Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
18
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Hans-Reinhard Schmidt, Hilde, Petra, Friedo, Trixi01, Petra F., Claudia H., Pia, C.Classen, elke, astrid, Dagmar

TAZ Artikel

Startbeitrag von astrid am 25.06.2001 11:53

Ich bin neu im Chat und habe erst mal alle Beiträge gelesen. Besonders interessant fand ich die Beiträge zur Informationsveranstaltung in Schnelsen.
Genervt hat mich die letzte Aussage von Schmidt, das ADS durch "ungünstige"
Familienverhältnisse, sprich Alleinerziehende, zum Ausbruch kommt. Ich habe mirdas auch ein paar Jahre anhören müßen, mein Sohn sei verhaltensauffällig,weil ich alleinerziehend bin usw,, durch Austausch mit anderen Eltern von ADS Kindern
habe ich erfahren, daß die meisten Kinder mit 4 Jahren "anders" waren, unabhängig davon, ob ein oder zwei Elterteile für die Erziehung zuständig waren.Häufiger waren allerdings Trennungen der Eltern, wegen der außerordentlichen Belastung im täglichen Leben. Offensichtlich bereitet Vätern
die Problematik ihrer ADS Kinder mehr Probleme als den Müttern. Gibt es da ähnliche Erfahrungen? Traurig fand ich auch, daß ich an einem Kongress von behandelnden Therapeuten, Ärzten und Ergotherapeuten in Hamburg im letzten
Jahr nicht als Mutter teilnehmen durfte. Ich wollte mich einfach besser informieren...

Antworten:

Liebe Astrid,
es liegt mir wirklich fern, Sie zu nerven. Aber was ich dargestellt habe, ist wissenschaftlich belegt. Sie mögen privat andere Erfahrungen gesammelt haben, aber der wirklich in Deutschland sehr renommierte Professor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit/Lehrstuhl für Kinder- u. Jugendpsychiatrie der Fakultät für Klinische Medizin, Universität Heidelberg, Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M.H. Schmidt und sein Mitarbeiter Dr. Dipl.-Psych. G. Esser haben u. a. folgendes in empirischer wissenschaftlicher Forschung an mehreren hundert Kindern herausgefunden:
1. "Die häufigen Hirnfunktionsstörungen im Kindesalter können sich in neurologischen, neuropsychologischen Symptomen, Leistungseinschränkungen, Verhaltensbesonderheiten (wie Langsamkeit, Reizüberempfindlichkeit, Impulsivität, Hypermotorik, Ängstlichkeit etc.) ausdrücken, ihnen kommt aber weder Syndromcharakter oder eine spezifische Pathogenese zu. Eine bestimmte Psychopathologie lässt sich für sie nicht nachweisen, ebenso wenig ein vorhersagbarer Verlauf. Kindliche Hirnfunktionsstörungen (soweit sie eindeutig diagnostiziert sind) beruhen weitgehend auf umschriebenen Entwicklungsstörungen"
Dies Zitat stammt aus 1992 und bezog sich auf die damalige MCD-Welle, die nach diesem Artikel verebbte. Es gilt unverändert für den Nachfolger ADS und besagt vereinfacht, dass es das Krankheitsbild ADS, wie es heute verstanden wird, nicht gibt. Es gibt lediglich umschriebene Entwicklungsstörungen (wie z.B. Legasthenie). Ich zitiere weiter:
2. "aus Feldstudien ist bekannt, dass bei Kindern mit Hirnfunktionsstörungen keine bestimmten Symptome oder bestimmten Diagnosen häufiger vorkommen, als zu...erwarten wäre". Das bedeutet vereinfacht, dass man von bestimmten kindlichen Verhaltensauffälligkeiten eben nicht einfach auf Hirnfunktionsstörungen oder ADS schließen kann.
Derselbe Autor hatte bereits vorher in einer in Fachkreisen berühmt gewordenen Untersuchung herausgefunden, dass "als relevante Risikofaktoren für Auffälligkeiten bei Kindern...widrige familiäre Bedingungen...und Teilleistungsstörungen herausgestellt werden" müssen, wobei die "Wahrscheinlichkeit für eine psychiatrische Auffälligkeit ungefähr 90 Prozent beträgt" (!!) Das wurde bei 8-jährigen Kindern festgestellt.
Dieselben Kinder wurden dann im Alter von 13 Jahren erneut untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Wert alleinbestehender Teilleistungsstörungen (also wenn ein Kind eine solche Störung hat, ohne dass familiäre Widrigkeiten vorliegen) verschwunden war (sie hatten also keinen Einfluss mehr auf Verhaltensstörungen), der Wert der familiären Widrigkeiten aber erhalten geblieben war. Das heisst, innerfamiliäre Widrigkeiten (die Autoren nennen es so) sind im Vergleich zu auf (eindeutig) diagnostizierten Hirnfunktionsstörungen beruhenden umschriebenen Entwicklungsstörungen mit 13 Jahren alleiniger Risikofaktor.
Tut mir leid, wenn das alles sehr abstrakt klingt. Aber es wichtig, hier einmal wirklich seriöse Forschungsergebnisse heranzuziehen. Sie bedeuten zusammenfassend:
-Es gibt kein Syndrom und keine spezifische Psychopthologie ADS (sowenig wie es MCD gegeben hat);
-Innerfamiliäre Beziehungsstörungen sind langfristig der bedeutendere Risikofaktor im Vergleich zu durch Hirnfunktionsstörungen bedingten umschriebenen Entwicklungsstörungen (was mit ADS nicht gleichzusetzen ist!)
Wenn Sie möchten, nenne ich Ihne gerne die genaue Literaturangabe der zitierten Forschungsberichte aus dem Deutschen Ärzteblatt oder beantworte Ihnen weitere Fragen hierzu.
Mit Gruß, Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 25.06.2001 17:30
Hallo Astrid,

