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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
21
Erster Beitrag:
vor 7 Monaten, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 3 Tagen, 7 Stunden
Beteiligte Autoren:
Honigbluete, Himbeer26, Dagmar D.

ADS und hohe Begabung

Startbeitrag von Honigbluete am 06.03.2017 12:47

Hallo Zusammen,
ich bin ganz neu hier und hoffe, Ideen, Tipps und Anregungen zu bekommen, die meinem Sohn helfen.

Er ist 10, besucht die 5. Klasse einer Gesamtschule und dreht dort gerade mächtig auf. Er verweigert schriftliche Mitarbeit, stört die Mitschüler und wird zunehmend respektlos und ausfällig sowohl Mitschülern als auch Lehrern gegenüber. Leider ist die Kommunikation mit dem Lehrer sehr schwierig, wir bekommen keine zeitnahen Rückmeldungen zu seinem Verhalten. In einem ersten Beratungsgespräch wurde uns empfohlen, einen Schulbegleiter zu beantragen und über Kurzbeschulung nachzudenken, letzten Freitag, knapp einen Monat später und wieder ohne weitere Rückmeldungen zwischendrin wird uns nahe gelegt, ihn zu einer Förderschule Emotionale und Soziale Entwicklung zu geben. Unser Sohn sei dort nicht beschulbar, heisst es. Nach einem Grund für sein Verhalten wurde nicht gefragt, Konsequenzen hat er für kein "Vergehen" erhalten, ausser, dass er fast jede Stunde auf dem Flur sitzt. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie wir geschaut haben. Bereits das erste Gespräch war krass, das zweite unfassbar.
Nun hat er bisher nur eine Verdachtsdiagnose auf ADS (ohne H) und ausserdem ein außergewöhnliches Intelligenzprofil. Er macht seit 1,5 Jahren eine Verhaltenstherapie, die Grundschulzeit war schwierig, aber in enger Zusammenarbeit zwischen uns und der Grundschule hat er sich ganz gut entwickelt. Er hat gute Leistungen gezeit, auch wenn der Weg dahin für alle Beteiligten nicht immer einfach war. Unsere Hoffnungen, dass er an der weiterführenden Schule, die das Motto "Schule für alle!" führt, gut aufgehoben ist, haben sich ganz eindeutig nicht erfüllt.
In den vielen Gesprächen, Recherchen etc der letzten Tage bin ich auf einen Zusammenhang von ADS und Hoher Begabung gestoßen worden. Dazu habe ich zwei tolle Artikel gelesen und finde unseren Sohn darin sehr gut wieder. Sinngemäß hat er durch seine intellektuellen Möglichkeiten die Symptome von ADS lange ausgleichen können. Nun, ohne strukturierende und regulierende Maßnahmen von Seiten der Schule eskaliert sein System. Ich habe den ganzen Vormittag damit verbracht, mögliche Hilfen zu bekommen und habe auch einige Termine vereinbart, würde jetzt aber gerne von erfahrenen und betroffenen Eltern eine Rückmeldung zu meiner Vermutung haben. Gibt es das so? Verrenne ich mich da? Kennt das jemand? Was können wir tun?
Mein Kind leidet, ich bzw wir machen uns Vorwürfe...

Antworten:

Hallo Honigblüte,

ja, das stimmt, in der weiterführenden Schule wird alles viel schwieriger als in der Grundschule. Das ganze System ist nicht mehr so überschaubar und wesentlich größer, das Klassenlehrerprinzip weicht den Fachlehrern, es gibt wesentlich mehr Fächer, mehr Lehrerwechsel an einem Vormittag, alles ist wesentlich unstrukturierter.

Wenn ein Kind mit ADHS in der Grundschule einigermaßen zu stabilisieren war, klappt das in der weiter führenden Schule oftmals nicht mehr.

Vor der Förderschule kommt allerdings noch vieles anderes, keine Panik.

In Deutschland haben wir die Inklusion. Das heißt, die Klassenlehrkräfte können einen Förderschulpädagogen anfordern, falls der/die nicht ohnehin in der Schule ist und euren Sohn förderdiagnostisch testen lassen. Die Folge ist, dass wahrscheinlich ein besonderer Förderbedarf festgestellt wird. Das heißt: euer Sohn und die Lehrkräfte erhalten eine Unterstützung durch diese Förderschullehrkraft.

Wenn das mal eine ganze Zeit durchgezogen wurde, d.h. mindestens ein halbes Jahr, dann kann man in Absprache mit euch festlegen, ob eine Überprüfung auf einen sonderpädagogischen Förderbedarf stattfinden soll. In diesem Zusammenhang kann dann auch darüber geredet werden welche Bedingungen notwendig sind, damit euer Sohn diese Schule besuchen kann.

Ganz wichtig: Nur wenn ihr als Eltern das wünscht, kann euer Sohn die Förderschule besuchen. Es gibt in Zeiten von Inklusion kein Abschieben von Schülern mehr.

Einen Schulbegleiter könnt ihr beim Jugendamt beantragen. Da wird aber nichts genehmigt, so lange die Schule nichts dokumentiert hat und solange kein Förderschullehrer mit vorbeugenden Maßnahmen eingeschaltet ist.

Ein ungewöhnliches Intelligenzprofil haben alle Kinder mit ADHS, das gehört dazu und ist ein Diagnosekriterium. Das heißt aber nicht Hochbegabung, das sind zwei völlig unterschiedliche Schuhe.

Eine Hochbegabung ist tatsächlich ein Schutz für Kinder mit ADHS, da sie in ihren kurzen Konzentrationsphasen ziemlich viel vom Unterricht mitbekommen und nicht so große Leistungslücken entwickeln wie Kinder mit einer ADHS und einer normalen Begabung. Man spricht auch von Hochbegabung als protektivem Faktor.

Ich würde zwei Termine vereinbaren, das erste mit der Verhaltenstherapeutin und mit ihr Klartext reden über die schulische Situation. Was mich sehr verwundert ist, dass sie nichts von der Schulsituation mitbekommen hat. Was redet die denn mit deinem Sohn?
Den 2. Termin würde ich mit dem Arzt vereinbaren, der die Verdachtsdiagnose ausgesprochen hat und ihn um seinen Rat fragen.

Dann müsst ihr eurem Sohn vermitteln, dass ihr ganz klar ein anderes schulisches Verhalten von ihm einfordert und sein Schulverhalten auch von Elternseite sanktionieren.

Und vielleicht noch mal schauen, wie er sich zu Hause in fremdbstimmten Anforderungssituationen verhält. Wenn er das nämlich hinbekommt und zu Hause euren Anforderungen unproblematisch nachkommt, dann ist es kein ADHS-Thema, sondern dann muss man klären, warum das in der Schule so schief läuft.

Das war ziemlich viel Text, wenn du noch Fragen hast, dann einfach fragen ;-)

von Dagmar D. - am 06.03.2017 17:36
Hallo Dagmar,
Vielen Dank für deine Ausführlichen Informationen! Einen Termin beim Jugendamt habe ich morgen, da werde ich den Antrag stellen auf Schulbegleitung und Hilfen zur Erziehung. Denn auch zuhause tut er sich sehr schwer mit Anforderungen...
Einen Bericht der Schule für den Antrag bekomme ich nächste Woche.

