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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Kiki, Mimi, Marion, Kristiane, Petra, Susi

Ignorante Lehrer?

Startbeitrag von Kiki am 28.06.2001 08:11

Hallo zusammen,

täglich lese ich Eure Beiträge zu ADS, um im Umgang mit meinem Sohn Stefan (7 Jahre) besser klarzukommen.

Unser Kinderarzt und die Ergotherapeutin haben mich darauf aufmerksam gemacht, daß Stefan sehr wahrscheinlich ein Kind mit ADS + Hyperaktivität ist. Die Diagnose erfolgt in Kürze.

Ich hatte jedoch zwischenzeitlich die Schule bereits darüber informiert, da Stefan dort erhebliche Probleme mit Mitschülern und Lehrern hat. Gerade seine Ausbrüche haben in komplett ins Abseits manövriert. Sein Klassenlehrer hat in praktisch "fallengelassen" und ist wohl froh, wenn er den Störenfried nach den Sommerferien endlich los ist.
ADS wird nach meiner Meinung von dem Lehrer bzw. der Schulleitung ignoriert.

Gestern hatte die Klasse meines Sohnes einen Ausflug in den Tierpark geplant. Nachdem Stefan vor der Fahrt wieder Streit mit einem anderen Kind bekam, der in einem lautstarken Wutausbruch endete, hatte der Klassenlehrer ihn einfach beim Hausmeister der Schule abgeliefert, wo er ganz alleine den kompletten Vormittag verbringen durfte. Er muß fürchterlich geweint haben. Nur leider konnte er sich absolut nicht mehr daran erinnern, was er überhaupt angestellt hat.

Ich habe deshalb mit Erstaunen den Beitrag von Iris gelesen, wonach sie von der Klassenlehrerin erst auf ADS aufmerksam gemacht wurde. Wo gibt es solche Lehrer?

Nun meine Frage:
Wenn eine endgültige ADS-Diagnose vorliegt, sind die Lehrer dann verpflichtet, mit Therapeuten und Eltern zusammen zu arbeiten?

Wie kann ich vorgehen, wenn die Lehrer sich weiterhin so ignorant verhalten?

Hat das Kind Anspruch auf eine Extrawurst im Unterricht? (Mit Extrawurst meine ich ablenkungsfreien Sitzplatz in der Nähe der Lehrerin usw.)

Morgen ist Zeugnisausgabe. Dann will ich den Lehrer zu dem Klassenausflug natürlich zur Rede stellen. Wäre toll, wenn ich eventuell bis dahin einige Antworten zu meinen obigen Fragen hätte. Im Augenblick fehlen mir nämlich vernünftige Argumente. Ich bin einfach nur unglaublich wütend.

Es grüßt Euch

Kiki

Antworten:

Hallo Kiki,

ich selbst habe das absolute Glück, dass meine Tochter (7) einen suuuppper Lehrer hat.

Er hat sich schon mit ADS beschäftigt.

Von den anderen hier, weis ich, dass die Zusammenarbeit mit den LehrerInnen oft nicht so gut klappt.

Aber was du machen kannst:
- erstmal die Diagnose
- informiere dich selbst so viel und gut, wie du kannst (das gibt bei Problemen Sicherheit)
- gib den Lehrern Infomaterial (auch die müssen dazulernen)

Versuchs mal mit diesem Link [158.64.44.253], da stehen schon gute Tipps für Lehrer drin.

Viele Grüße
Susi

von Susi - am 28.06.2001 08:25
Hallo Kiki,

ich fürchte viele LEhrer sind so......ok, ich geb zu ich habe eine LEhrerallergie ;-)

Soweit ich weiss gibt es keine Verpflichtung mit den Eltern zusammen zuarbeiten...entweder sie tun es oder nicht:-( Ist bei Legathenikern auch icht anders wobei die Förderunterricht bekommen können wenn machbar, das ist irgendwo geregelt.....

Am besten du fragst beim SChulamt nach.

Viele Grüße
Petra

von Petra - am 28.06.2001 08:32
Hallo Susi,

danke für Deine Antwort.

Ich hatte dem Lehrer und der Schulleitung bereits einige fotokopierte Seiten über ADS überlassen. Ob diese überhaupt gelesen wurden, kann ich leider nicht sagen.

Vielmehr hab ich das Gefühl, speziell der Klassenlehrer glaubt, mein Mann und ich würden uns hinter ADS verstecken, weil es ja um so vieles einfacher ist, Stefans Verhalten auf eine Krankheit zu schieben, anstatt unser Erziehungsversagen, unsere Bequemlichkeit härter durchzugreifen, zuzugeben.

Gruß
Kiki

von Kiki - am 28.06.2001 08:44
Hallo Kiki,

ohne Diagnose hast du ausgesprochen schlechte Karten. Es ist ja soagar verständlich, dass Lehrer ADS erst einmal für eine Ausrede halten. Das kann sich aber ändern, wenn wirklich eine Diagnose erstellt wird, zumal die Klassenlehrerin meistens einbezogen wird.

Konkrete Rechte hast du leider auch dann kaum. Wenn Lehrer ein Kind nicht zu Ausflügen mitnehmen, weil sie das nur mit einer zusätzlichen Aufsichtsperson verantworten könnten, dürfen sie das mit oder ohne ADS.

Das Kind hat auch kein verbrieftes Recht auf einen Sitzplatz vorne. Aber auf solche Dinge lassen sich viele Lehrer trotzdem ein. Es kann auch hilfreich sein, wenn die Lehrerin kontrolliert, ob das Kind sich die Hausaufgaben aufgeschrieben hat. Natürlich ist es sinnvoll mit dem Lehrer zusprechen, damit alle an einem Strang ziehen. Schuldzuweisungen an die Lehrer bzw. an die Eltern nützen dem kind mit Sicherheit nicht.

