ADS

Startbeitrag von Mutzemandel am 12.06.2017 10:58

Hallo!

Mein Sohn Eric, 22 Jahre alt, macht uns große Sorgen.Bei ihm wurde mit 14 Jahren ADS festgestellt. Eine Zeit lang hat er dann Medikinet genommen, hat er aber abgesetzt, da er es nicht vertrug. Wir haben eine Bäckerei im Familienbetrieb. Eric hat bei uns Bäckereifachverkäufer gelernt. Jetzt arbeitet er bei uns im Verkauf. In letzter Zeit macht er uns Schwierigkeiten. Er ist labil, hat Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen. Ist aggressiv. Hat absonderliche Vorstellungen, zb. daß wir ihm über das Geschäft einen Sportwagen leasen!!! Das zermürbt uns regelrecht. Mein Mann war heute beim Arzt. Da hatte er einen Blutdruck von 190! Wir sind ratlos. Was können wir tun?

LG
Mutzemandel

Antworten:

Hallo Mutzemandel,

es tut mir Leid, dass ihr solche Probleme habt! Es klingt echt hart.

Leider ist mein Sohn gerade 14 Jahre alt und hier im Forum antworten die meisten Eltern von betroffenen älteren Kindern mit ADS nur selten oder nicht mehr (was ich sehr Schade finde).

Habt ihr in der Nähe eine Selbsthilfegruppe für Eltern von AD(H)S Kindern? Wenn ja, dann schlage ich dir vor, dich dort mit anderen Eltern auszutauschen. Vielleicht hat jemand dort Ähnliches erlebt und eine "Lösung" gefunden. Es tut aber grundsätzlich gut, mit Betroffenen zu reden. Man fühlt sich einfach weniger allein.

Sinnvoll wäre in eurem Fall, einen ADHS Profi um Rat zu bitten. Leider ist es meist so, dass Eltern Fachleute um Rat fragen können, wenn ihr minderjähriges Kind in Behandlung ist. Ist das Kind volljährig und weigert sich, sich behandeln zu lassen, dann kenne ich leider keine Möglichkeit, solche Ratschläge zu holen.

Welche Nebenwirkungen hatte euer Sohn von Medikinet? Wie lang hat er es genommen bzw. in welchem Alter?

Habt ihr mit ihm über die Möglichkeit einer erneuten Behandlung seiner AD(H)S besprochen? Wenn ja: wie hat er darauf reagiert?

Wie steht er überhaupt zum Thema AD(H)S?

Und sieht er ein, dass sein Verhalten problematisch ist und eine Lösung gefunden werden muss? Oder streitet er alles ab?

Was du auch machen könntest:
*Literatur über AD(H)S im Erwachsenenalter lesen
* andere junge AD(H)S Erwachsene in AD(H)S Foren um Rat fragen. Vielleicht können sie dir besser vermitteln, was man lieber nicht machen soll oder eben machen könnte, um euren Sohn zu helfen.

Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber der prefrontaler Cortex, der bei AD(H)S lern "unterfunktionniert" (dieser Gehirnteil ist u.a. für Konzentration, Planung/Organisation, Verhaltens-/Impulskontrolle, Regulation der Emotionen, usw.) ist eigentlich bei normalen Jugendlichen erst mit 23 Jahren reif. AD(H)S leiden aber unter einer Reifeverzögerung und können somit erst ab ca 25 Jahren diese Reife erlangen.

Diese deutliche Reifeverzögerung kann ich bei meinem 14-jährigen Sohn beobachten und leider auch bei seinem 22 Jahre alten Cousin (unbehandelt, weil die Mutter die Diagnose nie anerkannt hat). Dieser hat sich z.B. im 3.Ausbildungsjahr 3 Tage "Urlaub" ohne vorherige Erlaubnis seines Chefs nach dem Wochenende mit Freunden genommen, was ohne Eingreifen seines Vaters zu seinem Rausschmiss geführt hätte. Der Junge arbeitet jetzt im Betrieb der Eltern, ich kann dir aber nicht sagen, wie die Zusammenarbeit läuft, weil ich beim letzten Befragen nicht das Gefühl hatte, eine ehrliche Antwort vom Vater bekommen zu haben.

Die Entwicklung hängt also bei AD(H)Slern deutlich hinterher. Damit gibt es noch Hoffnung, dass die Situation sich bei euch in ca. 3 Jahren deutlich entspannt.

LG Himbeer

von Himbeer26 - am 20.06.2017 18:29
Hallo Mutzemandel,

ja das hört sich sehr typisch an. Die Experten sagen, unsere Kinder müssen mindestens 25 Jahre werden, bevor sie erwachsen werden.

Ihr habt euren Sohn wohl sehr unterstützt und er hat noch nie die harte Wirklichkeit kennen gelernt. Aber auch das gehört zum erwachsen werden dazu.

Wenn es mein Sohn wäre, würde ich ihn dazu verpflichten, sich eine Stelle in einer anderen Bäckerei (nein keiner befreundeten Bäckerei) zu suchen um dort mal kennen zu lernen, wie das Berufsleben funktioniert.

Falls er noch zu Hause wohnt, wäre das auch eine günstige Gelegenheit, ihn ganz auf eigene Füße zu stellen in einer neuen kleinen Wohnung, die er natürlich selbst finanzieren, putzen, etc. müsste. Auch kein Wäscheservice mehr.

Wenn er das Medikament nicht nimmt, dann hat er wahrscheinliche keine Krankheitseinsicht. Die kann er nur selbst gewinnen, die kann man ihm leider nicht beibringen. Er könnte eine Selbsthilfegruppe für Erwachsene mit ADHS besuchen und sich dort austauschen. Falls er dazu nicht bereit ist, dann muss er die Krankheitseinsicht über Leidensdruck gewinnen. Und den hat er nur wenn er mit dem wahren Leben und den wahren Anforderungen, die man an einen Erwachsenen in seinem Alter stellt, ausgesetzt ist.

Keine Angst, er stürzt nicht ab, der Selbsterhaltungstrieb von Menschen mit ADHS ist hoch.

von Dagmar D. - am 21.06.2017 17:44
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