Ich hatte das mit der Hochbegabung auch so verstanden. Dass er dadurch viele Symptome des ADS kompensieren konnte und daher nur eine Verdachtsdiagnose zustande gekommen ist. Einen Termin in der KJP Praxis haben wir für nächsten Freitag bekommen.

Eben hatte ich noch ein sehr nettes Gespräch mit der zweiten Klassenlehrerin. Sie war seit Weihnachten krank und war erschrocken, was aus meinem Sohn geworden ist in den paar Wochen. Von einem liebenswerten Kerlchen mit einigen Macken ist er zu einem unangenehmen Totalverweigerer geworden... Heute lief es aber ganz gut, der Schreck über die drohende Umschulung hat sich bemerkbar gemacht. Sie stimmt einem Klassenwechsel zu, hat auch schon eine Kollegin angesprochen, die bereit ist, ihn zu nehmen. Dort geht es deutlich strukturierter zu und sehr viel sozialer untereinander. Sie hat mir auch Tipps gegeben, wie wir das durchziehen können und wirkt sehr bemüht, dass es meinem Sohn besser geht. Mir selbst geht es jetzt nach den vielen Telefonaten und Gesprächen deutlich besser, vor allem die Aussicht, dass er aus der Klasse kann, ist so viel wert.

von Honigbluete - am 06.03.2017 19:39
Hallo Honigbluete,

darf ich dich fragen, welche Diagnose der KJP gestellt hat? Und was das Jugendamt entschieden hat?

Unser Sohn (14) hat mit 7 Jahren die Diagnose ADS beim SPZ (Sozialpädiatrischem Zentrum) und mit 10 Jahren die Diagnose Hochbegabung bei einem KJP, der sich auf ADS spezialisiert hat, erhalten.


Leider hat er seit der 7.Klasse schlechte Noten im Zeugnis, nachdem er ein 1er-und 2er. Schüler bis dahin war. Da er sich weigert, Konzentrationstests erneut durchzuführen, wissen wir nicht, ob er wieder an einer Konzentrationsschwäche leidet und können ihm daher leider nicht helfen.

Daher mein Rat:wenn ADS bei eurem Sohn diagnostiziert worden ist , dann lasse ihn unbedingt an einem Konzentrationstraining in einer guten Praxis (Ergotherapie) teilnehmen und gebe ihm Methylphenidat zusätzlich. Methylphenidat wirke bei ADS Kindern auch auf die Verhaltensstörungen.

von Himbeer26 - am 20.05.2017 17:23
Hallo Himbeer26, das Auswertungsgespräch steht noch aus, daher haben wir noch keine aktuelle Diagnose. Er ist mit 6 oder 7 schonmal getestet worden und hat als Diagnose Verdacht auf ADS bekommen.
Diesmal würde auch ein Konzentrationstraining gemacht, aber davon haben wir wie gesagt noch keine Auswertung. Eine Medikamentöse Behandlung steht im Raum, körperlich haben wir auch schon alles abklären lassen (Blutuntersuchung, EKG, EEG).

Über ein Konzentrationstraining werden wir sicher beim Gespräch mit der KJP reden. Danke für den Tipp!

Und zu uns ein kleines Update: er hat Mitte März innerhalb der Schule die Klasse gewechselt und hat nun zwei Goldstücke als Lehrerinnen und eine deutlich nettere Klasse. Es läuft deutlich besser für und mit ihm, sein auffälliges Störverhalten ist seit dem ersten Tag dort weg. An seiner Arbeitshaltung arbeiten wir gemeinsam mit Lehrerinnen und Therapeutin.

von Honigbluete - am 20.05.2017 19:06
Hallo Honigblute,

schön, dass du mir so schnell geantwortet hast!

Zitat
Honigbluete
Hallo Himbeer26, das Auswertungsgespräch steht noch aus, daher haben wir noch keine aktuelle Diagnose. Er ist mit 6 oder 7 schon mal getestet worden und hat als Diagnose Verdacht auf ADS bekommen.


Wenn der Verdacht mit 6-7 Jahren schon geäußert, dann hat er wahrscheinlich ADS. Schade, dass die Therapien nicht damals begonnen wurden, man hätte ihm viel Leid damit ersparen können! Aber so ist es bei dieser Gehirnstoffwechselstörung leider immer noch oft der Fall, was ich sehr traurig finde!

Zitat

Diesmal würde auch ein Konzentrationstraining gemacht, aber davon haben wir wie gesagt noch keine Auswertung.


Sehr gut. Die Wirkung habe ich nur nach und nach bei den Hausaufgaben gespürt. Einige Wochen nach dem Ende des Konzentrationstraining (1,5 Stunde/Woche, 3 Monate lang, insgesamt also 10-12 x 1,5 Stunden) waren die Konzentrationstests im SPZ deutlich besser, aber die volle Wirkung haben wir mit der Lehrerin erst 1 Jahr später gesehen. Auch erst nach dieser Zeit waren die Konzentrationstests komplett unauffällig, was allerdings dazu geführt hat, dass wir keinen erneuten Versuch mit Ritalin machen durften.


Zitat

Eine Medikamentöse Behandlung steht im Raum, körperlich haben wir auch schon alles abklären lassen (Blutuntersuchung, EKG, EEG).


Ich rate dir, unbedingt dem Kind diese Chance zu geben. Lasst dich dabei von einem evtl. Rebound-Effekt nicht verunsichern. Ich habe (leider zu spät) gelesen, dass dieser Effekt mit Retardpräparaten deutlich milder ist bzw. nach ein paar Wochen wieder verschwindet.

Mein Rat: fange mit MPH in den Ferien an! Denn damit könntet ihr euer Kind am Besten beobachten. Sonst seid ihr auf die Beobachtung/Berichte der Lehrer angewiesen. So konnte ich die sehr gute Wirkung unter 10 mg Ritalin bei meinem Kind sehr gut beobachten (und wäre nicht auf 20 mg hochgegangen, wie vom Assistenzarzt vorgeschlagen) und wusste, dass er auf diese Dosis sehr gut ansprach.

Zitat

Über ein Konzentrationstraining werden wir sicher beim Gespräch mit der KJP reden. Danke für den Tipp!


Du hast vorher geschrieben, dass ein Konzentrationstraining gemacht wurde.? Oder meintest du jetzt ein Elterntraining?

Zitat

Und zu uns ein kleines Update: er hat Mitte März innerhalb der Schule die Klasse gewechselt und hat nun zwei Goldstücke als Lehrerinnen und eine deutlich nettere Klasse. Es läuft deutlich besser für und mit ihm, sein auffälliges Störverhalten ist seit dem ersten Tag dort weg. An seiner Arbeitshaltung arbeiten wir gemeinsam mit Lehrerinnen und Therapeutin.


