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ADHS ADS Selbsthilfe
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vor 2 Wochen, 2 Tagen
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Himbeer26

Stigmatisierung von ADHS Kindern

Startbeitrag von Himbeer26 am 07.07.2017 13:10

Dieser Artikel weist auf eine Folge von ADHS für die betroffene Kinder hin, die in den Medien meist nicht erwähnt wird:

Diskriminierung bei ADHS begegnen

[www.aerztezeitung.de]

Zitat

Denn für viele Betroffene zieht sich ADHS von der Schule über Pubertät bis zur Berufsbildung wie ein roter Faden von Ablehnung, Ressentiments und Diskriminierung durchs Leben.


Zitat

Besonders zu kämpfen haben diese mit Vorurteilen, Stereotypen sowie einer Stigmatisierung durch Klischees und Schuldzuweisungen in der öffentlichen Wahrnehmung


Zitat

Schulische Rückschläge und Frustration

Nach einer US-Studie benötigen 50 Prozent der ADHS-Kinder Nachhilfe, ein Drittel wiederholt eine Klasse und bis zu 40 Prozent werden zeitweise vom regulären Schulunterricht ausgeschlossen. Ein Viertel zählt zu den Schlusslichtern in der Klasse.

Neben den schulischen Rückschlägen und Frustrationen leiden diese Kinder vor allem unter sozialer Zurückweisung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. So leiden auch die Eltern unter der gesellschaftlichen Stigmatisierung ihrer Kinder.

Nach einer EU-Befragung unter 2500 Eltern, deren Kinder ADHS haben, gab die Mehrheit an, dass sie über zwei Jahre auf eine gesicherte Diagnose warten mussten. Über ein Drittel suchten dafür drei oder mehr Ärzte auf.


Ich denke, die meisten Mütter können von schlimmen Erfahrungen ihrer Kinder mit AD(H)S ein trauriges Lied davon singen. Diese Kinder ecken oft überall an, erleben meist überall Ablehnungen, Aggressionen (verbal und körperlich), werden als "schwierig", "stur", "faul", "bockig" stigmatisiert, was ihr Leidensdruck und den der Mutter/Eltern zusätzlich erhöht.

Die Oma meines Kindes z.B. sagte mir immer wieder, als ich es bei ihr abholte: "Er hört nicht (damit meinte sie wohl er gehorcht nicht), er macht nur, was er will, er kommandiert seinen (jüngeren) Cousin rum" usw. Natürlich war der Ton vorwurfsvoll, ich bin sicher, sie meinte, erziehe ihn doch endlich richtig! Mein Schwager und meine Schwägerin sagten mir kurze Zeit später: "Wenn es so weiter geht, wird dein Sohn kriminell und ins Gefängnis landen!" Ich kämpfte bei diesem Gespräch, um ihnen nicht zu zeigen, dass ihre Worte mein Herz wie ein Messer stachen...von ADS (wir hatten gerade die Diagnose erhalten) wollten sie nichts wissen, nein, das sei nicht ADS, das sei Erziehung...Genau das Gleiche sagte übrigens ein Osteopath, als mein Sohn sich in der Praxis für eine Steckdose interessiert hatte und die Praxis partout nicht verlassen wollte, bevor der Osteopathen seine Fragen beantwortet hatte.

Das Ganze hat dazu geführt, dass ich meinem Sohn den Besuch bei den Großeltern/Tante und Onkel verboten habe, nachdem ich mit eigenen Augen eine Szene beobachtet hatte, die mir eindeutig gezeigt hatte, dass er dort zum Sündenbock geworden war.

Ich habe mir lange die Frage gestellt, ob diese verbalen und körperlichen Aggressionen (seine Tante hat ihn geohrfeigt), die er dort jahrelang erlebt hat (er ging ab dem 3. Lebensjahr mehrmals pro Woche hin, weil er sehr gerne mit seinem kleinen Cousin spielte) sein oppositionelles Trotzverhalten nicht verstärkt oder sogar gefördert hat.

Auf jeden Fall fühlte ich mich durch diese Vorwürfe als Mutter stark diskriminiert, weil ich immer wieder offen oder unterschwellig für die Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich gemacht wurde. Mein Mann, der den ganzen Tag in der Arbeit war, musste das alles nicht ertragen.

Ich wünsche mir so sehr, dass die Medien und Öffentlichkeit eines Tages erkennen, dass die Verhaltensauffälligkeiten von AD(H)S Kindern nicht das Ergebnis einer mangelhaften Erziehung, mangelnden Willen oder Faulheit der Kinder oder absichtlicher Boshaftigkeit, sondern zum großen Teil durch diese Gehirnstoffwechselschwäche hervorgerufen werden. Dass die Laien/Journalisten endlich kapieren, dass solche Vorurteile und Stigmatisierung von betroffenen Kindern ihre Situation verschlimmern, ihr seelisches Leid und das ihrer Eltern verstärkt und das diese Haltung einfach nur ungerecht ist.

Niemand kann etwas dafür, wenn er AD(H)S hat, sein Verhalten und seine Emotionen nicht so gut steuern kann wie andere Kinder, unter starker Vergesslichkeit leidet, sich nicht organisieren kann, eine schlechte Schrift hat und sich schlechter anpassen kann als normale Kinder.

Hätte ich nur ein normales Kind (meine Tochter), hätte ich mit Sicherheit nie geahnt, was Eltern von Kindern mit AD(H)S durchmachen. Für mich persönlich war das die Hölle auf der Erde...

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