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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 5 Monaten, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 2 Monaten, 2 Wochen
Beteiligte Autoren:
Marie72, Himbeer26, Honigbluete, Dagmar D.

Hausaufgaben: Besser daheim oder in der Betreuung?

Startbeitrag von Marie72 am 05.03.2017 19:55

Liebes Forum!

Das Thema AD(H)S ist relativ neu für mich. Mein Sohn (11 Jahre) geht in die sechste Klasse Gymnasium und in den letzten Monaten ist es in der Schule so schwierig geworden, dass wir ihn nun haben testen lassen. Das Ergebnis lautet: (eine relativ leichte Form von) ADHS. Wir werden demnächst mit einer Verhaltenstherapie anfangen und voraussichtlich kein Methylphenidat geben.

Ich finde vor allem die Hausaufgabensituation belastend, die Wutausbrüche, wenn er etwas nicht versteht, das Lamentieren, das Gejammere. Da die Noten derzeit eh im Keller sind und mein Sohn ohnehin sehr jung, gehe ich momentan davon aus, dass er die sechste Klasse wiederholen wird. Eventuell nehmen wir auch einen Schulwechsel vor, weil wir mit dem gesamten Schuleklima ohnehin nicht zufrieden sind. Und nun frage ich mich:

Ist es besser eine Ganztagesbetreuung zu wählen oder sollen wir die bisherige Situation (er kommt nach der Schule sofort nach Hause und macht seine Hausaufgaben daheim) beibehalten. Prinzipiell müsste die Konzentration in einer Gruppe ja schwieriger sein. Allerdings denke ich, dass es in einer betreuten Gruppe vermutlich weniger Ausweichmöglichkeiten als daheim gibt. Und ich wäre extrem dankbar, wenn die belastende Hausaufgabensituation ausgelagert werden könnte.

Welche Erfahrungen habt Ihr damit: Hausaufgaben lieber daheim oder besser im Rahmen einer Ganztagsbetreuung? - Schon jetzt herzlichen Dank für Eure Rückmeldungen!

Antworten:

Hallo Marie72,
wir haben uns gemeinsam mit unserem Sohn für eine Ganztagsschule ohne Hausaufgaben (ausser halt Vokabeln lernen oder für Arbeiten mal was tun) entschieden und das ist absolut super! Auch wenn wir gegen Ende der Grundschulzeit nicht mehr so große Probleme wie zu Beginn hatten (dank Erziehungsberatung und Verhaltenstherapie), war es doch eine Belastung, immer und immer wieder darüber streiten zu müssen.

Was eine Möglichkeit wäre: es gibt heilpädagogische Tagesgruppen, in denen Kinder ihre Hausaufgaben machen und an ihren Problemen sowie ihren Stärken arbeiten können. Vielleicht wäre das etwas für euch. Oder, wenn es nicht ganz so dramatisch ist, evtl. eine "Tagesmutter", die die Hausaufgaben mit ihm macht. Ansonsten einfach ausprobieren, ob er seine Sachen auch in einer größeren Gruppe erledigt bekommt.

von Honigbluete - am 06.03.2017 13:04
Hallo Marie,

die Hausaufgaben in den betreuten Schulen sieht sehr unterschiedlich aus. Manchmal sitzen 30 SchülerInnen in einem Raum mit 2 Betreuungskräften und sollen eigenständig HA machen, manchmal sind die Gruppen sehr klein und gut betreut. Dazwischen gibt es fast alles.

Es stimmt, dass die Konzentration in einer größeren Gruppe schwieriger ist, allerdings gibt es auch einen Mitzieheffekt, d.h. wenn alle HA machen, dann macht man halt auch was.

Über die Qualität der HA sagt das allerdings gar nichts. Man kann auch was machen, ohne dabei auch nur das Geringste gelernt zu haben. Ich kenne dann auch HA, die nur so vor Fehler strotzen.

Manche Kinder mit ADHS sitzen die Zeit auch einfach aus und machen gar nichts. Da sie nicht auffällig sind, fällt das insbesondere in großen Gruppen nicht auf.

Falls das finanziell zu stemmen ist, würde ich auch zur HA-Betreuung durch eine Nachhilfe raten.

