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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 6 Monaten, 4 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Snafoo, Himbeer26, Dagmar D.

ADS und medikamentöse Therapie

Startbeitrag von Snafoo am 27.03.2017 13:27

Hallo,

ich bin neu hier, habe zwei Söhne, der ältere ist 11, und aus unserer Sicht zeichnen sich immer klarer Probleme ab, die stark in Richtung ADS weisen. Der jüngere ist 6 - und vollkommen anders, schon fast das Gegenteil seines älteren Bruders, trotz gleichen Bedingungen und gleicher Erziehung (soweit das möglich ist).
Bitte entschuldigt, wenn das folgende etwas länglich wird :-(

Unser Großer war und ist eigentlich ein recht schlauer und lieber Kerl, sehr wissbegierig und aufgeschlossen und kontaktfreudig gegenüber allem und allen. Aber bereits in den ersten Grundschulwochen gab es Stress in der Schule, weil er für die Lehrerin oft einen abwesenden Eindruck gemacht hat, sein Tisch sehr chaotisch aussah etc. Recht bald wurde er in die hinterste Sitzreihe verbannt, weil es der Lehrerin (so wörtlich!) auf die Nerven ging, sein Chaos und seine seltsamen Handbewegungen ständig sehen zu müssen; wobei wir ihn nicht für Hyperaktiv halten - er ist kein "Zappelphillipp". Mit der Integration in die Klassengemeinschaft wollte es auch nicht so recht funktionieren; seine Interessen waren andere als die Interessen der übrigen Kinder, er war schon damals für sein Alter sehr sprachgewandt, und wusste auch recht früh mit Ironie umzugehen, was den einen oder anderen wohl überforderte. Er hatte und hat kein gutes Gespür dafür, wie er auf andere wirkt, und tritt immer wieder mal ins Fettnäpfchen.

Früher oder später begannen ein paar Mitschülerinnen, ihm Streiche zu spielen und ihn zu traktieren, z.T. auf sehr gemeine Weise. Recht schnell hatten sie herausgefunden, welche Knöpfe sie bei ihm drücken mussten, um ihn zu reizen. Wandte er sich dann an die Lehrkräfte, erntete er ein Schulterzucken, wehrte er sich verbal, bekamen wir wieder einen Hinweis, er habe schon wieder "Ausdrücke" benutzt, und solle sich doch bei sowas lieber an die Lehrkräfte wenden. Für die Grundschule war die Sache recht schnell ganz einfach: ein schwieriges, aggressives Kind.

In der zweiten Klasse wurde der Schulpsychologe hinzugezogen. Nach den durchgeführten Tests war vor allem ein hoher IQ (~125) feststellbar, und mögliche Hinweise auf AD(H)S. Dazu konnte der Schulpsychologe aber weiter nichts sagen, da das nicht sein Fachbereich war, und hat uns an einen Fachmann verwiesen. Mein Sohn wurde darauf hin in der Schule zumindest wieder nach vorne gesetzt, auch wenn das die Lehrerin nervte.

Die Testergebnisse beim Kinderpsychiater waren für meine Begriffe ziemlich unauffällig, was AD(H)S betrifft: hoher IQ wie bei der vorausgehenden Untersuchung, die anderen Bereiche etwas überdurchschnittlich, der Bereich Selbstorganisation etwas unter dem Durchschnitt. Der Arzt wollte daraus aber ganz klar ADS ableiten, zog sofort seinen ganzen Bauchladen von Gruppen-, Einzel-, Elterntherapie und diversen Medikamente auf, hinterließ dabei aber den Eindruck, sich mit unserem Sohn nicht mal im Ansatz beschäftigt zu haben; es gab nicht ein einziges Gespräch zwischen ihm und meinem Sohn, der wurde nur von den Arzthelferinnen durch den Gerätefuhrpark gezogen. Mein Sohn war damals 8, der Psychiater hatte ihn im Abschlussgespräch für 10 gehalten. Nachdem dann auch noch die sehr kreative Rechnung mit Behandlungsterminen und Posten kam, die gar nicht durchgeführt worden waren, haben wir die Behandlung abgebrochen, weil wir nicht wollten, dass unser Kind am Ende noch mit Drogen vollgepumpt würde, weil man dafür tolle Rechnungen schreiben kann (Privatpatient...). Auch aus heutiger Sicht war der Abbruch in dieser Praxis absolut gerechtfertigt, nur bedaure ich, dass wir uns anschließend keinen anderen Arzt gesucht haben. Mit dieser Negativerfahrung und einer Schule, die vor allem einen Stempel auf unser Kind setzen wollte, hatten wir einfach erst mal die Nase gestrichen voll.

