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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 4 Monaten, 4 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 2 Monaten, 2 Wochen
Beteiligte Autoren:
Peppermint, Himbeer26, Dagmar D., Snafoo, ErichW

Ich bin langsam am Ende

Startbeitrag von Peppermint am 22.03.2017 19:19

Hallo alle zusammen,

ich bin die Neue und möchte mich/uns kurz vorstellen.

zu unserer Geschichte:
Unser Sohn ist 11 Jahre alt und ein ganz wundervolles Kind, aber langsam bin ich wirklich am Ende...
Seit Klasse 2 machen wir rum, weil wir den Verdacht auf ADHS und eine LRS haben. Ständig hieß es: das ist alles grenzwertig, aber noch im Rahmen. Jetzt in Klasse 5 ist die Diagnose gesichert, die Symptome sind aber auch nicht mehr zu übersehen.

Unser Sohn ist auf einer Hauptschule und hat wahnsinnige Probleme in der Schule. Er ist ein total schlauer, kleiner Kerl, der ansich gute Leistungen hat, aber seine Schulsachen sind ein einziges Chaos, Hausaufgaben macht er nicht, weil er es vergisst, Nachrichten von Lehrern gibt er mir nicht weiter, weil er sich schämt...
Ich muss täglich seinen kompletten Schulranzen mit ihm durchschauen und die Dinge nacharbeiten, die er in der Schule nicht schafft. Dabei muss ich neben ihm sitzen, weil sonst überhaupt nichts geht.
Es ist für ihn extrem frustrierend, weil er einfach keinen Erfolg sieht. Er würde gern auf die Realschule wechseln, aber das ist verhaltensbedingt absolut unmöglich.

Jetzt erhalte ich von der Deutschlehrerin eine email, dass er mit seinem Verhalten stört und sie ihn eventuell für nicht Regelschulfähig hält.

Es sind zwei Dinge, die mich langsam nerven: zum einen, dass man in der Schule immer so dargestellt wird, als ob man sich nicht kümmert und zum anderen, dass keiner versteht, dass er diese Dinge nicht mit Absicht macht, weil er bösartig ist, sondern er einfach nicht anders kann.
Ich rede mir den Mund fusselig, dass er ruhig sein soll im Unterricht und die anderen auch in Ruhe lässt, aber es hilft nichts. Habe ihm schon Punkte auf die Hand gemalt, die ihn erinnern sollen, aber auch das bringt offensichtlich nichts.
Heute hat er geweint und gesagt:"Mama, ich habe in der Schule so einen furchtbaren Druck, ich kann bald nicht mehr". Da bricht mir fast das Herz...

Warum ich langsam am Ende bin?
Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Soll er auf eine andere SChule und wenn ja, auf welche? Wir haben zwei weitere Kinder und die brauchen mich ja auch... manchmal habe ich das Gefühl, mein Tag kreist nur um ihn und die anderen müssen sich drumrum arrangieren.

Ich habe bisher nur sehr wenig gearbeitet, um ihn zu unterstützen. Jetzt habe ich ein tolles Jobangebot, wo ich täglich 6 Stunden arbeiten muss. So was bekomme ich nie wieder, aber ich habe Angst, dass es ihm schadet. Ich kann dann nicht mehr stundenlang neben ihm sitzen und ihn beaufsichtigen.

Er nimmt seit ca 2 Wochen Medikinet, aber ich habe nicht den Eindruck, dass es ihm hilft..

Er ist so ein tolles und intelligentes Kind und ich habe einfach auch Angst, dass diese ganzen schulischen Misserfolge ihn psychisch schädigen...

Könnt ihr mir Tips oder Ratschläge geben, ich fühle mich da ziemlich allein.

Herzliche Grüße
P.

Antworten:

Sich sechs Stunden am Tag auf einer Arbeitsstelle erholen zu dürfen, klingt erstmal paradox, kann aber langfristig dafür sorgen, sich z.B. nicht in einen eigenen Zusammenbruch hinein zu manövrieren. Damit ist der Familie letztlich mehr geholfen, nicht zuletzt auch deinem Sohn. Eine Entscheidung für den Arbeitsplatz könnte auch bedeuten, dass du in ein paar Jahren deinem Sohn nicht mehr oder weniger stillschweigend vorwirfst, was du alles für ihn geopfert hast. Vor allem, wenn sich die Probleme noch verstärken sollten, statt sich in Luft aufzulösen.