Da es wohl sein Verhalten ist, das so schwierig ist, könnte evtl. ein Elterntraining helfen. Das hilft massiv Situationen zu entspannen, dabei aber konsequent zu bleiben.

Möchte euer Sohn auf ein Gymnasium gehen?

von Dagmar D. - am 06.03.2017 17:11
Hallo Dagmar,

danke für Deine Rückmeldung. Unser Sohn geht ja bereits auf ein Gymnasium und ja, er möchte auf diesem Schultyp bleiben. Wir (also seine Eltern) sind allerdings mit den Bedingungen der jetzigen Schule nicht sehr zufrieden: Unterrichtsräume werden ständig gewechselt, da Fachraumprinzip; starker Jungenanteil und ein entsprechend rüder Ton; lieblose äußere Gestaltung; wenige engagierte Lehrer; kein spürbarer Schulgeist...

Deshalb sind wir eben am Überlegen, welche Alternativen es gibt und ob prinzipiell ein anderes Unterrichtskonzept nicht sinnvoller wäre. Wir wohnen in München, daher ist das Angebot recht groß. Die jetzige Schule ist halt die nächstgelegene und auch die, auf die damals sämtliche Freunde der Grundschule gegangen sind.


Honigblüte,
auch Dir danke für Deine Rückmeldung! Ich werde mal gucken, ob es so heilpädagogische Einrichtungen auch in unserer Nähe gibt.

von Marie72 - am 06.03.2017 21:01
Hallo Marie,

ich weiß nicht, ob du meine Antwort noch lesen wirst, aber ich versuche es trotzdem!

Zitat
Marie72
Das Ergebnis lautet: (eine relativ leichte Form von) ADHS. Wir werden demnächst mit einer Verhaltenstherapie anfangen und voraussichtlich kein Methylphenidat geben.


Warum wolltet ihr keinen Versuch mit MPH starten? Habt ihr da Ängste? Wenn ja: welche?

Falls du meine letzten Beiträge liest, wirst du nachlesen können, dass unser Sohn auch im Gymnasium ist (derzeit 9.Kl.) und leider seit 3 Jahren keine guten Noten mehr hat.

Er hat mit 7 Jahren erfolgreich an einem Konzentrationstraining teilgenommen (im SPZ), danach hatte er fast nur 1er und 2er.

Seit der 7.Klasse hat er allerdings auch 4er, 5er und 6er, aber wir können ihm nicht helfen, weil er sich weigert, Konzentrationstests erneut durchzuführen.Dabei deuten die Beobachtungen der Lehrer seit der 7.Klasse wieder auf eine Aufmerksamkeitsschwäche hin.

Ich werde mir sicher mein Leben lang Vorwürfe machen, dass ich das MPH damals (kurz nach der Diagnose, mein Sohn war 7) nach nur 3 Tagen abgesetzt habe. Ich vermute, dass er sich jetzt mit MPH deutlich leichter tun würde (er ist im sprachlichen Bereich hochbegabt-IQ von 148- im mathematischen/logischen Bereich überdurchschnittlich intelligent, diese Schulforum ist für ihn also absolut geeignet) aber ohne Konzentrationstests bekommen wir leider kein Rezept!

Zitat

Ich finde vor allem die Hausaufgabensituation belastend, die Wutausbrüche, wenn er etwas nicht versteht, das Lamentieren, das Gejammere.


Für mich wäre das ein Grund, MPH zu versuchen! Ohne MPH und vor dem Konzentrationstraining war die Betreuung der HA zu Hause auch extrem belastend. Ich musste bis zu 2 Std bei ihm sitzen, bis er fertig war, er ist immer wieder nach ein paar Min aufgestanden, konnte meist nach 5-10 Std nicht weiter. Mit MPH hat er seine HA in max. 30 Min selbstständig erledigt!

Damals schrieb mir die Mutter eines ADS Kindes in einem Forum, ihr Kind habe ohne MPH 5er und 6er gehabt, mit MPH 1er und 2er. Er konnte ein sehr gutes Abitur ablegen und im Studium promovieren. Ich finde es deswegen sehr, sehr Schade, wenn Kindern diese Möglichkeit, sich mit MPH besser zu konzentrieren, und somit Schule, Ausbildung oder Studium erfolgreich zu absolvieren, verwehrt bleiben!

