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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 4 Monaten, 3 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 4 Monaten, 3 Wochen
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Himbeer26, Tamali

Medikinet 10mg zeigt keine Wirkung

Startbeitrag von Tamali am 30.05.2017 19:25

Hallo,
Ich bin neu hier und ich hoffe sehr auf Austausch. Ich habe folgendes Problem.
Mein Sohn (6 Jahre alt) bekommt seit letzten Mittwoch 24.05.2017 Medikinet.
Begonnen haben wir mit 5 mg. Wir bemerkten keine Wirkung und auch keine Nebenwirkungen. Nach 3 Tagen haben wir mit Absprache der Psychiaterin auf 7,5 mg erhöht. Immer noch keine Reaktion. Nach erneuten 3 Tagen auf 10 mg erhöht. Ihm war heute morgen schwindelig. Ansonsten keine Wirkung. Brauchen wir noch Geduld? Braucht er eventuell andere Medikamente? Wie war das bei euch?
Wir stehen unter enormen Druck da er im September in die Schule kommen soll und wir absolut nicht Wissen in welche Schule er gehen soll. Wo gehen eure Kinder zur Schule? Förderschule? Sonderschule? Regelschule?
Ich weiß. Fragen über Fragen.
Ich hoffe sehr dass jemand antwortet.
Vielen Dank schonmal

Antworten:

Hallo Tamali,

die wirksame Dosis ist bei jedem Kind individuell.


Unser Sohn hat mit 7 Jahren eindeutig auf 10 mg Ritalin angesprochen, aber ich weiß von anderen Eltern, dass die Wirkung erst bei höheren Dosen (20, 30 mg, evtl. noch höher) eingesetzt hat.

Das hat mit dem Stoffwechsel zu tun: Kinder mit einem schnellen Stoffwechsel bauen den Wirkstoff schneller ab und benötigen deswegen eine höhere Dosis.

Bis September habt ihr noch etwas Zeit. Bis dahin habt ihr bestimmt die wirksame Dosis herausgefunden!

Andererseits sprechen 10 bis 15% der AD(H)S Kinder nicht auf Methylphenidat (Wirkstoff von Medikinet) an. Es gibt aber andere Wirkstoffe zur Verfügung, die dem Kind evtl. helfen könnte, z.B. Atomoxetin.

Ich würde nach Absprache mit dem Arzt die Medikinet Dosis Woche für Woche um 5-10 mg erhöhen. Vielleicht wird dein Kind erst auf höhere Dosen (20, 30 oder vielleicht 40 mg) ansprechen.

Wichtig ist aber, dass die medikamentöse Therapie in einem MULTIMODALEN Therapieansatz eingebettet wird! Denn ELTERNTRAINING (an dem BEIDE ELTERN teilnehmen sollen, weil es bei Kindern mit AD(H)S besonders wichtig ist, am gleichen Strang zu ziehen, sonst bringt das Training meiner leidvollen Erfahrung nach nichts) und KONZENTRATIONSTRAINING (Marburger Training) unterstützen die medikamentöse Behandlung.

Bist du in einer örtlichen Selbsthilfegruppe für Eltern von AD(H)S Kindern?
Wenn nein, dass kann ich dir nur ans Herz legen, dich einer solchen Gruppe anzuschließen oder eine solche Gruppe selbst zu gründen, falls es keine in deiner Nähe gibt. Denn der Austausch mit anderen Eltern ist ungemein hilfreich.

Ansonsten empfehle ich dir, dich selbst durch Lesen von Ratgebern, AD(H)S Broschüren über diese Gehirnstoffwechselstörung schlau zu machen. Ich finde die Bücher von Cordula Neuhaus z.B. Spitze. Am Besten ist es, wenn beide Eltern sich informieren und am gleichen Strang ziehen.