lass dich von Herrn Schmidt nicht Bange machen, auch wenn das Posting noch so lang ist und fuuuurchtbar fachmännisch klingt.In jedem Forum findet sich so ein Klugschwätzer, der alles besser weiß und nur Panik verbreitet. Einfach ignorieren ist am besten.

An so einen sind wir auch zuerst geraten. Hat nur die ganze Familie aufgemischt, gebracht hat es nichts als Stress.

Schönen Gruß
Hilde

von Hilde - am 25.06.2001 17:56

Re: Don´t feed the troll ;-)


Vorsicht !

Nicht füttern, es bringt nix ;-)
ADS Elterngruppe Hainburg


von C.Classen - am 25.06.2001 18:18

Re: TAZ Artikel-an Astrid

Hallo Astrid!
Genau in diesem Zentralinstitut für seelische Gesundheit Heidelberg/Mannheim wurde mein Kind untersucht UND ADS FESTGESTELLT. Es wurde nach zahlreichen Tests auf Ritalin eingestellt. Dies war im Jahr 1999. Es wäre schon sehr seltsam, wenn 1992 von diesem Z.I. behauptet würde ADS gibt es nicht - und 1999 wird ADSH diagnostiziert und behandelt. Das behandelte Kind ist mein drittes Kind, es wurde nicht anders erzogen als die zwei vorher geborenen. Ich habe keine familiären Spannungen, keine Eheprobleme, keine Alkohol- und/oder Drogenprobleme- kurzum wir sind eine ganz normale Familie. Mein Mann hat aus einer vorherigen Beziehung einen Sohn, jetzt 13 Jahre. Auch bei diesem Kind wurde bei einem Psychologen/Psychotherapeut ADSH festgestellt. Auch die zwei Enkelkinder meines Mannes (eines vom ältesten Sohn, eines von der Tochter) wurden untersucht auf ADS und ADS wurde bestätigt. Ein Kind mit Ritalin, eines ohne behandelt. Bei wiederum zwei verschiedenen Ärzten.
ALLE diese Ärzte IRREN sich, es gibt gar kein ADS. Alles nur Spinnerei- Geldmacherei der Pharmaindustrie. ALLE aus unserer Familie haben Beziehungs- und Erziehungsprobleme?????
NEIN, jeder erzieht seine Kinder verschieden, mal mehr streng, mal mehr lässig.
Aber die Hyperaktivität ist da, sowie die Aufmerksamkeitsprobleme, das WEIß ich GENAU.
Auch wenn es immer wieder bestritten wird, wir merken genau, wann das Medikament nicht mehr wirkt, oder von den älteren Kindern bewußt nicht genommen wurde. Ich behaupte nochmal, Ritalin ist wie ein Lichtschalter- sobald dieser gedrückt wurde, hört die Unruhe auf. Dies ist kein Zufall, keine Einbildung.
Also lass dich nicht verrückt machen, schon gar nicht von irgendwelchen Dr.Dipl-Psychs.
Die Kinder, die aufgrund falscher Behandlung( eines ADS Leugners) im späteren Leben Schwierigkeiten haben(z.B. Sonderschule,Schulabbruch), unterstützt dann kein HERR SCHMIDT mit monatlichen Geldbeträgen zur Bewältigung ihrer Lebenskosten. Da war es dann leider eine einzelne bedauernswerte evtl. vermeidbare "Fehldiagnose".
viele grüße elke