Wenn ihr auch Leistungsprobleme habt, darf das Kind am Förderunterricht teilnehmen, sofern welcher angeboten wird. Außerdem kommen schulische Wahrnehmungsgruppen und ähnliches in Frage. (Aber Vorsicht, Mandalas malen und Traumreisen unternehmen gehört selten zu den Lieblingsbeschäftigungen unserer Kinder,)

Wenn ihr Glück habt, wird das Sozialverhalten schnell besser, wenn das kind behandelt wird. Dann lösen sich etliche Probleme von selbst.

von Mimi - am 28.06.2001 08:54
Hallo Mimi,

danke für Deine Antwort, auch wenn sie sehr frustrierend ausfällt.

Ich wünschte, ich könnte den Termin der Diagnose beschleunigen (habe bereits einiges dahingehend versucht), aber die langen Wartezeiten sind wohl nicht zu ändern.

Ich bin im Augenblick wohl zu deprimiert, weil nichts schnell genug vorwärts zu kommen scheint.

Es macht mich traurig, wenn ich sehe, wie Stefan
- von seinen Mitschülern als "Trottel" und "Versager" bezeichnet wird,
- sich versucht Freunde zu kaufen, indem er sein Taschengeld verschenkt,
auch dafür wieder nur ausgelacht wird und trotzdem den anderen Kindern
gegenüber nicht böse ist,
- sich absichtlich mit einem Messer in den Finger schneidet, in der Hoffnung
von den Hausaufgaben befreit zu werden und nicht zur Schule zu müssen.

Ich würde ihm so gerne so schnell wie möglich helfen, aber das wollen die anderen Eltern ja auch und so heißt es warten, warten, warten.

Schön, daß es so eine Stelle wie dieses Forum gibt, wo man sich auch als Erwachsener einmal ausheulen kann.

Danke !!!!

Kiki

von Kiki - am 28.06.2001 09:55
Unser dritter Sohn ist unser zweiter mit ADS. Beim ersten Mal bin ich nicht dahinter gekommen und keiner hat etwas gesagt, schon gar nicht die Lehrer, die oft nicht einmal wissen, dass es so etwas gibt. In unserer Schule unterrichtet auch der Rektor und zwar in der fünften und sechsten. In der dritten und vierten hatte Tobi einen sehr verständnisvollen jungen Lehrer, für den er nahezu alles getan hätte. Das hat ihm enorm geholfen, zurechtzukommen. Aber dann kam er zu besagtem Rektor, den auch schon unsere Ältester hinter sich hatte. Innerhalb eines Jahres stand er kurz vor dem Sitzenbleiben und ich verstand die Welt nicht mehr, weil er doch in allem so aufgeweckt, interessiert und intelligent schien. War ich nur eine "stolze" Mutter?
Im Grunde muss ich diesem Lehrer dankbar sein, denn dadurch wurde ich gezwungen, etwas zu unternehmen. Im Laufe von zwei oder drei Jahren hatte ich immer wieder etwas von Hyperaktivität und so gehört. Also suchte ich einen Psychologen und fand einen guten. Von da an ging es aufwärts, was die schulischen Leistungen anging. Allerdings nicht, was das Verständnis des Lehrers anging. Er ist gradlinig im wahrsten Sinne des Wortes. Für ihn gibt es wohl nur "normale Kinder", die funktionieren, wie er sich das vorstellt. Aber wir haben ihn überstanden und nun hat Tobias eine nette Lehrerin und wechselt in einen Zweig der Realschule -was allerdings nicht ohne Ritalin zu bewerkstelligen war. Und ich weiß nicht, wie es damit weitergehen soll.

von Kristiane - am 28.06.2001 10:55
Hallo Kiki,

es tut mir leid, dass ich dich so frustriert habe. Die Rechtslage ist wirklich bescheiden, aber viele Lehrer sind wirklich sehr kooperativ, sobald die Diagnose vorliegt.

Max (1. Klasse) hatte auch ähnliche, aber nicht ganz so gravierende Probbleme. er hat die anderen ständig beim Lernen und Spielen gestört, deshalb wollte keiner etwas mit ihm zu tun haben. Gerade das hat sich aber zum Glück sehr schnell geändert, sobald er Ritalin bekam.

von Mimi - am 28.06.2001 11:21
Hallo Kiki,

ich selbst habe von zwei unabhängigen die Diagnose ADS+H bekommen. Ich bekam zwar ein "bedauerndes" - "tja das lässt sich ja dann wohl nicht ändern", aber irgendwie wird das trotzdem völlig ignoriert.

Ich weiß von einer Mutti bei mir aus der Schule, die die gleichen Probs hatte, Infomaterial hat da auch nicht geholfen. Sie ist dann in die Schulkonferenz getobt und hat sich dort mal mit klaren Worten Gehör verschafft. Aber auch sie hat immer noch mit der Ignoranz zu kämpfen.

Bei meinem Sohn ganz zu schweigen.
Aber ich muß zugeben, daß ja selbst ich Probs habe damit klar zu kommen, weil ich selbst ein sehr impulsiver Mensch bin und leicht aufbrause.

Aber ich habe festgestellt, die Ignoranz in der Umgebung nimmt langsam ab und ich finde sehr viel Unterstützung. Zwar nicht in der Schule, aber die Umgebung hilft auch damit fertig zu werden.

Marion

von Marion - am 28.06.2001 19:19
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