Der Cousin meines Sohnes (ein paar Jahre älter) musste trotz normaler Intelligenz in die Hauptschule und konnte sein Quali nur nach Wiederholung der 10.Klasse in einer privaten Schule mit intensiver Nachmittagsbetreuung erwerben! Dabei hätte er bei seiner Intelligenz mit einer adequaten Therapie seiner Konzentrationsstörung sicher einen guten Realschulabschluss schaffen können!

Die Probleme hörten aber leider nicht mit dem Quali auf! Er wäre kurz vor der Prüfung aus der Ausbildung rausgeflogen (also im 3.Jahr), weil er nach seinem Ausflug mit Freunden in Prag nicht am Montag zur Arbeit zurückgekehrt war sondern erst 4 Tage später! Der Vater konnte nur mit großer Mühe den Chef der Firma überzeugen, seinen Sohn bis zur Prüfung zu behalten! Dieses Verhalten ist leider typisch für Kinder/Jugendliche mit einer ADS: sie handeln impulsiv ("Ich habe Lust, ein paar Tage Urlaub zu nehmen") und können dabei die Konsequenzen für ihr Verhalten nicht voraussehen. Von außen her wirken sie auf Anderen, als ob sie keinen Bock hätten, dabei liegt es nicht am mangelnden Willen, sich angemessen zu verhalten, sondern an ihrer Gehirnstoffwechselstörung. Es ist übrigens erwiesen, dass diese Kinder/Jugendliche im Durchschnitt eine seelische Verzögerung von ca. 3 Jahren haben. Ich habe selber manchmal noch das Gefühl, dass mein 14-jähriger Sohn wie ein 3-4-jähriges Kind denkt/handelt, auch wenn sich sein Verhalten seit der Pubertät sich zum Positiven geändert hat.

Siehe dazu diesen Artikel von Dr. Kirsten Stollhof, die übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben hat:

[www.ag-adhs.de]

[www.amazon.de]ädoyer-frühe-Therapie/dp/3795007968/ref=sr_1_fkmr0_4?ie=UTF8&qid=1496228203&sr=8-4-fkmr0&keywords=stollhof+kirsten+adhs


MPH ist definitiv keine Droge, sondern ein wirksamer, seit 60 Jahren gut erforschter Wirkstoff, der den Dopaminmangel im präfrontalen Cortex (Stirnhirn) behebt. Somit stellt es nur eine normale Funktion dieses Gehirnteiles her, das für Konzentration, Planung/Organisation u.a. zuständig ist (die Störungen im Gehirnstoffwechsel sind eigentlich viel komplexer, siehe dazu die Bücher von Cordula Neuhaus).

Allerdings halte ich ein Konzentrationstraining und ein Elterntraining, Teile der multimodalen Therapie von AD(H)S, für sehr sinnvoll.

Zitat

Ist es besser eine Ganztagesbetreuung zu wählen oder sollen wir die bisherige Situation (er kommt nach der Schule sofort nach Hause und macht seine Hausaufgaben daheim) beibehalten. Prinzipiell müsste die Konzentration in einer Gruppe ja schwieriger sein. Allerdings denke ich, dass es in einer betreuten Gruppe vermutlich weniger Ausweichmöglichkeiten als daheim gibt. Und ich wäre extrem dankbar, wenn die belastende Hausaufgabensituation ausgelagert werden könnte.

Welche Erfahrungen habt Ihr damit: Hausaufgaben lieber daheim oder besser im Rahmen einer Ganztagsbetreuung? - Schon jetzt herzlichen Dank für Eure Rückmeldungen!


Ich habe mit einer Ganztagsbetreuung in einer normalen Schule keine Erfahrung. Mein Sohn ist seit der 4.Kl. in einem Internat. Dort werden die HA in einem speziell für Internatsschüler zur Verfügung gestellten Raum unter Aufsicht gemacht, aber ich weiß nicht genau unter welchen Bedingungen, wie viele Schüler insgesamt im Raum sind, wie viele Betreuer anwesend sind, inwieweit sie auf die speziellen Bedürfnisse eines ADS Kindes eingehen können.