von elke - am 25.06.2001 19:27

Re: Don´t feed the troll ;-)

An C.Classen

hab ich ja auch schon öfter gemerkt, es "juckt" aber dann so schrecklich in den Fingern ....

Bin halt noch zu sehr verärgert von meinen eigenen äußerst schlechten Erfahrungen, und wenn ich dann GENAU DIE GLEICHEN Sprüche wieder mal lesen muss wie ich sie von einem "excellenten Fachmann" schon gehört habe - als der von mir seinen Rechenfehler vorgehalten bekam, hat er auch etwas von unqualifiziert und laienhaft gemurmelt :-))

viele Grüße
Hilde

von Hilde - am 25.06.2001 19:33

Re: TAZ Artikel-an Astrid

Hallo Elke,
schade, dass mein Beitrag offenbar nicht ganz verständlich war.Einiges von dem, was Sie mir unterstellen, habe ich gar nicht behauptet. Ich kann Ihnen gerne die Quellen der Forschungsbeiträge zum genauen Nachlesen nennen.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 25.06.2001 19:46

Quellenangabe

>Ich kann Ihnen gerne die Quellen der Forschungsbeiträge zum genauen Nachlesen nennen.

Ich interessiere mich für diese Quellenangabe. (üblicherweise zitiert man sowieso nur mit vollständiger Quellenangabe)

Und zu diesem Professor Dr. Dr. M. H. Schmidt. Mit Google habe ich nur eine Seite über ihn gefunden und über seinen Kollegen Esser gar keine.

Naive Frage: wie renommiert kann jemand sein, der im Netz ein fast unbeschriebenes Blatt ist?

(natürlich stammt diese Frage von jemand der generation@ ;-) )

(nicht auszudenken, wenn die Präsenz im Internet Rückschlüsse auf eine forschende Person zuließe ...)

von Pia - am 25.06.2001 20:24

Re: Quellenangabe

Hallo Pia,
vielen Dank für Ihr Interesse! Ob jemand im Internet zu finden ist oder nicht, sagt nichts über sein wissenschaftliches Renomee aus.
Hier die Quellenangaben:
1. G. Esser, M.H. Schmidt: Epidemiologie und Verlauf kinderpsychiatrischer Störungen im Schulalter - Ergebnisse einer Längsschnittstudie. Nervenheilkunde. Schattauer 1987;6:27-35
2. M.H.Schmidt: Das MCD-Konzept ist überholt. Deutsches Ärzteblatt 89, Heft 6, 7. Februar 1992 (29).An Ihrer Rückmeldung wäre ich natürlich sehr interessiert.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 25.06.2001 21:02
Sehr geehrter Herr SChmidt,
vieles ist erwiesen nd kann dennoch von verschiedenen Seiten betrachtet werden....so hat z.B. ein ( nein, ich weiss den Namen nicht mehr) angesehener Professor in Heidelberg, der auch schon Bücher verfasst hat und Studenten ausbildet über mein PAtenkind vor vielen Jahren geäußert: " Dieses Kind wird nie in der LAge sein enen normalen Kindergarten oder eine Schule zu besuchen, es ist hochgradig geschädigt" Das Psychopharmaka das damals verschreiben wurde hatte irreversible Nebenwirkungen ( wurde aber nicht gegeben).
Warum ich das erzähle? Nun, mit etwas Glück, hat er in 2 Jahren sein Fachabi in Informatik:-)

Was wenn wir auf die Experten gehört hätten?

