gut bei uns, hat ziemlich viele Freiheiten, Unterstützung- wenn er will-, schönes Zimmer...
benimmt sich aber mir gegenüber schon seit längerem immer wieder ziemlich respektlos, wird sogar vulgär und beharrt auf seinen Ansichten und Standpunkten, weiß mit seiner Lebenserfahrung (ein 100 jähriger könnte sich bei ihm noch eine Scheibe abschneiden) alles generell besser.
Habe eigentlich nicht den Eindruck, dass ich ihn zu viel "gängele", aber er fasst alles, was ich sage und tue als Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte auf, erzählt nichts, antwortet oft nur mit "dummen" Sprüchen, seine Hilfsbereitschaft in der Hausgemeinschaft hat auch stetig nachgelassen, sprich Schwächeanfälle, so dass er nicht seinen Teller in die Spülmaschine tragen kann oder die dreckige Wäsche zur Waschmaschine, ständig heißt es "gleich" und "sofort" und dann wird es doch nicht gemacht.
Im Umkehrschluss, wenn er was von mir will, dann muss das von jetzt auf gleich sein und ich mach es dann auch noch, dumm wie ich bin ...
Mein Mann - genervt von unsren diesbezüglichen Diskussionen - knickt ständig ein, lässt ihn gewähren und kritisiert mich auch noch in seinem Beisein, dass ich ihn in Ruhe lassen soll ... aus welchem Grund auch immer. Total fasch, meiner Meinung nach, denn so ist das letzte Bisschen Respekt mir gegenüber auch noch verloren gegangen.
Könnte noch stundenlang weiter ausführen, was da manchmal "abgeht" bei uns... Könnte aus 'ner Reality-Soap stammen ...
Ist das noch Pubertät oder was ist los mit ihm? Kann es (noch) mit dem ADHS zu tun haben, obwohl er es eigentlich die ganze Zeit gut im Griff hatte, oder potenziert ADHS diese spätpupertären Erscheinungen noch???
Hat da jemand von euch Erfahrung?
Mich bringt das alles an den Rand des Wahnsinns und ans Ende meiner Kräfte, vor allem und weil ich es auch nicht einsehe ebenfalls einzuknicken und ihn gewähren zu lassen ...
Vielleicht bin ich da zu "dickköpfig" und mach es mir noch schwerer.
Habt ihr Tipps?
Lg
Ellichen

Antworten:

Bei ADHS kann man von einer seelischen Reifungsverzögerung von bis zu 30% auf das Alter gerechnet ausgehen. Wundern muss man sich daher über spätpubertäres Verhalten bei jemandem nicht, der z.B. Anfang 20 ist.

Ansosten könnte man natürlich auch einfach vermuten, dass das Verhalten seine Form der Abnabelung ist und ein baldiges Wohnen in der eigenen Wohnung die beste Gewähr dafür ist, dass sich das Verhältnis zu den Eltern bzw. in diesem Fall zur Mutter wieder bessert.

von ErichW - am 27.01.2015 08:58
Hallo Ellinchen,

zuerst tut es mir Leid, dass du dieses Verhalten ertragen musst.

War dein Sohn immer so?

War er so, als er die ADHS Medi genommen hat?

Unser Sohn (12) benimmt sich aehnlich seit er 5-6 ist. Seit 3 Jahren ist er im Internat (Gymnasium), wir sehen ihn also nur noch am WE und trotzdem gibt es immer wieder Streit zwischen ihm und uns, auch wenn es seit ca. 2 Jahren deutlich besser geworden ist.

Heute gab es wieder einen Streit wegen einer Lappalie (ich habe ihn heimlich gefilmt, waehrend er seine Schwester geaergert hat, er hat es gemerkt, hat mich gedraengt, um ihm mein Handy zu geben, es kam zum Streit), das hat mich wieder in einen tiefen depressiven Tief gestuertzt. Ich ueberlege jetzt ernsthaft, den Kontakt zu ihm komplett abzubrechen, indem ich mich von seinem Vater trenne.Er wuerde dann in der Woche im Internat leben, am WE mit seinem Vater. Unsere Ehe steht seit Jahren deswegen auf der Kippe, wir haben uns aber immer wieder aufgerafft. Jetzt sehe ich ein, dass es so nicht weiter gehen kann, denn ich kann das alles einfach nicht mehr ertragen.

