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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
2
Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Dagmar D., BAE27

Wann mit Medikamenten anfangen

Startbeitrag von BAE27 am 20.07.2015 10:45

Wir sind neu dabei.

Unser Sohn (jetzt fast 11) galt bereits im Kindergarten als auffällig. War mehr im Flur allein auf einem Spielteppich als im Raum zusammen mit den anderen. Als er in den KiGa kam, konnte er sich hinsetzen und ein 80 Teile Puzzle im größten Lärm puzzeln, mit 4 hat er nicht mal mehr ein 25 Teile Puzzle geschafft. Lesen hat er vor Schulbeginn gekonnt, Schuleingangsuntersuchung (trotz Krakelmännchen) nur positiv, die Ärztin war begeistert.

In der Schule: Ärger, nichts als Ärger. "Sie müssen das Kind strenger erziehen, er hört nicht, er benimmt sich asozial, er muss unbedingt einen Mannschaftsport machen" usw. Der Hinweis - "Haben Sie ihn mal auf ADHS prüfen lassen" - fehlte leider in der ganzen Grundschulzeit. Mir fiel auf, dass er sich gerne über Regeln hinwegsetzte, risikofreudig war und wenig Empathie besaß. Ab 5/2014 Vorstellung bei einer Psychotherapeutin, was der absolute Reinfall war und alles nur noch schlimmer machte.

Trotz schlechter werdender Noten, Sprung aufs Gymnasium. Dann gings rund mit nunmehr 32 Kindern in der Klasse. Bei einem Lehrer gab's nie Klagen (Frontalunterricht, klares System mit Strafen und täglichen Hausaufgaben) bei fast allen andern dauernd. Mehrfach drohte der Ausschluss von diversen Schulveranstaltungen, Klassenfahrten etc. 10/2014 Abbruch der unglückseligen Therapie, in Eigenregie Verhaltenstherapie bei einem gemeinnützigen Verein. Dies hat in gewissem Umfang gefruchtet. Sohn ist aber nach wie vor extrem reizbar, explodiert leicht und wird wegen schlechter Noten gehänselt. Seine Klausuren gibt er nach spätestens 20 min ab, Vieren und Fünfen sind die Folge. Den Stoff beherrscht er. Nach dem Zwischenzeugnis erfahren wir zum ersten Mal in 4,5 Schuljahren von großer motorischer Unruhe, ständigem Dazwischenrufen und anderen Verhaltensweisen, wo bei mir ein Glöckchen klingelt.

Im Netz nachgelesen: ADHS - passt!! Spezialisten um Termin gebeten. 3 Monate Wartezeit. Vorgestellt, Überweisung IQ-Test, 1,5 Monate Wartezeit (Ergebnis: prüfungsängstlich, sehr unkonzentriert - Werte normal). Ergebnisbesprechung beim Spezialisten: Verhaltens- oder Ergotherapie, keine Notwendigkeit für medikamentöse Therapie. Wartezeit Verhaltenstherapie ca. 6 Monate.

Ergebnisbesprechung zu Hause: Familie ist tief verunsichert, Sohn will "einfach nur, dass die Krankheit weg geht", Eltern kriechen auf dem Zahnfleisch (Lehrer vmtl. auch). Sohn hofft, dass er - wenn er sich besser beherrschen könnte Freunde findet (mit zwei Schulkameraden, die er mag trifft er sich nicht, weil er Angst hat sie zu vergraulen!!!). Wie tief muss Sohn auf der Misserfolgsspirale rutschen, wie schwach muss sein Selbewusstsein werden, bevor richtig gegen gesteuert wird?? Was kann ich tun, um ihn zu trösten? Er ist genauso am Boden zerstört, geht am liebsten nach der Schule nicht mehr vor die Tür, um nur nirgends anzuecken.

Antworten:

Hallo Bae,

willkommen im Forum :-)

Ich war im Urlaub, deshalb die Antwort erst jetzt, auch wenn es bei euch zu Hause brennt.

Die Entscheidung, ob Medikamente gegeben werden, ist sehr schwierig. Falls eine ADHS vorliegt, vertrete ich die Meinung, dass man mit Medikamenten beginnen sollte, bevor das Kind so sehr leidet, dass es aufgibt. Wenn das der Fall ist, helfen die Medikamente dann auch nicht mehr.

Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde bei deinem Sohn kein ADHS diagnostiziert, sondern nur mangelnde Konzentration. Das ist für Ärzte immer schwierig, da neben der Konzentration auch andere Symptome vorliegen müssen.

Du schreibst, ihr habt in der Schule erfahren, dass er motorisch unruhig ist und auch seine Impulse schlecht kontrollieren kann (dazwischen Rufen). Nun stellt sich die Frage, ob das auch so an den Arzt rückgemeldet wurde. Manche Lehrkräfte füllen den Lehrerfragebogen sehr "soft" aus, weil sie Ärger mit den Eltern vermeiden wollen oder sie wollen nicht für eine ADHS-Diagnose verantwortlich sein oder einfach weil sie sich scheuen den Bogen deutlich auszufüllen, weil es ja auch immer wieder Situationen gibt, in denen das Kind ruhig und konzentriert sein kann.

Deshalb würde ich noch mal das Gespräch mit dem Arzt suchen und ihn befragen wie der Lehrerfragebogen ausgefüllt wurde und ob das mit den Infos, die ihr von den Lehrern habt, übereinstimmt.

Falls das der Fall ist, könnt ihr natürlich eine zweite Meinung einholen, aber dann ist eine Verhaltenstherapie wahrscheinlich wirklich die beste Lösung, denn nicht alle Kinder mit einer ADHS benötigen Medikamente. Und evtl. will der Arzt erst einmal die Ergebnisse der VT abwarten, bis er eine weitere Entscheidung trifft.

Ich wünsche euch ganz viel Kraft, die Situation durchzustehen :-)

von Dagmar D. - am 15.08.2015 17:13
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