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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 4 Monaten, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 2 Monaten, 4 Wochen
Beteiligte Autoren:
Himbeer26, Dagmar D., Nadja RF

Mitten im Hilfe-Such-Prozess

Startbeitrag von Nadja RF am 30.03.2017 14:43

Hallo,

auch ich bin neu hier. Unsere Geschichte klingt ähnlich wie ganz viele hier. Mein Sohn ist jetzt 11 Jahre alt. Mit der Einschulung begann die Katastrophe: hatte ich zuvor noch ein glückliches Kind, war er zu den ersten Ferien nach der Einschulung fast schon depressiv.

Die Klassenlehrerin war sehr bemüht, mein Sohn ist gar kein Kind, das stört oder den Clown macht, aber er ist ein Träumer. Klinkt sich aus dem Geschehen aus. Von Anfang an fühlte er sich überfordert, alles war zu viel.

Es gab von klein auf immer wieder Besonderheiten aber niemand zählte 1 und 1 zusammen. Er wollte nie Filme mit Handlung schauen weil die Emotionen viel zu stark für ihn waren. Er schaute leidenschaftlich gerne Dokumentationen. Er konnte ewig beim Vorlesen zuhören, er hasste Malen. In der Kita nannte man ihn Professor wegen seines großen Wissens über Tiere aber er interessierte sich null für Basics wie den eigenen Namen schreiben, die Uhr lesen oder was die Münzen bedeuten.

Die erste "Diagnose" mit 4 Jahren war "motorische Retardierung mit Ängsten", die Therapie Motopädie im SPZ. Irgendwann ging er gern hin aber ich könnte nicht sagen, dass es etwas geholfen hätte.
Grundsätzlich lehnte und lehnt er alles ab was neu ist und wo es um Wettbewerb oder Konkurrenz geht. Ehe er verliert oder etwas falsch macht, macht er lieber nichts.

Er spielt keine Gesellschaftsspiele und keinen Fußball. Trotzdem hat er gute Freunde gefunden.

Mit der Eingewöhnung in den Kindergarten brauchte er 1 Jahr bis er morgens nicht mehr weinte, mit der Einschulung weinte er 6 Monate jeden Morgen. Ich war die einzige Mutter, die noch so lange ihr Kind bringen und abholen musste. Bis heute kauft er sich nicht mal ein Eis wenn er allein ist.

Er ist extrem chaotisch und unordentlich und er hat noch nie Rituale akzeptiert. Nichts läuft einfach so. Jede Kleinigkeiten wird jeden Tag wieder aufs Neue in Frage gestellt. Das beginnt mit dem Aufstehen, Anziehen und Zähne putzen und endet mit dem Zubettgehen abends. Ich kann an einer Hand abzählen wie oft er in der Zwischenzeit von selbst mal seine Jacke an die Garderobe gehängt hätte.

Lange Zeit habe ich mich immer wieder gefragt was ich in meiner Erziehung falsch mache. Ich selbst bin aus einem extrem strukturierten Zuhause regelrecht ausgebrochen. Ich tue mich schwer mit starren Strukturen. Mit Kindern braucht man davon jedoch die richtige Dosis. Doch mein Sohn rebelliert dagegen.

Ich sage immer er hat einen Film im Kopf und wenn die Realität nicht dem Film entspricht ist es für ihn sehr sehr schwer.

Über die Jahre habe ich immer wieder gehört " vielleicht Autismus. Aber nein, das ist er nicht", " Ads (ohne h), aber nein, das passt nicht".

Ich bin völlig am Ende meines Lateins. Wir leiden alle. Mein Sohn sagte letzthin weinend (eigentlich weint er fast jeden Morgen wenn er zur Schule muss) " Mama, ich weiß nicht ob ich das noch fünf Jahre aushalten kann".

Ich suche jetzt einen guten Kinderpsychiater,der in absehbarer Zeit Termine hat. In der weiterführenden Schule hat er eine sch... Klassenlehrerin erwischt. Sie sagt "er kann nichts, er machts nichts. Ich habe für Beziehungsarbeit keine Zeit" sie setzt gerade alles daran, dass er auf eine Förderschule kommt. Wäre das der Supergau für uns oder doch eine Lösung? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht...