Falls das Kind häufig Kontakt mit anderen Verwandten wie Großeltern, Tanten/Onkel hat, die evtl. vorhandenen Verhaltensstörungen wie oppositionelles Trotzverhalten heftige Konflikte hervorgerufen haben und zu Schuldzuweisungen wie "Das Kind ist bockig, böse" oder "Du (Mutter) bist unfähig, dein Kind zu erziehen"geführt haben, kann es hilfreich sein, diese Verwandte über die Ursachen dieser Störung zu informieren (am Besten mit Fachartikeln, Broschüren).

In unserem Fall hat das leider nichts genützt, so dass ich den Kontakt meinem Sohn irgendwann (mit ca. 7 Jahren, also kurz nach der Diagnose) verbieten musste. Er ging damals fast täglich zu seinen Großeltern, weil er bis dato sehr gerne mit seinem jüngeren Cousin gespielt hatte, aber als ich erfuhr, dass er dort fast täglich angeschrien und ein Mal sogar von seiner Tante geohrfeigt wurde, bzw. nachdem ich eine Szene beobachtet hatte, wo er eindeutig als Sündenbock behandelt wurde (er hatte wirklich nichts getan!!!) habe ich diese Entscheidung getroffen.

Was die Schulform anbelangt: nach dem Konzentrationstraining mit 7,5 Jahren konnte sich mein Kind normal konzentrieren und hatte ab der 2.Klasse nur 1er und 2er im Zeugnis bis zur 7. Klasse. Deswegen durfte er auf´s Gymnasium (bei späteren IQ Tests bei einem auf AD(H)S spezialisierten Kinderpsychiater hat sich eine Hochbegabung im sprachlichen Bereich herausgestellt und eine überdurchschnittliche Intelligenz im mathematischen-logischen Bereich. Laut Kinderpsychologen dieser Praxis war das Gymnasium für meinen Sohn also absolut die richtige Schulform, was mir später die Kinderpsychologin für meine Tochter-die ebenfalls auf Hochbegabung getestet wurde-bestätigt hat).

Ab der 7. Klasse bekam er allerdings 4-5 (und sogar 6er) im Zeugnis. Damals deuteten die Beobachtungen der Lehrer wieder auf eine Aufmerksamkeitsschwäche hin, aber mein Sohn hat sich geweigert, beim SPZ erneut Konzentrationstests durchzuführen. Wir wissen also nicht, ob er tatsächlich wieder daran leidet und können ihm leider nicht helfen.

Im Moment ist er in der 9.Klasse, hat in den Fächern, die ihn interessieren (Deutsch, Geschichte, Wirtschaft&Recht) gute bis sehr gute Noten (beim hohen Interesse können ADS Kinder "hyperfokussieren" und sich sehr lang auf das Thema konzentrieren) aber in den anderen Fächern leider 3er bis 5er im Zeugnis. Die Versetzung ist noch nicht gefährdet, aber ich mache mir echt Sorgen, weil ich nicht weiß, ob er es bis zum Abitur schaffen wird.

Problematisch ist bei ihm die Tatsache, dass er seit der 4.Klasse im Internat ist und dass dort keine Rücksicht auf Kinder mit ADS genommen wird. Das Wissen über diese Störung scheint weder bei den Lehrern noch beim Aufsichtspersonal im Internat vorhanden zu sein, in der 7.Klasse hat er das ganze Jahr über keine Hausaufgaben gemacht, was niemand interessiert hat (die Hausaufgaben-Leiterin war telefonisch so gut wie unerreichbar, ich konnte leider wegen des sehr langen Fahrtweges nicht hinfahren). Im jetzigen Internat wollen manche Lehrer (laut Mathe-Lehrer sei mein Kind einfach nur "stinkfaul, ADS nur eine Ausrede, obwohl er im selben Gespräch beschrieben, wie unaufmerksam mein Kind sei!) und leider auch die Internatsleitung von ADS nichts wissen. Eine Kontrolle der Hausaufgaben findet nur in der Woche statt (nicht am Freitag nachmittag), aber mein Kind trägt seine Hausaufgaben nicht im Hausaufgabenheft ein, sondern verlässt sich auf die APP der Klasse, somit kann das Aufsichtspersonal die Hausaufgaben nicht kontrollieren.