Vielleicht solltest du auch Abschied nehmen von der Vorstellung, dein Sohn sei ein wundervolles Kind. Deiner Schilderung nach scheint er vielmehr ein Kind in ziemlicher Not zu sein. Man kann auch sein Kind lieben, wenn man seine Schwächen realistisch sieht.

Ganz wichtig wäre wohl, sich soweit möglich fremder Hilfe zu bedienen. Also, was bietet die Schule selber an Unterstützung, was lässt sich über den behandelnden Arzt, über das Jugendamt an Hilfemöglichkeiten finden? Vielleicht wäre es auch sinnvoll, eine zweite Meinung einzuholen und Diagnose und Therapie überprüfen zu lassen.

Gibt es eigentlich auch einen Vater? Wie sieht der denn die Probleme?

von ErichW - am 23.03.2017 08:58
Hallo Erich,
erst mal vielen Dank für Deine Antwort.

Das mit dem "erholen"... Du hast Recht, ich wurde so erzogen, dass eine Mutter für ihre Kinder da zu sein hat... aber heute noch wird mir gesagt, "dass man ja wegen der Kinder nicht arbeiten gegangen ist, aber man das ja auch gerne gemacht hat". Das kommt aber bei mir anders an...dieser Satz von Dir hat mich sehr nachdenklich gemacht und ich weiß jetzt, dass ich diesen Job annehmen werde!

Mit wundervoll war gemeint, dass ich trotz seiner Probleme ein großes Potenzial in ihm sehe. Und ja, ich sehe ihn im schon ein Kind, das große Not hat, sehr große sogar. Aber von der Schule aus wird er immer so abfällig beschrieben, als würde er das alles mit Absicht machen und ich denke einfach, meine Aufgabe ist, ihm zu sagen:"ich weiß, dass das alles ganz schlimm für dich ist und du es kaum aushälts, aber ich weiß auch, dass du dich jeden Tag aufs neue anstrengst und wie schwer das für dich sein muss!" Und das finde ich wundervoll und bewundernswert. Ich würde mich, glaube ich, schon lange weigern, überhaupt zur Schule zu gehen.

Hilfe holen war bisher irgendwie schwierig. Wir haben wahnsinnig lange mit der eigentlichen Diagnosestellung agiert und keiner! hat mir etwas vernünftiges vorgeschlagen, außer Ergotherapie und Medikamente. Die Ergo hat ihm kein bisschen was gebracht, weil vom Psychiater eine Therapieform aufgeschrieben wurde, die eigentlich für Grundschüler gedacht ist. Sogar die Ergotherapeutin sagte zu mir, dass das völliger Quatsch ist, sie es aber wie verordnet ausführen muss. Von Hilfe übers Jugendamt hat mir keiner ein Wort gesagt.

Durch Zufall bin ich gestern auf Eingliederungshilfe gestossen und habe heute beim Jugendamt angerufen. Dort wurde ich wirklich sehr gut beraten und bekomme jetzt verschiedene Anträge zugeschickt. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, Licht am Ende des Tunnels zu sehen!! Vor allem, weil die Mitarbeiterin auch völlig entsetzt über die Aussage war, dass er unter diesen Umständen(reden im Unterricht, nicht dabeihaben von Hausaufgaben) nicht Regelschulfähig wäre.
Ich habe mich dort endlich verstanden und nicht immer abgeurteilt gefühlt, nach dem motto: ich kümmere mich ja nicht genug.

An manchen Tagen ist es tatsächlich so, dass einfach auch andere Dinge auf dem Plan stehen...ha, wer hätte das denn auch gedacht, dass ich noch was anderes zu tun habe. Da schaue ich halt nicht so genau nach und übersehe auch mal einen Eintrag oder dass er was nacharbeiten muss. Das wird mir sofort aufs Butterbrot geschmiert:" Bitte kümmern Sie sich,dass das und das gemacht wird, das wäre für uns eine große Unterstützung".