Mein Mann pflegt ein aehnliches Verhalten, also im Fachjargon die "Laissez-faire" Erziehung. Als es zum Streit zwischen mir und meinem Sohn kam, hat er ihm nie die Grenzen gezeigt, sondern mir immer wieder vorgeworfen, mit dem Kind zu streng zu sein. Also genau wie bei euch. Das Kind hat also immer wieder erlebt, wie die Mutter angeschrien/beschimpft wurde, als er sich daneben benommen hat. Was fuer eine Erziehung: er wurde irgendwie immer wieder fuer sein Verhalten "belohnt", damit konnte sich dieses Verhalten nur verfestigen (Lerntheorie).

Mein Mann hat von Anfang an die ADHS Diagnose abgelehnt, ist kein einziges Mal mit zu den Gespraechen mit Aerzten und Psychologen gekommen, auch nicht zum Elterntraining. Die Tipps des Elterntrainings wollte er nicht in die Praxis umsetzen, obwohl sie uns sicher geholfen haetten. Stattdessen kam es immer wieder zum Streit zwischen uns, als ich vorschlag, diese oder jene Tipps anzuwenden, denn er fuehlte sich von mir damit bevormundet. Ich war vollkommen hilflos und das Kind war in der ganzen Situation der "Sieger".

Jetzt hat er auch noch schlechte Noten im Gymnasium (2 5er in Math und Physik), obwohl er in der 5.und 6. Klassen fast nur 1 und 2 hat. Er hat eine 6 in Math gehabt, weil er sein Geo-Dreieck nicht dabei hatte. Er putzt sich nicht mehr die Zaehne, geht erst nach Mitternacht ins Bett (wir wissen es nicht so genau, denn wir gehen zwischen 22 und 23 Uhr ins Bett), steht nie vor Mittag auf (heute um 13 Uhr), macht am WE keine Hausaufgaben.

Er weicht jegliche Diskussion ueber seine Noten aus.

Ich weiss einfach nicht mehr, was ich machen soll. Ritalin bekommt er nicht, weil wir leider kurz nach der Diagnose im SPZ katastrophal betreut wurden (von jungen Assistenzaerten, die keine Ahnung hatten), uns 3 Jahre spaeter empfohlen wurde, zum Kinderpsychiater zu gehen, dieser wegen der mittlerweile guten Ergebnisse in den Konzentrationstests (gut erst seit dem Konzentrationstraining mit 7 Jahren!!!) entschieden hat, dieses Kind habe kein ADHS, die Verhaltenstoerungen liegen an den Depressionen der Mutter und den Ehestreiten (frage sich nur, was ist das Ei, was die Henne).

Ich bin mittlerweile am Ende meiner Kraefte, bin gerade nur am Heulen und habe deswegen die Entscheidung getroffen, einen Schlusstrich zu ziehen, weil ich ja sowieso komplett machtlos bin und ich fuer meine Tochter da sein muss (ohne sie waere ich seit Langem weg, haette also Vater und Sohn verlassen).

Du siehst, ich bin in einer aehnlichen Situation und mein Kind ist erst 12. Deswegen mache ich mir keine Illusionen mehr. Der Cousin meines Sohnes, auch ADHS Diagnose (mit 10), unbehandelt, weil die Mutter (Schwester meines Mannes) die Diagnose nicht akzeptiert hat (wie mein Mann) und ihn nicht hat behandeln lassen (weder Ritalin, noch Konzentrationstraining, noch Elterntraining), verhaelt sich mit 20 aehnlich. Faehrt nach Muenchen zu einem Konzert, sagt es den Eltern aber nicht. Bekommt 3 Verweise in der Ausbildung. Notendurchschnitt in Grund-und Mittelschule (trotz normaler Inteligenz):5. Quali gerade noch geschafft nach Wiederholung der 10.Klasse in einer Privatschule. Aber nein, dieses Kind habe kein ADHS laut Mutter und Onkel (mein Mann). Die Diagnose offenbarte mir erst die Oma, das Verhalten von Kleinkind an passt wie die Faust auf´s Auge (Schreibaby und hyperaktives Kleinkind wie mein Sohn, in der Schule alles vergessen, Schulhefte, Hausaufgaben aufzuschreiben, wie mein Sohn).