Ich versuche, der Internatsleitung klar zu mache, dass ADS Kinder unter einer seelischen Reifeverzögerung leiden und daher länger als normale Kinder eine intensive Betreuung/extrinsische Kontrolle benötigen, aber mir wurde geantwortet, dass diese Kontrolle nicht möglich sei. Mein Kind könne auch gehen, falls ich kein Vertrauen habe.

Ich muss hinzufügen, dass unser Sohn kein MPH mehr nimmt. Der 1. Versuch mit 7 Jahren (1. Woche: 5 mg in der Frühe, keinerlei Wirkung, 2. Woche: 10 mg in der Frühe, sehr gute Wirkung nach ca. 30 Min über 3-4 Stunden) musste ich nach 3 Wochen abbrechen, weil er unter einem heftigen Rebound-Effekt gelitten hatte. Der Assistenzarzt war dabei 1 Woche zuvor in Vaterschaftsurlaub gegangen, das SPZ wollte mir leider keinen kurzfristigen Termin mit einem anderen Arzt geben. 2 Monate später (!) habe ich einen Termin mit einer neuen Assistenzärztin bekommen, die sich beim 1.( und letzten) Gespräch als absolut ignorant und inkompetent herausstellte (auf Anfrage teilte sie mir mit, dass sie 3 Wochen vorher noch in der Uni war, wo ADS ja nicht unterrichtet wird).

Der 3. Termin 1 Jahr später bei einer Kinderärztin im SPZ endete in eine Katastrophe, denn sie empfahl wegen der Aggressivität des Kindes eine Vorstellung bei einem Kinderpsychiater, welcher bereits beim 1. Termin ADS wegen der guten Noten und der mittlerweile unauffälligen Kontentrationstests ausschliess. Einige Monate später teilte uns die Kinderpsychologin in der Kinderpsychiatrie, unser Sohn sei wegen der häufigen Ehestreite und mütterlichen depressiven Tiefs verhaltensgestört und müsse deswegen im Internat. Diese Psychologin sagte mir übrigens 3 Wochen vor seiner Entlassung (er blieb dort 6 Wochen), ADS sei "eine Modediagnose, Ritalin eine Droge, die sie niemals Kindern verschreiben wird"!!!!!!!!!.In den 6 Wochen wurde wir kein einziges Mal zu einem Gespräch eingeladen, mussten keine Fragebögen ausfüllen, und zum Entlassungsgespräch (1/2 Std!!!) kam sie eine halbe Stunde später!

So habe ich jetzt einen 14-jährigen Jugendlichen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit nach wie vor unter einer Aufmerksamkeitsschwäche (und zusätzlich unter Organisations/-planungsschwäche- daher das Chaos in den Heften und im Schulranzen- und Feinmotorikschwäche-daher die mittlerweile unleserliche Schrift) leidet, der aber ohne ausreichende Behandlung weiter daran leiden muss. So bleiben seine Leistung in den Fächern, die ihn nicht interessieren, weit unter seinen intellektuellen Fähigkeiten zurück und ich kann ihm nicht helfen.

Ich kann dich nach meiner leidvollen Erfahrung nur empfehlen, mit der Behandlung am Ball zu bleiben, MPH nicht abzusetzen, auch wenn die Konzentrationstests nach dem Konzentrationstraining unauffällig sind, vor Allem wenn das Kind hyperaktiv und/oder unter oppositionellem Trotzverhalten leidet (es ist wissenschaftlich erwiesen, dass MPH beim diesem Trotzverhalten auch hilft. Kinder mit AD(H)S leiden häufig darunter).