Einen Vater gibt es auch, der lebt auch mit uns;). Der geht aber arbeiten und bekommt meistens diesen Streß nachmittags nicht so mit. Aber auch er sieht, dass er dringend Hilfe braucht und unterstützt mich da. Bei ihm habe ich halt immer den Eindruck, dass er unseren Sohn unbeabsichtigt noch mehr unter Druck setzt. Wenn er mit ihm z.B. die Hefte durchschaut, dann mosert er, weil Sachen fehlen oder wie das Heft aussieht oder dass Materialien fehlen und jedes Mal kommt es dazu dass unser Kind weint. Vielleicht bin ich zu nachgiebig, aber ich weiß einfach, dass unser Sohn das nicht mit Absicht macht und wenn jemand etwas nicht mit Absicht macht, kann ich ihn auch nicht schimpfen, sondern muß versuchen ihm andere Hilfe zu geben.

So, lieber Erich. Nochmals vielen Dank! Du hast mir wirklich geholfen:)

Lieber Gruß

von Peppermint - am 23.03.2017 09:50
Hallo Peppermint,

ich bin ebenfalls neu hier. Bei unserem älteren Sohn, ebenfalls 11, gibt es noch keine gesicherte ADS-Diagnose und auch noch keine Behandlung - aber was Du beschreibst, finde ich fast zu 100% bei unserem Großen wieder. Einschließlich der Erfahrung, dass die Schule es sich einfach macht: dies macht er falsch und jenes macht er falsch. Während der Grundschulzeit war er der Sündenbock für alles - auch wenn sich später das Gegenteil herausstellte. Und natürlich immer der implizite Vorwurf, man habe als Eltern nicht genug getan/versagt/etc.
Du bist also keineswegs allein mit Deinem Kummer - auch wenn Dir das wahrscheinlich nicht direkt weiterhilft.

Auch bei uns gibts noch einen kleinen Bruder, der zumindest bislang nicht in Richtung ADS betroffen ist, und der ebenfalls seine Aufmerksamkeit fordert - und man ist immer im Konflikt, wie man seine spärliche Zeit aufteilt. Und die Kinder sind ja lange noch nicht alles, was man zu erledigen hat...

Was die Frage mit dem Job betrifft - auch da gehts mir ähnlich. Ich arbeite derzeit 40h, bin aber unzufrieden. Und auch ich quäle mich mit der Frage, ob ich ein anderes Angebot annehmen soll - aber das würde täglich noch mal 1,5h Fahrtzeit extra fressen. Meine Frau ist zwar selbstständig und arbeitet von zuhause, aber was ich nicht auffangen kann, muss sie auffangen, und wir sind beide an der Belastungsgrenze.

Trotzdem darf man nicht zulassen, selbst auf der Strecke zu bleiben. Probiers doch aus - wenn es nicht funktioniert, kannst Du immer noch einen Rückzieher machen. Sonst wirst Du nie wissen, ob Du eine Chance vertan hast.

Viel Glück!

von Snafoo - am 27.03.2017 15:11
Hallo Peppermint,

ich möchte das auch noch mal bekräftigen. Deinem Sohn ist nicht geholfen, wenn du dich aufopferst. Zumal unsere ADS'ler so hypersensibel sind, dass er merken würde, dass du einer verpassten Chance nachtrauerst, selbst wenn du darüber nie ein Wort verlierst.

Nach 2 Wochen medikamentöser Behandlung kann man noch keine Aussage über die Wirksamkeit treffen. Es findet eine ganz langsame Eindosierung statt, die dem Kind erst mal ermöglich sich mit der neuen Art der Wahrnehmung zurechtzufinden. Denn er nimmt mit den Medikamenten sehr viel mehr wahr, als ohne, einfach weil er sich besser konzentrieren kann. Bis die richtige Dosis gefunden ist, kann das Wochen dauern. Diese Wochen sind aber eine verschwindend kleine Zeiteinheit, gemessen an seiner Lebensspanne, die er ohne Behandlung durchlebt hat.

Nur Mut :-)

von Dagmar D. - am 03.04.2017 09:20
Hallo Peppermint,

ich bin einfach nur wütend, wenn ich solche Hilferufe lese und habe das Gefühl, dass es sich seit der Diagnose meines Sohnes vor 7 Jahren so gut wie gar nichts geändert hat!

Die Einstellung der Lehrer zu Verhaltensstörungen bzw. zu ADS kenne ich auch sehr gut, auch wenn mein Kind im Unterricht nie wirklich gestört hat, weil er meist nur unaufmerksam war. Aber auch bei ihm sind die Hefte schlampig, unordentlich, die Schrift unleserlich, auch er hat seine Hausaufgaben in der 7.Klasse nicht gemacht (was im damaligen Internat niemand gestört hat!!!), schreibt sie in der 9. Klasse nicht auf (verlässt sich auf die APP der Klasse...), vergisst immer noch Hefte/Bücher und schreibt dazu 4, 5, 6er seit 3 Jahren!