Wunderbar! Das freut mich sehr für euch!!!!!!!!! Das zeigt, dass dieses Störverhalten auch eine Reaktion auf ablehnendes, aggressives Verhalten von Mitmenschen sein kann (was mein Schwager und Schwägerin bis jetzt nie verstanden haben, aber sie sind wirklich unbelehrbar).

Diese Kinder sind hochsensibel und spüren sehr wohl, wenn jemand sie mag oder nicht. Deswegen ist ein wohlwollendes, respektvolles Verhalten das A und O.

von Himbeer26 - am 20.05.2017 19:43
Oh, da hat die Autokorrektur zugeschlagen: es wurde im Rahmen der Diagnostik ein Konzentrationstest gemacht. Die Auswertung haben wir in 2 Wochen, ich werde nach einem Konzentrationstraining fragen. In der Praxis lagen Broschüren aus zum Marburger Konzentrationstraining, ist das sowas, was du meinst?

von Honigbluete - am 27.05.2017 07:10
Ja, das meinte ich, das Marburger Konzentrationstraining. Die Wirkung ist wissenschaftlich erwiesen, daher werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

In unserem SPZ bestand das Konzentrationstraining aus einer Mischung aus Marburger K-Training und anderen Trainings. Das hat wirklich sehr gut gewirkt. Mein Sohn konnte sich danach 20-30 Min am Stück konzentrieren, vor dem Training waren 5 Min das absolute Maximum. Ich habe ihn aber nach dem Training weiterhin bei den Hausaufgaben "begleitet", 1 Jahr später war er aber imstande, sie selbstständig durchzuführen.

In der ergotherapeutischen Praxis, wo mein Sohn mit 4 Jahren Ergotherapie wegen seiner Feinmotorikschwäche bekommen hat, hat der Ergotherapeut das rein Marburger Konzentrationstraining angewendet. Das hat laut einer Freundin, dessen Sohn dort 1 Jahr lang in Behandlung war (Rezepte bekam sie vom SPZ) auch sehr gut geklappt. Im Nachhinein würde ich mich für diese Variante (Praxis vor Ort) entscheiden, weil die Therapie im SPZ mit viel Fahrerei und Zeit verbunden war (1,5 Std Training, 1 Std Fahrt hin-und her).

Ich kann dir nur ans Herz legen, dich dank Bücher (Cordula Neuhaus z.B.) schlau zu machen. Und wenn möglich den Vater des Kindes zu bitten, es auch zu machen. Wenn alle am gleichen Strang ziehen, ist das die beste Voraussetzung für den Therapieerfolg.

Hälst du uns am Laufenden?

von Himbeer26 - am 29.05.2017 19:45
Zitat
Honigbluete
In den vielen Gesprächen, Recherchen etc der letzten Tage bin ich auf einen Zusammenhang von ADS und Hoher Begabung gestoßen worden. Dazu habe ich zwei tolle Artikel gelesen und finde unseren Sohn darin sehr gut wieder.


Ich würde gerne diese Artikel lesen.

Falls sie online sind: kannst du sie verlinken?

Ich kopiere dir im Anhang meine Antwort zum Thema, die ich mal für dich geschrieben hatte.

Zitat

Sinngemäß hat er durch seine intellektuellen Möglichkeiten die Symptome von ADS lange ausgleichen können.


Ja, du hast es richtig verstanden. Aber bei steigenden intellektuellen Anforderungen bzw. bei Themen, die diese Kinder nicht interessieren (bei großer Neugier/großem Interesse können ADS Kinder "hyperfokussieren" und sich sehr intensiv und sehr lange konzentrieren) können sie eben ihre Konzentrationsschwäche kompensieren.

Mein Sohn hat eben in den Fächern, die ihn stark interessieren (Deutsch, Geschichte, Recht/Wirtschaft) gut bis sehr gute Noten, in den Fächern, die ihn nicht interessieren, keine guten Noten mehr.

In Mathe drifte er immer ab, sagte mir vor Kurzen sein Mathe-Lehrer (aber ADS sei eine "Ausrede", mein Kind sei nur "stinkfaul". Meine Frage, ob er in seiner Ausbildung etwas über ADS gelernt habe, wurde verneint!) . Seitdem er vorne in der 1.Reihe mittig sitze, sei er aufmerksamer (aber ADS hat er nicht, klar!).





Nun, ohne strukturierende und regulierende Maßnahmen von Seiten der Schule eskaliert sein System. Ich habe den ganzen Vormittag damit verbracht, mögliche Hilfen zu bekommen und habe auch einige Termine vereinbart, würde jetzt aber gerne von erfahrenen und betroffenen Eltern eine Rückmeldung zu meiner Vermutung haben. Gibt es das so? Verrenne ich mich da? Kennt das jemand? Was können wir tun?
Mein Kind leidet, ich bzw wir machen uns Vorwürfe...[/quote]

von Himbeer26 - am 01.06.2017 08:49
Der 1.Intelligenztest vor dem Konzentrationstraining (mit 7 Jahren) ergab eine normale Intelligenz (103-105, wenn ich mich recht erinnere), der 2. Test mit 9 Jahren (Kinderpsychiatrie, stationär) eine überdurchschnittliche Intelligenz (die Konzentrationstests waren zum Zeitpunkt unauffällig, da das Konzentrationstraining mit 7 Jahren SPZ sehr gut angeschlagen hatte) und der 3. speziell auf ADS Kinder zugeschnitten Test (mit 10 Jahren) ergab einen IQ über 130 (sehr hohes IQ von 148 im sprachlichen Bereich, überdurchschnittlicher IQ-weiß nicht mehr den exakten Wert- im mathematisch-logischen Bereich).

An diesem Beispiel erkennt man sehr deutlich, dass das IQ bei ADS Kindern mit üblichen Intelligenztests nicht immer adequat ermittelt werden kann. Beim 2. Test war der IQ deutlich höher als vor dem Konzentrationstraining, vermutlich weil das Kind sich beim 1.Test eben nicht konzentrieren konnte.

Aber erst mit einer Testmethode, die es erlaubt, zwischen "Intelligenzfehlern" und "Konzentrationsfehlern" zu unterscheiden, konnte das tatsächlich hohe IQ ermittelt werden.

Damit will ich sagen: es ist sehr wichtig, eine KJP Praxis zu finden, die sich auf ADS spezialisiert hat und spezielle IQ Tests anwendet.

Was die Leistungen unseres Sohnes anbelangt: Noten bekam er erst nach dem Absolvieren des Konzentrationstrainings im SPZ, so dass ich keinen Vergleich zu vorher/nachher habe. Ich kann nur sagen, dass die Konzentrationsspanne sich erheblich von max. 5 Minuten vor dem Training auf mind. 20-30 Min. einige Wochen/Monate nach dem Training verbessert hat, eine Wirkung, die mir die Grundschullehrerin auch bestätigte (Training war am Anfang bis zu Mitte der 2.Klasse).

Nach dem Training hatte er 1er und 2er im Zeugnis bis zur 7. Klasse und durfte deswegen ins Gymnasium.