In den beiden folgenden Schuljahren hatten wir den Eindruck, er würde sich stabilisieren. Seine schulischen Leistungen waren in Ordnung, dafür wurde für ihn die Klassengemeinschaft immer mehr zur Tortur - und stand absolut im Vordergrund. Das ging so weit, dass den wenigen Kindern, mit denen er klar kam, von den Rädelsführerinnen verboten wurde, mit ihm befreundet zu sein, und auch entsprechend Druck ausgeübt wurde, dem diese letztendlich auch nachgaben. Massives Mobbing. Für die Schule waren das allerdings nur "Eifersüchteleien unter Kindern". Ende der 4. Klasse wollte er sich nicht mal mehr mir anvertrauen, obwohl ich ein inniges und eigentlich sehr gutes Verhältnis zu ihm habe. Eskaliert ist das ganze dann noch Ende der 4. Klasse, als er in der Nachbearbeitung einer Teamarbeit auf die Frage "Wie ging es Dir bei der Übung?" geantwortet hatte, ihm ginge es sehr schlecht, und er wünsche seinen Mitschülern eine schwere Krankheit an den Hals. Dann wurde er, passend zu Amoklauf in München letztes Jahr, von der Grundschule mit einem potentiellen Terroristen verglichen, der eine Gefahr für sich und andere darstelle.
Körperlich gewalttätig war er allerdings nie.

Nun ist unser Sohn am Gymnasium, der Notenschnitt erlaubte ohne weiteres einen Übertritt. Zunächst blühte er sehr auf, brachte z.T. sehr gute Noten nachhause. Doch bereits beim ersten Elternsprechtag gab es wieder Beschwerden über sein Chaos am Tisch und den Eindruck geistiger Abwesenheit (was in der Grundschule nie mehr thematisiert wurde). Wir haben uns sofort an das hiesige solzialpädiatrische Zentrum gewandt, und uns auf die Warteliste setzen lassen. Mehr als 4 Monate Wartezeit...

Vor mehreren Wochen hat er nun einen Verweis kassiert wegen einer kleinen Rangelei. Nichts weltbewegendes - allerdings hat er uns kein Sterbenswörtchen davon erzählt. Am Tag, an dem sich das ereignet hatte, kam er spät abends aus dem Bett zu uns ins Wohnzimmer, war außer sich, konnte sich gar nicht beruhigen, wollte uns aber auch nicht erklären, was los sei. Der Verweis kam dann per Post, und wir sind aus allen Wolken gefallen. In einem Gespräch mit der Klassenleiterin haben wir dann noch diverse Dinge gehört, auf die wir nicht vorbereitet waren. Er kommt z.T. zu spät ins Klassenzimmer (beim Wechsel von Raum zu Raum!), vergisst oft Schulsachen, verweigert Leistungen (obwohl er sie problemlos erbringen könnte), vergisst Hausaufgaben, weint bei Kritik vor der ganzen Klasse.

Wir waren sehr alarmiert. Es hatte uns glauben gemacht, alles liefe bestens, und zusammen mit den guten Leistungen hatten wir die Zügel locker gelassen. Selbst Angebote, gemeinsam den Stoff vor Schulaufgaben durchzugehen, schlug er aus, er könne das alles, wirklich. Bei einer folgenden Durchsicht seiner Schulhefte - die er zuvor immer an uns vorbeigeschleust hatte - mussten wir feststellen, dass dort große Lücken klafften, z.T. keine Mitschrift über mehrere Wochen, das wenige vorhandene unvollständig und fast nicht entzifferbar. Z.t. sind zwischen den Einträgen eine oder mehrere leere Seiten, z.T. fanden wir Hefteinträge am Heftende, also das Heft einfach 180° verdreht und dann losgeschrieben, ohne dass er das bemerkt hätte. Ganz zu schweigen von unzähligen undatierten Arbeitsblättern, die irgendwo herumschwirren, nur nicht in den Ordnern, in die sie gehören. Der nächste Schock kam unmittelbar darauf auch wieder per Post - die Mathe-Schulaufgabe mit Note 5 sei noch immer nicht unterschrieben zurückgegeben worden. Er hatte uns erzählt, die Arbeit sei noch nicht korrigiert, aber ziemlich gut gelaufen.