In der 7.Klasse (das war in einem anderen Internat) hat sich z.B. herausgestellt, dass das Kind keine Hausaufgaben gemacht hat (laut Lehrer). Das hat das Internatsaufsichtspersonal offensichtlich nicht interessiert, die Leiterin konnte ich leider telefonisch nie erreichen (ein Mal war sie krank, dann in Urlaub, dann in der Pause, nach 3 Versuchen habe ich aufgegeben).

Im jetzigen Internat gibt es offensichtlich keine Kontrolle der Hausaufgaben am Freitag nachmitttag. Da unser Sohn sich weigert, sie im Internat zu machen, bevor er abgeholt wird und es nicht zulässt, dass wir es zu Hause kontrollieren (er wolle nicht "bevormundet" zu werden), fühle ich mich echt machtlos.

Ein Mal hat er mir zugegeben, dass er sie meist im 20 Uhr am Sonntag abend oder sogar noch schlimmer erst am Montag um 7 Uhr vor dem Unterricht machte. Ich habe mit der Internatsleitung deswegen vereinbart, dass er sie freitags nachmittags im Internat machen soll, bevor er abgeholt wird, und dass dies vom Internatspersonal kontrolliert werden soll, aber vor 2 Wochen habe ich mitbekommen, dass er seine HA an diesem Freitag eben nicht gemacht hatte. Auf meine Frage nach dem Warum beantwortete der Internatsleiter, dass er eine "engmaschige Kontrolle" nicht anbieten könne und dass wir uns gerne eine andere Institution aussuchen sollen, falls wir kein Vertrauen haben.

Ich bezweifle deswegen, dass das Personal in einer normalen Schule mit Ganztagsbetreuung imstande ist, ADS Kinder zu betreuen. Im jetzigen Internat ist das offensichtlich nicht möglich.

An eurer Stelle würde ich deswegen mit MPH probieren. Wenn euer Sohn darauf anspricht (85-90% der Kinder sprechen darauf), dann seid ihr von solchen außer häuslichen Betreuungsformen unabhängig und die HA-Betreuung zu Hause wird sicher viel entspannter für Kind und Mutter verlaufen.

Dazu wird die bessere Konzentrationsfähigkeit auch sicher zu besseren Schulnoten führen, was das Selbstbewusstsein/Selbstvertrauen eures Sohnes stärken wird.

Meiner Erfahrung nach gibt es nur sehr wenige Schulen, wo das Personal (Lehrer, Betreuungskräfte ) auf ADS geschult ist und der Wille vorhanden ist, um diesen Kindern zu helfen. Sie bedürfen aufgrund ihrer Störungen (schwache Aufmerksamkeit, Probleme bei Planung/Organisation, starke Vergesslichkeit) viel länger als andere Kinder eine intensivere, speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Betreuungsform, aber die meisten Schulen scheinen diese nicht anbieten zu können/zu wollen.

Aber vielleicht kannst du in einer Selbsthilfegruppe von Eltern von ADS Kindern vor Ort wertvolle Tipps diesbezüglich bekommen. Solche Gruppen sind eben für diesen Erfahrungsaustausch sehr sinnvoll. Ich kann dir nur raten, dich einer solchen Gruppe anzuschließen und andere Eltern um Rat zu fragen.

Aber mal ganz ehrlich: ohne MPH wird er meiner Erfahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit schwierig bleiben, auch mit den Verhaltensstörungen (Wutausbrüche). Auch wenn unser Sohn sehr gut auf das Konzentrationstraining angesprochen hat, würde ich ihn jetzt zusätzlich medikamentös behandeln lassen.

Ich halte aber ein Elterntraining für sehr, sehr sinnvoll. Die Voraussetzung ist hier allerdings, dass der Vater des Kindes mitmacht, denn wenn beide Eltern nicht am gleichen Strang ziehen, ist das Ganze quasi für die Katz (eigene leidvolle Erfahrung. Dazu muss ich schreiben, dass mein Mann sehr wahrscheinlich selbst betroffen ist, was seine Wutausbrüche bei meinen Versuchen, ihm dabei die Prinzipien beizubringen, erklären könnte. Er hat aber andere Symptome wie extreme Ungeduld, Chaos im Kleiderschrank/am Arbeitstisch und nach eigenen Angaben Konzentrationsschwäche in der Schule, usw. die mich zu dieser Vermutung geleitet haben).