Mit 10 mg Ritalin war seine Konzentrationsspanne vor dem Konzentrationstraining (mit 7 Jahren) übrigens sehr gut (ca. 30 Min.), zu einem Zeitpunkt, wo er sich max. 5 Min am Stück konzentrieren konnte und die Hausaufgaben-Situation für Mutter und Kinder regelrecht zur Qual wurde.

Leider musste ich das Präparat nach 3 Tagen absetzen, weil er nach ca. 4-5 Stunden (Ritalin ist unretardiertes Methylphenidat und wirkt nur 3 bis 4 Stunden im Durchschnitt, je nach Stoffwechsel des Kindes) unter einem heftigen Rebound gelitten hat, was mich sehr verunsichert hat.

Der junge Assistenzarzt (SPZ) war leider 1 Woche nach dem Ausstellen des Rezeptes in Vaterschaftsurlaub gegangen und das SPZ wollte mir in den 2 Monaten danach keinen Termin mit einem anderen Arzt geben.

Die 2. Assistenzärztin (der 1. hatte inzwischen die Kinderklinik verlassen) erwies sich als blühende Anfängerin, die nicht mal den Namen der Präparate kannte und die Uni erst 3 Wochen früher verlassen hatte, so das ich jegliches Vertrauen im SPZ verloren hatte (ein Kind mit einem derart ausgeprägten oppositionellem Trotzverhalten hatte sie nach eigenen Angaben noch nie gesehen! Dazu muss ich hinzufügen, dass Ärzte nach Angabe einer befreundeten Allgemeinärztin, die ihr Studium nach 2005 abgeschlossen hat, nichts über ADS lernen, was die Ignoranz vieler Allgemeinärzte, Kinderärzte erklären kann-Vor Kurzem sagte mir übrigens mein Hausarzt, ADS sei eine "Modediagnose").

1 Jahr später verlangte ich im SPZ einen Termin bei einer fertig ausgebildeten Kinderärztin, weil die Verhaltensstörungen (oppositionelles Trotzverhalten mit aggressiven Ausbrüchen-darunter leiden ca. 50% der ADS Kinder, wenn ich mich recht erinnere) unsere Lebensqualität (bzw meine psychische Gesundheit) enorm beeinträchtigten.

Obwohl die Konzentrationstests weiterhin unauffällig waren, empfahl die Kinderärztin einen erneuten Versuch mit Methylphenidat, weil "es das Verhalten ebenfalls positiv beeinflusse" (was ich übrigens in dem kurzen Versuch 3 Jahre vorher sehr gut beobachten konnte).

Leider gab es zwischen mir und meinem Kind einen heftigen Streit kurz vor dem letzten Termin (wir hätten an diesem Tag das Rezept bekommen), so dass die Kinderärztin eine Vorstellung beim Kinderpsychiater empfahl.

Dieser schloss 2 Monate später gleich beim 1.Gespräch (!) ADS aufgrund der guten Noten und des mittlerweile unauffälligen Konzentrationstestes aus und empfahl eine stationäre Aufnahme 6 Monate später (!).

Die Spannungen in der Ehe wegen der Erziehungsprobleme haben zu einer vorübergehenden Trennung geführt, welche heftige psychiatrische Symptome bei meinem Sohn (heftige Wutausfälle mit Äußerung von Selbstmordgedanken) ausgelöst haben.

Ich habe daraufhin meinen Mann darum gebeten, ihn in die Kinderpsychiatrie zu bringen, wo er (mit 9 Jahren) 6 Wochen lang stationär aufgenommen wurde.

Die verantwortliche Kinderpsychologin hat sich 3 Wochen lang nicht bei uns gemeldet, keine Fragebögen geschickt, keine Fragen gestellt und hat in einem Telefonat (ich habe sie auf Rat der SPZ Kinderärztin angerufen ) die ADS Diagnose wegen der guten Noten und der unauffälligen Konzentrationstests ebenfalls abgestritten. Das Kind sei wegen der Ehestreite und der Depression der Mutter verhaltensauffällig und müsste ins Internat.

Vorher hatte ich das Jugendamt um Hilfe gebeten, aber eine konkrete Hilfe wie ein Erziehungsbeistand (mein Mann hatte sich geweigert, am Elterntraining teilzunehmen und die Erziehungsmaßnahmen umzusetzen. Die Verhaltensstörungen führten sehr oft zu heftigen Ehestreiten) wurde verweigert. Stattdessen überwies es uns monatlich einen Teil der erheblichen Internatskosten.

Seit der 4. Klasse ist unser hochbegabter Sohn-dessen ADS also plötzlich "verschwunden" ist-also im Internat, bzw. mittlerweile im 3.Internat.

Ich nehme an, er konnte wegen seiner enormen Neugier und seinem hohen IQ im Unterricht relativ gut kompensieren und hatte daher bis zur. 7 Klasse wie gesagt nur 1er und 2er.

Wobei ich nicht weiß, ob er diese Noten ohne Konzentrationstraining bekommen hätte (sein Cousin-der die ADS Diagnose mit 10 Jahren bekommen hatte- hatte bis zur 10. Klasse in der Hauptschule 4er, 5er und 6er im Zeugnis).

In der 7. Klasse bekam er leider schlechte Noten (4, 5, 6). Das Zwischenzeugnis fand ich im Januar im Papiereimer (!).

In Gesprächen erwähnten die meisten befragten Lehrer eine Unaufmerksamkeit, weshalb unsere Kinderärztin eine erneute Vorstellung beim SPZ und neue Konzentrationstests empfahl.

Leider hat sich unser Sohn damals geweigert, diese Tests durchzuführen, so dass wir bis jetzt (9.Klasse) nicht wissen, ob er wieder an einer Konzentrationsschwäche leidet oder einfach keine Lust zum Lernen hat.

Meine Hinweise auf eine vorhandene, diagnostizierte ADS mit 7 Jahren werden von manchen Lehrern in der aktuellen Klasse/Schule leider nicht ernst genommen. Laut Mathlehrer sei mein Kind einfach nur "stinkfaul" und "ADS sei eine Ausrede". Zumindest sitzt mein Sohn jetzt vorne in der 1. Reihe (was der Mathlehrer eigenständig entschieden hat) und wirke "aufmerksamer, driftet weniger ab".

Ich fühle mich hilflos, möchte ihm so gerne helfen, kann es aber nicht. Im Internat werde ich mittlerweile offensichtlich als "nervige, überfürsorgliche Mutter" wahrgenommen, nur weil ich die stellvertretende Leiterin darum gebeten habe, ihm sein Handy (an dem er "den ganzen Tag rumhängt, dixit Internatleiter!) nur stundenweise zu überlassen. Das sei organisatorisch nicht möglich, entweder sollen wir ihm das Handy komplett wegnehmen-was aber diese Woche zu heftiger Aggressivität seinerseits im Internat geführt hat- oder ihm ganz lassen. Zumindest muss er das abends um 22 Uhr abgeben, so dass er seine Nachtruhe hat (zu Hause schläft er aus dem Grunde erst nach Mitternacht ein).