Im Moment kämpfe ich auch mit manchen Lehrern und der stellvertretenden Internatsleiterin (er ist im Internat seit der 4.Klasse) , weil sie ADS für Quatsch (bzw. laut Mathe-Lehrer sei ADS nur eine Ausrede, mein Sohn sei nur "stinkfaul") halten (die stellv. Leiterin-selber Lehrerin-habe ihm im Deutschunterricht beobachtet und keine Aufmerksamkeitsschwäche festgestellt*toll*) und außerdem keine Hilfe beim Hausaufgaben-Eintragen leisten wollen (ich habe nur darum gebeten, ihm kurz am Ende des Unterrichts über der Schulter zu schauen, um zu prüfen, dass er sie aufgeschrieben hat, mehr nichts. Auf diese Hefteinträge ist ja das Aufsichtspersonal im Internat angewiesen, um die Hausaufgaben abzeichnen zu können. Die Kinder dürfen ja kein Handy dabei haben).

Zu der Wirkung von Medikinet (also Methylphenidat) kann ich leider nicht viel sagen, weil ich Ritalin nach 3 Tagen wegen des heftigen Rebound-Effekts abgesetzt habe, als unser Sohn 7 Jahre alt war (unsere lange Leidensgeschichte werde ich mal hier im Forum aufschreiben, bzw. Dagmar zukommen lassen.Ich beabsichtige ebenfalls ein Buch zu schreiben, um Eltern vor inkompetenten Ärzten/Psychologen zu warnen). Ich weiß nur, dass 5 mg MPH in der Regel bei den meisten Kindern nicht wirkt (so war es bei beim meinem Sohn) und dass es bei manchen Kindern erst bei Dosen über 20-30 mg wirkt. Bei meinem Sohn war die Wirkung bei 10 mg erstaunlich gut, leider wurden wir im SPZ in Stich gelassen, als ich um Rat wegen des Rebound-Effekt bat. Und die 2. Assistenzärztin 2 Monate später (solange musste ich auf einen neuen Termin warten, inzwischen hatte der 1.Assistenzarzt die Kinderklinik verlassen) erwies sich als völlig ignorant und inkompetent.

Ich würde mich freuen zu hören, wie es deinem Kind jetzt geht.

Übrigens: Methylphenidat ist zwar eine wichtige therapeutische Säule (für manche Kinder sogar eine unabdingbare Voraussetzung für einen therapeutischen Erfolg) aber bei Weitem nicht die Einzige, die sinnvoll ist. Die Therapie soll sich auch auf ein Elterntraining und ein Konzentrationstraining stützen, denn beiden sind nachgewiesenermaßen wirksam. So empfehlen es die aktuellen Leitlinien. Und diese 3 Therapien wirken synergetisch.

Ich würde unbedingt nach einer Möglichkeit suchen, um diese beiden Komponenten in die Therapie einzubeziehen. Beiden konnten wir im SPZ unseres Landkreises bekommen. Leider war die Beratung der Ärzte (2 Assistenzärzte, 1 Kinderärztin) miserabel und hat dazu geführt, dass unser Sohn nicht mit Methylphenidat therapiert wurde. Ich würde mir deswegen für die medikamentöse Therapie unbedingt einen guten Kinderpsychiater aufsuchen, der sich auf ADS spezialisiert hat (warum spezialisiert? Weil ADS im Medizinstudium nicht unterrichtet wird!!!).

Unsere Leidensgeschichte (aber auch die des Cousins meines Sohnes, ebenfalls mit 10 Jahren diagnostiziert, aber gar nicht therapiert, weil die Mutter der Meinung war, die Schule interessiere ihn nicht) zeigt, dass ADS ohne Therapie schwerwiegenden Folgen haben kann, insbesondere wie in unserem Fall zu Ehekrise/-Trennung (50% der Eltern trennen sich), zu schweren Depressionen der Mütter (40% betroffen), zu schulischem und beruflichem Misserfolg führen kann. Meine Erfahrung ist leider, dass die Psyche der Kinder wegen der schulischen, familiären (Spannungen, Streite, Aggressionen, usw.), sozialen (keine Freunde) Misserfolge erheblich leidet, was zum niedrigen Selbstwertgefühl, Depressionen führen kann.