Ich hab noch einen kleinen Sohn. Er bringt echte bedingungslose Liebe in das Leben meines Großen. Aber er kommt auch zu kurz. Unser ganzes Familienleben dreht sich nur um Schule. Ich finde das darf nicht sein!

Kann jemand in Ffm einen guten Arzt empfehlen der auch über den Tellerrand schaut?

Danke fürs Lesen des "Romans"

Antworten:

Hallo Nadja,

puh, das hört sich schwierig an. Die Träumerchen haben es besonders schwer, weil sie nicht negativ auffallen und somit erst sehr spät Hilfe bekommen.

Ich denke auch, dein Sohn müsste in Richtung Autismusspektrumsstörung und ADS fachärztlich abgeklärt werden. Da ist die Arztwahl schwierig, aber es gibt gute Ärzte.

Da ich nicht weiß wo du herkommst, kann man dir keinen Arzt nennen. Hier im Forum dürfen auch keine Ärztenamen genannt werden. Du kannst mir aber eine Mail schreiben, dann kann ich dir weiter helfen.

von Dagmar D. - am 03.04.2017 09:12
Hallo Najda,

wir haben auch einen langen Leidensweg hinter uns (mein Sohn, 14 und ich und eigentlich die ganze Familie), weil wir leider an ignoranten, inkompetenten Ärzten (Kinderarzt, Assistenzärzten in SPZ, Kinderpsychiater) und Kinderpsycholog(-in) geraten sind, also von Anfang an sehr schlecht beraten worden sind.

Ich würde mittlerweile nur noch einem auf ADS spezialisierten Kinderpsychiater vertrauen UND mich einer Selbsthilfegruppe vom Eltern von ADS Kindern anschließen (oder selber eine gründen!), also den direkten Kontakt mit Eltern suchen, denn NUR SIE wissen und verstehen, was wir Eltern (vor Allem Mütter!!!!!!!!) durchmachen, ertragen müssen. Außerdem können sie einen wieder aufbauen, wenn man psychisch wieder unten ist und bei der Suche nach kompetenten Therapeuten helfen (es gibt einfach viel zu wenig davon!!!!).

Unser Sohn ist leider-bis auf den Konzentrationstraining im SPZ mit 7 Jahren- ohne richtige Therapie geblieben, weil uns Kinderpsychiater und Kinderpsychologen nach dem Konzentrationstraining erzählt haben, unser Sohn leide nicht an Verhaltensstörungen wegen ADS, sondern wegen der Ehestreite (immer durch die Verhaltensstörungen ausgelöst!!!!) und der mütterlichen Depressionen (immer durch die Ehestreite ausgelöst!!!). Aus dem Grunde durfte ihm die Kinderärztin (SPZ) mit 9 Jahren kein 2. Mal Ritalin verschreiben und er musste ab dem 4.Klasse ins Internat.

Das wäre sicher nicht passiert, wenn wir von Anfang an einen guten Kinderpsychiater gefunden hätte.Denn die Konzentrationstests waren mit 7 Jahren eindeutig positiv, der 1. Versuch mit Ritalin vielversprechend (nach 3 Tagen abgebrochen, weil mein Sohn unter heftigem Rebound gelitten hat, der Assistenzarzt, der ihm es verschrieben hatte, aber für 2 Monate in Vaterschaftsurlaub gegangen war, das Sekretariat uns aber keinen Termin mit einem anderen Arzt geben wollte) und Ritalin könnte ihm mit 14 Jahren helfen, sich besser in der Schule und bei den Hausaufgaben zu konzentrieren.

Mittlerweile weigert sich unser Sohn, Konzentrationstests erneut durchzuführen, so dass wir ihm nicht mehr helfen können.

Daher kann ich dir/euch nur raten: bleibe am Ball! Suche euch die richtigen Therapeuten (im medizinischen Studium wird ADS nicht unterrichtet, es würde mich nicht wundern, wenn dies im psychologischen Studium auch der Fall war, nachdem die Kinderpsychologin in der Kinderpsychiatrie mir gesagt habe "ADS sei eine Modekrankheit, Ritalin eine Droge").

Ich wünsche den Leidensweg, den wir gehen mussten, nicht meinem schlimmsten Feind!

von Himbeer26 - am 20.05.2017 17:57
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