Am Besten ist es, wenn beide Eltern am Elterntraining teilnehmen, und das Kind medikamentös (MPH oder anderer Wirkstoff) UND verhaltenstherapeutisch (Konzentrationstraining, Selbstssteuerungstraining) behandelt wird. Dann sind die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie am Höchsten (das ist hier nicht meine Erfahrung, da unser Kind nur das Konzentrationstraining bekommen hat, sondern die Ergebnisse von wissenschaftlich weltweiten anerkannten Studien, weshalb diese multimodale Therapie in den Leitlinien empfohlen wird).

LG Himbeer (sorry für den langen Text, ich kann es leider nicht anders!)

von Himbeer26 - am 31.05.2017 10:59
Vielen Dank, Himbeer, für Deine ausführliche Rückmeldung!

Als ich den Beitrag damals schrieb, hatten wir gerade erst die Diagnose. Mittlerweile habe ich an einem Elterntraining teilgenommen und mein Sohn hat mit der Verhaltenstherapie begonnen. Außerdem war er kurz vor den Osterferien durch die schlechten Schulnoten mental so sehr unten, dass uns klar geworden ist, dass wir ganz dringend eine deutliche Änderung der Situation herbeiführen müssen, wenn er nicht völlig abgleiten soll. (Wollte gar nicht mehr mit uns reden, hatte immense Angst vor der Schule und war sehr aggressiv.)

Unter diesem Leidensdruck haben wir dann in den Osterferien mit Ritalin begonnen. Und ich muss sagen: Es hat enorm gewirkt! Sowohl was die Nebenwirkungen angeht, als auch die KOnzentrationsfähigkeit. Wenn er jetzt etwas für die Schule tut, dann gleicht das nicht mehr dem Versuch, mit einem Sieb Wasser zu schöpfen. Und wenn er aus der Schule heimkommt, dann weiß er in etwa, was im Unterricht besprochen wurde. Auch das Schriftbild hat sich massiv verbessert, die Hefteinträge sind jetzt lesbar.

Und all das hat dem Selbstwertgefühl unendlich gut getan!!!!!

Fazit: Unsere Probleme sind zwar noch nicht gelöst, aber die Situation ist deutlich besser. Und wir haben eine Perspektive. Ich bin sehr froh, dass wir uns auf die Medikation darauf eingelassen haben!

Herzlich,
Marie

von Marie72 - am 31.05.2017 15:48
Liebe Marie!

Danke auch für deine Rückmeldung!

Zitat
Marie72
Als ich den Beitrag damals schrieb, hatten wir gerade erst die Diagnose. Mittlerweile habe ich an einem Elterntraining teilgenommen und mein Sohn hat mit der Verhaltenstherapie begonnen.


Sehr gut! Hat dein Mann (falls ihr zusammen wohnt) am Elterntraining teilgenommen? Ist er bereit, die Tipps in der Praxis umzusetzen?

Mein Mann war leider nicht fähig, dies zu tun (in SPZ Berichten stand deswegen "divergierender Erziehungsstil" ), die Verhaltensstörungen unseres Sohnes haben deswegen fast immer heftige Ehestreite ausgelöst, was letztendlich zu Trennung und zu Kinderpsychiatrie und Internatsunterbringung geführt hat.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Zusammenarbeit beider Eltern mit einer begleitenden medikamentösen Therapie unseres Sohnes uns dieses Leid erspart hätte.

Was ich mir damals noch zusätzlich sehr gewünscht hätte, wäre ein intensives Coaching, also ein Therapeut an unserer Seite, der uns in Krisensituationen/Zuspitzungen intensiv betreut hätte. Mit der Psychologin im SPZ konnten wir leider (ich und meinen Sohn) wenig anfangen. Leider muss man ADS Coachs in Deutschland selbst bezahlen und es gibt sehr wenige Therapeuten, die sich auf ADS spezialisiert haben.