Leider wissen das die meisten Leute, auch Erzieher, Lehrer, Ärzte und Psychologen immer noch nicht und schieben gerne der Mutter die Schuld für alles.

Ich kann euch nur raten, was ich selber in eurem Fall mit meinen bisherigen Erfahrungen und meinen aktuellen Kenntnissen machen würde:
* sich einer Selbsthilfegruppe für Eltern von ADS Kindern anschließen, oder eine selbst gründen, wenn es keine in eurer Nähe gibt. Dieses Gefühl, endlich verstanden zu werden, nicht mehr mit Vorwürfen, Vorurteilen konfrontiert zu werden, ist enorm wichtig, um dem hohen Druck standzuhalten. Andere Eltern können euch Tipps über Therapien, Medikamenten geben, Erfahrungen mit Therapeuten tauschen, usw.
*einen guten Kinderpsychiater suchen (habt ihr hoffentlich schon gefunden)
*Medikamentöse Therapie, Elterntraining, Konzentrationstraining durchziehen, auch wenn es sehr anstrengend ist. Hier lohnt es sich, sich mal für die Therapietage frei zu nehmen (schwierig mit neuem Job).

Beim Elterntraining ist es SEHR wichtig, dass beide Eltern daran teilnehmen, um am gleichen Strang zu ziehen. Unser divergierender Erziehungsstil (mein Mann hat die Diagnose von Anfang an abgelehnt, hat sich verweigert, am Elterntraining teilzunehmen, die Tipps in der Praxis umzusetzen) hat erheblich zu der aktuellen Katastrophe beigebracht (Kind musste mit 9 Jahren ins Internat, weil die Kinderpsychologin in der Kinderpsychiatrie der Meinung war, dass die Ehestreite und mütterlichen Depressionen die Ursachen der Verhaltensstörungen waren. Nach dem Konzentrationstraining waren die Konzentrationstests unauffällig, die Noten in der Schule bis zur 7.Klasse gut/sehr gut, dass ADS ausgeschlossen wurde und Ritalin von der Kinderärztin im SPZ nicht mehr verordnet werden durfte, obwohl sie einen 2.Versuch für angebracht fand).

Sich evtl. selber Hilfe bei einem Psychologen holen, der eine Ahnung von ADS hat und einen helfen kann, das Ganze durchzuhalten. Ich habe leider selber keinen gefunden, mir wurde aber in einer psychosomatischen Klinik (6 Wochen stationär) sehr gut geholfen (zum 1. Mal hatte ich das Gefühl verstanden zu werden, zumal ich einen wunderbaren Arzt hatte und wir 4 Eltern von ADS Kindern auf unserer Station waren).

Es ist SEHR wichtig, dass auch der Partner/Vater versteht, was im Gehirn des Kindes passiert, warum er diese Schwierigkeiten hat und dass es dafür wirksame Therapien gibt. Daher mein Rat: lies mit deinem Mann gute Ratgeber, z.B. von Cordula Neuhaus.

Ich persönlich halte es auch für sinnvoll, wenn Großeltern, Tanten/Onkel, so ferne ein häufiger Kontakt mit dem Kind besteht, darüber aufzuklären. Denn ihr Verhalten beeinflusst auch das Kind und es wichtig, dass sie es auch ändern.

Ich bin leider auf taube Ohren gestoßen, durfte von meiner Schwiegermutter fast täglich hören, mein Kind "mache nur was er will, hört nicht", von meinem Schwager (Sohn der 1.) und seiner Frau hören, mein Kind werde kriminell, ins Gefängnis landen, wenn es so weiter gehe (später habe ich erfahren, dass er nicht nur von ihnen fast täglich angeschrien wurde, sondern auch geschlagen!!!), ich sei an allem Schuld (zur Abwechslung!), ADS gebe es nich, usw. so dass ich eines Tages den Kontakt komplett abbrach (mein Sohn durfte nicht mehr hin), weil sie ihn psychisch sehr geschadet haben (mein Sohn wurde mit den Jahren zum Sündenbock, war für alles Schuld).