Der Schulpsychologe, den ich vor ein paar Wochen gesehen habe, kann uns auch nicht helfen, denn "wenn er nicht will (mit dem Psychologen sprechen, die Konzentrationstests machen), kann man nichts machen".

So muss ich einfach nur warten, beten und hoffen, dass mein Kind vor dem Abitur die Kurve wieder hinkriegt, in der Hoffnung, dass sein Gehirn etwas schneller reift als das seines älteren Cousin, der ein paar Wochen vor der Prüfung (Ausbildung) sich ohne Erlaubnis seines Chefs ein paar Tage Urlaube im Ausland nahm (er kam nach dem WE-in Tcheschien mit Kumpels verbracht- nicht am Montag in die Arbeit zurück, sondern erst am Donnerstag).

Mittlerweile bin ich so frustriert über meinen vielen erfolglosen Versuchen, meinem Sohn zu helfen, dass ich so weit bin, und nichts mehr unternehmen möchte.

Zum Einen weil ich endlich eingesehen habe, dass ich für meinen Sohn so gut wie nichts mehr machen kann. Aber auch um meine emotionale Stabilität nicht weiter zu gefährden.

Immerhin hatte ich wegen der extremen Belastung mit diesen Erziehungsproblemen und den heftigen Ehestreiten (mein Mann ist sehr wahrscheinlich ein ADSler wie sein Vater, seine Schwester und sein Neffe-ich bin wahrscheinlich auch betroffen) heftige depressive Tiefs mit Selbstmordgedanken bekommen, war einige Male stationär in der Psychiatrie deswegen (und in einer psychosomatischen Klinik, der erste Ort, wo ich mich ernst genommen gefühlt habe und wo mir wirklich geholfen wurde) und bin erst seit mein Sohn im Internat ist, einigermaßen stabil.

Ich hoffe, du hast mehr Glück mit dem KJP und dem Jugendamt. Wenn mir jemand vor 7 Jahren einen Film gezeigt hätte, der mir vor Augen geführt hätte, was ich mit meinem Sohn alles in diesen Jahren erleben würde, hätte ich nie den Ärzten im SPZ vertraut, sondern hätte mir gleich eine spezialisierte KJP Praxis herausgesucht, und hätte das Methylphenidat niemals abgesetzt.

Ich kann es jetzt natürlich ohne Konzentrationstests und ohne neuen Versuch nicht wissen, aber ich vermute nach den Schilderungen der aktuellen Lehrer, dass die Konzentrationsfähigkeit meines Sohnes für die erhöhte Anforderungen nicht mehr ausreicht und dass er diese Hilfe braucht.

Dieses Medikament hätte vielleicht auch die Verhaltensstörungen gemildert und ein harmonischeres Familienleben erlaubt.

Mit inkompetenten Assistenzärzten (die ihr Wissen von vorherigen Assistenzärzten bekommen hatten!!!), einer unsicheren Kinderärztin (SPZ), einem Kinderpsychiater und einer Kinderpsychologin, die meinen Sohn gleich (vor den Konzentrationstests!!!) in die Psychoschublade gesteckt hatten, haben wir verdammt viel Pech gehabt.

Die Kinderpsychologin hatte mir übrigens am Telefon gesagt, nachdem ich ihr die vielen Gründen geschildert hatte, warum ich weiterhin ein ADS weiterhin vermutete (übrigens wie die Kinderärztin im SPZ!) und warum ich mir einen 2. Versuch mit Ritalin wünschte, "ADS sei eine Modediagnose, Ritalin sei eine Droge, die sie niemals Kindern verschreiben" werde"! Die Kirsche auf dem Kuchen, würde ich sagen...

Jetzt kann ich für mein Kind so gut wie nichts mehr tun, der Zug ist abgefahren, ich kann nur hoffen, dass er seinen Platz in der Gesellschaft finden wird.

Übrigens verstehen uns mit meinem Mann wieder relativ gut und ich leide nicht mehr unter Depressionen, seit unser Sohn im Internat ist. In diesem Sinne war diese Entscheidung richtig, um mich und die Familie zu entlasten. Das reicht aber leider nicht aus und wieder wird unserem Kind nicht geholfen.

Ich vermute nach wie vor, dass die gemeinsame Teilnahme an einem Elterntraining (zusätzlich ein ADS Coaching), dazu eine medikamentöse Behandlung unseres Sohnes, uns allen dieses unerträgliche Leid erspart hätte, uns geholfen hätte, ein harmonischeres Ehe-und Familienleben zu führen.

Leider sind wir an die "falschen" Fachleuten geraten, leider hat sich mein Mann von Anfang an unkooperativ(bockig gezeigt, leider war ich mir damals nicht bewusst, dass dieses ADS unsere Ehe und Familie zerstören könnte.

Ich bin deswegen wieder im Forum unterwegs, um Eltern von Kindern, die ein ADS vermuten oder gerade die Diagnose bekommen haben, zu warnen.

Bitte informiert euch selber, Wissen ist hier das A und O, um unseren Kindern zu helfen, zu verstehen, zu unterstützen.

Und sucht euch die richtigen Fachleute, auf ADS spezialisierte Kinderärzte oder besser Kinderpsychiater/Kinderpsychologen, die diese Erkrankung nicht als Folge der familiären Spannungen ansehen, sondern als Ursache.

40% der Mütter von ADS Kindern werden irgendwann depressiv, 50% der Eltern trennen sich, allein diese Zahlen sprechen Bände über die verheerenden Auswirkungen dieser Störung auf Gesundheit, Ehe und Familienleben!

LG Himbeer

von Himbeer26 - am 01.06.2017 09:19
@Himbeer Hier der Artikel über hohe Begabung und ADS:
[www.adhs-deutschland.de]

@IQ-Test ich weiss noch nicht, wie das Ergebnis jetzt aussieht, und ich weiss auch nicht, welcher Test verwendet wurde. Beim ersten Test (mit 6) wurde der K-ABC verwendet, beim zweiten im SPZ (mit 8) der HAWIK. Dort war eine extreme Diskrepanz von sehr hohen Werten im Sprachteil und sehr niedrigen Werten im Handlungsteil festgestellt worden. So richtig erklären konnte uns das keiner, ob es Ursache oder Auswirkung ist... Ich fände es sehr spannend, wenn er nochmal einen Test macht, wenn er gut auf Medikamente eingestellt ist und/oder ein Konzentrationstraining gemacht hat.