Seither werden täglich alle Hefte kontrolliert, Hausaufgaben kontrolliert, Stoff wiederholt, gemeinsam das Schulzeug gepackt, was 1-2 Stunden in Anspruch nimmt, und nicht wirklich große grundlegende Verbesserungen bringt. Datumsangaben zu seinen Mitschriften fehlen fast immer (weshalb, kann es nicht erklären - er vergisst es einfach). Die Mitschriften sind oft kaum lesbar, unvollständig, er bemerkt das aber nicht. Vielfach können wir die Vollständigkeit auch einfach nicht prüfen - wir waren ja nicht dabei. Z.T. fehlen auch ganze Doppelstunden vom Vormittag abends in seinem Gedächtnis, es muss dann mit viel Mühe rekonstruieren, welcher Stoff behandelt wurde. Aber nicht, weil er den Stoff nicht verstanden hätte (er ist im Gegenteil sogar richtig gut, und kann erstaunliche Schlussfolgerungen treffen) - die Erinnerung ist einfach weg. Vor einer Musikarbeit haben wir auch festgestellt, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, in welcher Zeile welche Note steht - dabei konnte er das ein paar Monate zuvor noch problemlos. Alles weg, wie ausradiert, und nur mit viel Mühe wiederherstellbar.
Im Hausaufgabenheft steht meistens sehr wenig oder nichts, wir können nicht nachprüfen, ob das so ist, oder er einfach nichts reinschreibt. Mein Vertrauen zu ihm ist aufgrund der Ereignisse ziemlich angeknackst, das macht die Sache noch viel schlimmer, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich mag meinen Sohn, er ist mir sehr wichtig.

Immer wieder spreche ich mit ihm unter vier Augen intensiv über die Probleme und die Ursachen für sein Verhalten. Er kann nicht erklären, weshalb er vieles vergisst, einfach nicht in der Lage ist, notwendige Aufgaben rechtzeitig zu erledigen, auch nicht, weshalb er Dinge verschweigt oder lügt. Auf Verstandesebene ist ihm klar, dass das nicht funktionieren kann - er sagt aber, dass er in der jeweiligen Situation einfach "nicht anders kann". Diesbezüglich bin ich mir sicher: es ist keine Absicht, auch kein "0-Bock" auf Schule (er geht eigentlich gern dort hin), sondern einfach Unvermögen, seine Aufgaben zu erfüllen.

In zwei Wochen findet nun endlich der erste Termin am SPZ statt. Nun mache ich mir große Sorgen und Vorwürfe, nicht früher aktiv geworden zu sein, und nun geht es mir kaum schnell genug. Von dem Gerücht, Ritalin = mit Drogen ruhigstellen haben wir uns bereits gelöst. Ich sehe in einer medikamentösen Behandlung inzwischen sogar den Strohhalm, der uns vielleicht gerade noch die Kurve kriegen lässt.

Ehrlich gesagt verspreche ich mir von irgendwelchen Verhaltenstherapien nicht all zu viel - auf Verstandesebene sind sowohl die Probleme, als auch die Lösungsmöglichkeiten dafür klar, sowohl uns, als auch meinem Sohn. Ich erkläre viel, berichte von meinen eigenen Erfahrungen. Weshalb Menschen handeln, wie sie handeln, wie man mit Stress umgehen kann, woran Dinge scheitern, und wie man das vermeiden kann (ich kann mir im Übrigen gut vorstellen, dass ich ebenfalls in Richtung ADS tendiere. Ich bin ebenfalls ein Chaot, aber konnte daraus immer Nutzen ziehen).
Nur in der Praxis, in einer realen Situation, kann er das nicht anwenden, sondern verfällt in seine üblichen Verhaltensmuster. Ich glaube wirklich, er *kann* einfach nicht anders.

Nun möchte ich aber natürlich nicht mit der Tür bzw. dem Ritalinrezept ins Haus fallen, aber ich habe fast Panik, dass uns die Zeit davonläuft. Wenn nicht bald etwas passiert, habe ich erhebliche Zweifel, ob er das Schuljahr überstehen wird.