Gruß Petra

von Petra - am 25.06.2001 21:16

Re: Quellenangabe

Hi Pia,

genau das habe ich vermutet bei dem zitierten Ausschnitt. Dr. Schmidt hat in Mannheim schon einige Studien zu ADS gemacht und die Klinik dort gilt als sehr erfahren. Voriges Jahr wurde dort eine große Studie zu ADS bei Erwachsenen gemacht.

Die zietangaben der Quellen machten mich stutzig. Damals wurde das MCD-Konzept hier in Deutschland über Bord geworfen. Und genau das beschreibt das Zitat. Es wurde nämlich festgestellt, dass es keine hirnorganische Ursache im Sinne einer Fehlbildung etc. des Gehirnes gibt, was man bis dahin vermutete.

Der Artikel beschreibt die Verabschiedung von der MCD und den Weg zu ADS mit dem erkennen der Neurotransmitterdysbalance. Er beschreibt _nicht_ die Verabschiedung von ADS, wie das hier suggeriert werden sollte. den Namen gab es nämlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Deutschland.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 25.06.2001 21:31
Hi:-)
also ich weiss nicht..ist es nicht so das es gute und weniger gute ( um miese zu vermeiden:-)) Therapeuten ebenso gibt wie Ärzte, Handwerker usw.
Natürlich läuft in Familien nicht immer alles glatt...aber eshalb muss nicht jeder Therapeut perfekt sein oder der richtige .......
Manchmal ist bestimmt auch falsche therapeutische Beratung schuld.und nicht jeder Fachmann kennt sich auch aus......auf allen Gebieten....und manchmal sind auch die Familienverhältnisse an vielem Schuld....aber eben manchmal und nicht als allgemeingültige Regel....

Bei einem mir bekannten Kind ( 7 Jahre) wurde ADS+H vermutet.die LEHRER riefen nach Ritalin.die Eltern ließen erst mal testen.....Das Kind ist in der Schule extrem auffällig und der Mutter wurde schon angedeutet das der Zustand unhaltbar wäre wenn sich nciht bald etwas ändert. Testergebniss: " Alles eine Sache der Erziehung" - soweit kann ich das nachvollziehen.....
Lösung: " Sehen sie zu das sie das über die Ferien geregelt bekommen und melden sie sich dann bei mir"
"Wenden sie Punkte und Bonussysthem an und bringen sie dem Kind bei das es Ihnen gehorchen muss und die LEhrer auf alle Fälle respektierren, denn die sitzeen am längerren Hebel".....hier fällt es mir schwer von brauchbarer Hilfe zu reden......
Ist dieser Arzt/Therapeut nun gut oder schlecht?
Gruß Petra

von Petra - am 25.06.2001 21:31

Re: Quellenangabe

Ja,

und diese Artikel aus 1987 und 1992 sind eben heute auch wieder überholt, zumindest teilweise. Oder wollen Sie etwa behaupten, daß die Professoren Schmidt und Esser am ZI schizophren sind? (siehe Elke's Erfahrungsbericht)

Neue Erkenntnisse in der Wissenschaft sind doch nichts besonderes, oder? Sonst könnten wir ja jegliche Forschung einstellen.

Wie wäre es, wenn Sie das, was Sie uns hier erzählen einmal als Brief an das ZI leiten würden. Auf Ihren Brief und deren Antwort wären wir sicher hier alle sehr gespannt.

Und solange verschonen Sie und bitte mit Ihren zwar wissenschaftlich formulierten aber keineswegs wissenschaftlich fundierten Ausführungen.