@aktuelle Situation es spitzt sich gerade wieder zu, mein Sohn hat letzte Woche einen kompletten Tag geschwänzt und ist diese Woche einmal aus der Schule abgehauen. Ansonsten klagt er in der Schule oft über Kopfschmerzen, Müdigkeit und versucht, früher abgeholt zu werden. Gestern (und hoffentlich heute) hat es ganz gut geklappt, nachdem es ein Donnerwetter von uns gab. Nächste Woche müssen wir noch durchstehen, da ist aber durch Pfingsten erst ab Mittwoch Schule und dann auch noch "nur" Projektwoche. Freitag früh haben wir dann den Auswertungstermin, an dem es dann wohl auch schon die erste Medikation geben wird. Ich hoffe inständig, dass es anschlägt und er dadurch Erleichterung bekommt. Mittags ist dann direkt auch noch ein Gespräch mit Lehrerin und Sonderpädagogin, da müssen wir dann gemeinsam überlegen, wie es mit ihm in der Schule weiter geht. Gestern ist auch endlich die Zustimmung der Bezirksregierung für eine Schulbegleitung gekommen, die sollte dann auch passend zur neuen/aktuellen Diagnose im Jugendamt ankommen, so dass dann "nur noch" ein passender Schulbegleiter gefunden werden muss... so langsam nehmen die Hilfen Formen an, es taucht ein Silberstreif am Horizont auf. Aber es kostet so unglaublich viel Kraft, immer und immer wieder um jede Kleinigkeit kämpfen zu müssen, sei es Zähneputzen, täglicher Schulbesuch, Benehmen innerhalb der Familie und und und.... Ihr werdet es kennen!

von Honigbluete - am 02.06.2017 08:20
Zitat
Honigbluete
@Himbeer Hier der Artikel über hohe Begabung und ADS:
[www.adhs-deutschland.de]


Vielen Dank! Das werde ich mal in Ruhe lesen!

Du sprachst von 2 Artikeln?

Ich gebe es zu, ich habe über Hochbegabung wenig gelesen, auf jeden Fall keine Bücher, war vielleicht ein Fehler. Aber als es nach der Internatsunterbringung schulisch gut ging ( verhaltenmäßig hat es lange gedauert, bis wir am WE/in den Ferien eine positive Entwicklung gespürt haben und auch heute, mit 14 Jahren, zeigt er ab und zu ein sehr kindisches, bockiges Verhalten, das gar nicht seinem Alter entspricht) habe ich mal mit der ganzen ADS Leserei eine Pause gemacht!

Jetzt lese ich wieder (gerade: das Buch von Cordula Neuhaus "Hyperaktive Jugendliche und ihre Probleme: Erwachsen werden mit ADS. Was Eltern tun können", Gestern habe ich ihr neues Buch bestellt:"ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung (Rat & Hilfe)". Falls du es noch nicht hast, empfehle ich dir ihr Buch: "ADS - So stärken Sie Ihr Kind: Was Eltern wissen müssen und wie sie helfen können (HERDER spek) und finde überall mein Kind wieder!

Zitat

@IQ-Test ich weiss noch nicht, wie das Ergebnis jetzt aussieht, und ich weiss auch nicht, welcher Test verwendet wurde. Beim ersten Test (mit 6) wurde der K-ABC verwendet, beim zweiten im SPZ (mit 8) der HAWIK. Dort war eine extreme Diskrepanz von sehr hohen Werten im Sprachteil und sehr niedrigen Werten im Handlungsteil festgestellt worden. So richtig erklären konnte uns das keiner, ob es Ursache oder Auswirkung ist...


Ich habe dir in dem Text oben geschrieben, dass der IQ mit jedem Test immer höher wurde: ca. 103-105 vor dem Konzentrationstraining, ca. 115-120 (weiß nicht mehr genau) 1 Jahr später und 138 (148 im sprachlichen Bereich, 115-120 im mathematisch-logischen Bereich) noch mal 1 Jahr später. Ich weiß aber nicht, welche Tests speziell verwendet wurden. Ich weiß nur, dass der 3.IQ Test speziell auf ADS Kinder abgeschnitten ist und somit eine bessere Einschätzung ihres Potentials erlaubt, denn der Psychologe kann die Konzentrationsfehler erkennen.

Zitat

Ich fände es sehr spannend, wenn er nochmal einen Test macht, wenn er gut auf Medikamente eingestellt ist und/oder ein Konzentrationstraining gemacht hat.


Mit besserer Konzentration wird der gemessene IQ auf jeden Fall höher. Irgendwo las ich, dass der tatsächliche IQ von ADS Kindern ca 10-15 Punkte höher liegt als der gemessene. Wegen der Konzentrationsfehler, eben! Darum liegen ihre Leistungen in der Schule in der Regel (nicht immer!) unter ihren intellektuellen Fähigkeiten.

Zitat

@aktuelle Situation es spitzt sich gerade wieder zu, mein Sohn hat letzte Woche einen kompletten Tag geschwänzt und ist diese Woche einmal aus der Schule abgehauen.


Ach du Arme! Höchste Zeit zu handeln!


Zitat

Freitag früh haben wir dann den Auswertungstermin, an dem es dann wohl auch schon die erste Medikation geben wird.


Ich möchte gerne, dass du uns am Laufenden hälst! Es klingt nach ADS!

Zitat

Ich hoffe inständig, dass es anschlägt und er dadurch Erleichterung bekommt.


Ich wünsche es dir vom ganzen Herzen! Wenn die Leute da draußen wüssten, was wir Mütter alles durchmachen und wie viel Kraft wir aufbringen, um unseren Kindern zu helfen, dann würden sie aufhören, uns mit Vorwürfen und Vorurteilen zu überhäufen, sondern uns einen Orden geben!

Hast du dich nach einer Selbsthilfegruppe in deiner Nähe umgesehen? Ich bedauere bis jetzt, dass ich es nicht gemacht habe.

Zitat

Mittags ist dann direkt auch noch ein Gespräch mit Lehrerin und Sonderpädagogin, da müssen wir dann gemeinsam überlegen, wie es mit ihm in der Schule weiter geht. Gestern ist auch endlich die Zustimmung der Bezirksregierung für eine Schulbegleitung gekommen, die sollte dann auch passend zur neuen/aktuellen Diagnose im Jugendamt ankommen, so dass dann "nur noch" ein passender Schulbegleiter gefunden werden muss... so langsam nehmen die Hilfen Formen an, es taucht ein Silberstreif am Horizont auf.


Das klingt in der Tat vielversprechend. Zumindest versucht man, dir zu helfen, das ist schon mal gut.


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Aber es kostet so unglaublich viel Kraft, immer und immer wieder um jede Kleinigkeit kämpfen zu müssen, sei es Zähneputzen, täglicher Schulbesuch, Benehmen innerhalb der Familie und und und.... Ihr werdet es kennen!


Oh ja, ich kann dich soooooooooooooooooooooo gut verstehen! Versuche, eine Selbsthilfegruppe in der Nähe zu finden, der Austausch mit anderen Müttern wird dir sicher ganz gut tun. Hast du meine 2.PN bekommen?

von Himbeer26 - am 02.06.2017 18:29
P.S. Bei uns läuft es gerade auch nicht so toll. Gestern hat mich die neue Chemie Lehrerin (Referendarin) angerufen, um mir mitzuteilen, dass mein Sohn ein 5er in der Ex. bekommen hat! Der Schlawiner war bereits wegen einer Magen-Darm-Grippe zu Hause, hat uns aber gar nichts gesagt!