Daher endlich meine eigentliche Frage: wie bzw. in welchem Zeitrahmen laufen solche Untersuchungen normalerweise ab, bis eine medikamentöse Behandlung erfolgt? Und was denkt Ihr darüber?

Antworten:

Hallo Snafoo,

ihr habt ja auch schon eine lange Geschichte hinter euch. ADS bei Hochbegabten Kindern zu diagnostizieren ist nicht einfach und ihr habt wirklich Glück damals an einen so kompetenten Arzt geraten zu sein.

Was mich besonders anspringt ist sein Sozialverhalten. Wenn er keine Freunde hat, geärgert wird, aber auch verbal ärgert, dann lernt er kein angemessenes Sozialverhalten. Das wird ihm später in der Pubertät und im Erwachsenenalter fehlen.

Typisch für Kinder mit einer ADHS ist, dass sie alle Regeln kennen und in unaufgeregten Situationen Konflikte lösen können, aber dies im Ernstfall nicht umsetzten können. Da greift die Verhaltenstherapie ein und übt genau dieses. Deshalb ist eine Verhaltenstherapie bei diesen Kindern immens wichtig.

Der Diagnoseprozess dauert unterschiedlich lange. Manchmal sind die Termine kurz hintereinander, teilweise aber auch auf ein Jahr gestreckt. Die medikamentöse Therapie steht ganz am Schluss.

Wäre es nicht eine Möglichkeit zu dem Arzt zurückzukehren, der damals die ADS-Diagnose gestellt und und euch auch eine entsprechende Verhaltenstherapie angeboten hat? Dann müsste euer Sohn nicht noch mal durch die ganze Diagnosemühle.

von Dagmar D. - am 03.04.2017 09:05
Hallo Dagmar,

vielen Dank für Deine Antwort.

Als hochbegabt gilt unser Großer nicht, das wäre erst ab 130. Aber er ist ein Schlauer.

Das mit der ärztlichen Kompetenz kann ich beim besten Willen nicht so sehen; wirklich kompetent war der Schulpsychologe, der mir nach der Exploration erstaunlich viel über ihn sagen konnte, und uns ADHS als mögliche Ursache aufgezeigt hat, die er zu dieser Zeit noch durch seine Intelligenz kompensieren könne, aber nicht auf Dauer. Damit hat er wohl recht behalten.

Der Kinderpsychiater, bei dem wir dann waren, dagegen hatte sich mit unserem Sohn nicht mal persönlich befasst, aber trotzdem die Diagnose "Verdacht auf ADS" gestellt, war dabei vollkommen unmotiviert, hat uns nicht erklärt was AD(H)S überhaupt sei, nur dass das "klar erkennbar" sei [ich muss korrigieren: das sagte die Arzthelferin. Der Arzt sagte auf Nachfrage, ob er denn gesichert an ADS leide wörtlich: "kann schon sein"], hat Stichpunktartig seine Therapieangebote inkl. Kosten aufgezählt, und hatte auch keinerlei Lust, irgendwelche Fragen zu beantworten. Gott bewahre - die allerletzte Praxis, die ich aufsuchen würde, wäre diese!

Zwischenzeitlich habe ich Dein Buch "Sitz doch endlich still!" gelesen. Ich finde in sehr großen Teilen meinen Sohn darin wieder, habe zwischenzeitlich auch verstanden, was ADS eigentlich ist, und wie Methylphenidat wirkt.

Jetzt hoffe ich, dass die Diagnostik am SPZ schnell geht...

Gruß
Snafoo

von Snafoo - am 03.04.2017 12:05
Liebe Snafoo,

vieles, was du über deinen Sohn geschrieben hast, trifft auf meinen Sohn zu (ADS Diagnose mit 7 im SPZ, Hochbegabung mit 10 Jahren bei einem auf ADS spezialisierten Kinderspychiater).

Das Chaos in den Heften, auf dem Tisch (in seinem Kopf), die enorme Vergesslichkeit (ich musste in der Grundschule fast jeden Tag den Schulkamerad anrufen, um nach den Hausaufgaben zu fragen oder zu ihm fahren, um das fehlende Buch/Heft abzuholen-vergessene Mützen, Brotzeitdosen, Flaschen holte ich immer jeden Freitag mit einer großen Tüte in der Schule ab, der Hausmeister lachte immer dabei!-Mein Mann hat übrigens in der Grundschule 2 x seinen Schulranzen verloren!!!), die mittlerweile unleserliche Schrift, die fliegenden Blätter, usw.