Friedo Pagel
Hunter Homepage


von Friedo - am 25.06.2001 21:36

Re: Quellenangabe

Hallo Friedo,


SUPER..........ich schliesse mich Dir an!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Liebe Grüße Trixi

von Trixi01 - am 25.06.2001 21:41

Re: TAZ Artikel-an Astrid

Herr Schmidt,

also für meine Begriffe hat Elke Sie sehr gut verstanden. Nur Sie WOLLEN UNS nicht verstehen. Und ob Sie sich jetzt von dem letzten Absatz aus einem Buchauszugvon 1994 angesprochen fühlen oder nicht - ich hoffe Sie fühlen sich angesprochen, denn da geht es genau um Leute wie sie - ist es mir in diesem Falle Wurscht, ob ich damit die Netiquette verletze oder nicht:

----Beginn Buchauszug--------------------------

... Der Kinderarzt versuchte, so gut es ging, meine aufkommenden Zweifel am
Ritalin zu zerstreuen. Mit unguten Gefühlen besuchte ich den ersten
Elternsprechtag seiner neuen Schule. Wie schwer war es doch gewesen, ihn
überhaupt auf der Gesamtschule unterzubringen. Lesen hatte er erst in der
dritten Klasse gelernt. Nach mehr als einjährigem Legasthenie-Kurs war ihm
auch schon mal eine 4 im Diktat gelungen. Aber in seinem Übertrittszeugnis
hieß es:

"... Er steht der Schularbeit oft mit Vorbehalt gegenüber, und man muß ihn
immer wieder aufs Neue motivieren, damit er anpackt. Er ist wenig
mitteilsam, fast verschlossen. Spät hat er das flüssige Lesen gelernt auf
Grund einer nachgewiesenen Legasthenie. Deshalb tut er sich noch immer
schwer beim Rechtschreiben. In Mathematik erkennt er Zusammenhänge und
könnte weiter sein, wenn ihm Sachaufgaben mit längerem Text nicht so enorme
Schwierigkeiten machen würden. A. ist kaum ehrgeizig, er arbeitet ohne
Ausdauer und ist leicht ermüdbar. Anweisungen oder gar Zwang entgeht er
durch Arbeitsverweigerung. ... A. ordnet sich ungern ein, er wirkt manchmal
gedrückt, dabei ist er sehr empfindsam. Das überspielt er gern durch
Aggressivität. ..."

Ich bin dann mit ihm vorgeladen worden. "Was sollen wir denn mit so einem
Kind machen?" fragte man mich. Die Tränen trocken wegschluckend antwortete
ich: "Was soll ich denn machen? Was erwarten Sie denn von mir? Soll ich ihn
auf den Misthaufen werfen?" Doch A. selbst erkämpfte sich seinen Platz,
durch Ehrlichkeit, entwaffnende Ehrlichkeit.

Ich hatte mich umgehört, welche Lehrerin wohl am besten für ihn geeignet
wäre. Sie sagte zu, ihn in ihre Klasse zu nehmen. Mit einem langen Brief
hatte ich versucht, sie auf meinen Jungen vorzubereiten. Was würde sie mir
jetzt erzählen von den ersten 8 Wochen?

"Was ist das für ein Kind? Er wurde angekündigt wie ein Monster! Aber wir
haben seit Jahren nicht mehr so ein wunderbares Kind auf der Schule gehabt.
Er ist aufmerksam, hilfsbereit. Es gibt nicht den geringsten Grund zur
Klage. Wir sind alle voll des Lobes." Mir war längst schwindelig geworden,
die Kehle zugeschnürt. Auch das Aufschreiben jetzt, fast drei Jahre später
(also 1994), ist eine tränenreiche Angelegenheit.

Was kann aus so einem Kinder-Monster werden, wenn es positiv aufgenommen
wird, immer wieder er- und nicht entmutigt wird, und wenn es sich ENDLICH
KONZENTRIEREN kann!?! "Ich bin der schnelle A.," kommentierte er, wenn er
Hausaufgaben, die ihm bisher Stunden gekostet hatten, nun in den Pausen beim
Lehrerwechsel anfertigte. Trotz seiner nach wie vor bestehenden
Rechtschreibprobleme machte ihm die Schule spaß.