Ich bin extra in den Keller gegangen, um mit der sehr netten jungen Dame zu sprechen. Dabei lauschte er hinter der Tür (ich dachte er wäre im Bett!) und sagte mir gleich, als ich aus dem Hobbyraum rauskam: "Unsere Beziehung ist auf der Stelle beendet!" So reagiert er jedes Mal, wenn er mitbekommen hat, dass ich mit Lehrern gesprochen habe!

Die Lehrerin hat mir übrigens gesagt, dass er sehr oft sein Heft, Buch und/oder seine Hausaufgaben vergisst. Ich habe ihr dann geantwortet, dass diese starke Vergesslichkeit typisch für ADS sei, dass ich in der Grundschule quasi jeden Tag den Schulfreund anrufen musste, um nach der HA zu fragen oder sogar zu ihm fahren musste, um das fehlende Heft/Buch abzuholen...mein tägliches Brot sozusagen!

Sie war sehr offen für das Thema, hat allerdings zugegeben, das sie im Studium nicht sehr viel darüber gelernt hat.

Sie wollte, dass ich die Hausaufgaben mehr kontrolliere, dass ich den Schulranzen täglich auf Vollständigkeit kontrolliere, weil sie nicht wusste, dass unser Sohn im Internat ist. Ich musste ihr erklären, dass ich auf das Internatspersonal angewiesen bin, welches aber diese Kontrolle nicht durchführen will/kann (laut Internatsleitung). Schwierige Situation.

Leider bleiben sowohl er als sein Vater (mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst betroffen) sturr wie Esel, lehnen die Möglichkeit einer ADS weiter ab und somit neue Konzentrationstests.

So bleibt mir nur Abwarten und Tee trinken...

Tja, wenn zwei 5er im Zeugnis stehen, dann muss er wohl die 9. Klasse wiederholen oder er muss halt in die Realschule, wo er aber mit hoher Wahrscheinlichkeit intellektuell unterfordert wird.

Und eine Wiederholung wird das Problem der Aufmerksamkeitsschwäche nicht lösen, wenn das die Ursache der schlechten schulischen Leistungen ist!

Im Moment habe ich ehrlich gesagt die Schnauze voll vom Vater und Kind und überlege ernsthaft, ob ich nicht komplett aufhören werde, mich um diesen Trotzkopf zu kümmern. Dann würde ich dem Gymnasium sagen, falls es Probleme gäbe, sollen sie bitteschön den Vater anrufen, Frau Windmühle ist jetzt für immer in Urlaub...

Ich bin recht froh, eine Tochter zu haben, die sich selbst sehr gut steuern kann und mit der ich ein herzliches Verhältnis habe.Ich weiß nicht, ob ich noch in diesem Haushalt leben würde, wenn sie mir nicht täglich zu spüren geben würde, dass ich doch eine gute Mutter bin (auf meiner Schlafzimmertür gibt es eine Zeichnung von ihr "Die beste Mama der Welt! ") ).

von Himbeer26 - am 02.06.2017 18:53
So, die Medikation startet morgen früh, wir fangen direkt mit 10 mg Medikinet Retard an.
Neben der doch eindeutigen Ablenkbarkeit und dem Konzentrationsproblem wurde auch noch ein Verdacht auf Asperger Autismus geäußert. Um das diagnostizieren zu können, müssen wir allerdings in eine andere Praxis und dann zum ATZ.
Das Intelligenzprofil ist ähnlich wie vorher, nur insgesamt ein kleines bisschen besser in allen Bereichen. Ich werde weiter berichten...

von Honigbluete - am 09.06.2017 21:14
Wie geht deinem Sohn jetzt? Nimmt er weiterhin 10 mg Ritalin Retard ein oder habt ihr die Dosis erhöht?

Wie lang wirkt dieses Präparat in der Regel?

von Himbeer26 - am 20.06.2017 18:02
Er nimmt 30mg Medikinet Retard ein und kommt damit aus. Momentan ist wegen Hitzefrei immer schon mittags schulfrei, da reicht es auf jeden Fall, wie es bei Nachmittagsunterricht aussieht, müssen wir dann schauen.
Am Nachmittag hat er eine kurze Zeit, in der er unruhiger wird und Hunger bekommt, aber kein Rebound. Abends und auch morgens vor der Medikamente gab ist er absolut entspannt und toll.

Wir sind bisher sehr zufrieden!

von Honigbluete - am 20.06.2017 18:08
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Honigbluete
Er nimmt 30mg Medikinet Retard ein und kommt damit aus. Momentan ist wegen Hitzefrei immer schon mittags schulfrei, da reicht es auf jeden Fall, wie es bei Nachmittagsunterricht aussieht, müssen wir dann schauen.


Das Präparat wirkt also um die 6-8 Stunden?

Wahrscheinlich wird er beim Nachmittagsunterricht eine 2.Dosis benötigen. Nicht Ungewöhnliches.

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Am Nachmittag hat er eine kurze Zeit, in der er unruhiger wird und Hunger bekommt, aber kein Rebound.


Zum Glück hat er keinen Rebound!

Leider war der Rebound bei meinem Sohn (unter 10 mg Ritalin, also unretardiert) so krass, dass ich sehr unsicher geworden bin (der Assistenzarzt im SPZ war gerade in Vaterschaftsurlaub gegangen und die Sekretärin wollte mir keinen Termin mit einem anderen Arzt geben. Die 2.Assistenzärztin 2 Monate später-inzwischen hatte der 1.Arzt die Station verlassen!!-war eine einzige Katastrophe!!!) und das Präparat nach 3 Tagen abgesetzt habe, obwohl die Wirkung sonst toll war (mein "Satansbraten" war 3-4 Stunden lang ein "Engel"!).

Erst später habe ich gelesen, dass der Rebound bei Retardpräparaten nicht/kaum auftritt. Hätte uns der Assistenzarzt ein Ritalin Retard gleich verschrieben, hätte ich es wahrscheinlich nie abgesetzt. Gut, dass manche Ärzte diese Retardpräparate jetzt gleich verschreiben...

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Abends und auch morgens vor der Medikamente gab ist er absolut entspannt und toll.


Wunderbar!!!!!

Wie ist die Rückmeldung der Lehrer in der Gesamtschule? Sie sind auch mit dem Verhalten zufrieden?

Sind die Noten besser geworden?

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Wir sind bisher sehr zufrieden!


TOLL! Weiter so!

Und bitte berichte mal immer wieder über eure Fortschritte! Es gibt viel zu wenige positive Erfahrungsberichte im Net, insbesondere mit Methylphenidat! Es ist m.E. sehr wichtig, dass Eltern in solchen Foren lesen können, wie gut eine adequate Therapie und evtl. MPH ihrem Kind helfen kann.

