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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
liss, Sabine Sch., Hilde, Dagmar, Susi

Arzt für Ritalin?

Startbeitrag von liss am 21.06.2001 08:26

Hallo, ich habe Euch vor 3 Tagen gefunden und hoffe dieses Posting erreicht Euch.
Bei meinem Sohn (12 J.) wurde ADS diagnostiziert und die Psyschologin, der wir vertrauen und die wirklich gut ist, hat eine Therapie mit Ritalin empfohlen. Dafür braucht aber ja wohl einen Mediziner. Unser Hausarzt möchte aber noch einen Neurologen hinzuziehen, bevor er Ritalin verschreibt. Wir wollen aber uns und unserem Sohn keine weitere Untersuchung zumuten. Wer hat Erfahrungen und kann mir helfen? Und wie geht man mit dem Schuldgefühl um, dem Kind jahrelang Unrecht getan zu haben. Irgendwie ist dies alles sehr schwierig.

Liebe Grüsse
Elisabeth

Antworten:

Hallo Elisabeth,

beim Neurologen soll doch bestimmt nur ein EEG gemacht werden, oder?

Das ist bei Ritalinverschreibung wichtig!

Viele Grüße
Susi

von Susi - am 21.06.2001 08:42
Danke für die Antwort.
Das Problem ist, wir leben auf dem Land und die Praxis für Neurologie bei uns ist sowohl mit einem Psyschiater, wie auch mit einem Psyschologen bestückt. Und bei Untersuchungen bei mir habe ich gemerkt, dass die Ärzte dies auch nicht vergessen. Da wurde eine Krankheit, die per OP geheilt wurde, als wenig wahrscheinlich bis psyschosomatisch beurteilt. Dabei sollte die auch nur Messungen vornehmen! Wir haben halt einfach Angst und sind sehr unsicher. Die Entscheidung für ein Medikament war schon schwierig genug. Aber wenn wir nichts machen, bezahlt unser Kleiner dafür!

von liss - am 21.06.2001 09:15
Hallo Elisabeth,

normalerweise arbeiten die Psychologen, die ADS diagnostizieren können, mit einem entsprechenden Arzt zusammen. Frage die Psychologin mal danach. Das Verhalten deines Hausarztes finde ich recht verantwortungsvoll, denn die medikamentöse Einstellung sollte wirklich von jemandem überwacht werden, der Erfahrung hat. Ich denke, da ist auch dir wohler dabei.

Wenn die Psychologin dir nicht weiterhelfen kann, dann kannst du bei der Elterngruppe nachfragen, ob es einen guten Fachmann bei euch gibt.
[www.ads-hyperaktivitaet.de]

Diese schrecklichen Schuldgefühle kenne ich auch. Mein Ältester wurde auch mit 12 J. diagnostiziert, als der Karren schon ziemlich tief im Dreck steckte. Wir sind mit ihm 8 Jahre von Pontius zu Pilatus gerannt, aber uns konnte keiner helfen. Als er diagnostiziert wurde, habe ich mich offen und ehrlich bei ihm entschuldigt für all die Situationen, die falsch gelaufen sind und wo ich ihn nicht verstanden habe. Ich habe ihm gesagt, dass ich jahrelang nach Hilfen gesucht habe und nach jedem Strohhalm gegriffen habe, dass wir aber leider nie die richtige Hilfe bekommen haben. Er hat es gut aufgenommen.

Dennoch, die Schuldgefühle kommen immer wieder zurück, besonders in Phasen, in denen es ihm sehr schlecht geht. Da ist dann immer wieder der Gedanke "Hätten wir doch früher was gewusst". Im Alltag versuche ich das für mich so zu verarbeiten, dass ich mir sage, wie hätte ich es als Mutter besser machen können, wenn schon all die sogenannten Fachleute nicht erkannten un was es geht und uns helfen konnten. Ich habe intensiv nach Hilfe gesucht, mehr hätte ich nicht machen können.

Versuche nach vorne zu schauen. Du kannst noch viel positives für deinen Sohn bewirken. Sammle deine Kraft und du wirst du die Erfolge belohnt. Das versöhnt ein wenig mit der Vergangenheit, denn dir wird es gehen wie mir. Ich konnte erkennen, dass es nicht an meiner Erziehung lag und all den anderen Dingen, die die sogenannten Fachleute vermuteten, sondern daran, dass der Schlüssel fehlte. Und aus diesen Erfolgen schöpfe ich heute meine Kraft.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 21.06.2001 09:26
Vielen Dank.
Werde mich mal an die entsprechende Selbsthilfe wenden. Die Psyschologin arbeitet mit einer Ärztin zusammen, aber da ist es sehr mühselig einen Termin zu bekommen. Und im Hinblick auf die Schule eilt es sehr.
Vielen Dank auch für Dein Verständnis der Gefühle einer Mutter. Aber wenn ich hier im Forum so blättere, sehe ich, dass ich doch eine Menge Glück habe. Einen Mann, der immer versucht hat dem Kind zu helfen, trotz der gemeinsamen Fehleinschätzung. Geschwister die ihn immer unterstützen. Und ein Zusammenhalt in der Familie, incl. Opa, der sicher vieles innerhalb des Hauses einfacher gemacht hat.

Elisabeth

von liss - am 21.06.2001 09:59
Hallo Elisabeth,
freut mich dass du es ins Forum geschafft hast. mail hab ich auch schon beantwortet.

Ich hab auch zwischendurch ein schlechtes Gewissen, dass ich meiner Tochter erst mit 11 Jahren aus ihren Problemen helfen konnte. Aber was sollte ich machen, wenn keiner der angesprochenen Ärzte auch nur ansatzweise mit ADS was anfangen konnte?

Seit 1 Woche hat unsere Tochter nun Ritalin, selbst bei 1/2 konnte ich schon so eine deutliche Wirkung merken ... ich saß anschließend da und hab geheult wie ein Schlosshund, dass wir das nicht schon früher erleben durften.

Nur muss ich mich jetzt umstellen! Ich hab schon die erste "Reklamation" bei den Hausaufgaben gekriegt: "Mama, das musst du mir doch nicht erklären, ich kann das doch, das ist einfach puppig". Was hätte ich vor 1 Jahr für diesen Spruch gegeben ;-))

Gruß Hilde

von Hilde - am 21.06.2001 15:23
Liebe Elisabeth
Mit dem Gefühl des schlechten Gewissens stehst du sicher nicht alleine. Bei meiner Tochter wurde es auch erst mit 13 diagnostiziert. Und ich denke auch, wie hätte alles anders laufen können, wenn wir vorher schon Bescheid gewußt hätten. Wie oft habe ich ihr Unrecht getan?? Aber Mensch, woher sollte ich es wissen? Habe zuvor nie was von ADS gehört und gelesen. Ich bin mit ihr zu Therapien, war regelmäßiger Gast in der Kinderarztpraxis, war bei der Erziehungsberatungsstelle... Und wenn all die es nicht erkennen konnten, wie dann ich??? Wichtig ist doch, dass es jetzt vorwärts geht. Und schön, dass du dich selbst jetzt auch weiterinformiest. Red mit deinem Kind darüber (hab ich auch getan und ich glaube, die Kids verstehen es.) Zweifel nicht an dir selbst, du hast keine Schuld. Du wußtest es nicht besser!
Viele liebe Grüße
Sabine

von Sabine Sch. - am 21.06.2001 17:59
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