Auch die Ausgrenzung/das Mobbing durch Mitschüler haben wir erlebt.

Ja, für mich schreit das nach ADS und ich würde mein Kind auch medikamentös behandeln lassen, falls die Diagnose Unaufmerksamkeit gestellt wird.

Was ich aber nicht verstanden habe: hat der Kinderpsychiater keine Konzentrationstests durchgeführt? Denn sie bilden ja mit den ADHS Fragebögen, Eltern-und Lehrergesprächen ja die Basis für die Diagnostik.

Darf ich dich fragen-falls du hier im Forum reinschaust-ob du inzwischen eine handfeste Diagnose im SPZ bekommen hast und eine Therapie eingeleitet wurde?

Zu deiner Frage: auf den 1. Termin mit einem Assistenzarzt im SPZ habe ich damals (mein Sohn war 7, jetzt 14) ca. 9 Monate gewartet. Nach diesem Gespräch stand für den Arzt fest, dass ADS sehr wahrscheinlich sei. Ein paar Wochen später (vielleicht 2 oder 4) gab es Konzentrationstests bei einer Psychologin (sie musste die 1. Sitzung nach ca. 20 Minuten abbrechen, weil das Kind nicht mehr konnte, es gab also eine 2. Sitzung 1 Woche später). Nach den Konzentrationstest gab es noch 1 Termin für IQ Tests und später noch ein Gespräch mit dem Assistenzarzt, um alles zu besprechen. Zwischen 1. Termin und letztem Termin vergingen vielleicht 2 Monate (weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau).

Für das Konzentrationstraining und das Elterntraining wurden wir nach dem 1.Termin auf eine Warteliste gesetzt. Wartezeit war vielleicht 6 Monate (ca.).
Jeweils 10 Sitzungen. Konzentrationstraining war immer am Montag Nachmittag (1,5 Stunden-Dazu 1 Std Fahrt hin-und zurück), das Elterntraining am Dienstag Nachmittag (gegen 16.00 Uhr, glaube ich, bis 18-19 Uhr). Alle 4 Wochen (oder 2?) gab es ein Gespräch mit dem Assistenzarzt. Immer wieder Termine mit der Psychologin (die allerdings meist nur mit meinem Sohn gesprochen hat).

Das Ganze war sehr anstrengend, in manchen Wochen musste ich am Montag Nachmittag, Dienstag Vormittag und wieder am Nachmittag ins SPZ fahren, nach 3 Monaten konnte ich weder das Wort ADS noch das Wort SPZ hören.

Ich habe nach dem Elterntraining und dem Konzentrationstraining dem SPZ allerdings für 1 Jahr den Rücken gedreht, nachdem uns der 1.Assistenzarzt 2 Wochen nach dem Ausstellen des MPH Rezeptes in Stich gelassen hat (er ging ohne vorherige Absprache für 2 Monate in Vaterschaftsurlaub, mein Kind litt unter 10 mg Ritalin unter einem heftigen Rebound-Effekt, das Sekretariat wollte mir aber keinen Termin mit einem anderen Arzt geben, so dass ich das Präparat nach 3 Tagen auf eigene Faust abgesetzt habe) und die 2.Assistenzärztin (2 Monate später, weil der 1.Assistenzarzt inzwischen die Klinik verlassen hatte) sich als völlig ignorant (kam gerade von der Uni, wo ADS nicht unterrichtet wird), inkompetent (wusste nicht mal die Namen der Präparaten) und unerfahren herausgestellt hatte.

1 Jahr später wollte uns die neue Kinderärztin (ebenfalls SPZ-Ich hatte aber extra um einen Termin mit einem fertig ausgebildeten Kinderarzt gebeten) Ritalin trotz inzwischen unauffälligen Konzentrationstests (dank erfolgreichem Konzentrationstraining) verschreiben, weil sie der Meinung war, MPH würde sich positiv auf das oppositionelle Trotzverhalten auswirken, aber beim letzten Termin empfahl sie aufgrund der Aggressivität unseres Sohnes (wir hatten uns kurz zuvor leider heftig gestritten) ihn beim Kinderpsychiater vorzustellen.

Dieser schloss gleich aber beim 1.Gespräch wegen der guten Noten in der Grundschule und der unauffälligen Konzentrationstests ADS aus und empfahl eine stationäre Aufnahme 6 Monate später.