Und falls ihr von eurem aktuellen Arzt, der das Kind behandelt, nicht ausreichend informiert werdet: sucht euch einen auf ADHS spezialisierten Kinderarzt oder Kinderpsychiater oder- in manchen Gegenden wie unsere gibt es leider nur das SPZ zur Verfügung- informiert euch selber! Hätte ich es damals gewusst, hätte ich MPH nie abgesetzt (der Rebound Effekt ist bei Retardpräparaten wie Ritalin SR deutlich milder bzw. kaum oder nicht mehr vorhanden) , sondern meinem Kind weiter gegeben. Somit hätte uns diese Behandlung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (unter MPH war er wie ein "Engel", erledigte selbstständig seine Hausaufgaben in der 2.Kl in 30 Min, obwohl er ohne MPH bis zu 2 Stunden und das nur mit meiner Unterstützung brauchte!!!) Kinderpsychiatrie und Internat erspart und mein Kind hätte vielleicht in allen Fächern die Leistungen erbracht, die seiner intellektuellen hohen Begabung entspricht.

Sorry für das sehr lange Zutexten, ich hoffe, ich habe dich damit nicht überfordert. Aber durch meine sehr lange Leidensgeschichte habe ich mittlerweile ein sehr großes Mitteilungsbedürfnis.

Alles Gute!

LG Himbeer

von Himbeer26 - am 31.05.2017 07:58
Sorry, ich merke erst jetzt, dass ich deine Schulfrage nicht richtig geantwortet habe.

Unser Sohn ist mit 5 3/4 Jahren in die normale Grundschule gegangen.

Die Lehrerin der 1. Klasse hat mich nach ein paar Wochen (6-8 Wochen) auf die Verhaltensauffälligkeiten ("Er scheint nicht mitzubekommen, wenn ich Anweisungen gegeben habe, fragt mehrmals nach, was er jetzt tun soll, obwohl alle anderen Kinder bereits angefangen haben" ) aufmerksam gemacht und mir empfohlen, dies der Kinderärztin mitzuteilen. Sie hat eine mögliche Aufmerksamkeitsschwäche auch gleich erwähnt.

Die Kinderärztin (nachdem ihr Kollege meine Fragen über ein mögliches ADS jahrelang ignoriert hatte) hat mir einen ADS Fragebogen gegeben, den ich in der Praxis aufgefüllt habe. Seine Reaktion nach dem Lesen war: " Das ist ganz klar ADS!".

Dann hat sie uns zum SPZ überwiesen, wo ADS anhand der Elterngespräche, Konzentrationstests festgestellt wurde.

Damals wusste ich leider nicht, dass die Behandlung im SPZ in der Regel an Assistenzärzten überlassen wird. Später habe ich von einer befreundeten Allgemeinärztin erfahren, dass ADS im Medizinstudium nicht unterrichtet wird! Der 1. Assistenzarzt hat mir selber zugegeben, dass er sein Wissen von seinem Vorgänger hatte, selber Assistenzarzt! Die 2.Assistenzärztin hatte sogar einen "Spickzettel" auf dem Tisch, auf den sie jedes Mal einen Blick warf, bevor sie meine Fragen beantwortete! Sie gab am Ende des Termins zu, dass sie ein "solches Verhalten" (oppositionelles Trotzverhalten" ) noch nie zuvor gesehen habe! '

Leider habe ich nach diesem Termin den Entschluss gefasst, mein Kind zuerst mal nicht medikamentös behandeln zu lassen, da er nach dem Konzentrationstraining gute Noten in der Schule hatte. Damit habe ich aber die einmalige Chance verpasst, sein oppositionelles Trotzverhalten damit in den Griff zu bekommen.

Seine Verhaltensstörungen haben in der Regel heftige Ehestreite ausgelöst, welche bei mir heftige depressive Tiefs (ich war öfter für einige Tage oder Wochen in der stationären Psychiatrie in Behandlung und 6 Wochen in einer psychosomatische Klinik) ausgelöst haben. Das ist leider bei Eltern von ADS Kindern keine Seltenheit (irgendwo las ich, dass ca. 50% dieser Eltern sich irgendwann trennen und dass ca. 40% der Mütter irgendwann unter Depressionen leiden).