Mit Verhaltenstherapie meinst du Konzentrationstraining?

Zitat

Außerdem war er kurz vor den Osterferien durch die schlechten Schulnoten mental so sehr unten, dass uns klar geworden ist, dass wir ganz dringend eine deutliche Änderung der Situation herbeiführen müssen, wenn er nicht völlig abgleiten soll. (Wollte gar nicht mehr mit uns reden, hatte immense Angst vor der Schule und war sehr aggressiv.)


Gut, dass ihr rechtzeitig reagiert habt!

Zitat

Unter diesem Leidensdruck haben wir dann in den Osterferien mit Ritalin begonnen. Und ich muss sagen: Es hat enorm gewirkt! Sowohl was die Nebenwirkungen angeht, als auch die Konzentrationsfähigkeit. Wenn er jetzt etwas für die Schule tut, dann gleicht das nicht mehr dem Versuch, mit einem Sieb Wasser zu schöpfen. Und wenn er aus der Schule heimkommt, dann weiß er in etwa, was im Unterricht besprochen wurde.


Wunderbar! Es freut mich so sehr für euch! Wenn ich denke, wie sehr MPH in der Presse verteufelt wird...Um so mehr freue ich mich, wenn Eltern solche positive Erfahrungsberichte posten! Leider gibt es zu wenig davon!

Hat euer Sohn keine Nebenwirkungen? Auch kein Rebound-Effekt? Ab welcher Dosis habt ihr eine positive Wirkung gemerkt?

Zitat

Auch das Schriftbild hat sich massiv verbessert, die Hefteinträge sind jetzt lesbar.


Super! Die Schrift unseres Sohnes ist mittlerweile absolut unleserlich, ich weiß nicht, wie die Lehrer es schaffen, sie zu entziffern (ich kann es kaum!).

Ich wäre so froh, wenn er endlich einverstanden wäre, um Konzentrationstests erneut durchzuführen und wenn diese auffällig wären, einem erneuten Versuch mit MPH zustimmen würde.

Zitat

Und all das hat dem Selbstwertgefühl unendlich gut getan!!!!!


Wundert mich nicht! Nicht therapierte AD(H)S Kinder bekommen oft Depressionen und/oder Angststörungen wegen der häufigen schulischen und sozialen Misserfolge, Zurückweisungen, Ermahnungen, usw.

Zitat

Fazit: Unsere Probleme sind zwar noch nicht gelöst, aber die Situation ist deutlich besser. Und wir haben eine Perspektive. Ich bin sehr froh, dass wir uns auf die Medikation darauf eingelassen haben!


Ihr wird es schaffen, ich bin sicher! Bleibt am Ball, das lohnt sich!

Ich werde mein Leben bereuen, dass ich zu früh aufgeben habe und MPH abgesetzt habe.Grund: starker Rebound Effekt nach ca 4-5 Std, Assistenzarzt war gerade in Vaterschaftsurlaub für 2 Monate gegangen, SPZ wollte uns keinen Termin mit einem anderen Arzt geben, die 2.Assistenzärztin 2 Monate später- der 1. hatte inzwischen das SPZ verlassen!!!- hatte offensichtlich keine Ahnung von AD(H)S, war 3 Wochen vorher in der Uni, konnte meine Fragen nur beantworten, nachdem sie einen Blick auf ihren Spickzettel geworfen hatte, die 3.Ärztin-Kinderärztin, 1 Jahr später-war beim 3.Termin durch die Aggressivität unseres Sohnes so verunsichert-sie wollte uns eigentlich ein Ritalin Rezept trotz inzwischen unauffälligen Konzentrationstests geben, weil MPH nachweislich auf das oppositionelle Trotzverhalten wirkt-dass sie eine Vorstellung beim Kinderpsychiater empfohlen hat.

Dann hieß es, Kind habe kein ADS, weil die Konzentrationstests unauffällig seien und die Noten in der Schule gut seien.