LH Himbeer

von Himbeer26 - am 21.06.2017 15:08
So, wieder eine gute Woche rum und ein kleiner Bericht von uns. Da meinem Sohn mittags immer etwas übel wurde, haben wir in Absprache mit der Praxis die Dosis minimal reduziert auf 25mg. Damit kommt er gut klar und die Übelkeit ist weg. An den zwei Langtagen ist er bisher ohne weitere Gabe ausgekommen, das werden wir noch weiter beobachten.
Die Rückmeldung aus der Schule ist weiterhin positiv, besonders freut uns, dass er mehr und besseren Kontakt zu den Mitschülern aufbauen kann. Zuhause ist es weiterhin meistens entspannt, ab und zu wird es mal was unruhiger, aber die Verbesserung ist deutlich spürbar.
Zu Noten kann ich noch nichts sagen, die Arbeiten wurden erst Ende letzter/Anfang dieser Woche geschrieben. Wobei das gar nicht unsere oberste Priorität ist, die sind bisher eigentlich in Ordnung gewesen. Viel wichtiger ist uns, dass es ihm besser geht und er Freude an der Schule bekommt. Da sind wir auf einem guten Weg, er wirkt total befreit.

von Honigbluete - am 29.06.2017 19:08
Danke, dass du weiter über die Fortschritte deines Sohnes berichtest!

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Honigbluete
So, wieder eine gute Woche rum und ein kleiner Bericht von uns. Da meinem Sohn mittags immer etwas übel wurde, haben wir in Absprache mit der Praxis die Dosis minimal reduziert auf 25mg. Damit kommt er gut klar und die Übelkeit ist weg.


Super! Man sieht an deinem Beispiel, wie wichtig eine individuell angepasste Dosis für den Patienten ist!

Der Assistenzarzt im SPZ hatte mir einen festen Aufdosierungsplan gegeben (1.Woche 5 mg morgens, 2.Woche 10 mg, 3.Woche 20 mg) ohne mir darüber aufzuklären, dass die optimale Dosis immer individuell ist und nur durch Beobachtungen der Eltern/Lehrer herauszufinden ist. Unser Sohn hat sogar auf 10 mg Ritalin wunderbar angesprochen, hatte dabei bis auf die Appetitlosigkeit mittags keine NB.


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Die Rückmeldung aus der Schule ist weiterhin positiv,


Wissen die Lehrer, dass er MPH bekommt? Was sagen sie dazu?

Wenn ich denke, dass sie deinen Sohn in die Förderschule schicken wollten, was für einen Fortschritt! Da sieht man wirklich, was eine gute Therapie bewirken kann!

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besonders freut uns, dass er mehr und besseren Kontakt zu den Mitschülern aufbauen kann.


Wunderbar! Das ist ja für das Selbstwertgefühl sehr wichtig!

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Zuhause ist es weiterhin meistens entspannt, ab und zu wird es mal was unruhiger, aber die Verbesserung ist deutlich spürbar.


Wunderbar! Ich glaube, ich werde deine Berichte ausdrucken und meinem Mann zeigen! Ich werde es mein Leben lang bereuen, dass ich unserem Sohn Ritalin nicht gegeben habe, als mein Mann zu Hause da war. Da hätte er die positive Veränderung mit eigenen Augen gesehen.

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Zu Noten kann ich noch nichts sagen, die Arbeiten wurden erst Ende letzter/Anfang dieser Woche geschrieben. Wobei das gar nicht unsere oberste Priorität ist, die sind bisher eigentlich in Ordnung gewesen.


Darf ich fragen, welche Noten er vorher hatte?

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Viel wichtiger ist uns, dass es ihm besser geht und er Freude an der Schule bekommt. Da sind wir auf einem guten Weg, er wirkt total befreit.


Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass ihr euch befreit fühlt! Ihr seid ganz sicher auf dem richtigen Weg! Weiter so!
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Ich habe übrigens eine tolle Seite über AD(H)S gefunden:

[web4health.info]

von Himbeer26 - am 03.07.2017 08:05
Jetzt nochmal eine Aktualisierung von uns.

In den Sommerferien haben wir nach Absprache mit der KJP und mit Überlegung unseres Sohnes drei Wochen auf die Medikamente verzichtet. Es hat ganz gut geklappt, wobei die dritte Woche punktuell schon sehr anstrengend wurde. Danach haben wir die Medikamente wieder eingesetzt und es wurde deutlich entspannter.
Zu unserer großen Erleichterung hat es mit der Schulbegleitung geklappt, pünktlich zum Schuljahresbeginn hat sie angefangen. Auch wenn wir noch in der Clearingphase sind, hat sie schon riesen Erfolge erzielt, gerade was Struktur anbelangt. Unser Sohn nimmt das super auf und kann auch zuhause erste Strukturen beibehalten. Darüber hinaus unterstützt sie ihn auch dabei, sein Verhalten anderen Kindern gegenüber zu verbessern und zu reflektieren. Er hat jetzt Freunde in seiner Klasse und hat sich etwas von den alten Kumpels distanziert, worüber ich sehr froh bin.
Die Verhaltenstherapie werden wir nächste Woche nach gut 2 Jahren beenden, es hat ein "Übergabegespräch" zwischen der Therapeutin und der Schulbegleitung stattgefunden. Ebenfalls nächste Woche findet das erste Hilfeplangespräch statt, in dem über den weiteren Verlauf und den Stundenumfang der Schulbegleitung entschieden wird. Mal wieder spannende Zeiten!

@Noten die waren bisher immer im guten Durchschnitt, meist 2 bis 3, in Englisch auch öfters mal ne eins, einmal gab es in einer Mathearbeit eine 4. Das letzte Zeugnis hat einen Durchschnitt von 3, eben weil er im Unterricht vor der Medikation oft verweigert hat und absolut unorganisiert war. Da er nur die letzten 3-4 Wochen die Medikamente nahm, konnte die gute Entwicklung nicht berücksichtigt werden. Es gab aber die mündliche Aussage dazu, dass das Zeugnis, wenn er so weiter macht, insgesamt 1-2 Noten besser ausfallen wird. In diesem Schuljahr gab es erst einen Vokabeltest zurück, der war 1-

von Honigbluete - am 14.10.2017 07:46
Es ist momentan so schön mit ihm, das macht meinen Mann und mich immer wieder fassungslos. Wir sind sehr gerührt von diesen schönen Momenten, ab und zu mache ich mir Vorwürfe, warum wir erst so spät die Medikamente eingesetzt haben. Aber es war uns einfach nicht klar, wie stark seine Konzentrationsprobleme sind, in der zweiten Diagnostik war das absolut gar kein Thema...
Also, uns geht es super gut, unser Sohn ist glücklich (auch wenn es ihm zu schaffen macht, dass er Medikamente und Schulbegleitung braucht, erlebt er sie ja als hilfreich).
Ende November steht dann die Diagnostik bezüglich Asperger Autismus an, das wird nochmal spannend. Nächste Woche ziehen zwei Kätzchen bei uns ein, das ist ein lang gehegter Wunsch. Vor der Medikation hätte ich das aber nicht gewagt, da ich keinerlei Kapazitäten mehr frei hatte und unser Großer nicht gut mit den Katzen hätte umgehen können. Ihr seht, es hat sich viel bewegt und das vor allem ins Positive!

von Honigbluete - am 14.10.2017 08:54
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