Vielleicht hätte eine medikamentöse Behandlung uns all diese schrecklichen Erlebnisse (Ehestreite, depressive Tiefs, Psychiatrie für mich und meinen Sohn, Internat) ersparen können, weil wir damit sein oppositionelles Trotzverhalten weitgehend in den Griff bekommen hätten.


Ich habe übrigens nach wie vor die Vermutung, dass mein Mann ebenfalls betroffen ist.Wie sein Vater, seine Schwester und seinen Neffen, Sohn seiner Schwester, der die Diagnose mit 10 Jahren bekommen hat, aber ohne Behandlung geblieben ist, weil seine Mutter-wie mein Mann-die Diagnose nie akzeptiert hat (das Kind mochte die Schule nicht).

Leider hat mein Mann die Diagnose von Anfang an abgelehnt, hat nicht am Elterntraining teilgenommen, sich geweigert, die im Elterntraining erlernten Tipps in die Praxis umzusetzen (meine Versuche haben immer zu heftigen Streits geführt, weil er wie mein Sohn das Gefühl hasst, "bevormundet" zu werden), die ADS Broschüren, Fachartikel (geschweige denn Bücher) zu lesen, hat weder mit den Lehrern noch mit den Ärzten/Psychologen im SPZ gesprochen, nie erlebt, wie chaotisch/mühsam/anstrengend die Betreuung der Hausaufgaben vor dem Konzentrationstraining war, hat auch nie die unglaubliche Wirkung von MPH erlebt und ist nach wie vor der Meinung, dass dieses Drama, das wir erlebt haben, an mir lagen (er hat sogar im letzten Gespräch der Kinderärztin im SPZ erzählt, das Kind streite nur mit mir- Als Beweis habe ich deswegen vor einigen Monaten einen heftigen Streit zwischen Vater und Kind heimlich aufgenommen!).

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zusammenarbeit meines Mannes, ein Elterntraining zusätzlich mit einer medikamentösen Therapie uns all dieses Leid erspart hätte.

Dafür hätte ich mich aber von Anfang an an auf ADS spezialisierte Fachleute wenden sollen. Mein ursprüngliches Vertrauen im SPZ war ein Riesenfehler. Erst 3 Jahre nach der Diagnose, als unser Sohn bereits in der Kinderpsychiatrie war und angeblich "kein ADS mehr hatte" habe ich vor einer örtlichen Selbsthilfegruppe erfahren (die sich seitdem leider aufgelöst hat) , dass gerade mal 3/4 Std von unserem Wohnort entfernt ein auf ADS spezialisierter Kinderpsychiater seine Praxis hatte. Ausgerechnet in diesem Jahr war er nach München, von uns 1,5 Std Autofahrt entfernt, umgezogen!

Sorry für das wiederum lange Zutexten.

In Bezug auf die Schulform möchte ich dir Folgendes raten:
bitte jetzt um ein Gespräch mit dem Schulleiter oder sogar besser mit der Lehrerin, die dein Sohn in eurer Grundschule in der 1.Klasse bekommen soll.

Versuche im Gespräch zu klären, wie sie zum Thema steht, ob ADS für sie eine "Modekrankheit" sei, "Ritalin eine Droge", ein Vorurteil, der leider nach wie vor in den Köpfen von Laien aber auch zum Teil von Pädagogen und sogar Ärzten und Psychologen herumgeistert.

Falls die Lehrerin offen zugibt, dass sie von ADS keine Ahnung hat, aber gerne dazu lernen will (es gibt tolle Bücher für Lehrer über ADS) und gerne dem Kind dabei unterstützen möchte (es gibt einfache, aber wirksame Tipps, die helfen können, z.B. das Kind in der 1. Reihe in der Mitte zu setzen, möglichst ohne Tischnachbar, damit er nicht abgelenkt wird, dem Kind beim Schreiben der Hausaufgaben über der Schulter zuzuschauen, um sicher zu sein, dass er sie ordentlich aufgeschrieben hat, dem Kind bei der Schulaufgaben etwas mehr Zeit zu lassen, das Kind durch Blickkontakt/ kleine Gesten wach zu halten, usw.) würde ich einen Versuch in der normalen Grundschule wagen.