Wie traurig war es gewesen, als er in der 2. Klasse die Freundschaft seiner
Klassenkameraden durch Geschenke erkaufen wollte, die mit dem Griff in Mamas
Portemonaise finanziert wurden. Wie traurig, sein Kind sehen zu müssen, wie
es sich in den Pausen aufmerksamkeitsheischend am Boden herumwälzte. Und
jetzt? Wenige Wochen mit Ritalin und neuer Schule hatten aus einem
Klassen-Clown den Klassensprecher gemacht. "Ich habe kapiert, daß ich noch
einmal eine neue Chance erhalten habe," seine eigene Einschätzung.
...
Begierig sog ich alle Informationen zum Hyperkinetischen Syndrom auf, und
... stieß dabei auch auf alte Bekannte. "Hier gibt es Ärzte, die den Kindern
leichtfertig Drogen verschreiben!" tönten die, denen damals schon nach
wenigen Minuten klar war, daß an den Problemen der Kinder ihre Eltern Schuld
sind, über die, die zehn Stunden ihrer Feierabende für die Diagnose meiner
Kinder geopfert hatten. "Das Eichlseder-Buch gehört auf den Scheiterhaufen!"
der Spruch eines Psychologen mit äußerst fortschrittlichem Image.

Wie lange will man diese Psycho-Hyänen denn noch auf unsere schwierigen
Kinder loslassen? Was motiviert sie, denen große Worte wie "Kampf für
Menschenrechte" häufig und leicht über die Lippen gehen, blind zu sein für
jede Menschlichkeit, was unser Leid und das unserer Kinder angeht? Wer gibt
ihnen das Recht, unser Leben zur Qual werden zu lassen, und unseren Kindern
ihrer Zukunft zu berauben? Wer?
Ihr seht sie nur wenige Minuten in der Diagnose, oder wenige Stunden in der
Therapie. Lehrer haben sie immerhin schon jeden Vormittag, aber auch nur ein
bis zwei Jahre. Wir Eltern haben sie ein Leben lang - und: WIR LIEBEN SIE!
Egal wieviel Terror und Kummer sie uns auch bereiten.

----Ende Buchauszug--------------------------

In den vergangenen 7 Jahren fühlte ich mich noch nie so erinnert an diese Leute wie durch Ihre Beiträge. Unsere Motivation heißt Liebe. Und was bitte motiviert Sie? Und zwar Sie ganz persönlich!

Friedo Pagel
Hunter Homepage


von Friedo - am 25.06.2001 21:55

Re: Quellenangabe

Hallo Herr Schmidt!

Wenn man sich das Jahr der Veröffentlichung Ihrer Quellen ansieht, ist meiner Meinung nach jeder Komentar überflüssig.
Gerade Sie, als "Spezialist" sollten wissen, welche Dimension ein solch langer Zeitraum in der Medizin bzw. der Forschung bedeutet.
Wie sieht es eigentlich bei Ihnen mit Weiterbildung zum Thema ADS aus? Ich hoffe, Ihre letzte stammt nicht auch aus diesem letzten Jahrtausend.

Claudia

von Claudia H. - am 26.06.2001 06:14

Re: TAZ Artikel-an Astrid

Hallo Friedo,

dieser Buchauszug ist so absolut passend - wie viele hier im Forum haben das sicher auch schon so erlebt?

Es gibt ganz tolle Psychologen (ich meine damit auch Bernhard), aber leider noch zu viele, die die Suppe der Weisheit mit der ganz großen Gabel gegessen haben. Wenn keine andere Argumentation mehr zieht verweisen diese dann auf die Netiquette.

Viele Grüße Hilde

von Hilde - am 26.06.2001 13:24

Re: Quellenangabe - an Friedo

Hi Friedo,

vergiß es- wer etwas nicht verstehen will, der wird es auch nicht verstehen. Nicht mal, wenn Du ihm einen Teil der Denkarbeit abnimmst und die Information auf dem Silbertablett servierst ... allerdings bewundere ich Dein Durchhaltevermögen! (ist ein echtes Kompliment, keine Ironie!!)

Gruß
Petra F.

von Petra F. - am 26.06.2001 14:12
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.