Das Schlimmste ist die Einsamkeit, das Gefuehl, allein mit diesen Problemen zu sein, denn mein Mann loest jedes Mal einen Streit aus, wenn ich versuche, vernuenftig mit ihm darueber zu reden und fuer die Aerzte hat dieses Kind kein Problem, sondern wir sind das Problem.

Also habe ich keine Gespraechspartner um ueber diese Probleme zu reden, und zu versuchen, eine Loesung zu finden.

Wenn ich ganz ehrlich bin: ich kann nicht mehr. Ich kann diese Streite mit ihm und meinem Mann nicht mehr ertragen, denn sie rauben mir meine Energie und meine Lebensfreude, die ich aber fuer meine Tochter dringend brauche. Ich habe z.B. 2 Tage mit ihr beim Skifahren verbracht und war gluecklich wie lang nicht mehr. Kaum bin ich wieder zu Hause mit Sohn und Mann, gibt es heftigen Streit und ich verfalle wieder in einen unertraeglichen seelischen Tief.

Bitte, entschuldige mich, wenn ich gerade viel ueber mich geredet habe. Mir geht es gerade richtig dreckig.

Zu deinem Sohn: ich wuesste ehrlich gesagt auch nicht, was ich in deiner Situation machen wuerde. Ich denke seit vielen Jahren, dass Erziehung nur richtig klappen kann, wenn beide Eltern sich einig sind und am gleichen Strang ziehen. Plegt einer aber die Laissez-Faire Erziehung, dann ist der andere "strenge" Elternteil m.Erfahrung nach machtlos. Deswegen will ich persoenlich aufgeben, weil es in unserem Fall keine Loesung gibt.

In welchem Ausbildungsjahr ist dein Sohn? Bekommt er Unterhalt von euch oder lebt er nur vom Ausbildungsgeld?

Denn ich sehe es wie der Vorschreiber: wenn das Zusammenleben zu Hause nicht mehr ertraeglich ist, dann muesste man schauen, dass er sein eignenes Leben ausserhalb der elterlichen Waenden fuehrt. Allerdings muesste dein Mann hinter dieser Forderung stehen, sonst wird es schwierig, sich durchzusetzen.

Keine einfache Situation...

Sei mal lieb gedruckt.

LG Francoise

PS. Ich bin zu 99,99% davon ueberzeugt, dass mein Mann, seine Schwester und ihr Vater ADHSler sind. Das erklaert vielleicht ihre "Sturrheit" und die Unfaehigkeit meines Mannes, vernuenftig, in Ruhe, ueber die Erziehungsprobleme zu reden. Mein Mann weicht jegliche Situation aus und wenn ich darauf poche, bekommt er einen Wutanfall. Es war ihm gerade Recht, als der Kinderpsychiater das Internat vorgeschlagen hat, denn damit war das Kind fuer 5 Tage die Woche "weg". Aber das Internat hat gar nichts geloest, das Problem ist immer noch da. Ich weiss nicht, ob Ritalin die Lage gebessert haette, denn wir haben es nur 3 Tage gegeben und danach aufgehoert wegen des heftigen Rebound-Effekts. 3 Jahre spaeter bekamen wir kein Rezept mehr, weil wir angeblich die Ursache der Verhaltensstoerungen waren. Wie war euer Sohn unter den ADHS Medi?

Obendrauf bin ich als Auslaenderin hier total isoliert, meine Schwiegerfamilie steht natuerlich an der Seite meines Mannes, klar. Habe keine Arbeit und weiss ueberhaupt nicht wovon ich nach der Scheidung leben werde. Das Leben macht ueberhaupt keinen Spass, aber ich muss fuer meine Tochter weiterleben...die tut mir am Meisten Leid, sie war so gluecklich beim Skifahren, heute hat sie geweint...

von JOMAMA - am 22.02.2015 15:02
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