Jetzt leidet unser Sohn seit der 7.Klasse offensichtlich unter Aufmerksamkeitsschwäche/Ablenkbarkeit, viel spricht nach wie vor für ein AD(H)S (Chaos in den Heften und im Schulranzen, Vergesslichkeit-er hat mal eine 6er in Mathe-Schulaufgabe bekommen, weil er sein Geodreieck vergessen hatte- unleserliche Schrift, immer wieder oppositionelles Trotzverhalten, wenn auch in abgeschwächter Form im Vergleich zum Grundschulalter- Uneinsichtigkeit bei Verhaltensfehlern- will partout nicht anerkennen, dass er Schuld war, nein, seine Schwester habe ihn provoziert!-usw.) aber wir können ihm nicht helfen und weder Lehrer noch Internatsleitung zeigt Verständnis dafür. Es ist zum K***!!! (sorry)

Ich würde an eurer Stelle deswegen die Hausaufgabenbetreuung weiterhin selbst in der Hand nehmen, da die Situation sich mit MPH deutlich entspannt hat und euer Sohn sich offensichtlich viel besser konzentrieren kann. Nach dem Konzentrationstraining wird es sicher noch besser sein, danach hat er die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche schulische und akademische Laufbahn!

Unterschätzt übrigens nicht die Macht der Belohnungen: gerade Kinder mit AD(H)S, die viele Misserfolge erlebt haben, brauchen diese Verstärkung, um positive Verhaltensweisen zu erlernen. Ich würde persönlich auch Fortschritte belohnen, ich meine damit, wenn ein Kind von einem 4er auf einem 3er kommt, ist das auch ein Grund für eine Belohnung (und nicht nur, wenn er ein 1er oder 2er bekommt).

Wichtig auch: positive Zeiten mit dem Kind erleben, also Ausflüge, Freibad-Besuche, Kino-Besuche, Freizeitpark-Besuch geben Eltern und Kind Anlass, wieder Spaß miteinander zu haben, miteinander zu lachen. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder, die Eltern-Kind-Beziehung und hilft, die bisherigen Misserfolge zu verkraften.

Ich versuche auch, meinem Kind immer wieder zu zeigen, wie sehr ich ihn liebe, auch wenn ich leider (ich vermute mittlerweile ADS bei mir selbst-Bei meinem Mann vermute ich es seit der Diagnose unseres Sohnes) immer leider (zum Glück immer seltener) "ausraste", wenn er sich wieder mal daneben benimmt. Wir umarmen uns z.B., bevor er am Sonntag abends ins Internat zurückkehrt, ich schreibe ihm per WhatsApp, wie sehr ich ihn liebe. Da er wie viele ADS Kinder nicht nachtragend ist und sich im Grunde nach Harmonie sehnt, versöhnen wir uns immer 1-2 Tage nach einem Streit (welcher mittlerweile wirklich selten passiert, da er ja nur noch 2,5 Tage/Woche zu Hause ist und sein Verhalten sich stark verbessert hat). Ich weiß im Grunde, dass er nichts für sein störendes Verhalten kann, also uns/seine Schwester nicht absichtlich stört/ärgert. Ich hoffe so sehr, dass er trotz unzureichender Behandlung seiner möglicherweise noch vorhandenen AD(H)S seinen Weg im Leben finden wird bzw. irgendwann einsehen wird, dass eine Diagnostik und Therapie doch der bessere Weg wäre.

Mein Mann hat übrigens mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst ADS (war als Kind allerdings nicht hyperaktiv wie unser Sohn, sondern eher der Träumer-Typ, der im Unterricht aus dem Fenster geschaut hat), war in der Volksschule, hat eine Lehre gemacht und hat es erst zum Ingenieurstudium über das Fachabitur (BOS) geschafft und ist jetzt sehr erfolgreich im Beruf, trotz chaotischer Arbeitsweise (aber zum Glück gibt es in der Firma sehr gute Sekretärinnen, die die Termine mit Kunden vereinbaren*gg*), Impulsivität/Ungeduld, usw. Es ist also durchaus möglich, ohne ADS Therapie sozial und beruflich erfolgreich zu sein, aber viele Patienten schaffen es ohne Therapie leider nicht!

Ich wäre froh, wenn du über den weiteren Verlauf immer wieder berichten würdest!

Alles Gute!

LG Himbeer

von Himbeer26 - am 01.06.2017 08:16
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