Der Widerstand seitens der Verwandten (in meinem Fall leider des Partners/Vaters), die Vorwürfe/Vorurteile, mit dem wir überall konfrontiert werden, machen uns Mütter das Leben so Tausend Male schwerer, als es ohnehin schon ist. Ich weiß nicht, warum diese Gehirnstoffwechselstörung so viel Widerstand, Feindseligkeit hervorruft und warum das Wissen über Ursachen so wenig verbreitet ist. Das alles schadet unseren Kindern noch mehr und verstärkt m.E. die Symptome, das Leid, den Druck auf die Kinder und ihre Eltern. Ich hätte daran sterben können, weil ich mehrmals nicht mehr leben wollte. Wir haben uns mit meinem Mann getrennt, weil die Spannung zwischen uns unerträglich geworden sind und weil er glaubte, ich sei an der ganzen Misere Schuld. Ich bin mittlerweile psychisch gesund, wir leben wieder miteinander, aber unserem Sohn geht es nach wie vor nicht gut, trotz Internat, die "Lösung", die uns vor 4 Jahren vorgeschlagen wurde (und die uns dazu ein Vermögen kostet, weil wir die 400 € Monatskosten komplett selbst tragen müssen).

Falls es möglich ist, hier eine PN zu schicken, kann du mir gerne eine schreiben.Ich bin gerne bereit, telefonisch (man kann mehr sagen) in Kontakt zu bleiben.

Ich habe übrigens vor, nachdem ich mich während des letzten "Kampfes" mit der Schule meines Sohnes sehr einsam gefühlt habe (zum Glück konnte ich mit der ehemaligen Leiterin einer Selbsthilfegruppe kürzlich reden, was mir sehr geholfen hat, das Ganze gelassener anzusehen) eine eigene Selbsthilfegruppe vor Ort zu gründen, damit sich betroffene Eltern nicht so einsam fühlen wie ich. Dieses Forum hat mir damals sehr geholfen, aber das Schreiben/Lesen kann m.E. den direkten Kontakt mit betroffenen Eltern nicht ersetzen. Man kriegt hier leider auch zu wenig positiven Erfahrungsberichte mit, die einen aufbauen und ermutigen, mit den Therapien weiter zu machen. Die Horrorgeschichten können einen psychisch ganz schön runter ziehen.

Würde mich freuen, etwas (Positives) von dir zu hören. Ich denke, ihr habt die besten Chancen für eine erfolgreiche Therapie.Gib nicht auf, sondern kämpft weiter, auch wenn es oft zermürbend/frustrierend ist, es lohnt sich!!!!!!!!!!!!!!!

von Himbeer26 - am 20.05.2017 19:23
Liebe Peppermint,

darf ich dich fragen, wie es deinem Sohn mittlerweile geht?

Zitat
Peppermint
Jetzt in Klasse 5 ist die Diagnose gesichert, die Symptome sind aber auch nicht mehr zu übersehen.

Er nimmt seit ca 2 Wochen Medikinet, aber ich habe nicht den Eindruck, dass es ihm hilft..


Medikinet wirkt meist erst ab 10 mg, bei vielen Kindern aber erst ab 20, 30 mg oder sogar mehr (in der Regel wird mit 5 mg angefangen).

Wie viel mg nimmt er jetzt? Habt ihr das Gefühl, dass eine Wirkung eingetreten ist?

Falls es eine Selbsthilfegruppe in eurer Nähe gibt, kann ich dir nur raten, dich dieser Gruppe anzuschließen. Dort wirst du dich mit anderen Eltern über Medikamente, Therapieformen (Konzentrationstraining, Elterntraining, usw.), Therapeuten austauschen können.

Deine Erfahrungen sind übrigens typisch für ADS Kinder: Chaos im Kopf, im Schulranzen, in den Heften, starke Vergesslichkeit (ich ging ein Mal pro Woche in die Grundschule, um vergessene Brotzeitdosen, Flaschen, Mützen abzuholen, ich musste quasi täglich den Schulkameraden anrufen, um zu fragen welche Hausaufgaben gemacht werden sollten, oder zu ihm fahren, um das vergessene Heft/Buch abzuholen), Stören im Unterricht (wobei es ADS Kinder gibt, die nicht stören, sondern vor sich hin träumen), Abwehr/Verständnislosigkeit der Lehrer (wobei ich das in der Grundschule meines Sohnes ganz anders erlebt habe!!!) , usw.

Lies einfach mal selber ADS Ratgeber, um so mehr man über ADS weiß, um so besser. Die Bücher von Cordula Neuhaus z.B. sind Spitze.

LG Himbeer

von Himbeer26 - am 01.06.2017 09:38
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