Ein paar Wochen später kam unser Sohn auf die Kinderpsychiatrie, weil er sich nach unserer Trennung auffällig verhalten hat (heftige Wutausbrüche mit Äußerung von Selbstmordgedanken).

Die Kinderpychologin schloss ebenfalls ADS aus den gleichen Gründen aus und empfahl nach 6 Wochen die Unterbringung in einem Internat, weil sie die häufigen Ehestreite und die mütterlichen depressiven Tiefs (Folgen der Streite mit Kind und Mann) für die Ursache des oppositionellen Trotzverhalten hielt ("ADS sei eine Modediagnose, Ritalin eine Droge ") .

So hat unser Kind leider keine medikamentöse Therapie bekommen.

Aufgrund dieser sehr schlechten Erfahrungen bin ich kein Fan von SPZ (eine ehemalige Leiterin einer SHG für Eltern von ADS Kindern sagte mir am Tel. "Im SPZ ist man nur eine Nummer!"), hoffe aber, aber du dort auf die richtigen Ansprechpartner gestoßen bist.

Die Kinderärztin im SPZ war eigentlich in Ordnung.Wäre sie nicht so unsicher gewesen und hätte sie uns beim letzten Termin das MPH Rezept gegeben, hätte das uns vielleicht Kinderpsychiatrie und Internat erspart (zudem mein Mann zum Zeitpunkt endlich bereit war, am Elterntraining teilzunehmen!).

Kinderpsychiater und Kinderpsychologin haben das Kind leider-vor den Konzentrationstests!-gleich in die Psycho-Schublade gesteckt, so dass die Kinderärztin uns MPH leider nicht mehr verschreiben durfte. Ihr tat das sehr Leid, weil sie sicher war, dass MPH unserem Kind helfen könnte, aber sie war vollkommen machtlos.

Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, wäre ich gleich zu einer auf ADS spezialisierten Kinderpsychiatrie-Praxis gefahren oder hätte zumindest beim SPZ gleich auf einen Termin mit einem Kinderarzt gepocht (Kinderpsychiater gibt es in unserem SPZ keinen).

Und hätte ehrlich gesagt weder die Ehestreite noch meine depressiven Tiefs erwähnt (seitdem habe ich gelesen, da ca. 50% der Eltern von ADS Kindern sich trennen und ca. 40% der Mütter irgendwann an Depressionen leiden).

Einer der größten Fehler, den ich auch damals gemacht habe, ist dass ich nicht den 1. Assistenzarzt darum gebeten habe, meinen Mann anrufen, um ihn von der Notwendigkeit seiner Teilnahme am Elterntraining zu überzeugen. Der Arzt wollte, dass mein Mann ihn anruft, aber dieser hat das nie gemacht.

Denn mein Mann hat die Diagnose nie akzeptiert und sich immer geweigert, die Erziehungstipps in der Praxis umzusetzen. Über ADS hat er so gut wie nichts gelesen, nicht mal den Arztbrief mit der Diagnose!

Damit haben die Verhaltensstörungen weiterhin heftige Streite zwischen Vater und Kind und Eheleuten ausgelöst, welche die Verhaltensstörungen nur noch verstärken konnten. Bis wir uns getrennt haben, weil wir diese Streite nicht mehr ertragen konnten.

Das Internat hat uns aber sehr entlastet, die Ehestreite und meine Depressionen wurden immer weniger, die Wutausbrüche und die Selbstmordgedanken unseres Sohnes verschwanden ebenfalls und er fand in seiner Klasse und im Internat endlich Anschluss mit anderen Kindern.

Somit war diese Unterbringung für uns alle sicher positiv, aber im Moment stehe ich vor dem Problem, dass eine Konzentrationsschwäche wahrscheinlich vorliegt, aber nicht mehr diagnostiziert und therapiert werden kann, weil unser Sohn die Konzentrationstests nicht durchführen will.

Deswegen denke ich, dass die richtigen Ansprechpartner (kompetente, erfahrene Fachleute) und die Zusammenarbeit der Eltern das A und O für den Erfolg der Therapie ist.

Ich würde mich freuen, wenn du uns am Laufenden hälst und wenn deinem Kind endlich geholfen wird!

LGHimbeer (sorry für die Smileys, ich kann sie nicht entfernen)

von Himbeer26 - am 21.05.2017 16:09
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