Falls du dabei auf Widerstand stößt (ADS gäbe es nicht, die Lehrerin könne bei 30 Kindern unmöglich eine solche Unterstützung einem einzigen Kind anbieten, usw.) würde ich mich nach anderen Schulformen umsehen bzw. evtl. nach einer anderen Grundschule mit verständnisvollen, hilfsbereiten Lehrern.

Aber bis September habt ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit die richtige MPH Dosis herausgefunden, somit kann euer Kind in die normale Grundschule gehen.

Was MPH anbelangt möchte ich dich was fragen: bekommt euer Sohn MPH nur ein Mal/Tag, also morgens, bevor er in den Kindergarten geht? Oder mehrmals am Tag, also alle 3-4 Stunden?

Denn Medikinet ist so weit ist weiß ein unretardiertes Präparat, das also nur 3-4 Stunden wirkt. Wenn euer Sohn nur eine Dosis morgens vor dem Kindergarten bekommt, kriegst du als Mutter nicht mit, wie er auf die gerade eingenommene Dosis reagiert, denn wenn er nach Hause um 12 Uhr kommt (oder später) ist die Wirkung nicht mehr vorhanden. Dann bist du auf die Beobachtungen der Erzieherin (bzw. später Lehrerin) angewiesen. Muss diese aber 20-30 Kinder im Blick haben, wird sie vielleicht Schwierigkeiten haben, die Wirkung einzuschätzen.

Deswegen halte ich die Einnahme am frühen Nachmittag für wichtig, denn die Mutter kann das Kind selbst beobachten und somit die Wirkung selbst beurteilen.

Ich habe MPH deswegen in den Schulferien (Pfingstferien) gegeben und konnte somit die gute Wirkung von 10 mg Ritalin sehr gut beobachten. Dabei hatte der Assistenzarzt bei der Verschreibung einen Fehler gemacht: das Kind soll nur eine Dosis morgens nach dem Frühstück bekommen! Hätte ich die 10 mg Ritalin vor der Schule gegeben, hätte ich die Wirkung nie einschätzen können.

Dabei ist es wichtig, dass die Wirkung möglichst lange über den Tag anhält. Deswegen soll MPH normalerweise unretardiert 2-3 Mal pro Tag (alle 3 Stunden ungefähr) gegeben werden (z.B. um 7 Uhr, 11 Uhr, 14 Uhr). Somit wird auch gewährleistet, dass das Kind sich am Vormittag bis zum Schulende gut konzentrieren kann (und nicht nur bis 11 Uhr) und auch am Nachmittag bei den Hausaufgaben. Mit letzter Gabe um 14 Uhr kann sich das Kind theoretisch also bis 17 Uhr gut konzentrieren. Damit kann ihm auch die Chance gegeben werden, sich im Umgang mit anderen Kindern besser selbst zu steuern und somit normale Beziehungen in der Freizeit zu pflegen. Sehr wichtig für das Selbstbewusstsein des Kindes!

Noch mal mein Rat: lies dich selber schlau, sucht euch die richtigen Ansprechpartner (Arzt/Psychologen, Lehrer), sei zäh und hartnäckig, damit euer Kind die bestmögliche Behandlung und somit Chance auf ein normales, glückliches Leben bekommt.

Ich habe leider in der Familie meines Mannes und bei Bekannten Beispiele von nicht/nicht ausreichend behandelten Kindern erlebt und bin mittlerweile einfach nur sauer, dass trotz des aktuellen Kenntnisstands über die wirksame Behandlung dieses Syndroms immer noch viele Kinder diese Therapie wegen Ignoranz/Vorurteile nicht bekommen.

Ich kann dir nur raten: lass nicht locker, bleib am Ball!!!

von Himbeer26 - am 31.05.2017 09:09
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